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Neue jüdische Presse · 1922-02-23 · Heft 8 (23.2.1922) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 8 (23.2.1922)
Date
1922-02-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8. «eite 3. . Neue Jüdische Presse. Conditorei und Caf6 Wilhelm Wendel Neu renoviert und vergrSssert. Altoguse 6 Telefon Hanse 1288. Frankfurter ISreuten n. Betm^nncheu. Litaae«. Jüdischer Gemeiudelag Dir Wähle» zum Iüd. (sVemeiiibctaiv hatten fallende»;)(efuttat: Achdus 40,;5Give;iu'ii in, Zionisten, Riisra-chi je 2f>, Deinolraten 6, Sozialisten lO. Die Bedeutung der zweiten Tagung der jüdische» Gemeinden Litauens wird besonders darin bestehe», das; sie die scannen der jüdisch?» Autonomie nnrschreiben wird. Amerika. Berschiedenes. (JPZ) Bor dein I in in i g r a t i o n s t o m i t e e d e s :)i c v r ä i e» t a « t e » h a u s e s hat L o u i s Ä a r s hall als Vertreter der Hias sich sür die offene Tür ausgesprochen. Amerika habe nicht nur Plast für fähige Im»iigra»te>», sondern bedürfe ihrer. Marshall anlwortete schlagfertig auf alle au ihn gestellten Zwischensragen und bewies in glänzenber Weise die Haltlosigkeit der Behauptungen der .»nmigrantengeguei?. — R a t h a n 2 t r a n s feierte seinen 7-1. (>V c b n r t s t ag. In einem Brief bedauert Straus, lange nicht so reich zu sei», wie man von ihm behauptet: er würde sich sonst schämen, nicht noch mehr Wohltätigkeit ,’>« üben, als er es tue. — Aach einer begeisternden Rede L o n i s M a r s hall s haben die Jude» in Philadelphia an erneut einzigen Albend 400 000 Dollar für den II Milliiuien-Dotlar-Fonds des I o i n t geschaffen. Im Januar sind für den Keren Hajessod 302 70!> Dollar in bar eiugelauseu, gegenüber 130 000 Dollar im Dez. Louis M a r s h a'l l wurde von den I a p a n e v u i u 'X »t erik a zu ihrem rechtliche n B e r t r e t e r be stimmt, um vor dem Odergericht ihre Anfechtungsklage gegen die Einwanderungsbestiminungeu in Kalifornie». die Japa »er» den Erwerb von Bodeil verbieten, als liegen die >!onsti - tution verstoßend, zn'vertreieii. Aus der „Agudas Jisroel" Beweguug. Warschau Mit lVSO Delegierten ans 545 Orten wurde hier die 2. Tagung de? A g « d a s 2 ch o la n;n e i E »lu. nei I isroel — io bezeichnet sich die Agudas Jisroel in Polen — eröffnet. Rach den Eröffn n n g sred e n des 4lbgeord»el?>i< Rabbiner P e r l m ii 11 c r »HD des Ratsmannes Nf i r s chbrau ii sprach ein Vertreter der Regierung, deren Interesse sür die Tagung versichernd. Für den Rabbinischcii Rat sprachen die R ebbe i m v o n R a d s i n und .von Tokolvw und für den Rabbiuervichband in Polen der Cim'iiicv R a w Worte der Begrüßung. Aus die Anssorderung des letzteren ruft di? ganze Dersainmlung — ein gewaltiger Moment wie mit einer Stimme das „Schma Iisroel - Bekenntnis" aus. Es schlossen sich noch lveitere Bsgrüßungsansprachen an, und dann erstatlete I. M. Lew in den Tätigkeitsbericht, der einen Zeitraum von drei Iah rau »>nspannl.' lieber die Zahl der Mitglieder spricht sich der Bericht nicht ans. Palästina' erklärt er als eine Lebensfrage der Orthodoxie.! Die z w e i 4 e 2 i t> n » g begann mit der Wahl des Präsidiums. Präsiden! wurde-der G lauer Raw. Er las -eine mit srürinisilier Begeisterung anfgenominene Begrüßung des Ehofez Ehajim. sodann-referierte 2 n i ch a I r i e d m a n n Tiber Organisation und Propaganda. Die d ritte und die vierte 2 i st u ii g waren hauptsächlich den Debatte» geividmet. selbstverständlich bekani der Misrachi seinen Teil ab. So beantragte der Delegierte W eint r a u b , der Rabbinisch? Rat der Aguda möge die Rabbiner im misrachistiiäum Lager, die zusammen mit Frauen sich an der Misrachi- Lvnserenz beteiligren, aussordern, der Misrachipolitik zu eutiagen, im andern .falle würden sie ans dem Rabbinischen Rat ausgeschlossen. Ein anderer Redner machie den Vorschlag, der Rabbi uische Rat möge die misrachistisch gesinnten Rabbiner aussordern, sich der Agnda anzuschließen. $arfi»a«ltea m Ueme Mitteiluageu. Stuttnart. Dr. Rieger, Landesrabbiner in Braunschweig, vorher in Hamburg, wurde hier zum ersten Skadtrabbiner gewählt. Ooerhauir». Im hiisigin I r a u e n v er e in sprach Dr. 2 a rk h e i m-Hagen über die „Iran im Judentum.". Rach Vergleichung der Stellung der Iran tut alten Israel nnd bei den anderen antiken Völkern wies Referent nach, daß die Lage der Iran im Judentum eine bedeutend bessere war, loie es auch vom Volke der Bibel nicht anders zu erwarten war. In der Reuzeit uptnt die jüdische Iran am allgemeinen .Kulturleben lLiteratur, Kunst, 2ozialpalitik) hervorragenden Anteil. - I. B. Wnrichau. stinde Jrhndis, die Iran des HZ er er R ebbe n, ist verschieden. Arauksurter Berichte. Festabend der Agudas Jisroel-Jugeudgruppe. Der I e st a b e n d der A g u d a - I u g e n d g r n p p v rrsrente sich eines überaus starken Besuches und wurde durch einen von Karota Schwab gesprochenen Prolog sowie durch eine Ansprache des Redakteurs Sch ach n ow ist eingeleitet. Im Mittelpnntt des Abends stand wiederum, der „Jüdische Orchesterverein", der mit bewundernswirler Exaktheit und feiner Rüaneierung musizierte. Seit der kurzen;-,eit seines Bestehens hat dieser Verein ungewöhnliche Fortschritte erzielt. Das dankt er in erster Linie Konditorei und Cafe I*h. Lanbenstein Hohenxollornstrass« 18. Telephon: Hansa 985. Spezi alität: Ananas-Törtchen und Pralines. -i-—--- - Jedem das Seiuige. Roman Non M. Pulvermann. (Fortsetzung.) Versteinert, doch ohne sichtbare Ren? nalun er ihre vornehme Zurechtweisung hin. „Ich iSeiß nicht, warum sich diese Annahme bei mir sesrsestte. Wahrscheinlich, weil ich mich erinnerte, daß zwischen Ihnen und meiner Iran eine so intime Freinch schuft bestand. Jestt fällt es mir auch ein, sie selbst hatte es mir ja einmal erzählt, daß sie nur durch Ihr Zureden und nur durch Ihren in Aussicht gestellte» Beistand sich entschloß, mich zu heiraten. Sehe» Sie fest: ein, daß Sie damals Ihre ganze Energie „niiötig verschwendetenv So vieles Zureden, so viele gute Dienste. — und das Resultat? — — — Der Vikar Strömer!" „.Herr Klaßner." ries sie streng, während sie die Tränen aus den Augen entfernte, „ich verzeihe Ihnen aufrichtig ihren kränkenden Verdacht gegen mich. Erstens, weil ich Ihren Schmerz mit empsinde und zweitens —" „lind zweitens?" drängte er sie mit ginhend.'n Blicken. „Und zweitens, weil ich mich des Gedankens nicht erwehren kann, daß ich für diesen traurigen Ausgang ihrer Ehe tatsächlich nicht ganz unverankivortlich bin/' Er brach in ein unhöfliches Gelächter aus. „Ank mein Wort, die Sache fängt an, mich zu belustigen! Alle Welt scheint sich ja verschworen zu haben,: um mich glauben zu machen, daß weder sie noch ich irgend welch? Schuld dabei haben, daß wir beide sehr ehrenwerte Menschen und sittlich gefestigte Charaktere sind. Warum in aller Welk ist sie dann äber sortgelansen? Run, Fräulein Mahlow, 'sagen Sie mir jestt offen, ivelclten Anteil Sie bei dem sonderbaren Vorgang haben, um sich dabei schuldig zu fühlen?" „Ich habe, ihr gegenüber mein Wort gebrochen und mein gegebenes Verspreclien nicht gehalten," sprach sie und sah ihn. dabei fest an. -„Ich versprach, ihr zur Seite zu stehen und ihr zu Helsen, wemi sie meiner bedürfe. Ich habe das Gefühl, daß ich die ganze Zeit über hätte auf meinem Posten fein müssen: denn schon, als sie vor etwa drei Monate» z» mir kam, merkte ich ihr ein? innere Unruhe-an: merkte ich, daß sie mich nötig hakte. Ich aber habe damals schon mein - Wort gebrochen." . ° „Waren Sie denn damals »ich! mehr befreundet, um den Grund ihrer tlnruhe zu erfahren?" fragte er, ohne;ür ihre Selbstvorwürfe ein besonderes Interesse zu zeigen. „Freilich »milderte ich mich, daß Sie sich gar nicht mehr vei »ns blicken ließen. Aber ich scheieb es alltäglichen Abhärtungen zu, oder vielleicht hat Herrn Burgers Liebesgesiüster alle Ihre Gedanken in Anspruch genoimn-?'!." Er zuckte mit den Achseln, um seine Gleichgültigkeit not, mehr znni Ausdruck zu bringen. „Ich ahnte eine Katastrophe, einen schrecklich-?» Vor fall, als ich 'Sie vorhin ervlickte," fuhr sie fort, ohne seine bissige Bemerkung zu beachten. „Ja, ich hatte solche Ahnungen und meine Selbstvprwürie, die mich darin noch mehr bestärkten." 'Auch diese Worte schienen keinen Eindruck auf ihn zu machen: sie erzielte damit, nur die einzige Wirkung, daß sie ihm die Größe seines Verlustes wieder znm Bewußtsein brachte und die Leichtigkeit, mit der er vielleicht bätie abgewendet werden können, wenn andere Leute seiner Ebe be;ondere Ausnierksamkeit geschenkt hätten. „Warum aber haben Sie Ihr gegebenes 'Versprechen nicht gehalten?" fragte er barsch. Alice errötete und preßte die Lippen zusammen Er wiederholte darum seine Frage. „Ich' — ich, — hatte — meine besonder» Gründe," .stotterte sie. „Ihre besonder» Gründe?" wiederholte er noch stren ger. „Möchten Sie nicht ein klein wenig deutlicher sein.' Fräulein 'Mahlow? Sie sehen doch, daß ich alles wissen muß: jede noch so geringfügige Andeutung kann dazu beitragen, der 2arfv? aus den Grund zu kommen." „Sie sollen es erfahren," trief sie fampibereit, den Kopf znrückwerfend. „Ich lehme es ab, sie noch ferner zu sehen, weil ich eifersüchtig auf ihr Glück war! Weil ich sie glücklich und zufrieden glaubte, während ich doch —" „Sich selbst unglücklich fühlen," vollendete er ihren Sah. „Wirtlich ein sehr praktischer Weg, um eine übernommene Pflicht von sich zu weisen! — Aber wie 2i? sehen, habe» Sie sich doch ein ivenig geirrt." Er brach ab. Er hatte draußen den alten Duinout vorübergehen sehen.. Sicherlich begab er sich zu dem üblichen Morgenschoppen nach feiner Stammkneipe. Er stützte sich stchiver aus seinen Spazierstock, doch er ging ganz ausrecht, und was. auch sein Herz einpsindeu mochte, das faltenreich? Gesicht war mild und jreundlich wie immer. Ottenbacher Drucklult-Aalage Offeabaoh a. B. Telefon 123. Unübertroffene Teppichreiniguug mittelst Druckluft seinem überlegene», gen taten J-ührer, Max Re »in an», der geradezu znm Dirigenten prädestiniert erschein! da er in sich jene Eigenschaften vereint, die ein Dirigent besisten muß und zumal bei eincni ans Dilettanten zusaminengesetzien Klangkörper: denn ei» derartiges Orchester zu erziehen, geling! nur einem solchen Dirigenten, der neben seinen iirnsilalifchen Führer»,lolilären. auch solche oädagogiscln'i Art in sich vereint. 'R'ichr endenwollender Beifall zeigte, baß das Puhlikum die Leistungen voll und ganz zu würdigen ivntzte. — Rach diesen Darbietungen sang M a r k n s G erlich mit giilem Gelingen Iargonlieder und 'Arien, die großen Beifall fanden, kkiui sahen wir ein entzückendes Blumenfestspiel, dargeboten von >9 jungen Mädclv.'», das der Berfasserin, J-rl. Landsbe-rg, alle Ehre machte: man konnte an dem Spiel der Kleinen seine Helle Irend-? haben. DaS in allen Teilen g. lnngene-Fest fand mit humoristische» Lichlbildervorträgeii einen würdigen Abschluß. Notize». Die Beratungsstelle für o st j ii d. Ilucht - l i n g e, Langesch.?’»!) .Hlinsa :!728i, Sprechstunden vormittags 10—1 Uhr, nachmittags 0 Uhr, teilt folgendes mit: Infolge eines neuen Ministerialerlasses iverden voraussichtlich Schwierigkeiten bei der Ausstellung von Arbeite r - L e g i t i m a t i o ii s k a r l e » sür ostjüdische Arbeiter entstehen. Wir bitten deshalb alle Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch der näheren und iveileren Umgebung Iranksurts. sich in solclcen Iällen zwecks Beratung mit uns in Verbindung zu setzen. Frankfurter Beranstattuuge«. T a lm n d - Th o r a -V e r e in (B: Dr. Braun. G: Groß, 2: Lipinsky, U:'Unna, O: Oelbaum), Hörsaal Börneplatz, Samstag, 11*) i Schulchan Aruch (ll), 3lA: Raschi (S), »ach M incha: Mikro sll'i, Stunde v. Rächt: Sidra- Vortrag "Iritz Mayers. Sonntag, nach Schacharis: Mischna (G), 9: Schnlchau Aruch;L), Gemoro (U). Montag, n. Schacharis: Schulchan Aruch lll>, 8'A: En Iaakauw (U). Dienstag, nach Schacharis: Mischna >Gi, 8',,: Rewiim lU). Mittwoch, nach Schacharis: Mischna (G), 8'/,: Chauwaus Halewowaus (B). Donnerstag, nach Schacharis: Schulchan Aruch (1t), 81»*): Gemoro. (U). Ireitag, nach Schacharis: Mischna (G). Fortbildung sür jg. Leute: Samstag 3—4, Montag. 71/* und 8, Mittwoch, 73A: Gemoro (U. u. G.). Fortbildung s. Knaben: Samstag, 3: Schulchan Aruch (Abt. V lM. 8. (O). C. (£■), D. 4Vi (C). 6Vs: Gemoro (ll), Montag, l> Mischna Abt. 0. und l> , U>. Dienstag. *) Religionsschule Hermesweg 27. .=_ .—~-—:——"-..._: Klaßner wendet den Blick wieder Alice zu und fragte sich, was wohl dieses Mädchen von seiner eigenen Selbstbeherrschung denken mochte. Wer diesen Gedanken unterdrückte er gleich wieder. Sollte er etwa nichtssagende Phrasen drechseln? Es hatte chn schwer betroffen: — lnarum sollte er nicht versuchen, den Schlag weiterzugebeir. auch wenn er einen Unschuldigen traf? „Sie sehen also, welches Unheil Sie anstisteten!?)u- Uinftig ivcrden Sie nicht mehr die Vorsehung ftneljxtO wollen! Es ist dieses eine gar schwere Sache, und cs gelingt nicht jedem." „Ich habe es doch nur gut gemeint." „Es genügt aber nicht, zu meinen, sondern Sie. hatten tun müssen," brauste er wieder auf. „Sie hätten Ihre Schutzeiigelrollc weiter spielen sollen, gegen sie und gegen —. mich. Den» aiiifcgegen mich hatten Sie Pflichten: »Sia hätten mich warnen sollen!" „Ick> sehe es ein und bekenne mein Unrecht." Immer wieder leere Lust und nicht der geringste Widerstand. Wenn er noch länger bleibt, dann läßt er sich schließlich hinreißen, etwas zu sagen, daß sie doch veranlassen könnte, nach dem Diener zu rusen. Es wäre Torheit, es' dazu kvmnieil zu lassen. „Ich nnpfehle mich Ihnen, Fräulein Mahlow. Es tut mir leid, daß ich Sie belästigte." „'Ach, .Herr Klaßner. wenn ich Amen doch irgenkt- >vic helfen könnte," jammerte sie, als sie ihn veraustbegleitete. Unwillkürlich hielt er den -Schritt an. um ihr noch einen Blick zuzuwerfen. Er hatte eine nebelhafte, verschwommene Empfindung, daß wenn erst Jahrtausende hinter seinem blinden Zorn, hinter diesem brutalen Schmerz liegen iverden, daß dann diese Worte vielleicht einen Sinn für ihn haben könnten: jetzt aber blieben sie ohne jeden Eindruck. Er ging 'fori, ohne zu antworten und ohne den Ansrand zu wahren, indem er es ihr überließ, die Tue hinter ihm zu schließen. Kaum hatte Klaßner das Hans verlassen, als Stella mit den Worten in Julius' Zimmer stürzte: „Ellen ist mit Strömer durchgebrannt!" Julius blickte sie eine Weile starr an und sprach dann: „Du bist verrückt!" „Das bin ich. nicht," verteidigte sie sich und erzählte ihm alles, was sie hinter der Tür erlanschie. „Roch dazu mit einem Geistlichen!" ,

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