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Neue jüdische Presse · 1922-09-21 · Heft 29 (21.9.1922) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 29 (21.9.1922)
Date
1922-09-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Neue Jüdische Prege- -tr. 29. Gemeind earbettt „1. An Hinblick auf die außerordentliche Bedeutung einer tätigen Mitarbeit der Zionisten tu den jüdischen Gemeinden erklärt' der Delcgiertentag den.Ausbau des vom Landesvorstand bereits gebildeten Gemeindedezernats zu einer Zentralstelle für Gemein bearbeit als unbedingt'notwendig. Dem Landesvorstand liegt insbesondere die Organisierung der Gemeindearbeit» die praktische Unterstützung. der in den 'Gemeinden tätigen Zionisten und die ÄufrechtcrhaltunK des Zusammenhanges zwischen ihnen ob. 2. Der Delegiertentag protestiert auf das entschiedenste gegen die Auffassung, daß die Gewährung des Gemciilde- . Wahlrechts von der staatsbürgerlichen Zugehörigkeit abhängig und den Ostjuden auf diese Weise das Wahlrecht streitig gemacht werden kann. Er erblickt eine besonders wichtige Aufgabe der zionistischen Gemeindearbeit in der entschiedenen Bekämpfung aller Versuche zur Entrechtmig der Ostjuden sowie in dem Kampf für die volle Gle ich - berechtigung der Ostjuden namentlich in den sächsischen Gemeinden." Die in den 'letzten Jahren abseitsstehende Opposition,- war auf der Tagung besonders durch Heinrich Margulics vertreten. Die auf den ^früherpn Delegiertentagen markanten Gestalten des Dr. Klee und des Dr. Koltenscher waren noch abwesend. M a r g u l'i e s gab namens der Unabhänigeu Koalitionsgruppe eine Erklärung ab, die hoffen läßt, daß die Zeit nicht mehr fern ist, . in der diese verdienten Persönlichkeiten wieder mit ihrer ganzen Kraft Mitarbeiten. Die Erklärung lautet: ,Der Verlaus der Jahreswnferenz 'wie auch des Delegiertentages gestattet es uns bedauerlicher Weise noch nicht, unsere bisher eingenommene prinzipielle.Stellungnahme zur Gesamtentwicklung der Bewegung en ändern. Aus diesem Grunde müssen wir darauf verzichten, an der Führung der Geschäfte der Z. V. stDdurch den Landesvorstanb teilzunehmen. Wir werden uns däher an den Wahlen hierzu nicht beteiligen. Getragen jedoch von der Absicht, alle zionistischen Kräfte für die Bewegung positiv zu verwerten, erklären wir unsere Bereitwilligkeit, über die für jeden Zionsten selbstverständlichen Arbeitsverpflichtungen hinaus 'mitden anderen zionistischen Gruppen auf allen Gebieten verant- ■ wörtlich mitzuarbeiten, auf denen eine gemeinsanie Führung zionistischer Geschäfte unter Währung der vorerwähnten prinzipiellen Stellungnahme möglich ist. In diesem Sinne begrüßen wir die Schaffung eines von der politischen Lewing getrennten Wirtschaftsausschusses, der uns die Grundlage für eine gesunde prinzipielle Aufbauarbeit liefern soll, und geben der Erwartung Ausdruck, daß hiermit ein ernster Versuch zur Wiederherstellung der zionistischen Einheitsfro nt unternommen wird." Kür -ie Hu«g^r»-e« in Rußland: Wir verweisen nochmals auf die Sammlung der Agudas Jisroel für die von der Hungersnot betroffenen Jude» Rußlands. . , Das amerikanische Hllsskomitee (ARA) hat in den verschiedensten Städten des Hungergebietes Lebensmitteldepots erratet. Die Agudas Jisroel hat mit der Wiener Zentrale dieses Komitees einen Vertrag' abgeschlossen, demzufolge für je 10 Dollar ein Gutschein über ein Lebensmittelpaket, enthaltend Mehl, Pflanzenfett, Reis, Kakao, Bohnen, Tee, Zucker und kondens. Milch ausgestellt wird. Auf Grund dieses - Gutscheins' werden durch eigene Vertrauensleute der A.J. im Hungergebiet die Pakete abgenommen und verteilt. Ein Paket deckt den Monatsbedarf enier sechsköpfigen Familie. Die Agudas Jisroel hat bereis über -4000 Pakete verteilt. Die Not ist aber so groß, daß noch ganz bedeutende Summen nötig sind, um. auch nur einigermaßen wirksam zu helfen. Es handelt sich um das Leben Tausender! Spenden sind auf das Postscheckkonto „Agudas Jisroel Sonderkonto Hungerhilfe" Nr. 56 661 Frankfurt (Main) einzuzchlen. . » Israel. MtSracht-Kr«»e»-Orga«tfatio«. Die Misrachi-Frauenorganisotion zähll in Jerusalem 600 Mitglieder und hat Zweigveveine in Jaffa und in verschiedenen Kolonien. Ihre Hauptaufgabe erblickt die Bereinigung'in der Jmnngrantenhilfe und Krankenunter- " stützuug. In den letzten drei Monaten wurden 413 Kleidimgsstücke, 415 Liter' Milch, Stärkungsmittel, Arzneien üsw. abgegeben. Ferner wurde eine Hilfsaktion für die Hungernden in der Ukraine ins Leben gerufen. Bis Ende Tanms wurden für 170 ägypt. Pfunde Lebensmittelpackete nach der Ukraine abgesandt. Ein Konzert zugunsten des Ükrainefonds brachte 120 Pfund ein. Wer die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse kennt, wird die jüdische Opfer- Willigkeit zu schätzen wissen. Möchten sich in Deutschland Frauengruppen organi- ' sieren, um das Werk chrer Schwestern in Erez Israel, die unter den schwierigsten Verhältnissen arbeiten, tatkräftig zu unterstützen. Adresse: Frau Dr. Seliger, Jeruralem, P. O: B. .470. . Berschtede«es. Erez Israel zählt jetzt rund 10000 jüdische Arbeiter gegen 1800 vor 3>/- Jahren. — In Jerusalem werden im Oktober technische Hochschulkurse eröffnet. -— Jeder palästinensische Einwohner, der in den uächsten zwei Monaten, darum nachsucht, erhält das.Bürgerrecht und kann gemäß der soeben..verLinheten Verfassung in den gesetzgebenden Rat wählen. — Die Stimmung ist im ganzen Lande ruhig. Die feierliche Verkündigung der Verfassung fand am 11. September im Regierungspalais bei Anwesenheit des Feldpiarschalls Allenby sdttt. Sir Herbert Samuel sagte in seiner Rede, ec hoffe, daß für die Araber und für die Juden eine friedliche Epoche großen Fortschritts beginnen werde. St« Opfer des Römer«» cl««faS Aus Budapest' wird der „Wien. Morgenztg." berichtet: Der jüdische Hochschüler Tibor W. müßte vor dem Wuchersenat als Angeklagter erscheinen, weil er, auf Grund des Numerus clausus aus seiner Heimat vertrieben, sich nicht in das Schicksal fügen, sondern seine Studien wenigstens im Auslande, vollende» wollte. Der - Angeklagte, Sohn sehr armer Elteni, ging voriges Jahr nach Prag, wo er mit hiapp soviel Geld ankaiir, als' er zur Jnskrst .bierung an -der dortigen^ Universität beirötigte. Hunger, Entbehrung und Krankheit zwangen ihn, in die ungarische Heimat zurückzukehren, wo er Ende Septeinber aus Prag die'Verständigung erhielt, rasch zurückzukehrcn, da er sonst das Semester verlieren würde.. Er bettelte 1500 Stück eiserne 20 Hellerstücke zusammen und trat damit am 6. Januar die Fährt nach Prag an, wo er mit diesem dort noch gangbar gewesenen Schatz twtdürftig auszukvminen hoffte.. Die ungarischen Grenzpolizisten jedoch beschlagnahmten den arinseligen Betrag, und das Strafverfahren wegen Vergehens der Preistreiberei, begangen durch versuchten Schmuggel inländischer Geldmünzen ins Ausland, wurde eingeleitet. Bei der vor einigen Tagen stattgehabten Verhandlung erzählte der junge Mensch mit zitternder Stimme . den Sachverhalt. . In ergreifenden Worten schilderte er die vielen Entbehrungen, die er in Budapest und danw in Prag zu erdulden hatte. Der Staatsanwalt schäinte sich offenbar seiner Regierung, deren Politik der Beschuldigte zum Opfer fiel, und ließ die Anklage fallen, worauf der Gerichtshof das weitere Verfahren einstellte. . . Rutzlaud. ' Die Knebel««« Der freie« Mel««»«. > Wegen Teilnahme an der Ze ir'e-Z io n-Konfe - renz*) war gegen eine Reche führender Zeire-Zion Anklage erhoben worden. Der Prozeß wurde in Kiew am! 28. August zu Ende geführt. Zwölf Angeklagte wurden zu 2 Jahren Zwangsarbeit bei strengster Isolierung verurteilt. Von den übrigen würde ein Teil befreit und der andere als bloß „Verführte" zu 2 und 1 Jahre Zwangsarbeit bedingt verurteilt. Riesen-Äuswahl in Kostümen und Mänteln elegantester Art. , JÄax Irannthal Zeil 112, neben der Hauptpost. Polen. Wrsonalie» und kleine Mitteilungen. Berit».' Prokeisor Dr. Ellbogen - Berlin und Rabb. Dr. Perles-Königsberg gehen auf drei Monate nach Amerika, um. an denr von Rabb.. Dr. Stephan S. W i s e begründeten j ü d i sch e n I n st i t u t f ü r R e l igion' zü lesen. Breslau. Der seit seiner Kindheit erblindete Dr. phil. LudwigCohn hat jetzt auch den juristischen Dollar gemacht. Durch seine Dissertation .„Der Blinde im Reichsrecht" lieferte er einen bedeutsamen Beittag zur Blindenliteratur. Großes Interesse weckten seine im .Berliner Tageblatt" erschienenen Artikel- „Wenn Blinde sehen" und „Die Ehe des. Blinden". A«S dem Kreise L.sfenbach. In dem letzten Jahrzehnt sind mich einige Gemeinden des Kreises ganz-' bedeutend an Seelenzähl zurückgegangen. So die - Gemeinden Die'tzenbach, Dreicichenhain und .Weiskir- Zur Nutouomiefrage. Dr. Reich, Dr. Rosmarin und Dr. Silberste in sprechen als Delegation der ostgalizischen Judenheit beim Ministerpräsident Nowak vor, um gegen den Regierungsentwurf, der nur eine polnische und eine ukrainische -Wahlkurie vorsieht, zu protestieren. Amerika. Mischehe«.; . Das Newyorker „Tageblatt" weist an der Hand von Zifsern nach, daß die Zahl der Mischehen unter der jüdischen Jugend'in. Amerika, besonders in Newhork, immer mehr zunehme. Sehr viele jüdische Mädchen gehen Ehen mit Italienern ein, jüdische Jünglinge lassen sich in der Kirche mit Amerikanerinnen, Jrländerinnen und Polinnen traue». Allein in Newhork hat die Zahl solcher Mischehen im letzten Jahre um 30% zugenommen. *) Zeire Zwn eine Organisation junger zionistischer Arbeiter.. ch e n. In-Bieber sind säst alle eingewanderten Pole wieder nach chrer Heimat zurückgekehrt. In Oberts hausen und Hausen h. d. S. wohüten früher am einige -isr. Familien.. -Es ist infolge der kritischen Zette zahlreichen kleinen Gemeinden nicht mehr möglich, eine Kultusbeamten anzustcllen, und auf Zuwachs ist nicht pirh zu rechnen. f ■ '/' ttenf. Unterden Mitgliedern der grikchslchen Deleg tion auf der Völkcrbundstagung befindet sich der jül Deputierte für Saloniki, Peppo Malach, der bis v, kurzem Finanzminister war. ' \ 93ien. Dr. Adolf Schächter feiertes e i 25 jährig es Jubiläum als Rabbiner von S P ö lt.e n und Klo stern eub u rg. Wer die Struktur de österreichischen Gemeinden, kennt, weiß,', wie schwer c für einen Rabbiner ist, Angehörige der verschiedenste religiösen Richtungen und jüdisch-politischen Schattierung« in einer Gemeinde zusanynenzuhalten. Und gerade pari besteht das große Verdienst Dr. Schächters, daß er tro dieser Schwierigkeiten, getreu den Traditionen seines Le! rers Rabb. Israel Hildesheimer s. A., die Gemeinde un ihre Einrichtungen in streng religiösem Sinne gefühi und für die Erziehung der Jugend/die nrit großer Liel und Verehrung an ihm hängt, in streng traditionelle, Geiste Sorge getragen hat. Dr.'Schächter, der sich ein« großen Rufes als hervorragende rabbinische Autorit! und ausgezeichneter Redner erfreut, wurde — eine, i Oesterreich sehr seltene hohe Altszeichnung — zum Ober rabbiner ernannt. Warf»««. Warschau zähll gegenwärtig unter;fi einer Million Einwohner 322000 Juden. New Uork. Dr. Leo Jung, bisher in Clevelan wurde an die - größte orthodoxe Gemeinde Newyörks, 1! Jewish Center im Central Park West, als ihr Rabbin berufen. Fraukfurter Berichte. I. T. v. „Var-Ko»ba." Die Sportsaison des Bar-Kochba ist beendet. Wir habe an dieser Stelle schon viele Siege der. Sportabteilur erwähnt. Neue sind hinzugekommen. In Fulda, Worir und Atünchen bewiesen wir wieder, daß sich jüdisii Sportler anderen ebenbürtig an die Seite stellen dürfen. - Grünebanm, -der leider Frankfurt verläßt, errar auf diesen 3 Festen nicht weniger als 5 erste Preis Die Staffel (Goldschmidt, Katzenstein, Oppei heim, Grünebaum) konnte zweimal als Sieger an gerufen werden. Diese Erfolge, unter jüdischer Flagj errungen, verrichten mehr Abwehrarbeit als. Hunde, Schriften gegen antisemitisches Gehetze. - - Der Bar-Kochba geht zur Winterarbeit über. Vie Schwierigkeiten stehen uns im Wege. Die Teuerung b droht uns zu erdrücken. Turnlehrer und Hallen-verschling, Summen, von denen der Laie keinen Begriff hat. W können die Mitgliederbeittäge nicht demgemäß erhöh« Ist es da nicht tief ttaurig, wenn wohlhabende jüdist Mitbürger, -die uns als passive Mitglieder angehörc" den Beitrag -verweigern? ’ Berel« ..TikwaS Ztos-7 Der Verein der Ostjüden „Tillvas Zion" (Bors Jakob Herzbecg, Dr. Israel Gerlich) zA> jetzt 250 Mitglieder. Er veranstaltete in den letztc 8 Monaten 4 Vorträge über zion. Führer, 3 über Pr, hleme des jüd.. Nationalismus, 11 über geschichtliche Pv blemc/ 1 englischen Kurs usw. Der Verein ist im JL Bollsheim, in der Berattmgsstelle -für ostjüdl Flüch linge, 'in der Zion. Vereinigung und im NatioualjL Jugendausschutz vertreten. Fräakfurter Künstler im AaSlaad. Das im Januar stattfindende S ch tv.e i z e r M u s i fest, das ausschließlich der jüngeren, zeitgenössischen Pv duktion gewidmet sein wird, Hat außer Werken ve Ernst Krenek, Arnold Schönberg ,und . W. E. Korngo! zwei Kompositionen von Max Neu man'», dem Cho dirigenten der „Israel. Religionsgesellschaft", zur Eis bezw. Uraufführung aittzcnommen. Die'Werke-betiteln sic „Sinfonisches Gedichtfür großes'Orchester und „sinfonist Musik für neue Instrumente." verfoaalte«. ' Im Krankenhause der Isr. Gemeinde verschied D I o s e f R o s e n f e l d, der greise Oberrabbiner' von Cze> nowitz, der Hauptstadt der Bukowina. Oberrabb. 2 Rosenfeld war nach. Deutschland gekommen, um in W dünge» die Kur zu gebrauchen. Rabb. .Dr. Horovi hielt einen Nachruf, der auf die wenigen Anwesend« einen llefen Eindruck machte. Es ist bedauerlich, da man einer Persönlichkeit wie dem Dahingeschiedenen, dc dazu der Oberrabbiner^ einer Gemeinde, die der 'Seelen zahl der Frankfurter nicht viel nachsteht, war, trotz d« Wrze der Zeit kein größeres Geleite zu stellen wußt, -Rotize«. Die Hebräische Sprachschule, Ünterlinda 21, nimmt Dienstag mrd Donnerstag Abend von 7 Uhr noch Anmeldungen entgegen. , Seminardozrnt Dr. R a b i n, Breslau, hält Samsta 30. Sept. (Schabbys Teschuwoh) und Samstag, 7.^-Oi (I. Tag Sukkaus), 1 Stunde vor Nacht, Vortrags i> Talmud-Thora-Verein (Hörsaal Börneplatz). ' Der jüdische Fürst. (Zur Erinnerung an Baron. Wilh. v. Rothschild.) Bon Hermann Seckbach. „Lieber Onkel, erzähle , uns doch heute wieder ein» von früherer Zeit." - „Gern, Kinder. — Ihr wißt, daß wir uns jetzt Monat Elul befinden. Das ist. für uns eine ' wichtiz Zeit, da müssen wir' unsere- Handlungen, prüfen, dos

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