Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 20 (1922)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1922)
- Date
- 1922-03-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 12. Neue Jüdische Presse. Seite. 3. Einein Redakteur der „Luptä" sägte-.Adols S.t.ex*: Es. sreüL7!>nich,. Ms'Zer. List«, der Partei gewählt zu sein, ' ine "die-"'Juden 'als g l e i'chv e r e ch ti g t e. Mat'io n> an«' erkennt und nicht die Verleugnung ihres- Volkstums und: ihrer Rassen-fordert- Ich werdq in der -Aam'merLie,^rumänische- Judenschast verrretcu, und zwar nicht im Schoße der Bauernpartei, da wir mit der Bauernpartei bloß' ein Wahlbündnis abgeschlossen haben. Das bisherige Freund», schastsverhältnis werde» wir natürlich auch in der Kammer aufrechterhalten, da die Bauernpartei die einzige ernstzunehmende demokratische politische Organisation im Lande; ist. Bor allem werde ich für die verfassungsmäßige Sicherstellung der Gleichberechtigung der Juden mit der größten Energie kämpfen. Ich iverde die unveränderte Aufnahme des betreffenden Artikels des .Saint-Germainer Friedens- Vertrags in die rumänisch« Verfassung fordern. Dieser Friedensoertrag'hat meiner Airsicht nach nicht nur inrernatioiialen Charakter, sondern steht auch über den Nationen, ' weil er die Grundsätze her allgemeinen Wahrheit in sich hat. Das rumänische Parlament hat wohl den Friebeusvertrag' bereits ratifiziert, es ist jedoch unbedingt notwendig, daß der Vertrag auch in die Grundgesetze des Staates anfgenommen werde." ' '(Stern gehört zu den ältesten Vorkämpfern der südrsche» Gleichberechtigung in Rumänien. Schon im Jahre 1878 hat er als Schriftführer des Bundes „Zion" das ganze Material für die jüdischen Forderungen an den Ber kineo Kongreß, die durch die „Alliance Jsraelite" und Professor Lazarus als Vorsitzenden des jüdischen Rumänenkomitees in Berlin vertreten wurden, geliefert. Er war der geistige Führer der rnmäirischen Juden in ihrem Kanrpse um die Durchsetzung des Artikels 44 des Berliner Vertrags in der rumänischen Verfassung. Er ist der Begründer des „Verbandes der eingeborenen. Juden in Rumänien". Aus der Misrachi-Bewegrmg. Misrachi-Jugeudgarten BreSlaa. Unmittelbar imch den Pessachfeiertage» wird in Breslau das Misrachi-Gartenheim eröffnet. Dieser Jugendparten beabsichtigt die Einführung jüdischer Mädchen in den Gartenbau. Die Ausbildung wird geleitet von einer durch langjährige Arbeit in diesem Fache bewährten Gärtnerin, -Frl. K S t e Rosenberger, deren persönliche und technische Qualitäten die Gewähr dafür geben, daß die Ausbildung nach jeder Richtung hin ersprießlich sein wird. — Neben Per Gartenarbeit auf eincin 3 Morgen großen Stück Land, in der Blumen- und Gemüsezucht getrieben wird, wird auch ^eine Geflügel- und Kleintierzucht migelegt, uitb daneben werden die jungen Mädchen in alle Arbeiten eingeführt, die mit Küche und Haus znsaniinenhängen. Ein theoretischer Unterricht {Hot-LAMJE CSS1 Fahrgasse 119 moderne Hüte und Hützen fHttkftt^StpsstDeissttäberetSegv.M -Langestrasae 18 (Hinterban) 3. St. TeL Börner 5308 Anfertigung sämtlicher Wäsche (nach einzelne Stficke) mit oder ohne Stoflliefening. Knopflöcher innerhalb 24 Stunden« «• Spezialität: JJtattt- Ausstattung.» Xecreu-Obecfieraden und Ausflüge sollen die botanischen Kenntnisse der Schülerinnen erweitern und ergänzen.' — Ein neuzeitlich ausgestattetes Wohnhaus, im Vorjahre errichtet, wird den Mädchen Unterkunft gewähren. Die Anstalt wird in streng ritueller Weise geführt. Am Abend finde» hebräische Sprachkurse und Schiurim statt; die Beteiligung an diesen Kursen ist fakultativ. — Der Ausbildungskursus ist auf 8 Monate berechnet. Der Preis für die gesamte Ausbildung.einschließlich Wohnung und Verpflegung beträgt J& 700.— monatlich. Nur durch -Zuschüsse,, die in Form gron Spenden und Jahresbeiträgen von Freunden des Unternehmens geleistet worden sind, war es möglich, den Preis so gering zu halten. — Da nur eine beschränkte Anzahl junger Mädchen an einem Kursus teilnehiNen können, sind Bewerbungen allerschnellstens erbeten an das Misrächi-Zentralbüro, Berlin N 24, Monbijouplatz 1. Wien. Die Misrachk-Landeszentrate veranstaltete anläßlich der Uebersiedlung des Rabbiners C h a i m D ch a - prra aus Drohobycz nach Palästina einen Abend. Rabb. -sch. hat bereits seit (vielen Jahren in Galizien eine großzügige Propagandatätigkeit für den jüdischnationalen Gedanken unter den chassidische» Massen entfckltet. In Erinnerung steht noch fein mutiges Eintreten für den jüdischnationalen Kandidaten' int Jcchre 1907' trotz des Terrors der damaligen polnischen Behörden in. Drohobycz. Seit seiner Anwesenheit in Wien war Schapira bestrebt, die Orthodoxie im Lager des Misrachr zu organisieren, und seiner Initiative ist die Gründung des Jischub-Erez--Jsrael- Verbandes in Wien zu verdanken. Der Abend wurde von Rabbiner Jakob Friedm a it n (Husiatyn) mit einer längeren Ansprache eröffnet. Sodann würdigten Dr. Tartakower, B. Jahr, L. Taubes, Dr. Pachtmann und Gemeinderat Dr. P l a f ch k e s die Persönlichkeit Schapiras und gaben der Hoffnung Ausdruck, daß es ihm> gelingen, werde, in Palästina die jüdische Orthodoxie! in der Wiederanfbauarbeit Erez Israels zu vereinigen. ' «* Uei*e -Berlin. Henriette May geb Lövinson, die Schriftführerin des Jüdischen Frauenbundes und unermüdliche Arbeiterin auch in anderen jüdischen sozialen Organisationen, begeht am 25. März den 60. Geburts- Beriln. Die Ber liner Groß.lpge Bire B.ri.th beschloß in einer ihrer richte« Sitzungen die; SchaffunE einesKultnrsottdsvon 1 Million Mark zur Unter* stütznng der jüd. kil.kturek.ten Institutionen i« Deutschland, die in finanzielle Schwierrg.keit.eni geraten sind. ««»fai Der LanheSverein jur Erzre« Dung ifc. Waisen in Baden hat im vergangen^« Jahre am Beginn 124 turtb am Schluß 106 Waisen in Privatpflege versorgt. Die Berwaltnngs- und Verpfleg-» ungskosten belaufen sich auf.47 764 .« BreSlaa. vre «ommer-Borletungcn des Jüdisch- Theolog. Seminars beginnen am 2. Mar. Es lesent Prof. Dr. Michael Guttmann, Dr. Heineman«^ Dr. L e w k o w i tz und Dr. R a b i n. Alle Vorlesungen werden unentgeltlich gehalten. Anmeldungen bis zum 2K Aprik an Dr. I. Rabin, de« Vorsitzenden des Dozenten- Kollegiums. Hanuoper. Der Festakt, mit dem die Israel. Erzieh u n g s a n st al t Ahlem das. 25jährige Jubiläum ihres Direktors Albert Silberberg beging zeigte, wie hoch die.Lebensarbeit dieses Mannes in weite« Kreisen gewertet wird. . Führende Männer der Provinz und der Stecht Hannover waren erschienen, um den Jubilar zu ehren. Wir sähe« u. a. Oberpräsident N o s ke, Oberpräsidialrat DrK r ie g e. Geh. Regierungsräte Dr. Thöne und Nickell, Landrat Krüger und Handelskammerpräschent Plate. Ansprachen wurden gehalten von Schuldirektor Manfred Berliner (Vorsitzender des Vorstandes der Anstalt), Justizrat Benfey I. (Vorsitzender der Kuratoriums der Anstalt), Landrat Krüger. Obermeister Plate» Kommerzieirrat Berliner (für die jüd. Gemeinde Hannover), Rabbiner Dr. Freund usw.' usw. Für eine von ehemalige« Schüler« der Anstalt errichtete „Albert -Lilberberg-Stisrung" sind bereits 120 000 Jfe’ eingegangen. J-uenüanken. Dr. Aron Cohn, nnler verehrter Rabbiner, ist int Alter von 82 Jahren verschieden. Er wurde als Sohn des Klausrabbiners und Dajan Jekew Cohn in Altona geboren und hat in Jchenhausen fast ein halbes Jahrhundert gewirkt. CSten. M e österrriw icbe Regierung,, die in letzter Zeit der Entwicklung des Handels zwischen Oesterreich unbj Palästina ihre Aufmerksamkeit zuwendet, hat zu diesem! Zwecke einen bekannten Zionisten aus Tarnopol, Schwarz, Mitinhaber der technischen Firma Nowak, als Konsul für Palästina ernannt. Base». D r C o o n. seit 37 Jahren Rabbiner der Baseler Judenheit Und ein idealer Vertreter seines Berufes, beging den .60. Geburtstag. — lieber die jüdische Abteilung des hiesigen Museums für Völkerkunde heißt es in dem letzte« Berichte des Institutes: „Um einige schöne und interchessante Stücke ist die jüdische» Wteilung vermehrt worden. Konditorei u»d Caf£ Ph. Lanbenstein Hohenzollernstrassa 18. Telephon: Hansa 985.. Spezialität: .Ananas-TSr'chen und PraHnds. Jedem das Seiuige. - Roman von M. Pnlvermann. (Fortsetzung.) . Klaßner betrachtete ihn schweigend und wunderte sich, -ob dem Manne keine, andere Veränderung bewußt ivar, als sein Gewand. Es 8>ar freilich mehr als ein Jahr, daß Klaßner ihn nicht mehr gesehen hatte, doch der Unterschied wäre auch dann noch augenscheinlich geblieben, wenn er ihn täglich gesehen hätte. Wenn nichts anderes, dann zeigten es. die tiefen, müden und eingesunkenen Augen, nicht minder die dünnen Lippen, die sichi auch beim Sprechen zusammenpreßten. „Was. wünschen Sic von mir?" brach Klaßner das unlteimliche .-schweigen. „Sie . hat mich beauftragt, Ihnen mitziiteilen, daß das Kind tot ist?' ' „Das Kind?" Klaßner starrte ihn verwirrt an. .1, „Es starb, als es zwei Monate alt war," fuhr Strömer eintönig und mechanisch fort, als ob er etwas auswendig Gelerntes hersagen wollte. „Es ist ans dem Birkenfeldcr Friedhose beerdigt, und die Inschrift ans dem" kleine« .Kreuz lautet: .Jedem das Seinige und Gott für uns alle!' Sie hat mich Hergeschickt, um Ihnen dieses zu sagen." ..- Wortlos erhob sich Gkaßner und ging zum offenen Herd, wo er schweigend in die Glut starrte, als enthielte diese die Lösung für die eben vernommene rätselhafte Botschaft. Er drehte sichplötzlich um, so unvermutet und so unerwartet, daß Strömer nicht einmal den Bersuch machen konnte, seinen Schreck zu verbergen. ,Lerr. Strömer» sind Sie ein ehrlicher Mann?" Anstatt über diese eigentümliche Frage Ueberraschung oder Kränkung, zu .zeigen, nahm er sie mit einer ruhigen » Selbstverständlichkeit mif: ‘ „Ehrlich? Ich nehme! an, daß ich es bin nach der Auffassung der Welt, jedoch mit einer einzige« Ausnahme, als. ich «lich habe, verleiten lassen, den Laijdesgesetze« einen Posse« zu spiele«/- so eine Art des corpus juris, um die Scheidung Uveier Menschen zu ermöglichen, die sich sonst durch ihre' große Liebe für einander zu Tode gequält hätten.- I» den Auge« der Welt mag dies eine, große Unehrlichkeit bedeute«; dennoch mußte ich es tun, weil mein Gewissen „mich dazu .trieb, um . einen teuer» Freund aus ernster Sorge, aus' tiefster Seeleiinot zu' befreien." Er schmieg eine Weile, um sich den schweiß von der Stirn zu trocknen, und fuhr dann mit mehr Festigkeit fort: „Ach so, jetzt erst verstehe ich den Sinn Ihrer Frage! Wie, Menscheiiskind!" Sein Staunen schien ihn wieder der Sprache zu berauben. „Das haben Sie wirklich von ihr und von niir geglaubt! Hören Sie mich an! Ich bin sehr krank, der Arzt weiß nicht, was mir fehlt, oder er will es mir,licht ^agen. Aber selbst, wenn es Gehirnerweichung iin letzten Ltadium wäre, glauben L>ie, daß ich selbst da so schamlos und frech wäre, die Sck)welle Ihres Hauses zu betreten, wenn Ihr Verdacht begründet wäre/selbst wenn sie mich tausendmal darum gebeten hätte," fügte er noch hinzu, als per letzte Gedanke ihm noch nachträglich einfiel. ' Klaßner schwieg noch innner. Erst dunkel sing er an, den Sinn dieser Worte zu verstehen und zu begreifen. „Aber Sie haben recht, man muß Ihnen etwas zugute halten," sprach Strömer sinnend. „Ich will'versuche». Ihnen alles verständlich zu machen- Ich kann dabei nichts Besseres tun, als Ihnen, ihre eigene» Worte wiederholen: ,Es war unmoralisch, ungöttlich, die Frau eines Mannes zu werden, mit dem -die innere, geistige Gemeinschaft sich als unmöglich zeigte. Selbst der ausgesprochrne Eheschwur war keine genügende Weihe und Sicherheit'. Das waren ihre Worte, wenigstens dem Sinne nach, soweit ich mich ihrer noch erinnere. Als das Kind starb, wäre auch sie fast vor Verztpeiflnng gestorben, weil dadurch jeder Zusammenhang mit Ihnen zerrissen wurde, der trotz allem doch tief in ihrem Herzen vorhanden sein mochte. Was sie aber doch am Leben und Verstand erhieltwar das Be- »oußtsein, daß sie jetzt frei nich offen das Kreuz auf das kleine Grab aufpslanzen durfte. — Nein, nein! Mann, Sie können nicht sagen, daß Sie viel verloren, weil Sie sie niemals ganz besaßen und auch niemals besitzen konnten." „'Aber sie kam doch mit offenen, sehenden Augen zu mir," .murmelte Klaßner, wiedeic in den Herd starrend. „Jawohl, aber, sie konnte nur eine kleine Wegestrecke überschaucir. Sie init Ihrer Liebe standen ihr im Wege. Llnßerdem," er zuckte mit den 'Achseln, „wir Menschen sind dem Irrtum unterworfen, und nur selten findet einer den Mut, den Irrtum einzugestehen und de» Fehler wiedet gut zu machen. Aber diese wenigen sind es, die mit der Tilgendkrone geschmückt werden. - Hören Sie, lieber Freund, was ich Ihnen jetzt sage und. unterbrechen Sie mich, wenn Sie glauben, daß ich Unsinn spreche.- Was der Herr getan, das soll der Mensch nicht ungeschehen-machen wollen. Das heilige Buch berichtet uns von dem Turnibaic zu Babel. Marc mag dieses nun beachten, von welchein Standpuntte man will, in seinen unerforschlich Weisheit, hat er es bestimmt, daß eine Verschiedenheit der Menschen vorhanden sein soll. Sie uni», sie haben sich erkühnt, sich über diese göttliche Bestimmung hinwegznsetzen. Können Sie sich Wundern, daß Ihr beide unterlegen seid?" „Sie und ich! Aber wie viele Tausende außer uns haben schon dasselbe getan?" Strömer schicrr verwirrt uiio schwieg eine Weile. Seine Stirn zog sich in Falten, und Klaßner konnte bemerken, wie angestrengt sein Gehirn arbeitete, als wollte er sich auf etwas besinnen. Dann sprach er: „Tansenvel Jawohl, aber tausend Unrecht machen noch kein einziges Recht. Ich will nicht behaupten, daß alle oder auch nur die Mehrzahl solcher Verbindungen eine« Fehtschlag von vornherein bedeuten. Biele mögen sich sogar cinbildcn, daß sie sich dabei glücklich und zufriede« fühlen, weil sie eine Befriedigung der Sinne empfinden. Doch ist es eine Tatsache, daß bei allen früher obei später die Reue sich einstellt und iM Innern wütet, .08 sie auch nach außen unsichtbar bleibt. Zn welcher Mcnschentk.asse Sie gehören, will ich nicht .untersuchen, aber aus Ihrer eigenen Erfahrung können Sie die Moral ziehen» daß jene, die nicht allein voin Brot leben, deren Seele ein starkes Element bildet, daß jene," seine Sttrnme nahm dabei einen salbungsvollen Ton an, „daß jene ein großes Wagnis uttternehmen. sie beschwören die große Gefahr herauf, daß sie die kurze Stunde des Genusses durch ein langes Leben der'Entbehrung büßen müssen. Die Gedankenlosen wagen es, weil sie verblendet sind und nicht wissen, was sie tun. Diese aber zählen nicht mit. Die Einsichtigen aber, die das Wagnis imt Bewußtsein trotz des. abmahnenden Gewissens unternehmen, sie — sie — müsse« eben die Strafe des Gewissens ertragen. Eine Gottesordnung. meinetwegen auch eine durch! die Länge der Zeit heilig gewordene 'Menschenordnung, läßt sich eben nicht hinwegkliigeln." -Fortsetzung folgt.)