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Neue jüdische Presse · 1922-04-26 · Heft 16 (26.4.1922) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 16 (26.4.1922)
Date
1922-04-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 3. Nr. 1k. Neue Indische Dresse. liild lasen eine a r a »nd e - Jüd. mstalke sich ungeii lmung mmrr, . Nerisch gionsihrcn tjr iricu itfonit’,. -iitaOU Goui eine 's Wir uidjl o r a - a m ui Sstigeii mit die (falten, 'tunben mgcncn r 1922 iöchent- 29 für Oeu luv übcrall finde». ttjabbi'-’ Ijtici t jcinoii s Jude •mouifrl» le iviHe — in .riocd.ii, Manie siiin.w» Ström: mb prcind der fahrnwi, Wcchcm leiten« Bede»- :r Antiauch tu Ml) WWW IlMII-Wlt- ‘ Bspoerstrasae 149» H. 4849» Best bewährteste Teppichn. Bettfedern-Belnignng. Fortbildung für junge Leute: Samstag, 3JlKoutag, 7t/- und -8, Mittwoch, 71/2: Gemoro (U. II. (V>.), Samstag. 3t/s: Aiischna (X>r. Adler). _ ‘ Fortbildnng für Änaben täglich gemäß Lehrplan. E z C h a j i in (Dozenten: Liverhant, Tnrcinski Temersohn, Schereschewsly), Kurse-- in acht Klasse» und einer Borbcreitungsklasse in Chnmesch, Tefilloh, Mischna, Gcmoro hauptsächlich für Schüler hiesiger Schulen, Zahl der erteilten Stunden 70, Unterrichtslokale Hermesweg 27 a und Unterlindan 23 d. Sonntag, lt/a—4*/a a Montag—Donnerstag, 2t/»—S*A ,, Samtag, 21/-—5 „ Montag, Dienstag, Donnerstag, öt/»—7Vd Samstag, 5"/i—0^ „ Zion. Bereinigung, Donnerstag, Unterlindaft 21. 3 Uhr:- Gcneralversaninilnng, Sonntag, Hoch sch es Konservatorinm, 8>J.: Heitere Tage in jiddisch Rußland («. Groiicinann). ' M o n t e f i o r e, Goetheplatz ", Samstag, 4>/-: Einsührnng in den Talmud (Dr. Speyer), Mittwoch, 8'/,: Was vedentet uns Inden Spenglers: Untergang des Abendlandes (Dr. Silbermann). _ Vom Belzer Rebben. Wir berichteten vor einigen Wochen von der Rückreise des Belzer Rebben, der sich seit den ersten Kriegsjahreni in Mnnkaes (Ungarn, jetzt Slovakei) anshielt. Heute liegt vor uns.ein Brief, den der Sohn eines ungarischen Rabbiners Ende Dltvver an seine Eltern schrieb. Zn dem Brief heißt cs: ,,/yiir einen Wiener Ankömmling ist Mnnkaes eine lolo,- sale lleberraschnng. Es beherbergt über W 000 Inden. Gin großer Teil von ihnen trägt nach altem chassidischcn Brauch weiße Hosen. Daß inan heute am Ehol-Hamoed Znden, die weiße Schuhe und Socken, Stirnmat und seidene Bekische tragen, in den Geschäften stehen sieht, bedarf keiner besondere» Erwähnung. Das ganze wirtschaftliche Leben liegt hier in jüdischen Händen. Munkacs ist eine im volle Sinne des Wortes echte chajsidijch-jüdische Stadt. Wohl findet man auch hier Poschiin; sie sind aber eine verschwindende Minderheit, gehen in der Menge ans. Jeder Ncndentsche, der sich über den Chassidismus lustig macht, möge Herkommen und den von den Joschwim (Leibgarde des Belzer Rebbe) ans schlichten Brettern ans- Frtthj ahr snenheiten von Kleidern, Wasc&blusen etc. etc. in besten Qualitäten. Hans Nerger, Hochstr. 26 pt. gestellten, zehntausende Menschen fassenden, sogenannten „Scharter" besuchen! Da muß'er einsehen, daß hier echtes, lebendiges und nationales jüdisches Leben pulsiert. Hier wird er zn der Erkenntnis koimnen, daß die chassidischcn Hilden das wichtigste, verläßlichste, unbeugsamste, stolzeste und treueste Element unseres Volkes darstellen ... Der Konflikt zwischen dein Belzer und dein Munkaeser Rebben, der an den Sandez-Sadagora-Krieg erinnert, bildet hier das Tagesgespräch. Wie ich feststellen konnte, tragen wie gewöhnlich die Diener der Schuld größten Teil am Streite der Herren. Der Munkaeser Rebbe, denk die 'Anwesenheit des Belzer Rebben als einen Konkurrenten sehr unangenehm war, gab seiner Unzufriedenheit in einigen Worten 'Ausdruck. Die Joschwim des Belzer gossen Oel anfS Feuer, indem sie die Worte des Munkaeser in einer möglichst scharfen Weise interpretierten. Der Kamps nahm ständig an Schärfe zu, und Anhänger des „Schmogcr" — so nennen den Munkaeser seine Gegner — gingen so weit, den Belzer Rebben vei der Behörde als polnischen Agenten zn verleumden. Seine 'Ausweisung wurde nur durch die Bemühungen führende,: jüdischer -Persönlichkeiten zurückgenominen. Doch, daß ein Belzer Chassid ans Grund einer Denunziation eines „Schnioger" verhaftet (wird, steht auf der Tagesordnnng . . . Wenn die Wiener Agnda-Führer glauben, den Belzer Rebben für ihre Partei gewinnen zn können, dann täuschen sie sich sehr . . . Der Belzer Rebbe hat seine Organisation: Die Hunderttausende, die sich nur seine Fahne scharen) sind disziplinierter, organisatorisch verläßlicher, als irgend . eine Partei es erreichen kann. . . . Auch der Radostiskev Rebbe,.der Blazuwer Rebbe, der Munkaeser Rebbe, der hier weilende Sapinker Rebbe, die Familie Halberstamm sind Gegner der Aguda ... KnlturbUdchen. In der Osternnmnier der „Franks. Ztg." fanden wir in den Heiratsinserate» folgende bezeichnende Sätze: „Dr. ing., ganz freid. Jsr., wünscht sich zu verheiraten, a m e u n d A u s sehen g a u z n n j ii d i s ch." „Jsr.-Heirat. — Für ihren Sohn ... suchen die Eltern . . . Dame von wirklich hübschem Aenßern (kein Typ)." Das verschämte Wort „kein Typ" soll heißen: „Nicht jüdisch anssehend." . * ' Bor dem Gerichte in - Zwickau (Mähren) kam jungst folgendes Knltnrbildchen an die Oeffentlichkeit: In einer Hofratsfamilie findet eine Komiteesitznngi wegen eines zn arrangierenden Ma-skenballeS statt. Eand. jnr. Ignatz K'. stellte dabei den 'Antrag, Moritz W. nicht einzuladen, „weil er noch nicht getauft' ist, und wir doch bekanntlich Juden zn Unterhaltungen nichr zulassen." Run ist Jguatz K. selbst Jude. Aber das macht nichts. Fräulein Hertha, das Haustochterchen, nimmt ihn in Schutz und meint: „Er ist getauft, meine Herrschaste»! Wir können ihn ruhig als Arier betrachten." Im Kaffeehaus wird die Debatte fortgesetzt. Moritz W. stellt Ignatz Kzur Rede und meint: „Dir, Ignatz, fehlt noch viel zum Arier!" Ignatz stellt sich daraus in Positur und schreit: i„Dn, S . . . jnd. Dir werde ich schon geben. J,n zweiten Glied sind wir schon getauft." Daraus liefen beide znnc Kadi, denn beide fühlen sich in ihrer Ehre gekränkt. Am meisten der angehende Jurist, dem vorgeworfen wurde, daß „ihn, noch viel zum 'Arier fehle." Ignatz, der schon im zlveiten vüendaeiur Drueklmt-Anlage Offeribaoh a. M» Telefon 123. Unübertroffene Teppichreinignng mittelst Druckluft. Glied getauft ist, sucht die Berechtigung seines arischen, Standpunktes nachzuweisen und den Arierparagraphen vor dem Richter zn verteidigen. Der Richter bemühte sich, die Lächerlichkeit seines Standpunktes ihm klarzumachen, und es kommt ein 'Ausgleich zustande. Auekdoryches. R. E l ch o erzählt in seinen aiuerikanischeu Erlebnisse»: „In Cincinnati begegnete ich an einem kalten Wintertage deni Theatergarderobier Zachlikowski, einem wunderlichen Kauz, der Winter und Sommer mit ansgekreinpelte» Hemdsärmeln ohne Rock und Weste in den Straßen hernmlief, und der auch das Faktotuin des Borstandes der dentschjiidischen Gemeinde war. Trotz des kalten Tages perlte dem kleinen „Mann der Schweiß ans der Stirne, und als ich den rasch Dahineilenden fragte, weshalb er sich erhitzt habe, gab er zur Antwort: „Ich lauf' liier die Beine ab, um die Jndenschast vor '»er fürchterlichen Blainasch zu retten." „Bor welcher Blamage, Zachli?" „Die reichen Jude» haben doch e' neues Krankenhaus gestiftet, und das soll heut' feierlichst eröffnet werden. In dem neuen Krankenhaus stehen 120 Betten, im Sprechzimmer drei Aerzte und sechs Pflegerinnen — alles ist ans's feinste eingerichtet, aber die Hauptfach' fehlt: die Kranken. Rn hetzen sie mich ftn .der Stadt herum, ich soll um jeden Preis 'neu Kranken herbeischaffen, und ich find keinen." Ebci( wollte der kleine Mann in einen Pferdebahnwagcn hineinsteigen, da hielt er an, schlug sich vor die Stirn und rief lächelnd: „Ich bin doch '» rechter L-chleinihl! Da zerbrech ich mer stopf und verschimfir' mer de Fiiß'. statt mich selber in eins von den 120 leeren Betten zn legen und ans einen Tag krank zn sein. Die jüdische Gemeinde braucht 'en Kranken — schön, werd' ich mich opfern. Ich bin hungrig, — Hunger ist auch 'ne Krankheit. Sollen» die sechs Schwestern mich pflegen bis morgen nach 'ne Frühstück!" * Graf Siebenthal unternahm im Jahre 1783 eine Reise nach Hamburg. Bei einer Einladung in einer dortigen 'Adelsfamilie erhielt er seinen Platz »eben dem jüdischen Bankier Herz. Das ' beleidigte Graf Siebenthal! sehr, und er beachtete seinen Nachbar ostentativ nicht und wartete ans die Gelegenheit, ihn. zn kränken. Man sprach von der Tnrrei. „Ich habe viel über dies Land gelesen," . nahm der Gras das Wort, „und ich sympathisiere sehr mir den Türken. Besonders sind ihnen zweierlei Geschöpfe sehr verhaßt, für welche ich ebenfalls die Neigung der Konditorei und Cafe’ Pit# Laubensteiik Hohenzollernatrasae 19, Telephon: Hansa 985. Spezialität: Ananas-Törtchen und Pralin&s. cht jiidi er i rom; Bnkacks ihren ji niicriibcn ch gern; Freitag m Ge ii» Aehrsain Wirksam tet, gtiü jüdische er and gens an; I.. Krieg i und '.')»> lilie mid timüiiiciti craulafid Male s sregnugs id das c it. . 1 G: Gr»!atz. aschi lL R ikro (U Schitltlu l.: Pu!» C,‘/,T G (SS), , :b. v. i Chamviis vans LT), St; (93). Jedem das Sewige. Roman von M. Pulvermann. (Fortsetzung.) „Mutier, ich erkenne doch alles an, aber . . ." „Nun, aber?" „Ich hätte so vieles zu erwidern, nur weiß ich nicht, wo ich beginnen soll," sprach sie in dumpser Berzweislnng. . „Ich sehe gat nicht die Notwendigkeit für Dich ein, überhaupt zn beginnen. Ich kann es Dir auch gar nicht gestalten, über diesen Punkt mit mir zu streiten und zu rechten. Du und ich hatten ja ein ganzes Jahr vollauf Zeis, um die Angelegenheit von allen Seiten zn betrachien, und eS wäre kindisch zn glauben, daß Dir gleichsam noch in der zwölften Stunde ein anderes Licht darüber an.fgehen - sollte. Nein, die Sache muß jetzt und hier ztvischen uns ins Reine gebracht werden. Aber ich will Dir noch eine Woche Frist geben, mit Dir selbst zn einem Entschluß zu koiiniien. 'Am Ende der Woche aber erwarte ich bestimmt, daß Du mir den sestgesetzten Tag für Deine Hochzeit mit - Burger Mitteilen wirst, aber auch, daß dieser Tag nicht wieder ans Wochen hinansgeschoben wird. Ich habe Dir nn» meinen Wunsch klar zu erkennen gegeben, und ich werde nicht mehr ans die Sache znrückkommen." Sie riß die Tür ziliik Wohnzimiiier ans und rief: „Sldolphi" Der Gerufene erschien und sah sie fragend an. „Adolph, ich glaube, es wird Dir lieb sein zu erfahren, daß Alice versprochen hat, uns atu nächsten Sonnabend mitznteilen, wann Eure Hochzeit stattfinden soll. Ich weiß , - wohh daß es einem Mädchen schiver fällt, ihre Freiheit anfzngeben; aber ich habe Dir schon immer gesagt, daß Du es an der nötigen Energie hattest fehlen lassen, daher bin ich iiberzengt, daß Dn es nicht als Unmaßnngi auffassen wirst, wenn ich die Sache jetzt in meine Hand nehme." Burger blickte zweifelnd von der Mutter auf die Tochter und dann wieder von der Tochter auf die Mutter, und schließlich hustete er verlegen und fragte zaghast: „Ist das wahr, Alice?" „Es ist wahr!" rief Frau Mahlow ungehalten.. „Ich möchte die 9lntlvort von Dir selbst hören, Alice. Ist es wirklich wahr?" wiederholte er seine Frage. „Die Mutter sagt es doch," sprach diese tonlos. „Ganz recht. Nur glaubte ich, daß Dn mir hie Ehre erweisen wirst, dieses in meiner Gegenwart selbst zn sagen." Er wartete einen Augenblick, da aber keine 9lntwort erfolgte, fuhr er fort: „Wie Du willst. Ilnd limr werde ich meine Partie Billard mit Stella beenden. Tie ist mir sechs voraus." „Wir kommen mit, um zuzuschauen," sprach Frau Mahlow schnell, da ihr Burgers Benehmen bei dieser wichtigen 'Angelegenheit etwas befremdlich vorkam, und da sie es auch vermeiden wollte, noch länger mit ihrer Tochter allein zn bleiben. Alice ging aber nicht mit, sondern begab sich nach ihrem Zimmer, um nicht mit ihrer Empfindung, die ans cinÄtt Gemisch von Zorn und Beschämnilg ziisanlinengesetzt war, Menschen gegenübertreten zu müssen. Sie schämte sich über ihre grenzenlose Schüchternheit und Nachgibigkeit und sie schämte sich über ihre Kurzsichtigkeit und Leichtgläubigkeit, daß sie nicht bald die wahre Absicht der Mutter, deren, glatte, geläufige und geschmeidige Rede nicht dem Verlangen nach einer Bersöhnnng^ entsprang, sondern denn Beginn eines schweren Kampfes bedeuten sollte, erkannte. Wie immer war es der Mutter ivieder gelungen, ihren Widerstand 'zn brechen, ehe er noch seine Kraft entfalten konnte. Aber warum sollte sie auch nicht durch andere getäuscht Iverden, wenn sie sich doch iselbst immer wieder zu. täuschen suchte? Eine Täuschung.loar ihr Mut, mit dem sie jeder Sache entgegentrat, nin sich bald feig und erbärmlich zurückzuziehen; eine Tänschnng war es ferner, daß sie auch nur das kleinste Gluck von der Zukunft erhoffte. Aber es tvar doch ftiicht ftminer ihre eigene Schuld; es war Klaßner, der sie iininer ivieder anftiittelte, der da» ^Selbstvertrauen in ihr hineingeschmeichelt, der sie zu dem Glauben an ihre Kraft »und »Stärke verlockt hatte. Er war es auch, der sie in die plnmpe Falle stieß, die die Mutter ihr stellte, so daß 'sie dieser nnvorbereitet gegennberftand. Da er aber daS Unheil angerichtet hatte, war sie auch berechtigt, seine Hilfe zn beanspruchen, so mühevoll er auch diese Aufgabe finden mochte. Den ganzen Abend ftlnd auch noch einige Tage später spielte sie mit dein Gedanken, an Klaßner heranzntreteir, entweder mit dem Anspruch seiner nbernommenen Verpflichtung,-die er ihr schuldete, oder durch ihr eigenes Bedürfnis, durch ihre angeborene Schwäche, die sie zur Hilfe des Starken berechtigte. So oft sie aber diesen Gedanken in die Tat iimsetzen wollte, schrak sie wieder zurück, bis das Bewußtsein sie überwältigte, daß der Tag der Entscheidung bevorstand, so daß sie endlich den Entschluß faßte, an Klaßner zu schreiben und den Entschluß auch zur Ausführung brachte. XXVIII. ■ Klaßner erhielt den Brief mit so wenig Erstaunen, daß er sich darüber selbst wundern mußte. Der Brief enthielt nur die kurze 'Anfrage, ob es ihnr gelegen wäre, . sie am nächsten 'Abend gegen sieben Uhr am Eingang des Tiergartens zn erwarten, »nt ferne» Rat in einer >- wichtigen 'Angelegenheit zu erbitten. Er antwortete natürlich sofort bejahend und begann dann nachzugrübeln, warniir er doch ein solches ungewöhnliches Ereignis als etwas Alltägliches betrachtete. Bald aber fand er die Erklärung darin, daß die Erinnerung an dieses Mädchen doch nichts Ilngewöhnliches mehr für ihn sei. In Wirklichkeit hatte sie die ganze Zeit über in seinen Gedanken gelebt, seit jeiient* Nachmittag, wo ihre gegenseitige Sympathie durch eine längere Aussprache befestigt wurde. Es fiel ihm ein, daß ihre Bekanntschaft doch eigentlich noch gar nicht so alt sei, höchstens zwei Jahre; aber ihm schien es, als ob er sie schon das ganze Leben gekannt hätte. Ihre Freundschaft hatte bereits bei ihrem ersten Beisammeiisein begonnen. Er erinnerte sich noch, wie schüchtern und zaghaft er damals die erste Einladniig der Fran Mahlow annahm, kurz nach seiner 'Ankunft ans der Kleinstadt, wo für ihn ein vornehmer Salon »och ein Buch mit sieben Siegeln und der Umgang mit seinen Damen etwas Ueberirdisches war. Er erinnerte sich auch, daß nicht Frau Mahlows herablassende Liebenswürdigkeit» sondern - Alices freie, mädchenhafte Einfachheit ihm die nötige Ruhe verlieh, so daß er sich bald ans diesem fremden Gebiet heimisch zu fühlen begann. Durch Alice wurde es ihm aber auch jetzt klar, daß '' er bisher ein einseitiges Leben sührte> und ohne ihr Dazwischentreten noch weiter geführt hätte. Und dafür war er ihr dankbar; sie war sein Wegweiser nach der Hellen, freundlichen Welt, oder er wäre noch länger in jenen jinsterii Umgebung geblieben. In seiner bedrückten, mißtrauischen Stiiilmilng hatte sie ihn durch ihre Demut und Hingebung den Glauben an gute Frmien wieder eingeslößt. Mit ihrer Bescheidenheit und Zutraulichkeit, die aber den feinen Takt nie überschritten, erhob sie ihn zur Höhe der Selbstachtung. (Fortsetzung folgt.) 29

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