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Neue jüdische Presse · 1922-04-12 · Heft 15 (12.4.1922) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 15 (12.4.1922)
Date
1922-04-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15. Seite 3. Neue Mische Messe. Pankfurl. Srosstoeissnäherei Segr. 1901 Lange8tras8e 18 (Hinterbau) 3. St. :: Tel. Römer 5308 Anfertigung sämtlicher 'Wäsche (auch einzelne Stücke) mit oder ohne Stoffliefernng. KnopflSoher innerhalb 24 Stunden. Spezialität: $raut-Ausstattung., Kevren>Obevhemden naoh Maas. gewährtes Darlehn nicht van der Gemeinde, sondern von diesem Schnlsonds übernommen worden wäre, trotzdem der Schulfonds das Darlehn nur geivährte, da den Lehrern das Lyzeums das Gehalt gezahlt werden mußte und der Instanzenweg bei der Jsr. Gemdinde zn lange gedauert hätte. Sine vorbildliche soziale Tätigkeit. Bei Durchsicht des Berichtes der Frankfurter „B erat u n g s st e l l e s ü r o st j ü d i s ch e Flüchtling e" (Vorsitzender:. Rabb. Dr. Horovitz, stellv. Bors.: Max Wertheim er, Jac. Rose »heim, Syndikus: Dr. M a n n h e im)' empfängt man unwillkürlich den Eindruck, daß hier mit Herz und Verstand »nd jüdischer Würde gearbeitet wird, — und nur'diese Verbindung ist eine gute. In kurzen Strichen sei das im vergangenen halben Jahre Geleistete gezeichnet. Die Gewährung von Reisegeld, Verschaffung von Pässen usw. ermöglichte 274 Ostjnden die Auswanderung.! Dazu kommen noch über 100 ,Personen, denen außerhalb Frankfurts Arbeitsstelle» nachgewiesen wurden. Die hier in Franksurt verbliebenen ostjüdischen Flüchtlinge wurden in .Zusammenarbeit mit dem Verein „Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden" eincin Berufe zugekührt. Es gelang 70<y» mls ungelernte Arbeiter nuterzubringen. 36 Flüchtlinge ivuröeu als Handwerker^ ausgebildet: 4 Maurer, 3 Zinünerleute, je 2 Schlosser, Tchreiiier, Installateure, Elektromonteure, l Bauspeugler, 3 Elektrotechniker, 3 Schriftsetzer, 2 Schuhmacher, je 3 Schiste- Macher, Portefeuiller, 4 Anschläger, je l Friseur und Bäcker. Fast alle arbeiten bereits über ein halbes Lahr zur vollen Zufriedenheit ihrer meist christlichen Lehrherren. Theoretische Kurse führtendie Lehrlinge in deutsche Elcmentarfächer und technische Fächer ein. Durch Bemichungen bei den Behörden gelang es, die Erteilung pon 'Personcnausweisen zu beschleunigen. Auch das Landesarbeitsaurt beioies in vielen Fällen Entgegenkommen. Frühjahrsneuheiten VOÜ Kleiden, VascUIusen etc etc. r in besten Qualitäten. Hans Nergeir, Hochstr. 26 pt. Jedem das Seiuige. Roman von M. Pulvermann. (Fortsetzung.) „Durchaus nicht. Ich bin gern bereit, es Ihnen zu sagen. Da ist zunächst das Beispiel meiner Elrern, um mich zu warnen. Ri eine Mutter heiratete einen Mann, den sie nicht liebte. Vielleicht glaubte sie, daß es sich mit der Zeit ändern werde. 'Aber es war nicht der Fall. Gott allein weiß durch wessen Schuld. Aber so lange ich denken kann, war das Familienleben meiner Eltern nicht viel anders als ein Trauerspiel. Am meisten hat es auf meine Mutter eingewirkt, obwohl sie es nicht eingestehen ivill. Ich' habe allen Grund anzunehnie», daß sie viele Anlagen zum Guten besitzt. In einer andern Sphäre wäre sie ein gewaltiger Faktor der Wohltätigkeiit geworden. Allein schon am Anfang enttäuscht, vemunoet und verkrüppelt, ist sie das geworden, was sic ist. Wundert es Sie, daß ich mich vor einem ähnlichen Schicksal fürchte?" . „Das brauchen Sie auch nicht. Sie weroen sich nicht mit der Redensart abfindeu: ,Gott allein weiß es, wer Schuld daran hat'". _ „Natürlich werde ich alles aufbieten, daß die schuld nicht injr zur Last füllt." .. . „Sei dem nun, wie .ihm wolle, so iveis; ich immer noch nicht, was Sie gegen ihn einzuwenden haben." Sie sah ihn verwundert an. „Sie erwarten doch nicht, daß ich etwas gegen den Mann sprechen soll, der aller Wahrscheinlichkeit nach bald mein Gatte seni^ wird!" . Die Verwunderung war jetzt auf seiner Seite, als er ihre Entschlossenheit daraus entnahm, mit blutendem Herzen' das schlvere Opfer zu bringen. „Dann wollen Sie trotz allem' Burger heiraten?" Die Frage entschlüpfte ihm gegen seinen.Willen. .... „Was erwarten Sie denn sonst, da ich doch seine Braut bin?" sprach sie kindlich, naiv. , „Trotz aller Gefahren?" Ein gewaltiger Zorn bemächtigte sich seiner, ohne zu wissen warnin oder "gegen wen. , „Jawohl, trotz aller Gefahren. Ich würde ihn morgen heiraten, hvenn Sie brach ab, doch durch seinen Blick gezwungen, sprach sie weiter: „Wenn ich nicht besürchten müßte, daß bei Meinem Fortgehen mls dem Hause meiner Mutter die Bis zur Unterbringung in einem Berufe gewahrt das Jüdische Volksheim tagsüber Unterkunft und verhindert dadurch den Besuch zweifelhafter Wirtschaften. ES wurden je 600U Mittag- und 'Abendessen verabfolgt und in 40o0-Fällen Schlafqnartiere nachgewiesen. Saminlung vo,l Kleidungsstücken, Krankenpflege und Kinderschutz waren gleichfalls Betätigungsgebiete der Beratnngsstelle. Das gesamte Werk wird demnächst durch die Errichtung eines Flüchtlingsasyls gekrönt werden. Diesem umsasieiiden Hilfswerk, das monatlich 60000 Mark beansprucht, droht nun ans Mangel an Mittelix der Zusammenbruch. Dies zn verhiitc.i, ijt die Pflicht der gesamten Judc.ihell Frankfurts. Sie erfüllt damit ein Gebot der Mcnjchlichkcit und handelt im Interesse des deutschen Judentums, ivie Deutschlands selbst.*) «leine Notizen. Hier ist ein „Verein jüdischer S o z i a l b e a m - l e >i" gegründet worden. Sämtljche hiesigen Sozialbeamten »nd Sozialbcamtinnen haben sich angeschlossen. Der Verein „L emaa ii Z io »“ wühlte sür den verstorbenen Rabb. Dr. Nobel Rabo. Dr. H o r o v i tz zum Vorsitzenden. gjranksnrter Veranstaltungen. Agudas Jisroel, Freitag, l4. 'April, Hanauerlandstr. 17, Schir yaschirim (Jac. Roscnhcim), s-onntag, 16. April, Langestr. 26, est-: Agudas Jisroel (Rabb. Beermann u. Jac. Nioseiiheim). Der Mrer Israel. Eine P e s s a ch - Sage von Chajim Bloch. In irgend einer Hauptstadt waren die Christen den Jude» gar sehr seind. Der König war ihnen aber wohlivollend, nno man vermochte daher nicht ihnen Böses zu tu». Da ersannen die Feinde Israels einen Plan, in de» Augen des Königs seine Mischen Untertanen zn verleumde», damit er sie verderbe. Eines Tages, es war nahe zn dem Pessachseste, versammelte sich eine große Menge, zog znm Palaft und sprach zum König: „Es leve unser Herr, unser König! Wir kamen her, um Dir ein wichtiges Ereignis knnsznlun. Der Weg führte uns heute in oie Jndengassc, Wir fanden dort einen Genossen unseres Ltammcs in seinem Blute liegen und viele Inden um ihn. >Die,e halte» ihn getötet, um sein Blut für ihre Mazzos zn verwenden." In dieser Stunde saß vor dem König ein Ratsherr, ein furchtbarer Bedränger der Juden, der es nicht dulden lonnre, auch nur das.Wort„Jnoe" zn hören. Wie er die' Antlagc vernahm, erhob er sich mit großem Zorn und redete vor dem König und seinen Ratsherren: „Das Volk Israel ist ei» Ansschlag in nnsereur Lande, es bleibt uns nichts übrig, als cs zu vernichten." Die anderen Ratsherrcn freuten sich ob der Worte ihres Gefährten, denn auch ihre Seele war bo-shaft, und sie sprachen zum König: „Wenn Du die Juden nicht zur Verantwortung ziehst, da,in bleibt uns nichts übrig, als ohne Deine Erlaubnis das Blut des Erniordeten zu rächen!" *) Postscheck 2211, Jsr. Hülssverei» (für Beratungsstelle für ostj. Flüchtlinge). Otfenbacher Druckluft-Anlage Offenbaoh a» ■■ Teleion 123. Unübertroffene Teppichreinlgmg mittetet Druckluft Und sie riefen wie aus einer Kehle: „Tod und Verderben den Juden!" Der König antwortete: „Wisset, daß wir dem Schöpfer der Welt, dem Allgewaltigen des Rechts und der Gerechtigkeit ein Opfer des Dankes darbringen müffen, der uns bewahrte, unschuldiges Blut zn vergießen. Er sieht alles Tu» der Menschen und vergilt dem Frommen nach seiner, guten, dem Bösen aber nach seiner schlechten Tat. Seht her/ die Männer, die 'da vor Euch stehen und Zeugnis abtegten — Falschheit ist 'ihre Aussage, Verleumdung ihre Behauptung, die Juden hätten einen Menschen getötet. Jch will es Euch 'beweisen, und es soll Euch allen in Eriiinernng bleiben, so daß Ihr es noch Euren Nachkommen erzählen werdet." Und nun befahl der König: „Man rufe in der ganzen Stadt auS: Die Juden sollen am heutigen'Tage vor dem König erscheinen." Die Juden versammelten sich alle voll der Angst, und ihre Leiber bebten, denn sie wußten nicht die Ursache; dieses plötzlichen Rusens vor dech. König. Als sie vor den König kamen, fielen sie ans ihrem Angesichte zu Boden und Mßteir den Saum seines Gewandes; ei» Zeichen, daß sie (seine Gnade erflehen. Der König aber redete: „Ich ließ euch, Inden, herkoimnen, den>t ich will an euch eine Frage richten. Dies die Frage: David, der König, sagte in seinen Psalmen: „Denn es schlmmnert nicht und es schläft nicht, der Wächter Israels." Da wäre es,zn fragen, wenn es steht „er schlummert nicht" — verstünde ics sich doch schon von selber; daß er „nicht schläft", wozu /denn noch das Wort „en schläft nicht?" Die Juden erwiderten: „Uirser Herr mb König: Es war die 'Art der Propheten, den Sinn in doppelter Sprache auszndrücken." ’ Der König machte eine Bewegung mit der Hand und sprach: „Eure Antwort ist.nicht richtig. Ich will eine Ge schiche ertzählen und ihr werdet dann verstehen, warum sich David der König auch des Wortes „er schläft nichr" bediente." Und nun wandte er sein 'Angesicht zn seinen Rats Herrn und sprach: . „Gestern Nacht floh mich der Schlaf, unruhig, wälzte ich mich auf meinein >Lager. Dazu störten mich noch .Insekten. Ich stand daher aus, kleidete mich an und ging in den äußeren Hof, um. mich in der kühlen Nacht zu erfrischen. Wie ich so spazierte, vernahm ich plötzlich mekprerer Leute Stimmen, die des Weges kamen. Mir siel eS ans, daß nach Mitternacht Menschen herumwandeln, und ich sagte mir: Gewiß haben die Nachtwanderer ein Ber- Konditorei und CafüS JPIi» Lanbenstein HohenaaHeraetraesa 18. Telephon: Hansa STL Spezialität: Ananas-Törtchen und Pralinös» Tür offen bleibt, durch die ein großes Ungtück seinen Einzug hält Ich betrachte inich als Wachtposten, meine' Mutter und meine beiden Schwestern zu beschützen." „Eines Tages werden Sie aber doch Ihren Posten vcrlaffen inüffen." „Je später, desto besser; desto mehr Zeit für ein Wunder, das sich ereignen kann. Meine Mutter mag ihr Unrecht einsehe,i, oder sie mag seiner überdrüssig werden. Picilcicht auch," sie sprach es mit einem Seufzer, „daß Burger meiner üverdüssig wird." Klaßner widersprach nicht. Er (wußte, daß sie ia einer Hinsicht keine Hoffnung zn hegen brauchte. 'Aber er wollte das Mädchen ausrichten, nicht über ihm noch mehr Lasten ansbürden. „Wissen Sie auch, daß die Heirat Ihrer Mutter auch unsere Freundschaft beeinträchtigen wird?" sprach er plötzlich. Sie lächelte schwach. „Eigentlich sehe ich nicht ein, warum dies der Fall sein sollte." „Weil ich mir in 'den Tagen der Raserei nach Ellens Flucht zuschwor, jeden Verkehr mit solchen Menschen und deren Ungehörigen zu meiden, die außerhalb des Glaubens heiraten." Alices Gesichtsfarbe wechselte schnell, während ihre Lippen kaum hörbar die Worte flüsterten: „Meine Mutter heiratet Dr. Jarvis, ich «heirate Burger/ und . . . ." „Und Sie verlassen mich," dachte Klaßner ihre. Schlußworte. Aber er konnte nicht lange darüber Nachdenken, denn in demselben 'Augenblick erschien Frau Mahlow, strahlend und lächelnd, ihn voller Liebenswürdigkeit begrüßend. , XXVII. Alice befand sich in ihrem Ankleidezimmer, als Stella wie ein Wirbelwind ins Zimmer stürzte. Auf den ersten Blick erkannt sie, daß sie darauf brannte, eine große Neuigkeit auszukramen, — und da sprudelte es auch schon aus ihr heraus: „Alice, ich habe eine Unterhaltung der Mutter mit Dr. Jarvis belauscht, wobei die alte Dame die Bemerkung fallen ließ, sie werde noch heute die Sache ins Reine dringen, worüber aber der saubere Herr Doktor nicht sonderlich erbaut zn sein schien. Ich mußte es Dir initteilen, dainit Du .Dich danach richtea kannst. Sicherlich haben sie ihren Hochzeitstag schon festgesetzt. Ich für meine Person plantsche in Wonne, bei der herrlichen Aussicht mit dem vielgeliebten Stiefvater unter einein Dache zu wohnen. Du aber hast jetzt die beste Gelegenheit, Dich auf die Hinterbeine zu stellen." Ohne eine 'Antwort abzuwartcii, stürmte sie wieder davon.; Alice fühlte einen Stich siinl Herzen, — doch bald kam es ihr Ivie eine Erleichterung. Enolich fängt doch die Welt an, sich wieder zu. bewegen! Endlich drängen die Ereignisse zur Entscheidung hin, mag diese ausfallen wie es seil „Bewegung bedeutet Leben," hatte doch Klaßner erst gesagt. ( Sie konnte es auch gar nicht bereifen, warnnk sie ihre Denkfähigkeit bisher, so unterschätzte? Konnte sie denn auch nur für einen Augenblick annehmen, ihre Mutter werde sich iwch lange in dieser stillen Versunkenheit gefallen, nicht endlich zur Tat drängen? Nur in einer Hinsicht glaubte Alice die Sache über-' trieben 5« haben. Bis jetzt war sie sich wie eine Vergessene, wie eine Ausgestoßene vorgekommen, die auf einer einsamen Insel über Bord sprang, während das Schiss weiter segelt/ nach einiger Zeit aber wieder zurnckgekehrt, um den Einsamen wieder abzuholen, wobei dieser aber in die stürmischen Wogen stürzt. Aber das schadet nicht; wenigstens bereiten sich Taten vor, so daß sie sich nicht mehr mit ihren Gedanken allein überlassen bleibt! Sie wunderte sich, was wohl diese Umwälzung in ihrem starr gewordenen Innern hervorgebracht hatte? War es durch Klaßners Anwesenheit, oder durch Stellas Mit-, keiluiig? Wohl das erstere. Nur schien es ihr befremdlich,' daß ihre Steifnackigkeit wirklich seit dieser Unterhaltung und seit seiner Warnung sich bemerkbar machte. Das Verschwommene ihrer früher» Absichten hat sich jetzt oerdichtet, hat Gestalt angenommen; das Verlangen nach einer Krisis ließ sie nicht mehr los und hatte sich sogar zu einem Begehren nach einem Angriff gestattet. Zweifellos mußte sie all dieses Klaßner zuschreiben . . . Der Gong zum Diner schlug an. Während der Mahlzeit legte Frau Mahlow eine Sanftmut und Zärtlichkeit sür Alice an den Tag, die himmelweit von ihrer bisherigen erzwungenen Duldsamkeit abstach, so daß die letztere mit besonderem Mißtrauen sich zn wappnen sür angebracht hielt. Bald aber, da sie keinen besondrcir Grund für ihr Mißtrauen fand, 'gab sie sich ihren kindlichen Gefühlen hin. Sie glaubt zwar zu wissen, was diesen Wechsel im Betragen detz Mutter bewirkte, aber sie hielt sich gewaltsam vom Nachdenken zurück. Es genügte ihr zu wissen, daß in dem Kampfe, der von jeher zwischen

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