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Neue jüdische Presse · 1922-12-01 · Heft 34 (1.12.1922) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 34 (1.12.1922)
Date
1922-12-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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ian- •! Die polnischen Dahlen und der „Ssradit“. - _ Wir hatten schon in unserer vorigen Stummer auf tas jo ganz im Gegensatz zu dem Verhalten deutscher Separatisten stehende Vorgeben der polnischen Agudah bei den Wahlen zum Seym hingewiesen. Unsere Bemerkungen. werden in der letzten Stummer des „Jsrael:i" nur bestätigt. Der Israelit glaubte es nötig zu baden, die polnische Agudah für ihr Wahlbündnis mir ton Zionisten entschuldigen zu müssen und zweifelt, ob riese ..das religiöse Prinzip der politischen Zweckmößigteir unterordnende Taktik den jüdischen Jntereffen r 'enr. Nur:, der ungeherire Erfolg bei den Wahlen hat l n ieten, daß die Taktik erfolgreich war. Wir begrüßen dieses Verhallen der polnischen Agudah. das einen prinzipiellen Bruch mit dem Separatio,.sprinzip bedeutet, und hassen, daß sie auch die Konsequenzen dein, Ausbau Erez Israels ziehen wird, denn wenn schon die Wahlen zum polnischen Seym Einigkeit erfordern, um wieviel mehr noch der Aufbau unseres Landes. Die Bevorir undung von Deutschland werden die traditionstreuen Massen auf die Dauer immer mehr entbehren können'. Das rMsrachi.Kchulwerk in «Lrez Israel. Der Rücktritt Dr. Schönfelds von der Aufsichisbebörde der Misrachischulen in Erez Israel gibt Anlaß zu folgenden Bemerkungen: Das Misrachischulwerk leidet wie alle andern lebenswichtigen Institutionen in Palästina, z. B. die .Hadafia". unter chronischen Geldverlegenheiten. Zur Bereinheiüichung der Geldsammlungen, und vor ollem zur Vermeidung einer Ertragsverringerung durch Zerspliiterung beim Sammeln beschloß die zionistische Institution. einen finanziellen Zentralapparat, den Keren Hajefiod, zu schaffen, der auch das Schulwerk speisen soll. Die Selbständigkeit der Schulen wurde dadurch in keiner Weise angetastet, und die mangelhafte pekuniäre Berücksichtigung der Schulen ist lediglich eine Folge der ^ncht genügenden Eingänge für den Keren Hajefiod. die eine sukzessive -Verringerung aller Einzelbudgetpostbn. auch das des Schulwerks, nötig machte. Unter solchen Umständen, die eine Fortführung des Schulwerks unter röglichen schwersten Behinderungen durch den Geldmangel für Herrn Dr. Schönfeld zu einem Martyrium für die'Idee machte, dem alle Palästtnapioniere unterworfen find» von Herrn Dr. Ruppin bis'zum jüngsten Abala — ist psychologisch der.Rücktritt Dr.. Schönfelds zwar leicht verständlich. Nichtsdestoweniger bleibt er außervrdenttich bedauerlich. Der Kapitän verläßt resigniert das Schiff, um es allein dem Kampf mit widrigen Winden und Wdlen zu überlasten Der Kampf für das religiöse Schulwerk in Palästina wird sortgefütat werden müssen, und jeder enrzelne rdigiöse Jude bat die Pflicht, sich daran zu beteiligen. Der Rücktritt Dr. Schöofelds kann weiter nichts bedeuten, als eine Alarmierung der öffentlichen Meinung zü Gunsten fces bedrohten Misrachischulwesens, das mit 4J0 Schulen ca. 3000 Schüler von der Volksschule bis zum Lehrerseminar umsaßt. Eine Beteiligung jedes einzelnen religiösen Inden daran ist eine um so dringendere Pflicht» als es. abgesehen van einigen Chadarim, keilte sonstigen Schulen in Palüsttna gibt, die sich die Pflege der jüdischen Gesetzestrodttionen zur Aufgabe gemacht haben. Denn sonst kann aus der Knfc. in der sich das Misrachisck>ulwerk jetzt befindet, das werden, was der „3sradi," frohlockend voreilig behauptet: ein Bankerott. Den Bemühungen von Männern wie Prof. Pick. Rabbiner Eitro». Dr. Lipschütz wird es mit Gottes Hülfe gelegen. den« Schulwerk auch aus dieser Krise heraus zu helfen und es zu neuer Blüte weiter zu führen. Dazu aber ist es nötig, daß jeder einzelne Jude in der Dia- >parn. der auf religiösem Baden steht, sich von der Kirchlurinpositij des Zsraelit" frei macht. Denn nichts hat der Opferwilligkeit für Palästina unter den religiösen Juden derartig Abbruch getan, lvie diese Politik der Bertleinerungskunst, die der .Lsraelit" feit der Balfourjetoratien geflissentlich treibt. Hätte der „Israelit" von der Energie, dis er der Bekämpfung des Zionismus widme:, auch nur den Neinsten Teil der Erweckung wahrer Zicnsliede gewidmet, so hätte die Agudah. die sich i« Schmähungen gegen den Misrachi nicht genug tun kann, schon längst ihrerseits dazu übergehen müssen. ihrerieit-i religiöse Schulen in Palüsttna zu unterhatten. anstatt dies dem mft dem ..Cherdn" belegten Keren Hajefiod zu überlassen. Wir hoffen, daß die Leser dieser Zeitung dem aus.Chanukkah an sie gerichteten Appell zl« Gunsten des Schulwerks Gehör schenken worden und ihren Beitrag für die Misrachischulen auf Postscheckkonto Joseph Wolf 46 978 überwcisep. Den Joseph. f -.Hum: die .ijetren Dr. cacfbeim, Hage», über ..Die brätsche Bewegung" und Rektor lleblenz über ..Das , bräiiche in Her Schule". An der Diskussion beiei «'".reu sich die Rabb. Dr. Kober und Dr. Earo. sowie!>,- Lehrer Nürnberg. Reinhard, Baun». Freimark u. a. Sämtliche Redner sprachen sich sür tatkräftige Förde einig des Hebräischen in Hans und schule ans. Die Versammlung war gut besucht und hat gezeigt, daß es dem Waad-Jbri geling:, das Interesse für das Hebräische in weiten, Kreise zu wecken. A. B. Rumänien Die Mische« Llinderhciksrechte in Rumänien. Der Versaffungsaüsschuß des rumänische«'. Parlaments hat die Jnartikutiening der Rechte der nationalen Minderheiten in Rumänien auf Grund des Friedensvcr:rages beschlossen. Der Zusatzantrag des Ministerpräsidenten Brcittanu. hier bei die Rechte der jüdischen Minderheiten noch ausdrücklich zu betonen, wurde angenommen. lZiko.» Türkei Die Orientkonferenz in Lausanne. Wie wir bereits berichtet haben, verlautet, daß die Palästina-Frage auf.der Orientkoriferenz in Lausanne überhaupt nicht zur Diskussion gelangen soll. Wem: : ichisdestcweniger der Präsident der Zionistischen Exekutive. Rahum Sokolow. sich nach Lausanne begeben hat, so geschah dies, well man — ganz besonders bei Verhandlungen mit Türken — stets auch auf Ueberraschungen gefaßt und vorbereftet sein nmß. Von Wichtigkeit ist die Mddung des „United Telegraph", wonach die Friedensbedingungen der Alliierten erkennen lasten. Laß-das englisch-französische Programm nur unwesentliche Konzeffionen an die Türkei varsehe. Die Bedingungen enthalten auch folgenden fiir uns wichtigen Punkt: Die Mandate über Mesopotamien. Syrienund Palästina bleiben aufrecht. Dagegen lauten die aus türkischer Quelle stammenden Nachrichten recht widersprechend. So berichtet der Moskauer Korrespondent des .Dbseroer". daß der Verreter der Angora-Regierung, Asis Bey, u. a. erklärt habe, daß Palästina und Mesopotamien außerhalb der auf Grund der Vereinbarungen mit Frankreich festgelegten Grenzen der Türkei siegen. Dagegen hat der hauptdelegieneder Angora-Regierung in Lausanne. Jsmel Pascha, Vertretern der Pariser Presse erklär:, die Türken würden aus den in, ..Nationalen Tag" von Angcra niedergelegten Forderungen bestehen, die u. a. auch die Forderung einfchließen. daß die arabischen Länder, die früher zur Türkei gehörtest ihr uneingeschränktes nationales Seldstdestiminungsrecht erhalten. I» ilcdereinsttinmung damit steht' eine weitere Meldung, die berichtet, daß die Türken, sür Syrien. Palüsttna und Mesopotamien ei» Referendum Vorschlägen werden. Nicht uuirnereffant ist die Meldung des „Jswish Croricle". wonach die Angora-Regierung den Chief Rabbi der Türkei aufgefordert habe, die Juden der Türkei.zu leeinslujsen. die Uedergabt des Palästina-Mandates a» die Tüi tei zu fordeni. Der Chief Rabbi zog sich aus der Klemme, indem er darauf hinwies, daß das Rabbinat sich bloß mit lesigiöfen Fragen zu befassen habe. ' lZiko.) Der gewesene türkische Großrabbiner als Unterhändler der Angora-Regierung. London. 15. November. (I. C. B.) Der frühere Hauptrabbiner der Türkei', RabbiChaim Nahum Eftiidi. ist auf der Reise nach Lausanne zur nahen Osten- »ci ferenz in London eingetroffen. Er wird in Lausanne als PrivatnraPt wellen, aber in Wirklichkeit als der Ratgeber der kemosisti'chen Delegation und als inossizieller Vertreter der Angara - Regierung fungieren. Thai», Rahum Efendi führt gegenwärtig in London mit de: englischen Regierung Unterhandlungen über deren Verständigung mit d-r kenialistischcn Regierung. 'crüchte besagen, daß Stahum Efendi zum türkischen Botschafter in Washington ausersehen sei. woer vor kurzer Zeit z« Besuch geweilt hat. FniMirter Beridrte. Dr. Sußmann «Kronibachcr s. A. je*: '.zzh-nx Im gleichen Alter wie nach der Ueberlieserung sein Namensbruder Sa:nuel. in der Mitte der Jahre, «vurde Dr. Grombacher von uns-genommen,-er ift »>'<<' vor Ablauf des Trauerjahres seinem Siudieng^.u.. und guten Freund Stadel ms Grab gefolgt. Aus gin jüdisiltki» Haus siaimiienü. war er 1N71 in Hüffen Hordt, ■inem lodinbeii Dors. geboren tind wurde sinh den: Rabl im l bei ui bcftiiumr. Als Kind tarn er nach Koilsruhe. lim das Gymiirsium zu besuchen und gleichzeitig den Gini'.dstock zu keiren: jüdischen 'Wissen zu legen.: Er solid gute Ausnalnne bei Lehrer»! wie Dr. Schisser und Meyer-und in dem gastlichen Heim oo» Sa.nuel Strauß. Zon da bezog er RaK'iuersemiuar und liniversitär zu Berlin, und der Kreis des Seminars wurde seine gki- , ftige Heimo:. Wehl leiste dainols schon der Entschluß.^ den» praktischen Rabbinat zu entsaget'., denn ihn er- 1 schreckte die Möglichkeit, unter Umständen Politik :>»d.' Diplomatie i»il all ihre» Koniproiilissen treiben zu foh len. Aber er blieb der einmal erwählten Fahne treu zog > och Beendigung seiner Suidien .zuelst nach .Halber stadr. um zu de» Finze» Auerbachs seine laliuudischen KenrlNlsse zu erweitern, dann nach Fratikfllrk, wo erbe! Markus Horovitz und Jacob Posen lerme und sich in Flelliid'chosl mit deute noch in voller Kraft tätigen! Männe''» veiband. . Kleichzeirig n»-! terrichreie er an der Religionsschule und fand hier seinen Berus und feilte Beriisni'g. Jiu Jahre 1901 wurde er m tet -ahlreichen Beivelbern .Zinn Direktor der Stell gicnsschule in Straßburg enmmit, und von diesem Zeit puntl an begann eine in ihrer Fruchtbarkeit noch sicht bor foriwirkende »nnsassende Tätigkeit als Organisator und Lehrer, die sich über 19 Jahre erstreckte. Eine gleich' gestimmte Galln, und prächtige Kinder schufen ihm das glückliche Heim, von dnn aus er in die Weite wirkte. Der große Aufschwvi'.g, den der Religionsunterricht in- Straßburg in diesen zwei Jahrzehnten nahm, das wie-i de:belebte Jrnerefle ein Judentum in ben Kreisen Juge»id - dies war ganz sein eigenes Werk.. Dazu koch eine ausgebrestete Tätigkeit, in der Loge, an der er mi besonderer Liebe hing, und im SLohlfadrtswesen d Gemeinde und Stadt. Dann kam der Krieg und das böse. Ende. Er s sein Lebenswerk .zusmnmenbl echen und verlieh i ..wunderschöne Stadt", die da»nals fiir alles Deutsche ungastlich wurde. Das gleiche Schicksal hat"'Tousenüi getroffen, aber er gehörte zu denen, die sich, nicht öhni Weiteres uutstcllen tonnten. Anfangs. 1920 siedelte noch Frankfurt über und wurde zum Leiter der neug'tz gründeten Zentrale für jüdische Wohlfahrkspflegk rrannt. Er machte sich.mit voller Hingabe an die'neui Aufgabe, utid der geiaue Beobachter allein weiß. wa§ er in de» zwei Jalueu in ausreibeudsier Aibeil geschar i-u u: d geleistet hol — llvtz oller sachlichen Wid-ersläu und gelröiit'Ien Eitelkeite»t. Leine ruhige nur aus Sachliche gerichtete Ar: verstand es nur. zu lehr, ei Sache zu dienen, auch wenn seine Person dabei leiden hatte. : Nun ist et plötzlich, wie von Gott geküßt, - o Leiden dahingegai.gen, Haus und Familiechyd Fbemi, sind verwaist. Was mür es. das diesen Mann zu'eiNe so ausgezeichneten und vielgeliebten machte? Es die Wahrhastigkeit und Reinheit feines Herzens.-die bedingte Treue gegen sich u»rd die andern. Dos , zuerst die Kinder, seine Schüler, imd dgruire hing-n si ihm an. dos fühlte jeder, der in seine Nähe "koch. Seit Wort war -o wahr imb sein Wollen so xein.' daß eiy besondel e Wörme, ron ihm ausströhste. Wie'sein Hall in Straßburg und-hier dank ihm ü»id'seinerliebenzj werten Frau ver gastsiche Mittelpunki^füOSchriktzr un! Studierende, Fremde und Fteunde war.^so muß m W selbst etwas von einer gemeinschaftbildeyden Kraft g' lebt, haben, die. durch sich allein wirkt uuh ihren.Träge ohne daß er es weiß noch'will, zum Vorbildnacht. <jj tonnte lehren und helfen wie wenige, kein Falsch n« in. ihm und nichts Gezwungenes, .frtne- Gelehrsämke trug er nicht zur Schau, und tiefe Frömniigkeii h-iliH sein Leben.;; Nun ist er. wie der Prophet es sagt,' eiiigegatlgr rum Frieden, er. der in Gerechtigkeit 'wandilie". M n einen u.n ihn wie um den besten Bru ' .-r und de», treDi s:-n Freund und fömien nichts anderes'nichr' tun. a ihn ewig lieben ui d ihm ewig danken. ' ' - A ' , * %''■■■ . .. -Z $ . _ _ . Aüf^ dech Fri hrf sprach zuerst Rabbiner Dr: I. H a r o v i tzder se kies ergriffen ein Lebensbilö des Entschlafenen zeichK Noch ihm sprach Herr Bernhard S i m o n für die M trale. Prof. Werner für die hermankr Eüh'ch-iA' Prof. R. D r e y f u tz sür die Straßburger' Fteu«de,> Schesfer sür die Zentrale für private Fürsorge:> die christlichen Wohlfahrtsverbände.' Dr. Hö-Werden Religionslehrrrverein, Herr Westerfeld für' Elto.-nbeirat des Philantropins. Dr. Mannheim die Sozialbeainten und Dr. Erich Fro mm für die St dentellhilfe. Aus allen Reden klang aufrichtige, hei auer .um de» nllznfriih Heiingegangen.irn. .ui»-

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