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Neue jüdische Presse · 1922-09-21 · Heft 29 (21.9.1922) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 29 (21.9.1922)
Date
1922-09-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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SÄcheint vierzehntägig. Bezugspreis pro Vierteljahr : Bei der Post abonniert Mk. 40.-, Sei der Neuen Jüdischen Presse Zusendung durch Streifband für Deutschland Mk. 60.00, für Ausland.10 franz., 5 schweiz Frcs., 3 holl. Fl., 6 SHMng, 2 Dollar jährlich, im Voraus zahlbar... Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber : Galy Geis .Jnsertionspreis für diesiebengespaltene RonpareMe-Zeile Mk. 12.— fürdie Reklamezeile Ml. 40 —. Platz» und Datum- Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Alleinige Jnseratenannahme: Julius Schmidt, Frankfurt a. M., Lrngestraße3.—Zahlungen: Neue Jüd. Prege, Prstscheck 4884, Frankfurt a. M 29. Jahrgang. Donnerstag, sen 28. LW1 5682 (21 September 1922) Nr. 29 An meine Leser! I-' \ Ich verabschiede mich heute von meine» Lesern, denen oanzig Jahre" hindurch mein Denken und meine Arbeit llt. Im Oktober "sind es zwanzig Jahre, das; ich die eitniig aus dem Drang 'heraus gründete, meine ganze rast der Ausgabe zu weihen, Verständnis für den Geist -s Thorajudentums und Interesse für die Gegenwartscobteme des jüdische» Volkes zu verbreiten. Unabhängig i sein, mar mein Stolz, die 'Reinheit m'eineS Wollens ein Vertrauen. So habe ich ll> Jahre unter treuer jirarbeit von S. H. Goldmann und in den lebten Jahren allein , die Last der Zeitung getragen. Seit einem halben Jahre sind jedoch in dem ZeiuigSwesen Deutschlands infolge einer mehr als 200» idie» Erhöhung der Herstellungskosten solch katastrophale irtschaftlichc Verhältnisse eingetretcn, das; cs mir als inzelpersöulichkeit Unmöglich geworden ist, ans eigenen, önnen >vie bisher die Zeitung fortzuführen. Ich habe >. iher meine Zeitung in die Hand eines größeren. Kreises », Persönlichkeiten übergeben, die sie in ihrer, bisherigen enden; . fortführen tverden. Die erste Oktober-Nummer wird das. Programm der nnnehrigen Inhaber enthalten. Die Zeitung wird wieder heblich -an Mitarbeit und an Umfang gewinnen, da x Kreis, der jetzt hinter dem Unternehmen 'steht, den rillen hat, größere Summen den Idealen her Zeitung.' , opfern. . . . ' Es war mein Wille, in dem Augeiiblirk, da ich mein Sert* in andere Hände , lege, auch gänzlich von ihm zu seiden. Der Thora und dem jübifcfjeii Volke wird jedoch 5 zu meinem letzte» Atemzuge mein Leben gehövclir. Sali; Geis. Roschhaschonoh-Worte an meitte zionistischen Brüder! - Ter Weg vom Beginn der zionistischen- Bewegung r 25 Jahren bis ' heute bedeutet einen Weg des Aneges, bedeutet Erweckung jüdischen Lebens, Konzen-, ation jüdischer Kräfte. Damals überall, wo der 'Jude cht mehr .— wie nn Osten — in der Abgeschlossenheit iner .Gasse lebte,* sterbendes Ipdentuni, die Entwickng der zur allmähliche» Vernichtung der jüdischen Seele hrendcn Assiinilatwn, fatalistisches Selbstaufgeben, mehr >er weniger gemildert nach dein Tempo, mit dem der nzelne sich der Anschauun'gswelt seiner nichtjüdischen mgebung.. anpaßte. Heute, wenn auch nur eine Minotät, so doch' eine nach Zahl und geistiger Bewertung ittliche Schar von Menschen, die das Würdelose empfinden, is Band mit den Jahrtausenden der vergangenen Gene-' tionen zu zerschneiden, deren Schassen auch noch die ecle des assimiliertesten Juden der Gegenwart ihre Förmig verdankt.'--Heute Menschen, die sich der Verbundenit >des gesamten jüdischen Volkes bewußt sind und. Palästina, dem Lande der Vergangenheit des jüdischen bischen Volkes, wieder wie einst eine.Stätte normalen :bens, freien Schaffens erstreben, wo das Wesen des »den sich wieder in seiner Eigenart entfalten und er so h und damit der Welt genügen könne. Zionismus heißt diese Bewegung, und " alles Ernporiinende, alles Hoffnungsvolle in der Judenheit während r letzten, 25 Jahre ist von dieser Bewegung direkt oder direkt erweckt worden. 'Einen, bewundernswerten Jdeasmus -hat der Zionismus ansgelöst, — und, dennoch dotiert er an'Krisen. Die ernsten Tage um-die Wende s Jahres mögen daher mit ihrem Rückblick und Aus? ick, mit. dem Ueberdenken des Ergebnisses der verflosnen Periode Veranlassung geben, sich der Ursachen der tockungen und Hemmungen in der Entwicklung) des Zionisus bewußt zu weroen, mögen es umsomehr, da die Erteilung des Palästinamandates an das jüdische Volk seitens der Weltmächte dieses vor die gewaltigsten Aufgaben gestellt hat. Das Palästina-Problem bcdars zu seiner Lösung des gesamten jüdischen Voltes, — doch dieses Ziel hängt davon ab, wieweit der Zionismus, die moralische Kraft im jüdischen Volke wird, wie ' liDi.ti in - seinen eigenen Reihen die Seele des jüdischen Voltes, durch Golus und Assimilation getrübt und entstellt, sich zu ihrer Ursprünglichkeit durchringt. Denn die zionistischen Reihen sind zerklüftet durch die seelische Zerrissenheit großer Teile ihrer Anhänger selber. Der Wille reift nicht immer zur. Tat, das Bekenntnis wird nicht immer zu der ihm innewohnenden Konsequenz, schon beim ersten Höhenflug der Seele gewinnt häufig die Trägheit der Gewöhnung und der Bequemlichkeit die Oberhand und bewirkt so bereits im Anfangsstadium einer neuen geistigen Einstellung Sterilität. Biele, selbst führende Zionisten habest in Wirklichkeit den alten Assimilationsjuden noch nicht ausgezogen, haben ‘ ihn nicht ausgezogen, weil ihnen deck Mut fehlt, sich ans den Boden der Tradition ihckes Volkes zu stellen, — und nur in seiner Tradition lebt! die «»gefälschte Seele eines Volkes. Jüdische Erziehung! Je mehr die Zahl derer wird, denen die Rückkehr, zuni jüdischen Volke auch wirklich die Rückkehr zum Judentum bedeutet, desto mehr. - wird der Zionismus an propagandistischer-Kraft gewinnen. Darum lautet der Ruf: Zurück.;» den religiösen, sittlichen und sozialen Anschauungen, wie sie der Geinns.des jüdischen (-Volkes (offenbart. hat, unirlvie fiq-in den Dradbiioncn des jüdischen Volkes zum', sichtbaren Ausdruck kommen. ' Und der Genius des jüdischen Volkes hat Prinzipien, Gedankenwerte von Ewigkeitsdäuer, gekündet. Ein solches Prinzip ist zum "Beispiel der Sabbat in der Prägung der Tradition des Judentums. Nur der Sabbat des jüdischen Volkes genügt' wahrhaft den Forderungen der sozialen Gerechtigkeit. und der Sittlichkeit. Die Nichtbeachtung des Sabbats bedeutet trotz des nationalen Bekenntnisses Assimilation, ein Denken in den Anschauungen der Umwelt. -Darum wird selbst der bewundernswerteste, aufopferungsvollste -Chaluz in Palästina, tvenn er am Sabbat sein Pferd reitet, seinem Tier an diesem einen Tage der Woche nicht -die Ruhe gönnt, zum Verbrecher an dem Heiligsten seines Volkes, an dessen' ihm eigenen Seele. / Ein anderes Beispiel: das Verbot des Blutgenusses: ist ein sittliches Gebot des jüdischen Volkes, und der Mahnung dieses sittlichen Gebotes verdankt es das jüdische Volk, daß in seiner Mitte Roheitsvergehen zur Seltenheit wurden. ‘ Ein drittes Beispiel aus der Anschauungswelt, wie sie der reinen, ungetrübten Auffassung des seinem. Wesen treuen jüdischen Volkes gemäß ist. Das Gebot, das Lämmchen nicht in der .Milch seiner Mutter zu genießen. Welche wunderbare Menschlichkeit atmet dieses Gebot, -und wie tief und seiner würdig hat das jüdische Volk es gewahrt, indem es sich lieber die Kosten und die Unbequemlichkeiten einer doppelten Kücheneinrichtung aufbürdete, als in die Gefahr zu kommen, sich gegen die Heiligkeit seiner Seele zu vergehen. Schließlich Fi hier noch die als sittliches Gebot betrachtete Tradition der Frühheirat herausgegriffen. Man heiratete im jüdischen Volke deshalb früh, damit die erwachten Triebe sich nicht unehelich auswirken und so als Ouell des Verderbens für das sittliche Denken und für das soziale Leben den Täter entweihen, und. für andere Menschen zum Unglück werden. Doch wozu die wunderbare Reinheit-der Gedankenwelt beleuchten, die in den Traditionen unseres Volkes lebt? Genügt es denn nicht schon,- haß es die Traditionen un'eres Voltes,sind, um ihnen mit ehrerbietiger Scheu zu nahen und sie. wieder zu beleben zusuchen? Es sollte genügen, sollte für die genügen, die den Namen Zionisten auf sich genommen haben und chr Bestes für die Rettung ihres Volkes opfern wollen. Gerade im gegenwärtigen Augenblick, da selbst in den Ländern des Westens die politische Lage der Jaden bewölkt erscheint und auch'in Palästina feindliche Gesinnung die jüdische 'Aufbauarbeit zu erschtveren sucht, hängt unendlich viel davon ab, wieviel der Zionismus an' innerer jüdischer Kraft znninimt. Nur dieses Znnehmen wird dem Zionismus all die zuführen, die sich noch nicht innerlich vorn jüdischen Bolle losgelöst haben: das ganze jüdische Volk wird sich so um ihn sammeln, und dann wird er die Kraft haben, aller inneren und äußeren Krisen Herr zu . werden. Deshalb rufe der diesjährige Roschhafchonoh einem jeden Zionisten zu: Zurück nicht nur zur Sprache deines Volkes, sondern auch zu der Tradition, deren Geist dieftt Sprache atmet. ' Saly Geis. Die Not unserer Gemeindebeamte«. Der Deutsch-Jsr.-.Gemeindebund (Berlin W. 35, Steglitzerstr, 9) teilt uns über die Not der Gemeindebeamten mit: „Die ganze traurige - Sachlage kann nicht, deutlicher illustriert werden als. durch die.Tatsache, daß auf eine, im Anschluß an eine Beratung des'Gemeindebundes mit Vertretern des Rabbiner-, des Lehrer- und-Kantorenverbandes ergangene Aufforderung zur Bewerbungum Mittet aus unserer Notftandsaktion sich 4 akademisch gebildete Rabbiner zl T. im vorgerückten "Alter gefunden haben, die Gehälter von 7200, 8000, 12000 und 14000 Mark beziehen, daß unter den 140 Bewerbern aus, allen 3 Beamtenkategorien 14 ermittelt wurden, die ein Gehalt bis 5000, Mark, 17, die' ein solches bis zu 10000, 30 eines bis zu 15000,-29. bis zu 20000. 8, die bis zu 25 000 Mark erhalten, also etwa 100, die mit Hungerlöhnen auskoinmen müssen, während der Rest der Petenten kaum viel besser als auf 25 000 Mark gestellt ist. Fürchterlich ist teilweise die Lage der Altpensionäre und ihrer Witwen: es sind uns l4 emeritierte Beamte und Witwen bekannt geworden, die Jahrespensionen von 600 - bis 1400 Mark haben. Natürlich ist die Zahl der Unglücklichen viel größer als die uns bekannt gewordenen Fälle." | Delegierteutag 6er deutsche« Zionisten. In Cassel tagten vom 11. bis 13. September Pie Delegierten der deutschen Zionisten. Bon 179 angemeldeten Delegiertenmandaten wurden vom Wahlprüfungsausschuß 176 als ordnungsgemäß anerkannt. Tie Versammlung billigte die Politik der Exekutive der Zionistischen Organisation, protestierte gegen die Beschränkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina und gegen die Uebertragung der. Kontrolle der Einwanderung an nichtjüdische Institutionen als dem Geiste des Mandates' widersprechend, sprach sich für die baldige Einberufung eines Weltkongresses für den Aufbau Palästinas aus und nahm des ferneren eine Reihe. von Beschlüßen an, von denen wir hi^r die folgenden wiedergeben: JüLische Schale. - „Der Delegiertentag stellt fest, daß die jüdische Schule ein Weg zu einer Wiederbelebung des deutschen Judentums ist. Das deutsche Judentmn hat deshalb die unabweisbare Pflicht, die bestehenden jüdischen Schulen zu erhalten und den an ihnen tätigen Lehrern ein auskömmliches Leben zu sichern. Der 'Delegiertentag begrüßt die ersten unter Mitarbeit von Zionisten begonnenen Versuche der Gründung jüdischer Schulen, an denen aus der Grundlage der lebendigen hebräischen Sprache und des ganzen jüdischen Kulturgutes jüdische Menschen erzogen werden, die wertvolle Mitarbeiter beim Ausbau des jüdischen Volkstums sein werden. Der Delegiertentag beauftragt den Landesvorstand, 1. diese Arbeiten mit allem Nachdruck zu unterstützen, 2. diejenigen Maßnahmen zu ergreifen, die erforderlich sind, um die Berücksichtigung unserer auf die jüdische Schule sich beziehenden Forderungen imbevorstehen» denSchulgeseß zu erreichen." .

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