Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 20 (1922)
- Issue
- Heft 29 (21.9.1922)
- Date
- 1922-09-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2692297-2693277-2693306--11912-2707432- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
29. Sir. 29. Neue Jüdische Presse. Seite 3 Pole : rt s : , aui Zeite eine l znrh öelegl c jül is vo sei ii S ur de ict »nste cunge dari c tro s Le! ie uii lefühi Liel nello ein« tjrit: tue. i > b er Et jfi oelan ibbin Die neuesten von Strassen-, Nachmittagskleider etc. zeigt in vornehmer, aparter Ausführung Hans Nerger, Hochstr. 26 pt. habe teitun Konti übifd fen. - errar Preis ppe ir an Flagj mder Die U8 b jlinge t. W chöhei [übifd :hörci («orj zA« letzte : Pr, e Pv . r JL Zlüeh aaljä usi r Pn r ve rngo Cho Erj n fid onifi :b D -Cze> ). 2 t -SEi o Di sende ly d- U, de jcefen >tz di WUßti tltnbo i'-.l-. msta ■/_p! igr»?)• b.) etw> tzt ichtig . dos . pelt prüfe» und uns vornehmen, gvttesfürchtige, brave Menschen zu. werden. .Nach austeil hin bescheiden, an- - spruchslos, innerlich desto qröstcr, erfüllt von jüdische,ü Pflichtleben- Gerade in diesen Tagen ist aus meiner Jugendzeit das Bild eines Mannes mir vor llsngen, der, mit nnernrestlichem . Neichtnin gesegnet, mitten in aller Pracht, ,,dic. ihn umgab, ein selbstloses, von. wahrhaft jüdischem Geiste erfülltes Lebe» führte. Von ihm will ich euch heute erzählen. . , > Draußenvor der Stadt — jetzt ist bis dahin alles bebaut — lag ein herrliches Schloß. Ein breit angelegler Parkweg mit dichtbelaubte» Kaftan ienbäumeu führte zum .Eingang' in dieses Paradies. Kein Unberechtigter hätte 'cs je wagen -dürfen, einzutreten, denn schon hat ihn voil weitem der Torwächter erblickt. .-Ich sehe ihn noch'vor mir den große», dicken Mann ■ mit seiner goldstrotzendcii Uniform, wie er mit rollende» Augen auf uns Kinder herabsah. Nu, und da wir „freien Eintritt" hatten, liest er uns nach kräftigen Einschüch-- -• terungsversuchen „ja hübsch brav, zu bleiben" n»d nicht den Hauptlveg,. sondern den Nebenweg einzuschlagen, schliest- ».\ lich durch. .! :: . .Hübsch folgsam, benutzten wir statt des prachtvollen mit schönen Blumen bepflanzten Hauptweges den Nebcn- ,.,w.eg. Verraten will ich euch jedoch, daß wir gerne abl seits. gingen,, denn nicht nngerupft von uns blieben die ' -hier - stehenden herrlichen Obstbänme. Und hinter uns schüttelte, mit dem Finger drohend, aber heimlich schmunzelnd, der Torwächter i sein graues Haupt ... . Noch eine Strecke den schmalen Weg entlang, eine Drehung nach links, — und plötzlich entflog uns ein lautes „Ah"! - Märchenhaft schön. lag das Schloß vor uns, sin Giebetbaü in gothischem Stil. Vor denk Mittelschlotz war ein großer Weiher angelegt mit einem hochgehenden Spru-- del, dessen., Strahlen sich i» der Sonne vielseitig wicderspiegelchiU^ Prachtvolle Beete mit seltenen in- und aus- . ländischen Pflanzen umrahmten das Ganze. Matt konnte in ' der Tat sich kein' schöneres Bild denkn. Mit welchem Hochgefühl gingen wir dann um vas Schloß herum, vor dem auf der anderen Seite sich der nahe . Taunus mit seinen Höhen und Bergen in seiner ganzen .Schönheit zeigte. Wo man hinsah, überall Gottes -herrliche Natur, und wir Kinder empfanden sicher . weit inniger als Erwachsene all das Schöne, wie im Märchen. Der Besitzer dieses . -Reichtums war ein Fürst, ein jüdischer. Fürst." . ' ."Voller Spannung unterbrachen da die Kinder den Onkel inseiner Schilderung.^ „Ich , kanntest du denn den jüdischen Fürsten?" „Gewiß, Kinder, kannte ich ihn, und ich muß sagen, cs ist 'schade, sehr schade, daß unsere und die kommende ^Generation nicht genügend Kenntnis hat.von der in jüdischem Sinne' vorbildlichen Lebensweise, die dieser große Mann geführt hat. Stellt euch, liebe Kinder, einen Menschen vor, der über Millionen an Geldeswert verfügt, der -von seinem Besitztum aus, wohin er seine Blicke, wendet, meilenweit altes sein Eigen nennen kann, und der, unberührt von alldem, ein einfaches, bescheidenes, allem! - Luxus. abholdes Leben sich zum Ziel gesetzt hat. Ein solcher Mensch war der Fürst. ' . Sein Adel und seine Größe lggen darin,- daß er in Demut alles dem- Schöpfer unterstellte.. Und. so . unterhielt er eine eigene Synagoge. Während er .das Jahr über in seinen in der Stadt gelegenen Besitzungen Gottesdienst abhielt, .wurde für Roschhaschono und Jom -Kippur der schönste Saal des Schlosses als Betsaal hergerichtet. Mein seliger Vater fungierte als Borbetcr und hatte für die würdevolle Herrichtnng des Raumes zu sorgen. Unsere /.Mithilfe" war daher nötig, und deshalb durften wir bereits' an den Selichoth'-Tagen ins Schloß, um bei den Vorbereitungen kleine Handreichungen zu übernehmen. Kam dann Roschhaschono heran, — welch wunderbarer Anblick bot sich bereits am Vorabend uns dar? "Der herrliche Marmorsaal .— alles ganz in Weiß gehalten — löste mit dem .in der Mitte des Saales herunterhängenden monumentalen Krystall-Lüster, an den, etwa 60 Kerzen entzündet wurden, eine weihevolle Stimmung-aus. Links vom Almemor saß der Hausrabbiner, rechts war der Platz des Fürsten. Und auf die versammelte Kehillo wirkte cs übermächtig, wenn dann der Fürst, in tiefer Andacht gebeugt, stehend, die Tefillans zum Allgütigem richtete . . ." .? „Na, Onkel, habt ihr auch die Fürstin gesehen?", ^unterbrach da die kleine Ruth. „Jamein Kind, beim Gottesdienst waren keine Frauen dabei, aber während des Schofarblasens war die Fürstin in einem N.ebcnraiim, um so dem heiligen Gebote zu entsprechen. ' Konditorei und Cal'e PH. Lanbenstein Hohenzoflernstrasse 18. Telephon: Hansa 985 -; Spezialität: Ananas-Törtchen und Pralines* Künstler - Konzert« ' Aber, Klein-Ruthchen, die Fürstin übernahm eine besonders für .uns Kinoer sehr wichtige - Aufgabe. Nach Schul .gab sie der ganzen . Kehillo ein Frühstück im Schloß. Uno all die schönen Ovstarten, die wir - einige Tage vorher schon „abseits" bewundert hatten, wurden uns .nun "rechtmäßig verabreicht. Das war dann der richtige Jomtow für uns. - Heute, liebe Kinder,, wo so-viele Jahre verflossen sind, heute können wir' mir den Wunsch in uns tragen, daß vaswunderbare Vorbild dieses jüdischen Fürsten anbere aucifern möge, in seinem Sinne zu leben. Dann wird Reichtum und Besitz segenfpendend wirken." Launiges. Ein Jude 'heiratete eine' Nichtjüdin, und diese -versprach ihm, den Haushalt nach jüdischein Brauch zu führen. Eines Tagessieht der Manil, daß seine Frau das Fleisch nicht koscher macht und stellt sie deshalb zur Rede. Entrüstet antivortete . sie: „Wenn ich das Fleisch bei einem christlichen Metzger kaufe, mache ich es immer koscher; doch wenn ich es bei einem jüdischen Metzger nehme, >vas brauche ich eS da noch koscher zu machen?" "- . * Am. Sabbattisch sitzt als Gast eine jener typischen Gestalten, die, vom Volksmünd nicht gerade schön Schnorrer genannt, sich häufig durch unbescheidene.Keckheit auszeichnen. Der Gasr hat ohne Unterlaß den Speisen zugesprochcn, jetzt am Ende der Mahlzeit schiebt er die Litörflasche des Hausherrn zu sich und schenkt sich einen Schnaps nach denk anderen ein. Da unterbricht ihn der Hausherr mit der Frage: „Wie alt seid Ihr?" Statt zu antworten, stellt der Gast natürlich die Gegenfrage: „Warum?" „Sehr, einfach! Weil Ihr ein'Mensch seid, dessen Alter nach talmuüischer' Regel sich nicht schäpen läßt. Nach dem Talmud ißt nämcich der Mensch bis zum -10. Jahre mehr, als er trinkt, und nach dem 4». Jahre macht, er es gerade umgekehrt. Ihr aber habt erst nur gegessen, und jetzt trinkt Ihr nur." „Ich," erwiderte der Gast,, „bin erst vor einigen Minuten gerade 40 geworden.". ' * Zur Zeit des berühmten Oberrabbiners'Ezechiel Landau lebte in Prag ein im.Talmud bewanderter Kutscher,- allgemein „Leserl Bochur" genannt, der ein Original war. Einmal vernichtete ein Brand mehrere Hau,ec des Ghetto. Am nächsten Samstag kam in Schul der Oberrabviner in seiner Droscho aua) auf das Unglück zu sprechen und sagte, was Gott tue, fei wohlgetan. Da rief „Lejerl Bochur" halblaut dazwischen: „Gebtihm noch recht, zündet er inorgen ganz Prag an!" * Während des letzten Krieges befahl ein Militärkommandant den Einwohnern einer Ort,Mast die Uebersied» lung nach einem anderen Orte. Die Unglücklichen durften nur bestimmte Sachen mitnehmen. Unter anderem sollten sie sämtliche Gegenstände der Gotteshäuser zurücklassen. Als der alte Ravbiner beim Auszug sein Schofar unter dem -Rocke' verbarg, wehrten ihnr dayer die Gemeinde-, Mitglieder ängstlich.. Doch der Rabbiner sagte lächelnd: „Laßt mich nur! Sie werden mich nicht erschießen." Kaum war der traurige Zug auf der Lanostraße, da kam schon eine Patrouille, und der Offizier derselben fragte den Rabbiner: „Habt Ihr Kirchengeräte vei Euch?" Der Rabbiner schwieg. „Habt Ihr Kirchengeräte?" schrie der Offizier, — doch der Rabbiner blickte ihn verstänonislos an. Jetzt brüllte der Offizier seine Frage ihm geradezu ins Gesicht; — da holte der Ravbiner das Schofar heraus, setzte es ans Ohr und fragte: „Wie meint Ihr?" Literarische Rundschau. Eine hebräische Kunstzeitschrtst. Bor uns liegt das erste Heft einer unter dem Titel „Rimou" von Dr. M. Wischnitzer und Barnch Kru»pnik (Berlin W. 35, Am Karlsbad 11) herausgegebene hebräischen Zeitschrift für Kunst und Literatur. Schon der erste Blick überzeugt, daß die Zeitschrift, in Ausstattung und an Reichhaltigkeit und Bewertung des Inhalts den höchsten Ansprüchen genügt. Sicherlich ist der Absatz der Zeitschrift für das valüiastarke Ausland gedacht, denn in unserem armen Deutschland können sich nur wenige der Interessenten das Abonnement dieser durch ihr Bildwerk kostbaren Zeitschrift leisten. Damen~Hüte in grössten Auswahl za vorteilhaften Preisen. Umänderungen nach neuesten. Modellen - schnellstens und preisweit. Zeil 127. I Bapgenfraitn 149. H. 4642. Best bewährteste Teppichn. Bett federn-Relnignng. Eine hebräische Anthologie- Bon S. MviselS. Der Jnselverlag in Leipzig hat seine „Biblio.- t h e c a M u n d i" mit einer Neuheit bereichert, die in jeder Beziehung als solche anznsprechen ist, und die man dem Wertvollsten, und Schönsten der rasch bekannt und beliebt gewordenen „Bibliothek" wird zuzählen dürfen: mit einer A n t h o l o g i a H e b r a i c a. Diese Anthologin, vom Prager Oberrabbiner Dr. H. Brody unter Mitwirkung von Meir Wien er. mit kundiger Umsicht und sachlicher Zuverlässigkeit zusammengestellt, ist in ihrem äußern Gewände, was Druck und Ausstattung betrifft, wie alles, was im Jnselverlag erscheint, eine Augenweide; '.inhaltlich aber ist sie eine literarische Kostbarkeit, .deren Wert der Kenner der hebräischen Sprache und der Freund der hebräischen Literatur zu schätzen wissen wird. Die Sammlung enthält eine gutgetroffene Auswahl von Dichtungen aus nahezu zivei Jahrtausenden, von der Zeit nach dem Abschluß der kanonischen Schriften bis zur Vertreibung der Juden ans Spanien. Wir begegnen da vielen alten Bekannten, die wir alle kenne», ohne sie eigentlich recht zu kennen; ich meine jene glänzenden Dichtergestalten, deren ragende Größe 'schon darin sich ausspricht, daß ihre Namen vielen, vielen bekannt sind und ihre Werke nicht einmal von wenigen gelesen iverven. Wir wissen alle von Gabirok, Jehuda Halevv, Jbn Esra, Alcharisi, Immanuel, aber wie wenige wissen, was und wie sie gedichtet haben. Das ist ein eigentümliches Dichterlos, das sie vielleicht nur noch mit dem Perser Firdusi und mit dem Deutschen Llopstock teilen. Die Anthologin Hebraica bietet nun einiges aus dem reichen Schatz ihrer gotterfüllten Lieder, eine Auswahl nur, jedoch mannigfach und reichhaltig genug, um uns die Bedeutung >ihrer Schöpfungen und den Grund ihres Dichterruhmes ahnen zu lassen. Aber nicht nur viele Bekannte, auch viel Bekanntes! finden wir in der vorliegenden Anthologie; so wohlvertraute Gebetsstücke aus unserem Siüdur, religiöse Dichtungen, die zur Belebung und Verschönerung des öffent-, lichen Gottesdienstes in die Gebetordnung ausgenommen wurden, und die heute noch an Werk- und Feiertagen in den Synagogen und Bethänsern vorgetragen werden. Manche dieser Gebete, die im Gebetbuch als mehr oder minder, gute Prosastücke erscheinen, kommen in der Anthologie, einzig durch die typographische Aufmachung, als poetische Erzeugnisse zur Geltung,, und wir merken so recht, wieviel der Habitus, die Formgebung, das Satzbild bei einem Gedicht ausmacht. Die mittelalterliche hebräische Poesie war vorwiegend religiöse Dichtung,' oder wie sie Meir Wiener sinnig nennt, religiös soziale Dichtung, wogegen dem weltlichen Lied, gering an Zahl und in der Stoffwahl beschränkt, — es sind zumeist gebundene Leichenreden, in Vers getriebene Frenndschaftsbriese, in Nüchternheit gezeugte Weinlieder, keusche Liebesgedichte und gereimte Sinnsprüche — nur eine untergeordnete Bedeutung zukommt. Einen Hauptteil der Sammlung bildet denn auch eine Auslese der Pijjutim, jener religiösen Dichtung, die zum großen . Teil heute noch ein Bestandteil unserer Liturgie sind. Das Los der Pajtaniiü ist dem unserer großen Dichterherocn gerade entgegengesetzt: hier hat sich das Werk von seinem Schöpfer, die Dichtung von chrem Dichter, der Pijjut von dem Pajtan vollständig losgelöst. Die Pijjutim werden heute noch an den hohen Feiertagen gesagt und gesungen; aber ihre Dichter deckt der Schleier der Vergessenheit. Sie gleichen hierin den Volkssängern, deren Lieder durch die Jahrhunderte wandern, -deren Namen aber mit ihrem Tode erlischt. Es nützte den Pajtanim nichts, daß . sie in ihre poetischen Gebetstücke durch Akrostichen und -ähnliche künstliche Versformen ihre Namen einfügten; Frömmigkeit, Andacht und Pietät begnügten sich mit dem. Hersagen der mit schwerfälligem Rhythmus und merkwürdigem Klangreim ausgestatteten Dichtungen, ohne sich um die cingefügten Ikamenszeichen zu kümmern. So lebt der Gesang der religiösen Dichter! im Munde des Volkes, ihr Name dagegen ruht bescheiden in jenen Literatnrwerken, die heutzutage fast, in jedem jüdischen Hause fehlen. In der vorliegenden Anthologie sind sie alle» soweit sie festzustellen waren, mit Namen.aufgeführt. Die Anthologia Hebraica bringt auch nur solche Stücke, in denen nicht allein der Reim die Poesie markiert. Das einzige epische L>tück der Anchotogie ist die „Opserordnung am Versöhnungstage", ein Musterstück hebräischer Epik, dem man feilt zweites an die Seite stellen kann, weit in der mittelalterlichen hebräischen Poesie kein zweites vorhanden ist. Die Anthologia Hebraica umfaßt also in gediegener Sluswahl das Beste der. mittelalterlichen hebräischen Poesie und bringt eine solche Fülle, daß man darob einzelne Lücken gern übersieht. Ich für meinen Teil hätte gewünscht, daß auch die Nischmath-Hymne, ein Stück aus Gabirols .Kether Malkhuth", (womit die philosophische Dichtung vertreten gewesen wäre), ein Abschnitt aus Immanuels .paeden wehatopheth" Aufnahme gestmden hätte. Keine Anthologie kann die Sonderwünsche jedes einzelnen Lesers befriedigen. Eines jedoch muß als Manko angemerkt werden: in der ganzen Sammlung ist kein einziges «abbatlied enthalten. . Eine hebräische Anthologie, die die Dichtungen eines Zeitraumes von nahezu zweitausend» Jahren umfaßt, und kein einziges Sabbatlied — das ist wirklich ein Mangel. Indes, wir wollen nicht nach dem suchen, was in der Anthologie fehlt, sondern uns der Kostbarkeiten freuen, die sie bietet. Wochenbott-Aisätettoiigei» Hugo Rothschild tangestrasse 35. Telefon Hansa 9928. 79