Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 20 (1922)
- Issue
- Heft 33 (17.11.1922)
- Date
- 1922-11-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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- Minsk 1× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
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ttnio jüdische Presse Bemerkungen Ser üudengencral. 2i.it das I. (*. 23. »uiicilt, d.ulttc die „New Park L^ütlü ein ^ulcruiciu mir Gcncral Ludendvrjj über den itricg und feine Zuluujtsperjprkliven ab, in welchem fid> iluiicnborjf über die Stuben in folgender Weife äi.ld&: „üt verhagte Negierung in Berlin wird von B o l i a) e w i fl e n und I u d c n geführt. Die Jude» fii.ü die Urquelle alles Unglücks in der Well, die Juden lind di,- groß.c Gefahr für die Well. Amerika ist das zentrale Nest, wo Juden gemästet werden. Wären nicht die Juden gewefen, märe Amerika gar nicht in den Krieg eingerrcien. Lri-erika, das sich auf das eigene Balkstlitzt, wird sich endlich einen Monarchen wählen. denn die Monarchie ist Mark in' des Lölkes Gedein." *: C ist eigentlich Zeit- und Papierverschwendung, sich > mit derartigen „Sentenzen" antisemitischer — wenn auch ängstlicher — Heroen auseinanderzusetzen, oder sie überhaupt zu veröffentlichen, wenn es sich nicht gerade um Hudcndorff, der doch einmal eine Persönlichkeit war. handelte. Ein ängstlicher Heros ist Ludendorff, denn erstens druckt er derartige Aussprüche inr Ausland ab, fürchtet also die von ihm sonst so gepriesene gepanzerre Faust des deuljchcrt Michel und zweitens muß er doch einen heillosen Respekt vor der» jüdischen Bolk haben, lüiist würde er es nicht für das gesamte Unglück der Wett verantwortlich machen. . Es ist eigentlich rechf bequem, sich autzethalb der Ereignisse zu stellen, Taten der andercil zu beobachtet«, zu falschen Schlüssen zu kommen, sie, diese anderen, für alles haftbar zu machen, sie, die überall die in Milleidenfchast Gezogenen waren, und sich selbst, einer der Aktivsten des ach so glorreichen Weltkriegs. höflich, bescheiden — man spricht nicht über sich selbst — zu übersehen. Gut, so müssen wir über den Fall Lützendorfs sprechen, den» es ist ein Fall (von fallen). Ein französisches Sprichwort lautet: comprendre c'est pardonner — wir wollen also verstehen. Es ist psychologisch nur ,;u verständlich, wenn sich Lei einem geschlagenen Geueial Ressentiments einstellen, die in erster Linie gegen die Träger der neuen Regierung, die die alle abgelöst Hot. gerichtet sinh. Und es ist weiter verständlich, hast dieses Reffentimeick in Haß umschlägt, wenn es sich aus früher Urckerdrückte, jetzt Bestelle konzentriert. Und ganz besonders verständlich ist dieser Haß in einer ,Lerrenseele", die nicht mehr Herr sein kann.- In solchen Augenbücken komnck dann aber auch die Lakaienseele zum Durchbruch. Das Lt alles ganz natürllch erklärbar und bedarf keiner großen Begründungen, ,s ist aber ytcht entschuldbar, um so weniger, als es sich bei Ludendorsf um einen Mann handelt, von dein man annehmen sollte, daß er an Selbstdisziplin gewöhnt sei und nie die Haltung verlieren könne. Wäre Ludendorsf dieser Mann — er könnte uns tausendmal hafien, wir würden zumindest vor ihm Achtung haben — aber was sehen wir statt dessen? Eilten kleinen Tartarin de Tarascon, der ein Held zu sein dünkt und bei jedem Geplänkel einen Löwen -erobert zu haben glaubt, einen Mann, der ins Ausland flüchtet, nachdem er sein Spiel verloren sah, und fremdländische Zeitungen — für Devisen natürlich — mi: seinen Ergüsscn beglückt, einen Mann, den die Wut und der Haß davon abhaltet:, seine eigene Takt- '.oligkeit zu erkennen, die iit der Beschimpfung seiner Heimat unter den Augen der ehemaligen Feinde liegt, eine» gefährlichen Heger, der die Massen mit fälschet: Behauptungen atiswiogclt. sibließflch sehen wir in ihm die Berlotpetung der Eharatterlosigkeit, denn er ist feige und ehrlos öffentlich genannt worden — und hat diese Anklage mit „ehrwürdigem" Stillschweigen übergangen. Und solch eilt Mann ist der Heros des Antisemitis- «us. der Freund HorllMii'gariis, der Held der Dölkit;cn! Geht in die Masien, unter das Volk, und reißt icm General die Maske vont Gefichl! »ickrtkommunistischen Juden mH Energie fort. Zurzeit bclümpsl sie die Gesellschaft Jdgoskom (jüdisches gesell» fchastl«chcs Komitee), dar für die jüdische Gesamtwohlfahrt sorgt. Die slidisch-konrinutttstische Presse glaubt, das, die Keselischafl keine Berechtigung hat, für besondere jüdische Spitülcr, DaNe lenslassen usw. könnte das jüdische Kleiuvürgcrtmn selbst sorgen, die Kinderhilfe müsse sich aber absolut i't den Händen oer Kommunisten 'esindrn. Die tvinmunistisch-jüdische Zeitung „Enteth" iu Moskau bezichtigt den Zionismus der konterrevolutionären Gesinnung. Sie begrüßt die Berurtel» lung der Zeire-Zio« in Kiew, sowie die Liquidation des Hechaluz. Nicht nur die bürger- «W! i alle^ Kn lierga rten Künstor-K »nzer U l'chen Zionisten, sondern auch die von ihnen inspirierten lozialistifchenOrgattisatione»"müßten verschwinden. In Minsk und Moskau find wiederum Repressalien gegen die Zionisten vorgerammen. Es soll gegen hervorragende Zionisten ein Prozeß vorbercllet werden. Einer der Führer ist bereits verhaftet worden, andere habest sich dieser Gestthr durch die Flucht entzogen. All diese Verfolgungen werden infolge des politischen Druckes der jüdischen Komtnunisten auf die Sowjetregierung veranlaßt. Auch gegen die orthodoxen Kreist werden strenge Maßnahmen getroffen. 'Ende'September hat die Regierung aus Wunsch der jüdischen Kommunislen die Schließung aller jüdischen religiösen Schulen in Tschernigow verfügt. Auf der anderen Seite sind die jiddischistischen, von den Kommunisten unterhaltenen technischen Lehranstalten und Elementarschulen in Gefahr. geschlossen zu werden. Da in letzteren nicht mehr russisch gelehrt wird, können die Absolventen nicht in oie höheren russischen Schulen ausgenommen werden. Die jüdisch-kommunistischen Kreise sind daher bereit zu tonzedieren, daß in diesen Schulen auch in russischer Sprache Unterricht erteilt wird. Auf der „unparteiischen Arbeiter-Konferenz", die in Odessa, in Anwesenheit von 480 Delegierten abgehallen wurde, ist u. a. auch Re Frage wegen des Kampfes mit dem Klerikalisnius und Kleinbürgertum behandelt worden. Auf Borschlag der jüdischen Sektion wurde eine Nesolution angenommen,: den. „Mattabi" zu liquidieren. England Lord Derby, der Führer, der Die-Hard». ein Freund der zionistischen PolM ISelegenllich einer Wahlrede Lord Balfours in Edinburg hatte Dr. Deiches mit diesem eine Besprechung über die- Aussichten des Zionismus unter der neuen englischen Regierung. Lord Palfour erklärte, er sei froh, sagen zu können, daß Mr. Dmsy Gore zum Unlerstaatsstkletiir für die Kolonien , ernannt worden ist. der ein enthusiastischer Freund und FLrderer der zionistischen Pelitik sei, und er sei sicher»; daß eh schon dafür sorgen werde, daß allesinOrlmMgsble«bs.>Auch Lord Derby, fügte noch Balfour bei, war ein rvürmer Anhänger der zlonisüfchen Politik. (Ziko.) Amerika Die jiddische Spfkache in Amerfta. Laut den vom Aentralbüro - des.hantzelsamtes veröffentlichten staüsrischen in Exaktheit sich auszeichnete. war atulfduDäus,Laien" verständlich, ohne in deck'tzeüichtitztm'popLMnt'Bowzu verfallen. Und hierbei zeigte sich Heinemonn-nicht nur als gediegener Wissenschaftler» sondern auch al» guter Dozent und Pädagoge. Es ist bis jetzt lediglich von den Vorzügen des Vortrags gesprochen worden. Auf eine Lücke sei noch hingewiestn. Es genügt unserer Meinung nach nicht, Malmuni unter rein „aristotelischen" GLsicht»punkstn>zst betrachten. Das hieße dieAufgadezu eistfachansthen. Man hä:tc gern Geiwueres .über seine Steilüiig'zum .Islam, zur islantischen Religionsphilosophle.die mll 'Hilfe dev genialen Ghazali ähnliche'Bühnen wie Malmüni gefchrittcn Ist, gehört. Ghazali ist wesentlich von MaimuNi beeinflußt worden und auch die jüdische Wissenschaft sei» iter Zelt ist von Liesen islamischen 'Strömungen nicht unberührt geblieben. Laß Herr Loz. tzelnentann hierauf nicht näher eingegangen ist, mag nicht allein seine Schuld sein. — Ueber di fcs Thema ist mit Au« itahme des Buches von Obermai: «, Hamburg, der die Frage anH lediglich, von islamischen Gesichtspunkten aus beleuchtete, nichts Umfassendes geschrieben worden. Bis jetzt verfolgen stmi- »sche Philologie und jüdische Geschichtswissenschaft Li- : >r», die sich nicht schneiden. Hier: Malmuni/Ghazali, liegen noch spezielle Aufgaben, deren Erfüllung durchaus lohnend ist und nnserm Bild über Maimunl Jile letzte Rundung gibt. —w. WasstrmannLlnakler im Neuen Theater. Jakob Wassermanns jüdische oder künstlerische Physiognomie aus den 3 Einaktern nachzuzeichnen, die unter dem Sammeltllel „Die ungleichen Scha- I e >«" Im Neuen Theater gebostn wurden, wäre uninteressant und führte sicher nur zu negativen Ergebnissen. Denn nirgends zeigt sich eine persönlich« Ausdrucksnotwendigkeit. nirgends Derwachsenseiii knsi einem Kut. u Meder's Maahanisolie Druukluft-Teppioh-Reiniyung. tri »»<• 14tl T«*' »«»HU Amerika, bekennet« fick' ö>r>'tt 2>>4'. < >.-> p.-noneu in Amerika zur jitztzisckie» 2iiunerspr.ick«e, d.lt'em in New!,)e>rk allein «t4«> >3«) see«e» dies .-'-7 452, die englisch als ihre Muttersprache -!»gul>eii. l^on' diesen <j4<, t.39 jidtzisck' »prechend.» purfoiicn in!7ew!)ork sind äiiiom/ in« Anslai.b eicl'oreii. i« ährend der Rest von 43««>>')'> ii»!«e»v i)orf e.-beiei, wurde, ivobei jede-ch ihre -Litern allden« Rtii-taude stanlntcn. Die .^ahl der jiddisch sprechenden i.t 77etv!)ork, die ('»ft) bloß *57 7«K) i'etrna, st ’o-' mit l’itzun« ^siahre ttj20 um tu,3 projont «>'««'->>t>- sen.!7ach weitere» auf verschiedenen .Zahlen beruhende«« .^e>taeruilo>en des Handelsdeparr.ments, stainim-n dlwon 7t,4 4c>9 aus Rußland, ««'abrend" die übrigln «81 590 a«»s Runtänien, Galizien pc>- len, tDesterreich usw. eingewanderi sind. Anerkennung der jiddischen spracl'e in Kanada. Der L-tadtrat von Montreal ha« die lii'diiche Sprache als eine der drei in« lvtadlsel'iet« offizie 4e„ Sprachen anerkal«nt. . Danach werden voir >^>« ab-' alle Verordnungen und offiziellen 7l7itteil«t>«ge» der Stadlverlvaltmrg in englischer, franzdsische« nnd jiddischer Sprache verlautbart werden. Aeg^pleil Der agypüsche Versassungvenkwurf. K a i r 0,23. Oktober. Die Kommiffion, die nüt der^ Ausarbeitung eines Verfassungsentwurfes beauftragt «rar, hat ihre Arbeitet« beendigt und diesen dem KnbineM .unterbreitet. Der Entwurf sieht'die Schaffung eiiresI Senates von hundert Mitgliedeni, von denendreigiW durch den Siaat erttannt würdest, und einer R e p r ä jentantenta mm er von 220 Mitgliedern vor . SDcrli König wäre gleichzeitig König von Aegypten uni) vow^ Sudan. Die Minister wären vor dem Parlament rer-^^ antwortlich.. Der Unterricht soll obligatorisch ui'.d "ästen-- los sein. - - .; * Die jüdische Sckbstverwqlturig in der Republik des ssy^tenH« Das Ministerirm« für jüdische Angetrgenheiten Litauen erhielt von der jüdischen Sektion des Minij_ rium» für nationale Angelegenheiten in der RepuMV^ des fernen Ostens ein ausführliches Schreiben^ wiMttWg das dort.feit März 1022 in. (UMns stchendeMeseMtzWZ nationale. Autonomie für diej-M!nderi»eite>r: l ' ■ boUeit..(SBBa»' wieb'enl^-:J^q'rät^rtftli(|^ vermag nichts Starkes uns an>^^diese^Dialogeünd-DMH ««en zu fefleln: Belm ältertrden Gentz, der dz?r FrvüWU jchaft zu Fanny Elhner enffagt, keine große , tragische Z Resignation; bei der Bekehrung Hamiltons keine «nerkW sich eleganten Verfühmngskünstq; bei . der (in der Idee ß plasttschen) Krähwinkelsatyre-Xoon der Wiederkehr.7deäH totgesagten Hockenjos am'Tage seiner DenkmalsxnthülWr lung kejne konkrete Leibhaftigkell der Gestatt? Der Jdee M nach wtzre Konvergenz'' der-dramatischen" Linien: m ög,.Hs stly gewesen, wen«« auch keintisrelische Transparertjzf MnW> der^TiM deutet auf Gestatt.tMHes SchiLjals der .AÜrn.. j den utch Erstarrenden^ der^MagWl^l^tMtfsteifjtH vor dem 'Gegengewicht Mst^WkeitsvpÄmH/W fehlt eben: Blut — oder.'di.e rünsUerische Dämonie bei Echititzler.wenigstens Mampagnermoussiert, vor allem teclchtMverblW.^ - -M^^'H Davon sst hier telne^SÜ^WDst'^oSeDilfß^WD^ z« überraschender Jro»ie,. 'lSüft' die sjgr? HAnteMt,^ Son>.' ist der Dialog/müdHM Crsi««duug arrnt 'Es' ,. bleibt sem-Theater.MreW^stU.«twMn-.'MW^MäAp der manMnden lünstlerischWKrast^^ tritt nicht etiinurlMM Bühnenroutine. Erfreulich war die Äornehnth-.'ipM die Wassermann vor Sentimeptalltät, frairzösijchein M Schwank und Part;«Perspektive bewahrt. > 7'- -W Aus der. Starrheit des Merk»'konnte auch Herrn-W Hellmers sorgsältige Regie'bei der Wiedergabe.'km M Netlen Theater keine Funken schlagen. Herrn IstckgsMi Gentz im Zusammenbruch der Musiken und seiw kin>I geinachter Holzkops Hmnilton, Herrn Sroßmst«imM köstlich durcheinander gewirbelter, psiffiger. Bürger W-W ster, Herrn Kuers Redntteur Bienemann stMen'Eha-M rattere in den Raum. Doch schlleßlich blieb dle Ä!mo-' sphäre dünn und kalt. Da» mochte auch das Pübll:!uxn, W nach dem Beifall zu schließen, gespürt haben. Alfted Jacob,