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Neue jüdische Presse · 1922-03-02 · Heft 9 (2.3.1922) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 9 (2.3.1922)
Date
1922-03-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. y. Seite 8 Neue Jüdische.Presse. Sr Kaffee Huhland Kaisers trasae 56 Kaiserstrasse 56 Täglich erstklassige >M- Unterhaltnngsmnsik -M> in, Polen gründen- Finanzminister Michalski, der erst jüngst der antisemitischen Wirtschastsorganisation „Rozwoj" verschiedene Konzessionen erteilt«, verweigerte jedock die Erlaubnis zur Gründung. — Im Handelsministerium sprach eine Abordnung des „Jüd. Kausmänii. Verbandes" vor und ersuchte um Unterdrückung der antisemitischen Preßhetzc. Es wurde jedoch mit Hinweis aus die Preßfreiheit jede -5- Einschreiten a b g e l e h »l. Rumänien. 3« den Parlamentswahlen. (IPZ) Infolge der Stellungnahme der Butarester Judcnheit gegen die liberale Partei, sah sich deren Parteiobmann, Finanzmiuister V i n t i l a B r a t i a n u, veranlaßt, sämtliche Präsekten anzuweisen, sich bei der Wahlkampagne jeglicher antisemitischer Aeußerung zu enthalten; die gleiche Weisung erging an den Minister für die Bukowina, Ni stör, der der liberalen Partei angehört und dem die Leitung der Wahlkampagne in der Bukowina übertragen wurde. Die Regierungspartei in der Bukowina hat den bisherigen Abg. Dr. Strauch er auf ihre Liste für die Kummer gesetzt, ebenso Dr. Weisselbe rger für den Senat. Außerdem hat sie Dr. Straucher gewisse Zusicherungen bez. der Wahrung der jüd. Interessen gegeben. Dagegen haben sich die Zionisten mit den bürgerlichen Oppositionsparteien, so den Zaranisten (Bolkssozial.), den Deutschen usw. zu einem einheitlichen Block vereinigt, auf dessen Liste als Vertreter der Juden der Präsident der Bukowinaer Z'.on. Organisation, Dr. Meyer-Ebner, figuriert. — Auf der Zaranistenliste von Bukarest kandidiert die „Union der einheimischen Juden"', Dr. Stern für die Kammer und Schwarzfeld für den Senat. Dr. Fi lde rin ann kandidiert in Bessarabien. Amerika. Beibehaltung der dreiprozenttge» Einwanderungsquote (JPZ) Die Einwmidcrungskoilnnission des RepräsentantenhmiseS hat die vorgeschlagene gänzliche Einwandern'ngSsperre abgelehnt und den Antrag Johnson auf Verlän- CastQme, Mäntel Nachmittags- und Abendkleider nach Lass. Vorteilhafte Kanfgelegenheit zurüokgesetzter seidener Modell» Kleider. Hans Nerger, Hochstr. 26 pt Jedem das Eeinige. Roman von M. Pnlvermann. (Fortsetzung.) Befand er sich in der dumpfen und stumpfen, in der niederdrückenden Stimmung, so hatte sie tausend Ausreden, um sich ebeirfalls in demselbeit Raum mit chm aufzuhalten. Doch geschah es so unauffällig, so wenig störend, daß er es wie eine Mauer erachtete, um nicht mit seiner Verzweiflung in die wild« Welt hinauszueilen. Und gar erst die liebevolle Art, wie sie ihm in.die Augen sah, als wollte sie! jeden Schimmer eines Wunsches schön bei der Wurzel erfassen. Und er bemerkte dies alles, ob er wollte oder nicht, und er war chr dankbar dafür. Freilich ging Chase Rachel in ihrem Bestreben oft zu weit und übertrieb ganz gewaltig. Es war chr inständiges Flehen, daß er sich wieder einen langen Bart wachsen ließ, der ihm bis auf dir Brust herabreichte und somit den ganzen Hais bedeckte. Er hatte ihren Wunsch erjüllt, well er sich mit Bitterkeit erinnerte, daß er sich damals durchs Ellen bewegen ließ, dm Bart abnehmen zu lassen. Dann wurden ans einmal sämtliche Tischmesser unbegreiflich stumpf. Es fiel chm zwar auf, aber er machte keinerlei Bemerkung darüber; er glaubte eS dem Mangel feiner Wahrnehmungsgabe der letzten Zeit zuschreiben zu müssen; sicherlich war es auch schon früher so gewesen, nur daß es seiner Aufmerksamkeit entging, bis er viele, viele Wochen später, als er zufällig die Küche betrat, die Mutter überraschte, als sie die Messerschneiden über die Ofentür zog, um die Schärfe abzustnmpfen. Ueber diese kindische Vorsichtsmaßregel, über die Einfalt seiner alten' ängstlichen Mutter 'mußte er unwillkürlich lächeln, als ob nicht andere unzählige Mittel vorhanden seien, ein unerträgliches Dasein zu beenden, wenn er einem solchen Gedanken hätte Raum geben wollen. Dennoch hätte ihn der Schreck bei diesem Anblick fast überwältigt. Die Todesangst her Mutter, die sich in dem Bestreben offenbarte, wenigstens, soweit es in ihrer Macht lag, die'Versackung zu einer unüberlegten Tat zu verhindern, nrachlr ihm erst klar, wie sehr seine gewohnte frühest Lebensweise sich geändert haben mußte, um bei seiner Mutter eine solche Möglichkeit aufkonünen zu lassen. Erschreckt drängte sich ihm der GedaNke auf, daß er, wenn er weiter so lebe wie (in den letzten Monaten^ gerung der Geltung der bisherigen Eiuwanderungsbeschränknngen für ein weiteres Jahr, t>. h. bis Juni 1923, angenommen. Dieser Beschluß dürfte nicht zum wenigsten den maligen und überzeugenden Ausführungen Louis Marshalls zu verdanken sein. Selbsttedend ist dieser Beschluß der Kommissivn noch vom Repräsentantenhaus und Senate zu approbiere». Ans der MiSrachi-Bewegung. Manchester Die 3. Jahreskonferenz des M'israchi in England wählte Chiesrabbi Dr. Hertz zum Präsidenten, «ir Stuart Samuel, den Bruder des Obcrkommissars von Palästina, Rabbiner Vossen, M. Schiff und E. Z e i t l i n zu Vizepräsidenten. Perso«»tte» «. Uetne MtrreU«»se». München Die Israelitische Religionsg e s c t l s ch a f t „O h e l Jakob" hatte eine Mitgliederversammlung. Besonders das zukünftige Verhältnis zur Großgemeinde wurde eingehend berührt, und die Diskussion zeigte, daß man allseits ein friedliches Zusammeqarbeiken als wünschenswert erachtet. Die 'Neuwahl der Borstandschajt ergab die Wiederwahl der meisten Herren, an der Spitze wieder Kommerzienrat Sigmund Fraenkel. ftottmo. üsimon Duvnow. der befannte jüdische Geschichtsschreiber, ist von der historisch>-philologischeu Fakultät der soeben eröffneten Universität zum ordentlichen Professor ernannt worden. - Seraikwo. Die sepharüllche Gemeinde setzte 20 000 Kr. für den Keren Hajessod, 12000 Kr. für die zionistische Zeitschrift „Zidovskä Svijest" in das Budget. St- Louts lAmerua). ijm Silber von 02 Zadren erreichte in Gesundheit Simon Sobelmau, der dieser Tage ün 'Jüdischen Altenheim verschied. New Dorf. Moses Serrert. Mitbegründer des jüdischen Presse in Amerika und ein beliebter Romanschriftsteller dieser Presse, ist in hohem Mier verschieden. Krauksurler Berichte. Semeiudevertretuug der Jsr. Gemeinde. Nach der Tagesordnung sah cs ans, als werde die Sitzung mir eine halbe Stunde dauern, — statt dessen wurden es drei Stunden. Zuerst wurde für den Gemeindeocrtrelcr Haas, der ans Gesundheitsrücksichten sein?lmt niederg.legt hat, Leopold S p e i e r als Gemeindevertteter eingeführt. Dann wurde an Stelle des verswrbenen Bernhard Seligm a ii n in den Vorstand Otto Bon di gewählt. Für Kesselreparatur in der Synagoge Königsteinevstraße wurden 8982 für dlrbeiten in der Hanptsynagogv 3150 J{>, für Reinignngsgelder int Philanthropin 40 000 Mark, für die Ausstattung des Sitzungszimmers des Vorstandes- 7450 ,/£, als Beihilfe zur Mazzenversorgnng 7000 Mark und als Subvention des Breslauer Seminars 5000 Mark bewilligt. Eingehende Debatten riesen zwei prinzipiell wichtige Fragen hervor. Die Wahlvorschlagskommission hatte die Anregung gegeben, es möge bei gemischten Kommissionen sicherlich auf dem besten Wege war, die Angst der Mutter zu rechtfertigen. Er begann wieder zu lesen, doch er schob es tvieder bei Seite und sann nach. „Ja. warum denn nicht? Heute am dritten Sonntag im Monat ist Frau Mahlows Enrpfangstag. Es wird gut sein, den wieder erwachten Geist der härtesten Probe jyt unterziehen und durch Beimischung einer kleinen Dosis Waghalsigkeit den Mut zu stärken." Er erhob sich und nahm den Regenmantel, der im Hausflur hing. Chase Rachel war sofort neben ihm. „Wohin gehst Du, Awromele?" fragte sie beunrnyigt. .„hinaus in die schöne Welt, Mütterlein!" „Es regnet - doch aberE fuhr sie fort, als wäre diese Tatsache nur ihr allein bekannt. „Weißt Du, was ich da machen werde? Ich gehe unter dem Regen," sprach erlächelnd. Es war das erste Mal in ihrem Leben, daß Chase Rachel sich in ihren Empfindungen nicht ziirechtfinden konnte. Sie wußte alle Segenssprüche auswendig, die ein frommer Jude bei irgendeiner außergewöhnlichen Erscheinung oder Begebenheit beten miiß. In Chase Rachels dickleibigem Gebetbnche waren alle Segenssprüche in einer stattlichen Reche aufgeführt: bei dem Essen und Trinken und bei dem Anblick eines Regenbogens, bei schönen Düsten und Wohlgerüchen und bei dem Anblick eines gekrönten Hauptes, bei dem Annageln einer .Mesnse' und bei dem Befahren; des Weltmeeres, bei dem Anlegen eines neuen Gewandes und bei' dem Anblick eines Zwerges, bei dem Ausbruch eines Unwetters und bei dem Beinamen einer Trauerbotschaft; — aber unter all diesen fand Chase Rachel keinen passenden Segensspruch, den sie bei dieser befremdlichen Erscheinung, die ihr Sohn nach so vielen Monaten darbot, hätte beten können. Es war lange her, seitdem sie das altbekannte, wohllautende, ans dem Herzen kommende Lachen chreS Sohnes gehört hatte, wie es chr aus seiner Kinderzeit noch erinnerlich war. .Ihr fehlte sogar die Ueberlegung, um für olle Fälle die ganze Reche der Segenssprüche zu beten, unter denen doch gewiß einer vorhanden war, der für dieses Lachen passen dürfte. Aber sie entschädigte sich dadurch, daß sie seine bechen Hände erfaßte, die sic weinend, leidenschaftlich an ihr Herz preßte. Und das war auch ein inbrünstiges Gebet. Der Sohn leistete keinen Widerstand; er wollte ihr die Freude nicht stören und den Sonnenstrahl aus ihrem Gesichte nicht trüben. Oftenbacher Druckluft-Anlage Offeabaoh a. M. Telefon 133. Unübertroffene Teppfchreintgmng mittelst Drucklüften: Mitglied, das dem Vorstand nichr angehört, der hi. Konrmissionsbeschlüsse berateirden Borsrandsschung beiwob neu. 4lnf diese Weise würden Mißverständnisse und Schrift wachset vermieden werden. Die Anregung wurde dem Bo: stand nrit dem Wunsche, ihr stattzugcben, weitergegebey! Der zweite prinzipiell bedeutsame! Gegenstand betraf ei£ Antrag der Rechtslommission, daß der GemeindeverttetNv auch das Recht über die Kontrolle des Dispositwnsfonodes Vorstandes zustehe. Auch Hierin stimmte die Be' sammlung bei. . J Berein Hauptlyuagoge. Am 13. Februar fand die zweite Mitgliederversamm lnng des Vereins Hauptsynagoge in einem Sitzinigszimmr der Frankfurt-Loge statt. Der Raum erwies sich als zu klei. für die in verhältnismäßig großer Zahl erschienenen Mt glicder des kaum ein Jahr alten, aber arbeitsfreudige. Vereins, der bereits 250 Mtgiieder zählt. > Henr y Rothschild, der die Versammlung lei teke, wies' in seinen Begrüßungsiovrteu auf diese enm: tigende Erscheinung hin und dankte allen denen, die ihr Zeit und Kraft für die Ziele dieser Bereinigung einsetzen Das Referat des Abends hielt Lehrer Gut, der in seine Ausführungen betonte,, daß e» sich bei der Entstehung die ses Vereins nicht um eine künstlich zusammengesügte Orge nisalion handle, sondern um einen ans dem Wirken innere Lebenskräfte hervorgegangenen Organismus. Wie das Fami iienleben zur Erhaltung des Judentums beigeiragen har so hat auch die Vereinigung in der «Synagoge, die mit Wo: liebe von jeher „Hans der Bersaiimilung" genannt wurtx! somit ein Familienleben auf breiterer Grundlage bedeute: den Bestand des Judentums sichern helfen. Die Besucher de Hauprsynagoge wolle» unter Wahrung des besonderen Cha rakters dieses Gotteshauses die gottesdienstlichen Einrich tungen pflegen und entwickeln und ohne Rücksicht aul Schlagworte der Zeit in ihrem Sinne religiöses Leb« fördern. Der Verbreitung jüdischen Wisset dienen die o. den .Sabbatnachmittagen stattsindenden Lehrvorträge in! Rabbiner Dr. Seligmaun, Dr. Lazarus uw» Du Salzberger. Der Heranziehung der Jugend dient ek ncng.gründcter. unter Leitung des Oberkaators Snretzk stehender Jngendchor, der schon jetzt an den Sabbatnack Mittagen in eindrucksvoller Weise wirkt. Der Verein H absichtigt, demnächst eine Purimfeier zu veranstalten, toi bei, wie cs schon bei der Chanukkahfeier der Fall wail der Ueberschuß wohltätigen Zwecken, besonders jüd. Füll sorcieanstalterr, zngesührt werden soll. I Konditorei und Cafö Ph. Ii au bens teilt Hoheaaollerastraase IB. Telephon: Hansa 98.'] Spesi&lität: Ananas-Törtchen und Pralinds „Awrowele, ich glaube, daß das unreine Ungezrefe! wieder anfängt, das Haus zu verlassen." sprach sie, untd Tränen lächelnd. , - Wehmütig erwiderte er ihr Lächeln. .Mutter, ich wich rrchtzettig wieder zurück sein." „Rein, das .sollst Du nicht," widersprach sie fröhlick „Ich habe noch sehr viel zu tun, und Du würdest mir nv im Wege sein." Ja, sie hatte viel zu tun, all die Psalmen als Darr! opscr zu beten, da doch Awromele wieder ihr Kind gk worden war. In seiner wieder erwachten Lebenslust ging er z Frau Mahlow, um lsich kopfüber in den Gesellschaftsstrud«! zu srürzen. Daher war er ganz enttäuscht, als er p, Empfangszimmer keine Gäste, sondern Fran Mahlow w ihren beiden Töchtern antraf, die ihn alle ungegwungi begrüßten. Frau Mahlow begrüßte ihn mit evumr h» lichen Lächeln, während Stella ihn mit einem Redejchw«! von Klagen über das schlechte Weiter überschüttete T ihn einen wahren «amariter nannte, weil er doch sicj lich gekommen sei. um ihre Angst zu beseitigen, daß,- ganze Welt in dieser Sintflut untergehen könnte. M Alice verstand ihr Benehmen so einznrichttn, als hätte 'x. I gesellschaftlicher Verkehr keine Unterbrechung erfahren. I Die allgemeine Unterhaltung bewegte sich leicht' n I frei über alltägliche Ereignisse. Nach einer W^ike sorder I Alice Klaßner auf, die neuen Bronzen im Salon m znsehen. „Ich möchte eine Frage an Sie richten," sagte Ali, schüchtern. ~ I „Fragen Sie getrost," ries er fröhlich, in der Meimur, daß diese sich ans Ellen beziehen werde. Er sühlle sio stark, ruhig und gefaßt, um darüber sprechen zn könne« „Was ist eigentlich aus Ihrem Buche geworden? 2« Buchhandel habe ich mich vergeblich danach umgesetzeys „Mein Buch? Ich habe den Verleger veranläßt, > j noch für eine Weile znrückzuhalten. Es soll sich durch sei! eigenes Verdienst «den Weg bahnen, nicht aber als Folg eines Skandals seines Verfassers, der diesen M einer inteJ esfanten Persönlichkeit macht. In einigen Wochen' wird a wohl erscheinen." I Sie gingen wieder zu den andern, uni» eine Wert»! stunde später erhob sich Klaßner. Der Zweck seines suches war erreicht: er, hatte sestgestellr, daß der Will und auch die-Kraft zum Leben wieder in ihm rege gd worden Waren. .1

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