Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 20 (1922)
- Issue
- Heft 16 (26.4.1922)
- Date
- 1922-04-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Neue Jüdische.Presse. Katze und Maus empfinde, mit der Ausnahme, bof; ich sie nicht essen mag." — ,„Was sind denn da; fiir Geschöpfe, Herr Gras?", fragte einer au; der Gesellschaft. — „Das ftttb die Esel und die Juden," sägte Gras Siebenthal mit einem höhnischen Seitenblicke. „Beide sind in der Türkei gleich verachtet, und mim schlägt sic tat, wa man sic findet." Der Graf .schwieg triumphierend, die übrige Gesellschaft war höchst verlegen. Da erhob sich Bankier Herz ein wenig von seinen, Platze, klopfte dein gräflichen Nachbar aus die Schulter und sagte gemütlich lächelnd: „Ja, mein Bester, dann ist es gut, daß wir beide nicht in der Türkei sind." Gtacorno Meyerbeer. Jakob Meyer Beer, bekannt unter dem Namen Giacomo Meyerbeer, wurde 1794 in Berlin geboren, wo sein Großvater Rabbi L i p p in a n n M e y c r Wulf einer der angesehensten und reichsten Juden war. Seine Eltern, der Kaufmann Herz Beer und"A in a l i c g e b. Wulf, hatten vier Kinder. Wilhelm,, der als Astronom und Politiker bekannt ivurde und Mitglied der Preußischen ersten Kammer war, M ichael, der talentovl.e .Dichter des Struensee, der jung aus Gram über eine Zurücksetzung als Jude starb, H e i n r i ch, der Kaufmann würde und Jakob Me-yer. Der Knqbc fiel schon mit drei Jahren durch seine ungewöhnlich starke iiuisikalische Begabung aus. Ws lg jähriger schrieb er die Cantate „Gott und . die Natur"". Seine Ruhmeslausbahn begann er 1831 in Paris mit seiner Oper „Robert der Teufel"". In seinem Verhältnis zum.Judentum war Meyerbcer indifferent. Bei einer Gelegenheit zeigte er jedoch als Jude Charakter. Er erwiderte mif eine Einladung aus Wieir, daß er sie ablehne, da er nicht gewillt sei, den fiir auswärtige Jndeir bestehenden Tagzettel zu zahlen. Man schrieb ihm. sofort, daß von ihm selbstredend die Taxe nicht gefordert werden, würde; doch er blieb mit der Begründung bei seiner Weigerung, er werde erst kommen, wenn überhaupt feinem; Juden mehr die Taxe abgciioinmcn werde. Seine älteste Tochter verheiratete Aieyerbecr mit einem Christen, dem Rittmeister Baron Äorff in Berlin, die beiden anderen Töchter waren bei seinem! Tode noch unverheiratet. - Mit der Einstudierung seiner Oper „Die Afrikaneri,>"" beschäftigt, überraschte den Komponisten am 2. Mai 1864 in Paris der Tod. Die Leichenfeier gehörte zu de» glänzendsten, die Paris seit Jahrzehnten gescheit hatte.' Die. Zipfel des Leichentuches hielten-Graf v. d. Goltz, der preußische- Gesandte, Gras Bacciochi, Beute, Camille, Doneel, Ander, Saint Georges, Gisors, Baron Taylor mid Perrin. Es sprachen Beule im Namen des Institutes von Frank, reich, -Samt-Georges für-die Liter. °Gesellschaft, Taylor für' die Vereinigung der Musiker, Perrin für die-Oper, der Präsident des Israelit. Konsistöriums usw. Oberrabbiner Isidor rezitierte die Gebete. Die Natio'nalgards flankierte Sr Kaffee Kutilaiid 5 lvaiserstrasse 56 Kuiserstrasse 56 , Täglich erstklassige BMT* Unterhaltungsmusik VU das unübersehbare Gefolge des Zuges. Die Bestattung selber fand in Berlin, statt. Hier hatte der König einen sechsspännigen Galaivagen geschickt, und es waren die ersten Männer der Regierung, der Kunst und der Wissenschaft bei der letzten Ehrung anwesend. Drei Militärkapellen eröffnetcn den Zug. Rabbiner Dr. Joel aus Breslau hielt die Gedächtnisrede. Literarische Rundschau. Bruno Krank: „Das Weib anf dem Tiere'-. ^Erstaufführung im Reuen Theater.) Die Gesellschaft sitzt ans der Anklagebmik; die' bürgerliche Gesellschaft in ihrem Wesen verzerrt durch die zerstörend-brutalc „Moral"' des Mannes. Und diese. Gesellschaft ist wahrhaft das apokalyptische „Weib auf dem Tiere", die Mutter aller Sünden und Laster. Die von ihr erniedrigte, beschimpfte Frau hält ihr den Spiegel vor.; ES weht aus solchem sozialen Protest, im Drama des jüdischen Dichters Bruno Frank ettvas von prophetischem Geist aufrechter Menschlichkeit — sehr von fern aber noch immer stark genug, um der von Naturalismus, französischem Gcsellschastsdrama und moderner Psendo-Gnostik her bestimmten Ideen-, und Gestaltenwclt eigene Silhouette zu geben. ' ' Die dramatische Spannung einer Gerichtsverhandlung gibt die Grundfarbe den gestalterischen Auftrieb. In ihr ballt sich der Sinn: die Gerechtigkeit der bürgerlichen Gesellschaft muß immer die Linie der Menschlichkeit überschnciden und so 'gerade die reinsten Forderunge» der Seele bestätigen. Eine Frau steht angctlagt. Eine Frau, die den geliebten Mann erschossen. Eine Frau, die sich allen hingebend lind die sich endlich in' der Liebe des Einen als Mensch geheiligt und um ho brennender verraten fand. Darum erschoß sie ihn. Und verlangt ihren Tod. — Der Mann hatte sic zur Ausgestoßene,i, der Mann sie zur Mörderin gemacht, iknd der Mann klagt sie jetzt an. Und verurteilt sie. In Wahrheit sitzt die von der engherzigen Meute Gejagte, über -die Philister im bürgerlicheck Gcrichtssaal und die vom Manne Erniedrigte über d e n Mann zn Gericht vor dem Forum der Ewigkeit. —- Wochenbett-Ausstattungen Hugo Rothschild Langestrasse 35. Telefon Hauen 9926. Nr. 16. Das waren die Beziehungen zu ctiwr weiten und starken Ethik, die ans dieser Wirklichkeit lvach werden müßte». Da cs aber' nicht wetterleuchtet über de.. Gestalten, muß ein Traum als dens ex machina ans die Bühne springe», die Transzendenz des Geschehens beleuchten, den Mann auf die Anklagebank und die Frau auf den Richterstnhl setzen. Die Kluft zwischen Geschehen und Sinn auf solche Art Überdrücken kann das Kino schließlich genau so mangelhast. In der Dichtung reden die Dinge für sich: es muß nicht für sie geredet lverden. Vom Standpunkt einer Bühncndramatik, die nur aus der Zeit für die Zeit wirke» will, ist das Werk als wertvoll: zn begrüßen; da es auf dem begrenzten Bezirk, den es ja nur einnehmen will, mit Takt und bewunderungswürdiger Festigkeit und Solidarität steht. Probleme sind nirgends gestellt und daher nirgends gelöst, — sonst müßte Gegenspieler der Frau der unwandelbar harte Staatsanwalt sein, und nicht der Präsident, dem in Visionen Läuterung. >vird. Weitere Horizonte dämmern nicht ans — weshalb der apokalyptische Titel nicht ganz am Platz ist: Dieser-Eigenschaften halber muß das Stück, das gesellschaftliche Tatsachen in klarer. Form darstellt, beim Publikum starken Beifall finden, — nnußte es besonders in der ganz ausgezeichneten Ausführung im Reuen Theater. Es war ein seltener Genuß, zu sehen, wie jede Figur fest an ihrer Stelle stand, wie das ganze Bild sich schloß und rundete^ Der Regie Hanns Hübners vor allein gebührt Dank für deu Erfolg. Daneben als Gegcnspielerpaar voll Schönheit und Kraft, Frau Sagau mid Herrn Weber. In ihren Gestalten leuchtete aus' ergreifender MenschlichkeitTieferes, Reicheres empor. Und zwischen diesen weitgespannten Polen, jede einzelne Gestalt deistGanzen bedeutungsvoll eingeordnet. Nur die Trauniszcuc wirkte haltlos, — doch dafür ist ja der Autor vcranlwottlich. 91 l pe d I acv b. Wocherr-Kalender. Samstag,-'29. April fl. Jjar). Tabbat-Ansang: 7 Uhr 05 Min. Franks. Zeit. Sabbat-Ausgang: 8 Uhr .30 Min. Franks. Zeit. Wochcnabschuitt: Sasrija und Mezanro. Schabbos Rausch Chaudcsch. -O m e r - T a b e l l e. Donnerstag, 27. April, abendsr 15. Omer. Sonntag, 30. „ „ 18. „ Mittwoch, .3. Mai, „ 21. „ Frankfurter Familiemiachrichte« B a r in izwo s. Walter Ulluiaiin, Hausfstr. 10, Synagoge Untcrlindau. S i l b. Hochzeit. Isaak Oppenheimer und Ranny geb. Wicsencck, Ostendstr. 79 (2. Mai). G e st o r b e n. Wilhelm Stern, 75 I., Wolssgangstr. 123, Dorothea Zuntz geb. Abraham, 57 I., Börnestr. 26. .Di. icschwarz-u. farbig Goethestr. 20 Täglich trejfen neue Friihjdhrs- Moclelle in ersten Qualitäten und großer Auswahl ein. Unsere Preise sind auch dafür äußerst niedrig gestellt. Zn der am Dienstag, den 9. Mai d. J., abends 6% Uhr, LangeBtrasse 30 L statlfindenden Mitglieder-Versammlung werden die verehrt Vereinsmitglieder hierdurch höfl. eingeladen. Tagesordnung: 1. Verlesung von Aussteuern II. Klasse. 2. Wahl zweier Revisoren. Frankfnrt a. M., den 25.'April 1922. D«p Vorstand, Statt jeder besonderen Anzeige. Elsa Meier Hirsch Rubinstein Verlobte Baden (Schweiz) Badstr. 33 Zürich Frankfurt a. M. Obermains tr. 18. Statt Karten! Henriette Rosen Gereon Brettler Verlobte Frankfurt a. M. Wieslocb, Marktstr. 7 Zeil 39II. - Heidelberg Empfang Samstag, den 29. April u. Sonntag, den 30: April. Statt Karten. ~ — Else Levigard _ Joseph Fiehermann V er1 ob t a Frankfurt am .Main Friedbergerlandstrasse 11. Langestrasse 3. Empfang nur Friedbergerlandstrasse 11 Samhtag, den 6. Mai 1922 und Sonntag, den 7. Mai 1922. Statt Karten. Gertrud Mayer Arthur Wassermann Verlobte Giessen Frankfurts. M. Bahnhofstrasse 63 Hölderlinstrasse 10 Zu Hanse: Samstag, 29. April 1922 in Frankfurt a. M. Manfred Sohames Else Sohames gehFeist Vermählte . . - 25. April 1922. UhlandstrasSe 52. Hornberger &0erfr (jerren-, Knaben- und Sport-Bekleidung Zeil 112' neben der Hauptpost Linoleum 0™» Iniaid A. Ü. Thyssen Fernsprecher Hansa 1784. :: Neue Malnaerstr. 20. Statt Karten. SyMa Frankfurter AdOlfSteinberger V erlebte ' Antwerpen. 'Frankfurt a. M. "Empfang, Frankfurt, Schützenslr. 7: Samstag, 29. April.