Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 20 (1922)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1922)
- Date
- 1922-03-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3. Nr. 21.- .. . , . . .. ~ ■ Neue Jüdische Preise. Genditbrer undCafd Wilhelm Wendel; ' Nen renÖTiert imä TergrS8Bert. - Altegaase 6 ' ' Telefon Hansa 1288. Frankfurter Kreuten a. Betmsonchen. dafür, daß durch das Programm an diesem Abend, an dem sich die Kräfte mich auf erweitertem Gebiete voll entfalten werden, die seitherige Anerkennung sich bestätigen wird! Die künstlerische Oberleitung - des Abends liegt in den Händen des Dirigenten, Max Neumann, der. für den orchestralen Teil den bedeutend verstärkten jüd. Orchester- Verein zur -Mitwirkung gewonnen hat- (Näheres später.) Jüdische Frauenvereinigung Bor einer zahlreichen Zuhörerschaft sprach Emil Gold schm idt in fesselnder Weise, die-ernste Studien und einen reichen Wissensschatz bekundete, über- Purim- A.l l e g o r i e n. ' Der Redner' erklärte zunächst die verschiedenen Arten derim Talmud eingefügten Erzählungen und' ging dann genauer auf die eigenartigen und doch so tiefsinnigen Purim-Allegorien, des Rabbi Bar Bar Chana ein, Gleichnisse, die zuerst sonderbar anmuten, sich aber an Hand der Erklärung überraschend wandeln und uns einen Ein- , blick in die Gedankenwelt unserer Chächomim gestatten, in eine Welt gewaltiger Denkarbeit. Diese Purim-Wlegoriemi versinnbildlichen das Walten der göttlichen Fürsorge über Israels Geschick. Mit gespannter dluftnerksamkeit folgten die Zuhörerinnen dein hochinteressanten Vortrag und dankten mit reichem Beifall. * ' " Zwei Tage später fand die H a u p t v e r.s a m m - l a n g statt. In friedlicher Zeit gegründet, hat der junge Vereins nicht nur die Stürme der Kriegsjahre überdauert, sich nicht nur in 'dieser jammervollen Zeit glänzend bewährt, er hat sich wunderbarer Weise sogar gekräftigk und ist. jn einem segensreichen Lebenswerk geworten. Wie der Verein arbeitetwie er nicht nur' bestrebt ist, bei Not und 'Kummer, bei Siechtum und Krankheit helfend einzugreifen,' sondern auch vorzubeugen sucht, wie er sich in der Kinderfürsorge wie auf geistigem" und geselligem Gebiet bewährt, zeigt der Bericht, der folgen wird. Nachdenr das Geschäftliche erledigt war, wurden die ausscheidenden Borstandsdamen Frau H. C.ramer und Frau N. Levis, sowie der zum Vorstande gehörende Prof. Bondi wiedergewählt und für den aus eigenen Wunsch ausscheidenden Herrn Dahlheim Herr Sch, a p i r o. Frühjahrsneuheiten - von Kleidern, Waschbfosen etc. etc. in besten Qualitäten. Hans Nerger, Hochstr. 26 pt. Jedem das Seinige. - Roman von M. Pulvermann. (Fortsetzung.) Klaßner verstand anfänglich nicht, was er aus diesen Worten machen sollte; um aber kein Aussehen zu erregen, berührte er Burgers Schulter. „.Schon gut, alter Junge," fuhr dieser mit gedämpfter Stimme fort. »Leine Angst! Ich werde Sie nicht blamieren. Ich weiß doch jetzt schon, wie ich mich in feiner Gesellschaft benehmen muß. Früher war cs allerdings anders; aber meine vielgeliebte Schwiegermama hat sich 1» die größte' Mühe gegeben, es mir einzutvichtern." Er lachte höhnisch. „Aber dennoch kann ich das Lachen nicht verbeißen, wenn ich daran denke, welcher Taugenichts und Hungerleider ich noch vor dreißig Jahren war! Wissen Sie auch — ich mache mir nichü daraus, es Ihnen zu sagen —, wenn ich Mich an eistem so geschwollenen, aufgeblasenen Platz befinde, überfällt Mich manchmal eine Furcht,'daß ich dreißig Jahre zurückgeworfen und wieder das werden könnte, was ich damals war. Hui, wie die Menschen staunen und die Glotzaugen aufreißen .würden! »Hier, stoß fest den. Schubkarren, du. fauler, müßiger Hund! Ich breche .dfr alle Knochen im Leibe entzwei, wenn ich durch dein«, -Faulheit, zu spät zum Jahrmarkt kommen sollte!" pflegte -mein Brotherr zu mir zu sprechen,- sobald ich unter der Last des mit Lumpen» Knochen und altem Eisen beladenen Schubkarren hintorkelte und zusammenzubrechen drohte! Wie brannte Mein Gesicht, und wie schmerzte mein Rücken, wenn er nicht verdient hatte! Nein, wirklich, ich habe das kräftige Stoßen nicht vergessen! Oft und oft höre ich es Noch in meinen Ohren gellen, und es bedeutet für mich >eine vielschönere Musik, als die hundert Fiedler dort mächen können! Es kann mir keiner nachsagen, daß ich nicht kräftig iM Leben gestoßen habe! Ich will nicht zu viel sagen, aber neugierig bin ich, ob der königliche Mensch dort nicht mit allen zehn Fingern -danach greifen würde, wenn ich mein Bankguthaben, mit dem seinigen vertauschen wollte. Ja, ja, meine Freundchen, das ist ein seines Gefühl, sich alles kaufen zu können, was die Augen nur sehen: Die Frauen, die Diamanten, alles." Er brach ab, als er nach der Loge blickte und Stellas Augen verführerisch auf sich gerichtet sah. Armttfrntter Vera»ftckU««gtA. Talmud - Thora - Berein (B: Dr. Braun, G: Groß, L: Lipinsky, U: Unna, O: Oelbanm). Hörsaal Börneplatz. Samstag, 11’*'):, Schulchan Aruch (U), 3(4: Raschi (L), nach Minch«:. Sidra-Bortrag (Ludwig Kuttner), -V-t Std. v. Nacht: Vortrag, über Pesach-Dinim (U). Sonntag, nach Schacharis: Mischna (G), 0: Schulchan s Aruch (L), 9i/2*): Gemoro (ly. Montag, nach Schacharis: Schulchan Aruch (ly, 0(4: En Jakauw (11). Dienstag, nach Schacharis: Mischna (G), S'/i: Newiim (11). Mittwoch, nach Schacharis: Mischna (G), 6*/»: Chauwaus Halewowaus (B). Donnerstag, nach Schacharis: Schulchan Aruch (11), 8h»*): Gemoro (U). Freitag, nach Schacharis: Mischna (G). Fortbildung für jg. Leute: Samstag 3—4, Montag, 7H4 und 8, Mittwoch, 7%: Gemoro (U. u. G-). Fortbildung f. Knaben: Samstag, 3: Schulchan Aruch (Abt. A. (U), B. (O). C. (O), D. 4i/a (O), 6V2: Gemoro (U), , Montag, 4i/»: Mischna (Abt. C. und D (U), Dienstag, 6: Mischna- B. (G.), 6: Mischna, A. (ly, Donnerstag, 6: Gemoro, A. (ll), Mischna, B. (G-). Schiur für Damen: Sonntag, 6: Dinim (U). Ez Chajim (Dozenten: Liverhant, Turcinski Temersohn,'.. Schereschewsky), Kurse - in acht Klassen und einer Borbereitungsklasse in Chumesch, Tefiltoh, Mischna, Gemoro hauptsächlich für Schüler hiesiger Schulen, Zahl der erteilten Stunden 70, Unterrichtslokale Hermesweg 27 a und llnterünbmf 23 b. , Sonntag, I.1/3—4V2 ' a Montag—Donnerstag, 2»/z—.8(4 ,, Samtag, 21/3—5 „ Montag, Dienstag, Donnerstag, —7('2 b Samstag, 5%—6% .. Berein Hauptsynagoge, Samstag, 53/4, Hauptsynagoge: Lehrvortrag (Rabb. Dr. Salzberger), TikwasZion, Smnstag, Bolksbildungsheimi, 3 Uhr: Die Juden in der Musik (H. Tauber). , Zionistische Vereine, Dienstag, Börse, tst-»: Rede Oberrabbiner Glaßner (siehe Inserat). Papst Pius tt«d die arme polnische Jüdin. Die katholischen „Neuen Zürcher Nachrichten" schreiben,: „Eine jüdische Zeitung in Warschau erzählt aus dem Leben Pius XI., als er noch apostolischer Nuntius itt Polen war, folgenden schönen Zug: Der Nuntius ging gewöhnlich zu Fuß durch die Straßen Warschaus. Eines Tages wurde der hohe Herrvon einer armen Jüdin an- ' gesprochen, die ihm ihre traurige Lage schilderte. Bon ihrem Manne, der den Krieg mitgckmacht, hatte sie seit langer Zeit keine Nachrichten mehr und war mm mit fünf noch unerzogenen Kindern in Not. geraten. Eine christliche Frau hatte der Judeufrau den Rat erteilt, sich mit ihrem schweren Anliegen an den gutherzigen Nuntius zu wenden. Erzbischof R a t t i hört aufmerksam die Klagen der armen Frau und ladet sie ein, in der Nuntiatur vorzusprechen, Andern Tages empfängt der Nuntius das arme Weib mit *) Religionsschule Hermesweg 27. »Kommen Sie fort von hier," sprach er rauh. „Wir wollen etwas trinken. Ich muß mich wieder ein wenig zusaminenrütteln. Meine Jugenderinmrungen bringen mich innner aus Rand und Band." Klaßner, über die Veränderung in Burgers Wesen nicht wenig verändert, folgte ihm ohne Widerstreben. Er betrachtete ihn mit verdoppelter Aufmerksamkeit, mit einem ganz neuen Interesse. Es fiel ihm. ein, daß es sich wohl lohnen würde, seinen Begleiter etwas eingehender zu studieren, als er es bisher für angebracht erhalten hatte. Zum ersten Male fiel es ihm ein, mit einer solchen Deutlichkeit». daß es ihn fast überwältigte, daß der vorlaute, dreiste, prahlende und ungebildete Adolph Burger doch ein großer Künstler, ein großes Genie sei. Er war geschaffen, Reichtümer aufzuhäufen, und diese Gabe hatte er bis zur Vollendung ausgenutzt. Das Vermögen, das er zusammeagescharrt, war das Produkt vieler Eigenschaften, die wohl auf einem andern Arbeitsgebiet nicht unbeachtet geblieben wären. Sein Wohlstand.erforderte eine große Menge von geistiger und physischer Kraft, ein tiefes Eindringen in die Menschennatur, einen. scharfen Einblick in weltliche Verhältnisse, ein schnelles Zugreifen im gegebenen Augenblick, «in vorsichtiges, intensives Lauschen, wenn eine Krisis bevorstand. Es war nur ein Geburtsfehler, daß er nicht mil dem Berlange» nach Wissenschaft, nicht mit einem künstlerischen Tatendrang aus die Welt gekommen war; dann hätte gewiß dieselbe Macht, dieselbe Hingabe, die er für seinen jetzigen Beruf verwendet, seinen Namen groß und breit im Buche der Weltgeschichte verzeichnet. Wie es aber nun war, hatte ec das getan, zu deM er bestimmt' ivurde, und er hatte es vis zur Vollkommenheit getan. Wenn jemand, dann war es Klaßner, der es am besten beurteilen konnte, was es heißt, klein anzufangen, und doch Großes zu vollbringen. Er selbst, ehemaliger kleinstädtischer, unerfahrener und unwissender Knab-?, hatte sich ja auch seinen Weg in sozialer .und wissenschaftlicher Hinsicht gebahnt. Aber welche Energie und Willenskraft hatte er daran wenden müssen, wieviele hungernde Tage und schlaflose Nächte hatte es ihn gekostet! Freilich hatte er in feinem Berufe keine solche Rolle wie. Adolph Burger in dem seinigen erreicht; aber -das konnte auch gar nicht erwartet werden. Adolph Burger mit achtundzwanzig Jahren war auch noch nicht: der Adolph Burger von heute. Aber darum handelte es sich ja auch'gar nicht; die Hauptsache, auf die Klaßner jetzt' sein Augenmerk richtete, war die Aehnlichkcit zwischen ihnen beiden; es schien ihm. Offenbäciier Drucklmt-Anlage! Offenbaoh a. M. Telefon 123. I Unübertroffene Teppichreinigmng mittetet Druckluft. | großem Wohlwollen und händigte ihr alles Geld ein» das er in polnischer Währung besaß- Das Geld sollte znmt Ankäufe einer Kuh verwendet werden, deren Milch für die fünf Kinder so nöttg war. lieber den Kaufpreis der-Kuh blieb per armen Jüdin noch etwas.Geld übrig, welches sie dem Nuntius überbrachte. Dieser aber überließ das Gelb der armen Mutter für ihre fünf Kinder. Das jüdische Blatt fügt dieser schönen Tat des jetzigen Papstes keine weitern Glossen bei, bemerkend, sie rede durch sich selber eine sehr beredte Sprache. Wir Katholiken aber sreueir uns doppelt über den Vater der Christenheit Papst Pius XI. mit dem guten Herzen." Literarische Rundschau. ' Awuei Sichra«». (Grabstein-Inschriften, hebräisch und deutsch in Poesie und Prosa von Lion Wolfs. 172 Seiten. 1921. Leipzig, Gustav Engel). Ein besonders für Kultusbeamte willkoimnenes Handbüchlein. ' ' Erlöseriu. (Ein Hetärengespräch. Von Max B r 0 d. Ernst Ravohtt Verlag, Berlin.) In diesem Dialog sucht Brod ein T y m b 0 l zu gestalten, pir das jüdische Wesen (•>),. die notwendige Synthese zu finden zwischen den Polen der Berworfenlheit und des Berufenseins. Schicksal der Hetäre: die Sinn und Moral iiü ihren verworfenen Berus bringt, mit dem durch Gemeinheit, erworbenen Geld die Menschheit erlösen will. Schicksal des Juden: in dessen allzuklaren Entscheidungen alle Ideale zu etwas Unwahr-hastigem werde«; In Beiden — als Großes und Eitriges: Unbej-, dingtheit der als notwendig erkannten Tat, ruhe auf ihr Segen oder Fluch. Das kluge Buch ist kein Kunstwerk geworden strotz, der souverän beherrschten Form). Zusammenhang zwischen Einzel erlebnis und erstrebtem Sinn ist nicht entstanden? Synthese zwischen Erleben und Formung mißlang. H. Rene Bücher. Wir danken Luise von Koch, daß sie durch ihre;, meisterhafte Uebersetzung das Jugendbuch „Max Butziwarkel, der Ameisenkaiser"*) des Italieners Der» *) Erschienen bei -Herder, Freiburg. 256 Seiten. Buch,' schmuck von Karl Elleder. Preis gebunden 55.— .16 Bergeistrasse 149. H- 4643» lottenwerniehtuna unftei* Garan'l« als hätten sie beide dieselbe Atmosphäre gebraucht, beide eine gemeinsame Wurzel gehabt, einen gemeinsamen Nährboden. Er glaubte, jetzt das Bindeglied gesunden zu haben, das _ ihn mit seinem Begleiter znsammenschmiedete: die Rassengemeinschast, die wiederauftauchende Volks kraft, die beiden innewohnte. - Der robuste Burger mit seinen roten Händen war für ihn bisher eine unerquickliche Bekanntschaft, jetzt aber wurde er seine Zwillingsseele, so daß er, von einem innerlichen, brüderlichen Drang getrieben, Burgers Arm in den seinigen legte, als sie zum Buffet hinübergingen. ' Burger setzte sich in eine Ecke und gab dem Kellner einen Austtag. »Zier sind wir keinem im Wege," sprach er. „Seinen» Sie ohne Sorge," fuhr er fort, als Klaßner seine Uhr zog» „wir haben noch zehn Minuten Zeit. Sie müssen auch nicht böse sein, wenn ich Ihnen gestehe, daß ich Sie mit einer) bestimmten Absicht hierher lotste. Ich. hatte es mir schon lange vorgenommen, eine kleine Zwiesprache mit Ihnen zu hakten, weil Sie ein Mjann sind, mit dem es sich gut plaudern läßt." - ' Klaßner bediente sich aus dem goldenen Etui, und während er die Zigarre in Brand setzte, versuchte er, de» Zweck dieser Vertraulichkeit zu erraten. „Schießen Sie los," ermunterte er Burger, beut er etwas näherrückte, um ein lautes Sprechen unnötig, zn machen. „Raten Sie mir, was ich tun soll," stieß Burger hervor. Klaßner konnte, seine Ueberraschung bei dieser unvermittelten Frage nicht verbergen. „'Ich meine natürlich- Alice," sprach Burger, den Kopf nach der Richtung der Loge werfend. „Nehmen Sie min meine Schärfe nicht übel. Ueberall weiß ich Rat, nur hier nicht, und das' greift an." »Da müßte ich doch erst wissen, wohin Sie zickn." „Gewiß, das hatte ich vergessen. Mir ist die Drtsache so gut bekannt, daß ich unwillkürlich denke, alle Welt muß sie ebenfalls wissen- Klaßner, ich habe nicht ge» prcchlt und nicht übertrieben, als ich vorhin sagte, daß ich mir alle. Frauen kaufen könnte, wenigstens alle, die mir bisher über den Weg liefen. Alle umdrängten und belagerten sie mich wie die Raben ein totes Kamel. Glaube» Sie mir, ich könnte Ihnen ein ganzes Dutzend aufzählen, die ich mir mit meinem Gelde kaufen könnte. Rur sie nicht!' Sie ist 'die einzige_." '