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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1920-01-01 · 1 (1920) · p. Seite 7

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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…/2707513-2707514--010-2707572
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Hermann Cohen. 7 Aber wir müssen es uns versagen, uns hier in diese letzten Abstraktionen und in die letzten Schwierigkeiten der Cohenschen Logik zu versenken, sondern wir wenden uns von hier aus sogleich zum religiösen Problem. Und wir werden jetzt die Analogie dieses Problems zu dem, was Cohen als das Grundpxoblem der Logik und der systematischen Philosophie überhaupt ansah, sogleich erfassen können. Auch das Religiöse bedeutet eine eigene, rein geistige Auffassung des Seins; aber auch seine Geistigkeit tritt nicht sofort, nicht unmittelbar hervor, sondern sie ist in all seinen geschichtlichen Erscheinungen noch gleichsam gebunden im Sinnlichen. Denn alles Religiöse wurzelt im Mythos und spricht, in seinen ersten historischen Formen, noch durchaus die Sprache des Mythos. Diese Sprache werden wir nicht gering achten dürfen, ist doch auch sie ein bestimmtes Organ des Weltverständnisses, in dem uns eine eigene Funktion der Phantasie entgegentritt, die der künstlerischen Phantasie nahe verwandt ist. Der allgemeine Charakter des Mythos aber besteht darin, daß er ein Geistiges ahnt und sucht, daß er es aber nicht anders als .in der Form des Sinnlichen, in der Form des Bildes auszusprechen vermag. Die Welt ist jetzt kein totes Aggregat von Stoffen, kein Ganzes mechanischer Bewegungen— sondern sie ist der Schauplatz eines unendlich reichen und vielfältigen geistigen Lebens. Diese Anschauung des Seins in der Form des Lebens verdichtet sich dem Mythos zu einem Spiel seelischer Potenzen, zu einem Kampf göttlicher und dämonischer Kräfte. Und auf diesem Grunde entsteht nun die Götterwelt des Polytheismus, wie sie ihren reinsten Ausdruck in den „Göttern Griechenlands" gefunden hat. Es ist die Natur in der Mannigfaltigkeit und Fülle ihrer Einzelgestalten, die hier unvermittelt in den Bereich des Göttlichen versetzt und erhoben wird. Die kosmischen Kräfte: den Äther, das Licht, die Sonne, aber auch jedes besondere Dasein der Natur, jeden Baum, jeden Strom und jede Quelle erfüllt der Mythos mit dem Gehalt des Lebens d.h. mit unmittelbar göttlichem Gehalt. Mit dem Griechentum scheint freilich diese mythisch-ästhetische Form des Göttlichen zu versinken. Die moderne Zeit hat die griechische Götterwelt oft elegisch zurückgesehnt, ohne sie doch aus sich selbst und ihrem eigenen Prinzip erneuern zu können — von dem ,,lebenswarmen Bilde" der griechischen Götter bleibt ihr, wie der Dichter klagt, nur das Gerippe zurück. Aber sie hat nun ihre ästhetisch-religiöse Sehnsucht in einer anderen Form, in der Form des Pantheismus verwirklicht. Auch für den Pantheismus ist die Natur der Träger göttlichen Lebens; aber nicht mehr die Besonderheit ihrer Einzelgestaltungen, sondern ihre Totalität und ihre Gesamtform ist es, worin sich das Göttliche offenbart und ausdrückt. Das Ganze der Natur: das ist der Gottheit lebendiges Kleid. Auch in der jüdischen Mystik hat dieser Pantheismus eine entscheidende Rolle gespielt, bis dann in der neueren Zeit ein jüdischer Denker es war, der ihm seinen vollendeten systematischen Ausdruck geschaffen hat — bis Spinoza die Gesamtheit der Philosophie in die Formel ,,Deus sive natura" zusammenzudrängen versucht. Im ganzen jedoch ist freilich die Grundform der jüdischen Religiosität, die Form des Monotheismus im schärfsten Gegensatz und Kampf gegen den Polytheismus und Pantheismus erwachsen. Und was ist nun der ideelle Kern dieses Monotheis-

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