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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1920-01-01 · 1 (1920) · p. Seite 5

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707514--008-2707570
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Hermann Cohen. 5 Blicken wir von hier aus sofort zu Kant hinüber — so brauchen wir hier aus dem Ganzen seiner Lehre nur einen fundamentalen und wesentlichen Zug herauszugreifen, dessen Bedeutung und Fruchtbarkeit erst durch Cohens Kant-Schriften zu wahrhaft allgemeinem philosophischen Bewußtsein erhoben worden ist. Auch Kants Lehre beruht auf jener Umkehr des Verhältnisses von Wahrheit und Wirklichkeit, wie sie sich zuerst bei Piaton vollzogen hat. Auch für ihn soll sich nicht die Erkenntnis nach dem Gegenstand „richten" und ihn so, wie er an sich ist und besteht, hinnehmen und abbilden: sondern der Gegenstand soll sich, als Gegenstand der Erscheinung, nach dem Gesetz der Erkenntnis und nach ihren spezifischen Geltungsformen bestimmen. Diese Formen — wie Raum und Zeit, Größe und Qualität, Substantialität und Kausalität — bilden die apriorischen, d. h. die allgemeinen und notwendigen Bedingungen aller Erkenntnis und damit die Bedingungen für jede Setzung von Objekten. Aber über den Sinn eben dieser Apriorität selbst entbrennt nun der Streit der Schulen und der verschiedenartigen Kant- Interpretationen. Als Cohen mit seinem ersten Werk, mit der Schrift über ,,Kants Theorie der Erfahrung" v. J. 1871 in die philosophische Literatur eingriff, da stand auch bei denen, die gleich ihm die „Rückkehr zu Kant" forderten, eine bestimmte Auslegung fest, nach welcher die apriorischen Begriffe und Grundsätze Kants als psychologische Grundbeschaffenheiten des menschlichen Gemüts verstanden wurden. Aus der „psycho-physischen Organisation" und ihren Gesetzen sollte die Form der Wissenschaft und mit ihr die Form der Gegenstandserkenntnis erklärt und abgeleitet werden. Cohen hat diese Auffassung beseitigt, indem er den logischen Zirkel aufwies, in welchen sie sich notwendig verstrickt. Sie verfällt, wie er zeigt, wieder dem Grundfehler der naiven Welt- und Dingansicht: sie will die Wirklichkeit „erklären", d. h. auf einen tieferen und verständlicheren, auf einen „intelligiblen" Grund zurückführen, und sie sucht andererseits doch eben diesen Grund wieder nur in einem Teil der Wirklichkeit selbst. Wären die apriorischen Begriffe, in denen Kant die „Möglichkeit der Erfahrung" begründet sein läßt, nichts anderes als psychologische Anlagen und Dispositionen, als zwangsläufige Bahnen, die dem menschlichen Anschauen und Denken kraft seiner Organisation vorgeschrieben sind, so wäre alle angebliche Notwendigkeit, die das Denken behauptet, vielmehr in bloße Tatsächlichkeit aufgelöst. Und da jede empirische Tatsache prinzipiell der empirischen Veränderung zugänglich ist, so stünden wir wieder mitten in jenem Strom des Werdens, aus dem die Wissenschaft, nach dem strengen transzendentalen Begriff, den Kant von ihr ausgeprägt hatte, uns herausheben sollte. Daß er diesen Begriff, daß er den Gedanken der „transzendentalen Methode" erneuert und ihn mit einer Energie, wie nie zuvor, in den Mittelpunkt des kritischen Systems gerückt hat: das ist das entscheidende Verdienst, das Cohen sich um die Kantische Lehre erworben hat. Wir können uns — so wurde jetzt gezeigt — niemals des Grundes der Geltung der Gesetze und Kategorien der Erkenntnis versichern, wenn wir statt von der logischen Analyse der Erkenntnisse selbst, wie sie in der Wissenschaft, insbesondere in der mathematischen Naturwissenschaft, vor uns liegen, von irgendeinem psycho-

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