Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 20 (1922)
- Issue
- Heft 34 (1.12.1922)
- Date
- 1922-12-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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W«WMM»«hes Statiifettttatf - MM ■ MKedü. vtzvhnttgig. Bezugspreis pro viertelrL?^' abonniert litt. zoo—, bei der - ^effe Zusendung durch Streifband für litt. l2S«x. für Auskmd ,o stanz.. 5 fchweiz. *?!**•' ll>wL jl, 6 Shilling.- 2 Dollar jährlich, im Voraus j i^vj . / . Zahlbar. «Razelnummer «tt. y;.— MWMrgang. Redaktion und Expedition: Ktankfuri a.M., Unterlindau 2j Ferichnecher: Amt CauMus i»73 •■»••MM* Indische ZeÜMMgO^vrftUfchast m. b. Ix postfche«lMt» Nr. s«)M Frankfnrt a. M? KrantfurterIüdtlche Lugendblätter Alttriinngen dar nat.-jüb. JupinlniMifMiwii Jnsertionspreis für die fiei'engespaltene Nonparrille-Zc- Mk. 20.— für die Heflamejcilc litt. so.—. Platz- und Datu Vorschrift ohne Verbindlichkeit. . Anzeigenannahme und P> - n-altungi Epoche, ReNamegeseilschaftm. b. K.Frankfurta.lli. Sognarh s, (Telefon l^anfa S764- Freitag, den u. Mslem 5683 (f. Dezember $22) Nr. 34 'fe. Dort zur Finanzlage der Israelttffcheu Gemeinde. Frankfurt a. M.!.U Don Jacob Wolff. Als in der vorigen Nummer des neu entstandenen Gemeindeblattes, das die Israelitische Gemeinde seit y kurzer Zeit herausgibt, der Syndikus der Gemeinde. Herr Dr. Meyer, wohl einer der besten Kenner der Finanzj f läge der Gemeinde, in einem kurzen Artikel die finanzielle Lage der Gemeind« beleuchtete, waren die geldlichen Verhältnisse noch ganz andere, wesentliche bessere, als die derzeitigen. Und wenn trotzdem von dem obenerwähnten Artikel ein tiefer Pefiimismus sich innert- J)alb der Gemeindemitglieder ausbreitete, so ist daran «Zweifellos die bisherige mangelhafte Berichterstattung Uber die Gemeindeoertreterfitzungen schuld. Denn wie -M ein roter Faden ziehen sich durch diese öffentlichen Ler- HHandlungen seit Jahr und Tag die warnenden Stimmen der im kaufmännischen Beruf stehenden Bertreter, M die Mit besonderem Nachdruck sich immer und immer H wieder dagegen verwehrten. Gelder zu bewilligen, ohne gewiß zu sein, daß mit der notwendigen Beschleunigung e. und Eilfertigkeit für Deckung und deren Hereinbringung ]f' gesorgt würde. Diese Deckung ist aber fast einzig und! allein in der Hereinbringung der Steuern zu erblicken. . , da die Eingänge der Gemeinde aus ihren sonstigen Be- ' Z trieben außerordentlich spärliche sind, dies aber wiedsrum aus einer Aengstlichkeit heraus, die fast unverstündlich ist. Man betrachte sich nur die. Eingänge, die ' aus den Synagogenplätzen in die-Gemeindekaffe siießen, und man wird zugeben, daß hieraus ein vielfacher Betrag zu erzielen wäre, und so ließen sich noch eine i Reihe von Eingängen in der Gemeinde zweifellos vergrößern, wenn hier mit der notwendigen Entschiedenheit vorgeqangen würde. Wie aber steht es nun mit den Steuerenigangen in der Gemeinde? Bislang wurden die Beträge durch die Finanzämter der Stadt aus den allgemeinen Steuer- •■'"•itiroel eintassicrt, und dann an die Gemeinde unter Abzug der durch das Inkasso entstandenen Spesen abge- ' - fiihrt. Seit zwei Jahren aber fnnknoniert dieser Apparat sehr schlecht. Hierunier leiden all«' öffentlichen Korporationen. wie Stadlgeineindc. Laiidge.iieinde und naturgemäß auch Kulttisgemeinde jedweder Koiifesiwii gleichmäßig. Borschüsse werden von den vorgeschlen Behörden und vom Finanz,ninisteriuil, glatter Hand abgewiesen. und die össe.itlichen Korporatione,, s"w dader gezwungen, schwebende Schulden gegen hobcnZms.atz auszunchmen. Gerade der letzte N'iistand tlag e.ne hohe Unsicherheit in die bisher stabilen Vorbaltn d Israel. Ge.neinde hinein. Solche .chwebende «Julin bilden innner ein Lainottesschweit und eine - L 21 n dieser Stelle soll a lu r Wichtigste Meldungen. 3m Reichstag ist der Abg. v. Grrefe mit zwei feiner Genoffen aus der Deutsch, nationalen Fraktion ausgetreten und bildet mit ihnen eine besondere völkische Gruppe. Nach einer Meldung des ,Meffagers" verlangt Italien in Lausanne eine Revision der englischen und französischen Grient- Mandate. * » * von Ut Sitzen im polnischen Senat entfallen 25 ans die nationalen Minoritäten. der Gemeinde tragen können, zumal wenn man berücksichtigt. daß der Steuersatz unserer Gemeinde einer der niedrigsten fft von sämtlichen jüdischen Gemeinden Deuffchlands. Sehen wir uns nun einmal den Etat der Gemeinde etwas genauer an. und prüfen ihn unter dem Gesichtswinkel der Vergangenheit und der Zukunst. Ohne daß man einen Bück rückwärts tut. würde man kaunr die Zahlen verstehen, die der heutige Etat der Gem-inde aufweist. Muß doch für das laufende Geschäftsjahr, d. h. vom 1. April 1922 bis zum 31. März 1923 nach vorsichtiger Schätzung mit Gesamtausgaben von mindestens Mk. 80060000.— im ordentlichen Etat gerechnet werden. Diele Zahl muß naturgemäß erschreckend wirken. umsomehr, als für den außerordentlichen Etat auch noch gewaltige Millionenbeträge angefordert werden, insbesondere deshalb, weil die Anlage des neuen Friedhofes ganz erhebliche Beträge verschlingt, wobei man noch durch die Verhältnisse gezwungen ist, zu der primitivsten Einrichtungen zu greisen. Einrichtunger. die kaum noch der Würde und dem Ansehen unserer Gemeinde entsprechen. Aus welchen Gründen auch immer es geschehen sein mag. daß in der DergangenhSit für keinerlei Fonds von der früheren Berwaltung der Gemeinde gesorgt worden ist. wie sehr ängstlich man alich in stüheren Johlen war. den Steuersatz um geringes zu erhöhen, fest steht, daß unsere Genieinde irgendeinen Fonds zur Deckung des außerordentlichen Etats nicht besitzt, und iniolgedcffen gezwungen ist. wenn sie nicht zur Aufnah. me von Obligationsanleihen greifen kann, diese Summe" aus den Steliern der Genieindemitglieder zu bestreiken. was ja jeder Uebung widersprechen wl rde. Wie weit es richtig ist. daß die frühere Gesetzgebw .i die Ansammlung von Fonds verhindern konnte ode wirklich wirksam verbinden Hai. das so» in einer der üchstipen Vernichtung in diesen Blättern genauer ansge iihrt werden. Es ist aber außer jeder Frage, daß man bei einer sorgsamen und fürsorgenden Finanzgebahrung in den früheren Jahren soweit hätte Mittel hereinbriugen müssen. daß z. B. die Friedhofsgebäude, welche jetzt aus Mangel an Mitteln nur in der primitivsten Weife entstehen werden, so frühzeitig hätte fertiggest^lt werden können, wie das notwendig war, zumal man ja schon vor etwa fünf Jahren genau berechnen konnte, wann der alte Friedhof belegt sein würde. Es fft nach dieser Richtung Ungeheures versäumt worden, das nicht wieder gut zu machen fft. und das heute die Gemeind« außerordentlich schwer belastet. Die Anlage unseres in jeder Begehung mustergültigen Krankenhauses in der Gagernstraße erweist sich heute als ein in vielen Beziehungen viel zu weitläufiger Bau, der gerade hierdurch besonders in der Winterest ganz ungewöhnlich« Ausgaben on Kohlen verlangt. Unsere Schule, das Phüanthropin. welches heute von über 900 Schülern besticht wird, und das als Studienanstalt einen ganz ausgezeichneten Ruf in der 2ehrerwelt hat. ist ein weiteres Schmerzenskind der Gemeinde geworden, soweit es sich um geldliche Dinge handelt. Dabei muß man sich darüber völlig im Klaren sein, daß durch die eingehenden Schulgelder niemals der Etat der Schule zu decken ift, daß also dieser Schulbetrieb zweifellos immer ein Zuschußbetrieb bleiben muß. Es fragt sich nur, ob die Gemeinde als solche dauernd die Lasten hierfür übernehmen kann und darf, und ob nicht andere Mittel und Wege gesucht und gesunden werden muffen, diese große Last wenigstens zum Teil von den Schuüern der Gemeinde obzuwälzsn. Die nach dieser Richtung hin gemachten Borschläge und Schritte haben bisher zu einem Erfolge nicht geführt. Daß die Versuche jedoch weiter geführt werden müffen. stehr außer Zweifel. Auch die ganze rechtliche Konstruktion der Schule bedarf einer eingehenden Revision und Abänderung. Trotz aller Bemühungen ist auch nach dieser Richtung ein greifbares Resultat noch nicht erreicht worden. Wir werden auch über dieses Thema in einem gesonderten Artikel demnächst noch Stellung zu nehmen haben. Welche Vorschläge siind nun in der letzten Zeir innerhalb der Gemeindeverwaltung gemacht worden, um der Rot der Zeit Herr zu werden? Die neue Verfassung unserer Gemeinde, die auf der deniokratischsten Grundlage aufgebaut ist. und die als ein Muster für die Derfaffung israelitischer Gemeinden gelten darf, bringt für normale Zeiten ein starkes gemeinde-politisches Leben von selbst mit sich, ja sie bedingt geradezu ein solches Leben. Die Gemeindevertretung, die heute ein kleines Parlament darstellt, fft in vielen Kommffsionen aufgelöst. die in unendlich vielen Sitzungen die Vorlagen des Borstandes an die Gemeindeoerrretung oorberriten. und dann erst Bericht zur Beschlußfassung erstatten Bei der Fülle der Aufgaben, die innerhalb der Gemeinde zur Erledigung kommen, kann man sich vorstellen, wie langsam ein solcher Apparat arbeiten in uh. und wieviele kostbare Zeit und daher kostbare- Geld verloren geht. So ist man denn auf den Gedanken gekommen, einen aus fünf Herren bestehenden Finanzrar aus Vorstand und Gerneindevertremi^g zu bilden, dem es ob-