Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 20 (1922)
- Issue
- Heft 35 (15.12.1922)
- Date
- 1922-12-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Sehe L. Nr. 3& der preußische Minister Seoering folgende» ausführtr: Auch die Regierung meint» daß hier ein ernstes Problem vorliegt, aber von Stimmung und Berstimmung dürfen wir uns hier nicht leiten lassen. Zeitungen und Bersammlung»- rednrr. besonders rechtsradikaler Organisationen, machen die Juden für alles wirtschaftliche und politische Elend veiantmortlich. Aber dafür sind nicht nur jüdische Elemente, sondern auch waschechteArier verantwortlich. Sie sinh allzumal Sünder. Di- Regierung und die Volksvertretung sind oerpflichtet, sich auf einen rein sachlichen Boden zu stellen. Jüdische Zeitungen berichten, die ungarische Regierung beabsichtige, eine große Anzahl Juden auszuweisen, und es heißt, es werde ein großer Teil der Ausgewiesenen sich nach Preußen wenden. Ich möchte an dieser Stelle den BLker» bund darauf ausinrrksam machen (Lachen rechts), daß Deutsch, l.ind und Preußen diesen Flüchtlingsitrom nicht aufnehmen tonnen. lZustimmung rechts.) Ich hasche nicht etwa nach dem Beifall des Auslandes, aber wir Hoven auf das Ausland gebührende Rückiichr zu nehmen. ^Sei Zunahme der Arbeitsiofigtcit werden wir in einigen Jahren Millionen von Ari.eitern zur Auswanderung gezwungen sehen, «ir dürft» nicht durch Härten uns das Odium der Barbarei zuzichen. (Große Unruhe rechts.) Das Problem hat auch noch eine nrnfchliche Seite. In feineiG..Nathan" (Lachen reckts) zeigt Lessing, daß wir uns nicht zuerjt als Christen, Juten oder Mohammedaner» sondern als Menschen erkennen müssen. (Lebhafter Beifall links. Unruhe rechts.) Der Preußische Landesverband gegen die Sewisiensoergewaltigung in Sachsen. Einer Preßnotiz zufolge hat die Sächsische Unterrichts» oerwaltung auf Grund einer Verordnung, die für Lehrer und Schüler die Unterrichtsbesreiung an staaNich nicht anerkannten Friertagen ausnahmslos verbietet.' mehrere jüdische Schüler, die an den diesjährigen hohen Feiertagen der Schule fernblieben. mit Karzer bestraft. Mit Rücksicht auf die prinzipielle, über Sachsen «eit hinausgehende Bedeutung der Angelegenheit hat der Preußifche Landesverband jüdischer Gemeinden bei dem Reichsministerium des Innern und dem Reichstag gegen die Dererdnung Einspruch erhoben und an den Reichsrag eine entsprechende Eingabe gerichtet. Zusammentritt de» Aktionskomitee». Die Exekutive der Zionistischen Organisation hat im Einverständnis mit dem Präsidium des A.-C. das Aktionskomitee für den 25. und 26. Dezember zu einer Sitzung nach Berlin einbrruftn. (Ziko.) Berlin. Cine Ausstellung oon Erzeugnissen de» jüdischen Kunstgewerbes soll Ende Dezember im Logenhause U. O. B. B. in Berlin, Kleiststraße 10. eröffnet werden. Die Ausstellung wird mit Subvention der Berliner Jüdischen Gemeinde veranstaltet, welche sich seit Jahren die Heranbildung tüchtiger jüdischer Kunstgewerbler angelegen sein läßt. Zur Ausstellung gelangen Arbeiten aus den oerfchiedenen Gebieten der Kunst und des Handwerks: Holz, Stein und Graphik. Malerei etc. Es werden sowohl Originalwerke als auch Entwürfe. Zeichnungen und Modelle gezeigt werden. Die Ausstellung soll nicht nur einen Ueberblick über den Stand der Leistungen jüdischer Künstler und Kunsthandwerker geben, sondern auch die Künstler durch die gebotene Berkaufsgelegenheit fördern._ ._a-ue Misch, presse__ Verlobung de» Exreichikauzler, wirst, mit einer 2üdln7 Berlin. Die rechtsstehende deutsche Presse richtet jetzt höhnische Angriffe auf den eben zurückgetretenen Reichskanzler Dr. Josef Dirth, weil er sich vor einigen Tagen mit einer jüdisch«, Frau verlobt habe. Die Braut des Dr. Wirth soll nach einer Mitteilung der Wochenschrift .Deutsche Republik" Frau Guttmann geb. Auerbach. die Stieftochter und Erbin des bekannten Bankiers und Börfenkönigs Hugo I. Herzfcld fein. Oesterreich ' Fortdauernde Exzesse der tviener ovllftmikfchen Sludeuleuschast. __ Wien (3. C. B.) Auch nach der Bellegung des Tiudentenit.cils in Wien setzen die antisemitischen Studenten ihre Manifestationen gegen die jüdischen Professoren und Studenten der Wiener tiniversität fort. Der Professor Tandler mußte feine medizinischen Doilesung einstellen. Eine Gnippe deursch-oölksicher Studenten drang in den Borlesesaal des Professors Fromme :in, störte die Borlefung. weil Professor Fromme auch jüdische Hörer zu seinem Kursus zugelassen hatte. Profeffor Fromme richtete gegen die Demonstranten einen Hydranten und zwang sir-auf diese Weift zum Rückzug. Tschecho-Äovakei Deutsche Antisemiten in s?rag Das ..Prager Tagblatt" meldet: Die deut'chnotionolen Abgeordneten Schollich und Radda haben in d?r Sitzung des Abgeorduetenhaufes vom 29. November einen Antrag auf Einführung des Numerus clausus an der Universität eingebracht. Der Antrag hat folgenden Wortlaut: „2>ie Regierung wird aujgcfordert, sobald wie möglich einen Gesetzentwurf vorzulegen, laut wel chcm an fämüichen Hochschulen für die Hörer und Lehcr jüdischer Nationalität der Numenrs clausus im Bsrhältnis der Bewohnerschaft eingefühlt wird." Der Antrag ist unterschrieben oon den Deutschnationalen. von den Nationalsozialisten und von den Clrristlichsczialen. Ter Antrag wurde voni Hause abgelehnt. Bon den Tschechen stimmte nur der Klerikale Mriflivetz für den Antrag, aber erst als Die Deutschnationalen an seinen An'iscmitismus appdüert und ihn an sein Versprechen, für diesen Antrag stimmen zu wollen, erinnert hatten. Der Appell an die Rationaldemokraten, für diesen Antrag zu stimmen, weckte nicht das leiseste Echo. Elve lüge für Me Prager Hetzer: Wie der Prager I. C. B.-BerichterfiaHer an maßgebencer Stelle erfährt, hat der tschecho-slowäkische Unterrichtsminister den akademischen Senat ter Prager deutschen Uni. oersität. der bei chm zwecks Intervention im Studentenstreik erschienen war. nicht empfangen wollen, well derselbe ohne Rektor Steinherz erschienen war. Der Senat erschien daraus nochmals mit Rektor Steinheiz an der Spitze im Unterrichtsministerium. Bei dieser Gelegenheit gab der Unterrichtsminister bekannt, daß er alle Mittel anwenden wird, um an der Universität Frrihett und Ordnung herzustellen. Polen Die Mischen- Abgeordnete» und Senatoren ln Polen. Die auf der Liste des nattonalen Minderheitsblocks in Polen und Ostgalizien gewähllen 46 jüdischen Abgeordneten und Senatoren haben sich in einem einhettlichen Verband, genannt Jlo(o Zqdowstie" konstituiert, dem die einzeln?« Mischen parlamentarisc? Klubs -- des Jüdischen Rctionalrates, der ostgatiz-iryrn Juden, der Szlome Emune Jisroe! und des zcrnrnlen kaufmännischen Vereins — angehören. Die Mitglieder sind in allen Fragen durch Mehrheitsbeschluß des Verbandes gebunden. Rur in den religiösen Angelegenheiten betreffenden Fragen haben die Mitglieder des Klubs der Szlome Emune Jisroel sich freie Hand vorbehattrn. tZiko.) Ela «euer jüdischer llatianalrat ln Palen. Rach Beschluß de» zeitweiligen jüdischen Rrti-aa.'nues in Polen sind am 28. November alle neuerwählten Adgeordneten und Senatoren, wie auch die Kand? » . -e-- >- gen Listen, die mindestens StX.0 Stimmen er : . .-r» zu einer Sitzung zufammgetreten. auf der beschloss. wurde. deß Oie erwähnten Kandidaten sich als neuer Nationakrat proklamieren. der sich arrch mit Vertretern der anderen jüdischen P-rleirn und Truppen betreffs Beitritts versrändigen soll. . . Die «sie Konferenz der jüdischen Akademiker in Polen. Dom 17. dis 2V. Dezember wird in Warschau die erste Konseren,; der jüdischen Studenten in Polen stat.finden. Die Wahlen erfolgen an: 10. Dezember, wobei ft 75 Akademiker unew-Deiegierten entsenden. Wahlrecht genießen ausschließlich die Mitglieder der jüdisch - akaaemischen Organisationen. (Ziko.) Holland Der holländische Aakerrichtsmtniper Dister über de» Zionismus. Slnläßljch her BorMrnng tzrs bekannten Palästina-, Films im Haag ergriff der der. Borführungbeiwohnende holländische Unterrichtsminister Tr. Liffer das Wort uild führte u. a. aus: .^Jch komme dem Wunsch Ihres Präsidenten, daß ich als Mitglied der Regierung das Wort ergreifen »nöge. sehr gern nach, weil ich die zionistische Bewegung als einen der schönsten Ausdriickedes wahren Rationalgefühls betrachte." Der Minister erinnerte des weiteren an seine Reifen nach Palästtn« vor ca. 20 Jahren und sprach die Hoffnung aus, daß die Juden der ganzen Wett den Zionismus und den Nationotfonds unterstützen werden» da gerade im Zionismus eine wahre . Vaterlandsliebe zum .Ausdruck kommt. lZiko.) Alliaaa und Seren hajeffed. Haag (I. C. B). In der soeben erschienenen Nummer 4 der Keren Hajeffod - Zeitschrift .Het Beloofite Land" schreibt der Präsident der A. I. U. Dr. B. Ascher in Holland u. a.7 ..Boa verschiedenen Seiten wird die Frage an müh gerichtet, was ich» als leidenschaftlicher Anhänger devon der Alliance verfochtenen Emanzipationsgedankens. Mitglied des Kuratoriums des Keren Hajeffod werden konnte. Meine Antwort ist kurz und bündig: Nach wein« testen Uebeizeugung hat in dieser Zeit jeder Jude die unabweisbare Pflicht, den Ausbau Palästinas M fördern. Ich möchte durch dieses Beispiel alle Gesinnungsgenossen veranlassen, neben der Arbeir der Alliance an dem Aufblühen Erez Israels mitzuhelfen." England «ne Refolotto» de» Board of Sepufiec. Aus London meldet das I. C. B.: Im Zufammenhang mir der Kampagne gegen die englische Palästtna- Die Bede. An jenem Abend nach dem Gebet ging der Baalhem in seine Stube, zwei Kerzen wurden vor ihn geelll und das geheimnisvolle Buch der Schöpfung mit «deren Büchern auf den Tisch gelegt. Dann wurden i einem alle vorgelassen, die seines Rats bedurften, „d er redete zu ihnen bis an die elfte Stunde. Als an einem Abend die Leute von dannen gingen, prach einer vcn ihnen zu seinem Gefährten, wie ihm ie Worte, die der Banlschen, an ihn richtete, recht wohl* e an Hütten. Der andere ober verwies ihm solches Gechwätz: sie hätten doch die Stube zusammen betreten ntb all die Zeit seither habe der Meister zu keinem als u ihm geredet. (Sin dritter, der dies horte, mischt? sich ächelnd ein: wie wunderlich sie sich beide irrten — habe loch der Rabbi den ganzen Abend ""t ihm -m oerravlichcs Gespräch geführt. Gle.cherwe,feließ sich ein iierter, ei» fünfter vernehmt,, endlich bekannten alle Mlcheinander. was ihnen widerfahren war. Doch 'chon m nächsten Augenblick versturnniten sie. Schülcrtum. Ais Rabbi Kalman, der Berfasier des melberühn' en Buches Licht und Soimc. noch ein funfiabrig., knabe war. »«steck." er sich nach «inderart unter d«n Dallit des betende,, Berditschewcrs und sak »' da. Lbcrhüllte Anllitz empor. Da lenkte l'ch b^nmnd' Kraft aus ih» "jeden, drang sem Herz und rrgr,s daran. Rach vielen Jahren führte Rabbi Elimelech dem Berdttschewer einige feiner edelsten Schüler vor und unter ihnen den jungen Kalman. Rabbi Lrvi Jizchak sah ihn an und erkannte ihn. »Ler ist mein", sagte er. Angst. Als die Ehaffidim zu ihm (Schni-ur Salman) zu fahren begannen und er zum ersten Male, zum Fenster hinavsschauend. die heranziehende Schar erblickte, entsetzte er sich und schrie: ..Was wollen sie von mir? Warum kommen sie zu mir? Was haben sie an mir gifthn?" Da sprach seine Frau zu ihm: ..Gen,ach. nicht zu dir kommen sie. sie wollen nur. weil du im Schatten des heiligen Maggids geweilt hast, oon ihm erzählen hören." Dann ist es gut", sagte er und beruhigte, fein Herz. ..erzählen, ja. erzählen will ich ihnen." Als er ober erst zu erzählen anfing, kennte er die Lehr: nicht länger verschlossen hallen. . üunskau»steUu«g Schäme» sFronkfurr a. All). Es hat schon etwa» zu bedeuten, wenn rin gereitter und längst anerkannter Künstler seine bishrrip« Kunstform sprengt und neuartige wohl hier und da bei ihm sck-m angedcutete Strömungen zur Auswirkung bringt. Öisuans mchrlinigrs Temperament ist zu oielfältig. als daß >s sich in eine klare und einseitige Formel rirfangen lies'» Gewiß, wir sehe», er kommt von E'-zanne. hak Fühlung den Modernfteit und zeigt neue Ansätze, die geschichtlich s. einfaeg einzuvrdncn wären. ^Aber die» ist inrividualtünsi'., risch so neben, '-ch'-ch nnd g.rr nicht ron ^>u:lch!:ggebender " edeutung. Weentlich bleibt: er hat dre Spannkraft, als Reifer sich wieder Nruartigem zu öffne», und hat genügend Tiefe und Pröbleinatik. noch längst nicht cusgeschöpst zu sein. — Plastisch bauen sich Stadl und Landschaft auf» Reaschen schreiten fast körperlich. Farbenflächen stehen nebeneinander, in bewußter Richtausrinanderbezogeiiheit. Ein MeMang: so ist die Wett, immer neu schillernd und -wig unfaßbar. Ein gewisser Illu. stonscharatter. der sich -rüher ins bewußt Sanfte und Harmonische ebnete, wirkt sich nun ins Greifbar-Materiale aus. in einer intensiveren und härteren WirNichkeit. Da» Brrbindende in der Komposition ist oft bewußt aufgehoden. als feien die Weltgepaüen nicht ilar. sondern jede in ihrer Eigenheit viel zu sehr beochrenswert und gar nicht;u übersehen. Vielleicht lönnte dies hn r auch «in wenig den geistigen Menschen hinter allem Werke deuten. — Zwei Schüler Si sin ans: Jakob Kranz und Sittah Goitein. Jakob Kranz zeigt nächtlich- Landschaften. Bildnisse und Graphik. Magisches Gerühl sucht nach feinem Ausdruck, zuwessen etwas spukend, lhearerhsft. In Allem doch suchenb, Abgrschlossenheit einer gärenden Jugend, brodelnder und auch phantastischer Weltbetracbtung. — Bei Sittah Goitein ist Alles ins Menschlich-Gesühlshaste verlagert: trotz der Jugend keine Metaphnsik und kein exzentrische» Dogma. Verschiedenartige Kunftrichtungen kllnpen an. man sieht, hier wurde vieljäitig gesucht und nicssättig um Eestallung gerungen. Nun gibt es leider immer noch Leute, die 'olche Biessall und mehrseitige Perlung als Mangel an Eharak.er und Zielsicherheit ansehen. Ji.rmcrhin. man bedenkeeine junge und durchaus werdende Persönlichkeit ist vorsichtig und geschn ackvoil genug, sich keinem künftlerift...-:: Prepr.n»m und kc »er einseitigen Idee zu nerschr.-iben.