Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 20 (1922)
- Issue
- Heft 34 (1.12.1922)
- Date
- 1922-12-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sritr 2 Ht'in’ 3fii>i;dnpreffe N> 7.4. liege,, sollte, in alle» finanziellen Fragen selbständig zu entscheiden. Und obwohl der Vorstand zu dieser außergewöhnlichen Maßnahme bereits seine Zustimmung gegeben hatte, glaubte jedoch die Gemeindeverttetung. besonders aus verfassungsmäßigen Gründen eine solche Diktatur ablehnen zu müssen. Es ist schwer zu sagen, ob dieser sehr verantwortungsvolle Beschluß der Gemeindevertretung das Richtige getroffen hat. Man Hai nach einem Ersatz gesucht, und die Einsetzung einer Wirrschastskommisiion, von deren schnellerem Arbeiten wir ms allerdings nicht viel versprechen können, beschloffen. Wichtiger aber erscheint uns der Plan eines eigenen Steuerbüros. Man vergegenwärtige sich, daß infolge der langsamen Arbeit des Finanzamtes die Gemeindesteuern für die Jahre 1918—20 und 1920—21 auch Heute noch nicht definitiv berechnet werden können. Die rückständigen Steuern für diese beiden Jahre werden auf 10—12 Millionen Mark geschätzt, die. wenn sie jetzt endlich eingehen würden, höchstens noch ein Drittel der damaligen Zahlkrast besitzen. Dagegen ist für das laufende Geschäftsjahr, für welches die Gemeindebehörden wie bekannt 108 der Reichseinkommensteuer festgesetzt haben, noch gar keine Beträge eingegangen, und die Gemeinde sah sich genötigt, einen größeren Krem der Gemeindemitglieder um eine vorschußweise Zahlung auf diese Steuer anzugchen. Dieser Aufforderung ist. wie wir misten, auch in vielen Fällen entsprochen worden. Auch wir unsererseits rich-, ten an diejenigen, die bisher dieser Auf-! Forderung noch nicht nachgek.ommen sind, den sehr eindringlichen Appell, dem Notrufe der Gemeinde Folge zu geben..Denn die Lufrechterhaltung 8er kultuellen und kulturellen Aufgaben der Gemeinde ist nur dann verbürgt, wenn jedes Mtglied der Gemeinde sich für die Aufbringung der Mittel selbst für verantwortlich hüll. Für alle Einsichtigen stcht es daher außer Zweifel, daß die Einrichtung eines solchen Steuerbüros eine der dringlichsten Aufgaben der Gemeinde ist, zumal feststeht, daß die Kosten, die mit der Einrichtung eines solchen Büros verbunden sind, kaum größer fein dürsten, als die, welche wir.jetzt abzuführen haben. Es wäre dringend zu wünschen, daß bei dieser Einrichtung keine wettere Verzögerung «»tritt. Um zu prüfen, ob bei den einzelnen Betrieben der Gemeinde Ersparnisse zu machen sind, ist außerdem vom Borftand und der Gemeindevertretung eine eigene Kommiffion eingerichtet worden, die naturgemäß deshalb nur langsam arbeüen kann, well sie sich selbst erst mit Lem Gang der einzelnen Betriebe vretraut machen muß, und dann erst beurteilen kann, wo etwa der Hebel anzufetzen wäre. Wir wollen nicht prophezeienaber es erscheint uns wirllich so, als ob diese Kommission zwar eine gewaltige Aufgabe zu lösen, ungeheure Arbeit aufzuwenden hat. aber wir zweifeln, daß bei diesen Untersuchungen viel wird herauskommen können, wenn die Betriebe der Gemeinde, vornehmlich also die Zuschußbctricke. wie Krankenhaus. Phllanthropin und dann auch die Beamtenbesoldungen in der jetzigen Ausdehnung und Gestaltung erhallen bleiben sollen. Dabei Zur Sidrah mrv xrar» Als Jakob und Esau noch im-Mutterleibe waren, sagte Jakob zu Esau: „Mein Bruder, zwei Söhne eines Barers sind wir und zwei Wellen stehen, uns offen. Diese Well und jene Welt. In dieser Well gibt es Speise, Trank und Handel, aber in jener Welt dies alles nicht, Nimm diese Welt nach deinem Willen, so werde ich jene Wett nehmen." In jener Stunde nahm Esau diese Welt für sich. Jakob für seinen Teil nahm jene Well. — Als Jakob aus dem Hause Labans kam und Esau sah. daß der Bruder Frauen, Kinder. Knechte, Mägde. Dieb, Gold und Silber befaß, sprach er zu ihm: ..Mein Bruder, sagtest du nicht zu mir. daß du jene Welt nehmen wolltest, und ich diese Welt, wie konmrt es nun, daß diese ganze Welt dir gehört? Warum bedienst du dich und erfreust dich der Dinge dieser Welt wie ich?" Da antwortete Jakob seinem Bruder: .Lies ist nur ein Teil des Vermögens, das Gott mir. meinen Bedürfnissen entsprechend, zum Gebrauch in tiefer Welt gegeben hat." — In dieser Stunde wurde Esau klar: Wenn Gott dem Jakob schon so viel von diesen Wett, an der er dach gar keinen Anteil hat. geschenkt hat. uni wieviel größer muß sein Anteil an jener Well sein, die er doch für sich gewähll. » *> 0 füll itr gejagt werden, daß neuerdings kostspielige Plc. ne für neue Dinge innerhalb der Gemeinde auftaua?>:, und diese vor neue unübersehbare Ausgaben stell-. Solche Pläne sind, wie wir sagen möchten, keine Phantasi-gebilde, die ins Leere hinein etwa aus Großmannssuchr gemacht werde», sondern sie entspringen oft «nein dringenden Bedürfnissedas. wenn irgend möglich, besriedigr werden müßte. Dies gilt ganz insbesondere von den. Plan einer großen Röntgenanlage, für welche aus freiwilligen Beiträgen eine erhebliche Summe aufgebracht worden ist. Ob die ruinösen Zeitverhättniste nicht auch noch dieses wichtige Projekt zu Falle bringen müssen, wird die nächste Zukunft bereits lehren. Hoffen wir, daß es gelingen möge, diese für unser Krankenhaus so wichtige Einrichtung, ohne daß dadurch die' Gemeinde stark belastet wird, erstehen zu sehem - ' Wir könnten an dieser Stelle noch inancherlei Vorschläge bringen, diie gemacht worden sind, um die Arbeit innerhalb der Gemeinde sttaffer zu gestalten, abn weder der Platz noch die Zeit erlaubt heute hierüber ein gehende Ausführung. So dürste es wohl am Schluß noch interessieren, in welchem Maße die Einnahmen und Ausgaben de.- Gemeinde im Ordinarium in den letzten Jahren gemach fen sind: Jahr Linnahmrn 11. Uiisuah llrbrrschiiß: Fchlbctrar. - i>cs tvxdinariunu 1.914/15 m. 937.854.39 60.62,., 11915/16 12i5.044.S6 \7 ,.,50.34 - [,9,6/,: 13,6.5,0.64 1,4 621.90 ,9,7 ,8 ,6^7-478.19 ,58.292.82 1.9,8/, 9 ' 2702.660-,8 571.«H>7..'.6 ,9,9/2" 4877.,38.49 275.484.67 Für das Geschäftsjahr 1920—21 und 21—22 liegen, wie wir schon oben erwähnt haben, die Zahlen heute noch nicht einmal fest, und wenn man bedenkt, daß die Zahl fiir das laufende Geschäftsjahr Mk. 80000000 weit überschreiten/dürste, so kann man sich eine Vorstellung machen, wie schwer die Aufgabe der Verwaltung der JsraAiüfchell -Gemeinde geworden ist. und mit welcher Sorge fie der weiteren Entwickllmg entgegensieht. Das darf uns jedoch nicht abhalten, festen Schrittes den Weg vorwärts zu/ gehen, den mir jür die Gemeinde eingeschlagen haben, insbe.vndere.alle Kräfte rege zu machen, denen das Wohl und der Bestand, unserer ollen ehrwürdigen Gemeinde am Hetzen liegt. Wir stützen uns bei dem Optimismus auf dasalle. ewig neue und ewig wahre Wort -bes Talmuds: En zibbur meß. w en zibbur vni! Einblicke in die Sozialverhältuiste im Alken Israel. Bon Dr. B. .M a y. (-sortsctzung) Die (Erhebung des Staates zu einer poliüschen und merkantllen Macht konnte natürlich nicht ohne' merkliche Veränderung, um nicht zu sagen ohne' gewisse Erschütterungen im -Lolkswefen vor/ sich gehen, die um so deullicher vor Augen gellsten wären, wenn nicht eine moralisch starke $erfönfi$tdt an bec Spitze gestanden hätte, lind wahrlich ohne seine Fehler beschönigen zu wollen, nein, geröde i n seinem Fehlenzeigtsich die ganz überragende.straf,, die diesem königlichen Manne eigen war. Man schaue sich um. unter den Machrbabern, des, Fürsten und Königen aller Länder, welcher von ihnen har nicht den Tod tausender von Menschen auf se n G« wissen gevonunen und mit dem Hinweis auf die „staaj liche Notwendigkeit" die egoistischeften Sinnenuyt Machigcliiste verbrämt. Und nun gar die orientelischesi Könige! Wie heißt es doch — was so viele feinfühlig, ncukestamentliche Juden auch nicht verstehen können ~{ bei Abraham und wieder bei seinem Sohne, als er nqij Eerar kam: Ich dachte, wenn ich sage es ist meine 3r£trwird man mich erschlagen'. Also hat mans doch ge! und — nie hätte sich der kleinste orientalische St könig wegen solcher Lappalie zur Rede stellen laste Auch David begehrt ein Weib! Das Weib eines feiW Krieger, des Ebeiiters Uria. Da die Begegnung Jj[ den, Weide Folgen zeitigte, schickt er den Mann, jeder Unannehmlichkeit zu entgehen, sozusagen in vordersten Schützengraben. Der Mann fällt, Darib h<! ratet nach der offiziellen Trauerzeit die Frau. Eine ul che Angelegenheit wäre an unseren Häsen mit d.'in M ständnisvollen Lächeln der Eingeweihten quittiert up mit der Verheiratung an einen mit „Borzug-pofH oder „Adelsdiplon," ausgestatteten Hofschranzen güH beigclegt worden. Nicht also im Alten Israel Swlz seiner Bclkslehre ist es ja und wird es blril mit dem unvergleichlichen'Gott den unvergleichlii Wert des Menschen selbst verkündet zu habe«, einen Menschen tötet, der ist so schuldig, als raenns eine ganze Welt vernichtet hätte', hier bei diesen, da ist der Mensch etwas wert, da wird jedes fyitys gewogen! Darum erfolgt kein höfisches Lächeln, dern es tritt der Gottesmann, ja der Mann ausH Volke Gottes hin vor seinen König, der auch al; nur Mensch bleibt, aber verantwortlicher, der €iiii keit und dem Rechte verpflichteter ist denn jeder arÜ und verlangt Rechenschaft für den ermordeten Mens' Und David, der König David, hörte er ihn an?/ man lese, was er hören mußte: Warum hast Du Wort gering geachtet und getan, was ihm rriHÄ Den Hethiter Uria hast Du mit dem Schwert und fein Weib hast Du Dir zum Weibe gen ' ihn selbst aber hast Dü durch das Schwert der niter ermordet! Run denn, so soll für irstinM! Schwert nicht aus Deinem Haufe, weichen zur S °Me für. daß Du mich verachtet und das Weib des^.')Ähj Uria weggenommen hast, damit sie //Dein Weib . So spricht Gott. Ich werde noch Unheil für sich deinem Haus erflehen lassen und werde dir deine Fr, vor deinen Augen wegnehmen und, sie einem überliefern, daß er im Angesichtder' Sonnig Frauen beiwohnt!. Denn wenngleich du es hei, tan hast, werde ich doch diese Drohung äugest ganz Israel und angesichts der Sonne ausführe David, der König David, wie nahm er das alll Also heißt es weiter: David sprach zu Rathan:/Dch gegen Gott gesündigt! Man zeige, uns in-MH literatur und ihrer.Geschichte eine. Parallele: /M: Stelle! Wo. bei welchem gewöhnlichsten Mi scheu, geschweige denn bei welchem König ist recht, das er einem Menschen angetan, ist da.';., um den Wert des Menschen so zum Ausdruck geki Reise naäj Osten lschlnß») Das Bemerkenswerte an diesen Institutionen, das, was einen trotz allem staunen macht und Freude gewährr, ist der Ausdruck des Lebens, der Kraft und des Selbswertrauens, der in all dem fuh offenbart. — Dos macht die Arbeit stark und befriedigend für den Willen des Sckaffenden. daß er . gewissermaßen neu alles schaffen rann, daß die Leistung wirllich das Gesicht des Leistende". trägt und ihn zur rechten Wirkung gelangen läßt. — Naturgemäß gibts auch hier Widerstände, aber das hier so oft e »tretende Gefühl von-der inneren Unfruchtbarkeit der Arbeit, der verschwenderischen Hingabe von Kraft an eine uns doch oft recht fremde Wett, das fällt dort weg. Dazu kommt das < Leben im jüdischen Volk selbst mit seinen für uns oft abstoßenden und anziehenden Zügen, das vor allem eine ttefe Hingabe, eine selbstlose Einordnung, ei» Untertauchen im ganzen verlangt. Für manchen von uns hier bietet sich dort noch Arbeitsmöglichleit. Gerade zufällige Erlebniste sind es, die einenr vom Wesen der Gesamtheit mehr vermitteln, als lange theoretische Studien, und ein Bück in das Gesicht eines Menschen sagt Bedeutenderes als viele Bücher über die Psychologie des Ostjuden. — Wem, im Beth-hamidrasch vor dem Ausheben plötzlich zwei Männer geg>. „leinen" protestieren, falls die Regelung des Mikwehbans nicht vorh ,Aorstantz" im Minne der ,»Pr^' erledigt werde-. dann. eine große Deba!te. dani siehbeide. Parteien mit all ihrer zur- Versu pH hrnden Redekrast aufeinander losreden und ff schließlich der Vorstand naihgibt, den» es mp' „geleint" werden, fo besagt diese Szene^Hber fassung von „Leben und Synagoge" mchr und res, als das viele Abhandlungen' über das B sein der Demokratie bei . 8er Maste der Juden ' ihursprüngliches Gleichheitsgefühl b'-n: Sh sollen auch diese Zeilen. nur dazu ani einmal, sei es auch auf.llwze Zeit, y'ach dem W fahren. Roch immer ist er das Reservoir unserW! und die Basis unserer-Zukunft:-—:/j;] Der Scheitel als Schdduugrgruud. '' Das Oberlande-^ericht Wien als Berufne hat die Entscheidung gefällt, daß die Einhalü giöser Vorschriften^ sofern sie nicht von stäatll' schristen verlangt werden, einen Ehescheidu» bilde. Die Kaufmannsgattin Jofesine P. bxäh ihren Gatten Theodor P. beim ZivillandssMD Ehescheidungsklage ein, in der sie anführte- -it habe bei der Eheschließung zur Bedingung gch» lle sich das Haar ganz, abschneiden laste unM rücke trage. Da es eine Liebesheirat war.häi , n er religlöfen Vorschrift gefügt. Als ahetzH j vachwuchs, weigerte sie sich, es abermals sihaf