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Neue jüdische Presse · 1922-02-16 · Heft 7 (16.2.1922) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 7 (16.2.1922)
Date
1922-02-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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(Seite 2 menen Reise nach Aden, Indien und Mesopotamien PalL« fBiia besuchte und von Sir Herbert Samuel in Audienz «npfangen wurde, das folgende Schreiben gerichtet, um mit dieser Kundgebung die jüdische Bevölkerung Indiens und Mesopotamiens für den Keren Hajessod zu gewinnen: Amt des Oberkommissärs. Jerusalenr, 12. Januar 1922. » Sehr geehrter Herr Dr. Bension. Es liegt mir am Herzen, meinen besten Wünschest jür den vollen Erfolg Ihrer Mission in Irak nnd Indien! Ausdruck zu geben. Die Zulassung jüdischer Einwanderer nach Palästina »mß von dem Ausmaß der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes abhängen; sie hängt ihrerseits wieder von den Mitteln ab, die für diesen Zweck ausgebracht werden. Bon nicht geringer Bedeutung ist die kulturelle Seite dejüdischen Nationalheims in Palästina, und auch hierfür ist es ivesentlich, daß entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden. Wenn die jüdische Bevölkerung der ganzen Welt bereit ist, die finanziellen Mittel beizustellen, dann bin ich überzeugt, daß die Energie und der Enthusiasmus der jüdischen Bevölkerung Palästinas und jener, die ihr aus anderen Ländern Zuwachsen wird, erfolgreich! sein to'n bei d:r Schaffung eines Palästina, auf das wir alles stolz sein werden, in dem alle Teile der Bevölkerung gedeihen werden nnd in dem das Judentum wieder!in Freiheit jene großen Eigenschaften entfalten wird, denen es seine Größe in vergangenen Tagen zu danken hatte. 4 Ihr sehr ergebener (gez.) Herbert Samuel. Erez Israel. Touristen. Am 13. März wird in Beirut das amerikanische Schiss .„George Washington mit 700 Touristen nach Palästina erwartet. Bon der Brnndeis-Sruppe. Der Philanthrop So l. R o fen b l oom aus Pittsburg (Amerika), ein Führer.der Brandeis-Gruppe, gab auf der Reise nach Palästina in London einem Vertreter des „Jewish Guardian" ein Interview. Als nächste Pläne der Brandris» Gruppe bezcichnete er die Gründung einer Zentralbank, einer Baudarltchensgesellschast und Beteiligung an der Er- ' richtung der Universität in Jerusalem. Seine Organisation wolle keiner anderen Konkurrenz machen. ' Die PulLftlua-Sauderuu« aus Poleu. Durch das Warschauer Palästina-Ami wurde» im November und Dezember v. I. 1266 Personen nach Palästina abgescrtigt. Beruflich gliedern sichdiese Palästina- Wanderer wie folgt: 149 Bauarbeiter, 1V9 Tischler. 70 Schlosser, 130 Feldarbeiter, 113 Schneider, 271 sonstige Handwerker, 90 selbständige Gewerbetreibende, zusammen §92 Personen im Alter von 30 bis 5Q Jahre», 144 Personen sind mit ibreu Kindern nach Palästina ausgewandert. Jüdische Fischer. Eine Gruppe russischer Juden, die auch in Rußland von der Fischerei gelebt hatte, betreibt heute den Fisch fang in Palästina. Es fehlt noch eine eigene Landungsstelle an der Küste, wo ihre Kutter halten und sic die Ware abladen können. Die Küste Lei Jaffa ist bekanntlich so flach, daß die Schisse in verhältnismäßig weiter Entfernung vom User Anker werfen müssen. Außerdem können dort zwischen den jüdischen und den arabischen Fischern Reibungen entstehen, wie sie unter Konkurrenten nicht innner zu vermeiden sind. Achs dem letzten Grunde haben die jüdischen Fischer bereits einen anderen Landungsplatz gewählt und zwar dicht hinter den Häusern von Tel-Awiw, etwa am Ende, der Allenby- Stratze. Diese Landungsbrücke ist auch im gesamtjüdischen Interesse zu begrüßen. Für die jüdische Bevölkerung in Tel- Awiw ist die Hafcnfrage von ungeheurer Bedeutung. Tel- Awiw ist daran interessiert, daß der Hafen an seiner Küste nnd nicht an der Küste von Jaffa angelegt wird. Den Magistrat von Tel-Awiw hat sich daher bei der Regierung um den Bau einer starken Holzmole bemüht, die den Fischern gute Landungsmöglichkeiten bieten soll Die Mole wird so gebaut werden, daß sie im Notfall, wenn die Araber bei Landungen jüdischer Einwanderer wiederum Schwierigkeiten! machen sollten, auch, als Landungsstelte für kleinere Dampfer in Frage kommen könnte. Die Landungsbrücke befindet sich vollständig im Bereiche von Tel-Awiw. das bekanntlich eine selbständige jüdische Stadt blldet. Ei» jüdischer Polizeiposten bewacht dauernd die Stelle. , Eine zweite Gruppe russischer Juden beschäftigt sich mit der Gewinnung von Salz aus dem Seewasser. Gegenwärtig «hält man in Palästina Salz, das von änderest Ländern importiert wird, besonders aus Zleghpte». Wirtschaftliches. Die Firma Trapp L Margoli» errichtet gegenwärtig in der Nähe von Jerusalem eine große Spirit usbrenncrci mit modernen Maschinen. Dem Unternehmen soll auch eine Hesesabrik angegliedert werden. — Im Laufe des Dezember wurden insgesamt 120 000 Kisten Orangen von Palästina nach England crvor- ^ttert. — Unter der Firma „S üdasrika nische Baugescllschaft für Palästina" wurde in Johannesburg (Südafrika) von «twa 20 prominenten Juden ein Mtiennnternehmen ins Leben gerufen, welche in Palästina Arbeitcrhäuser, Fabrikgebäude und Unterkunftsräume für öffentliche Institutionen errichten soll. V Reue Jüdische Preffe. Deutsches Reich. ver»«u«d »er jüdische« J«ge»dt»erer»e Deutschs«,»-. ■ Der Gesamtvorstand des Verbandes der jüdischen Jngendvereine Deutschlands tagte am 29. Januar in Berlin. Aus Antrag des Verbandsoorsitzenden wurde e i n sbi m m i g folgender Beschluß gesüßt: Tier Gesamtvorstand hält es für notwendig, daß der Delegiertenverscunmlung, soweit crsorderlich, eine Satzungsänderung nnd Wahlvorschlägc unterbreitet werden, durch die der Einfluß der jugendliche» Mitglieder innerhalb des GcsamtverbandeS und i» der Leitung des GesamtverbandeS, der Landesverbände und der Vereine erhöht wird. Die mit der Ausarbeitung der neuen Verbaiidssatzung betraute Kommission wird insbesondere mit der Prüfung der Frage betraut, inwieweit tbcn Jugendlichen und den Wanderern selbständige Zusammenkünfte und selbständige Gruppierung ermöglicht werden soll. Auch wird der Kommission die Prüfung der Frage aufgegeben, ob eS nötig ist, besondere Vorkehrungen zu treffen. daß die tätige Mitarbeit und der Rat älterer bewährter Mitarbeiter gesichert bleibt. Die Delegiertenversammlung des Verbandes findet Psingsten d. I. voraussichtlich in Bon» statt. In den Vorstand wurden Dr. Ludwig Zrank, Nürnberg nnd Grete Kovars, Berlin, die Derzeitige Geschäftsführcrin des Verbandes, hinzugewählt. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde einstimmig Kurt Neu, Berlin, gewählt. Die Verba ndszcitschrift wird ab 15. März zweimal monatlich und zwar am l. und' 15. eines jeden Monats erscheinen. Sie soll '.als repräsentatives Organ derjenigen Schichten des deutsckjen Judentums ausgestaliet iverden, die auf dem Boden der Einheitsidee des Jugendvcrbandes stehen. Die Redaktton liegt in den Hände» von Dr. Alfred Apfel, Berlin, Dr. Gustav Löffler, Frankfurt a. M., Grete Kovacs, Berlin, Kurt Neu, Berlin. An der Dorstandssitzung nahmen Vertreter der Großloge für Deutschland, des Deutsch-Jsraelitrschen-Gnneindebundes, des Jüdischen Frauenbundes, des Rabbinerverbandes nnd des Verbands der Jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich teil. Deutsch-Vetterreich. «ine Proteftresolntio». Der Verband „Agudas hachareidim", der 36 orthodoxe Wiener Bethausvcreine umfaßt, faßte eine Resolution, in 'der es heißt: „Der Verband protestiert dagegen, daß die „Agudas Jisroel" sich das Recht der Vertretung der glaubenstreiien jüdischen Kreise Wiens airmaßt. 'Er mißbilligt aufs schärfste die Tendenzen der Aguda, welche aus die Zertrümmerung der Wiener Judengemeinde gerich et sind. Die glaubcnstrcuc Judenschaft will die große Einheit-genieiiide erhalten und erachtet die auf ihre Zerschlagung hinzielendeni Wühlereien und Verhetzungen seitens det Aguda als verdamnkenswcrt nnd unjüdisch. Mit Entrüstung stellt der Verband fest, daß die Aguda nicht davor znrückschreckt, wie dies kürzlich in ihrem Organ geschehen ist, best Abfall vom Judentum, die Konsessionsloserklärung, als Mittel zur Vernichtung der Judcngemeinde anznempfehlen. Er verurteilt ferner auss schärfste die von der Aguda und ihrem Preßorgan seit Jahren systemattsch betriebene Verleumdungskampagne, welche sich, gegen die religiösen 'Institutionen! der Gemeinde und der glaubenstreucn Vereine richtet und in der unwahren Behauptung gipfelt, daß nur die Einrichtungen der Aguda einwandsrei sind." Es ist ein Jammer um all die Entzweiung im jüdischen Lager! Großbritannien. Vorlesungen über Achad baa« an der Londoner Universität. Das orientalische Seminar der Universität London hat ein Kolleg über die Werke Achad Haatns (Uscher Ginsberg) anberaumt. Die Vorlesungen werden im Rahmen des am 1. -November 1921 errichteten, hebräischest Zwcigseminars stattfindcn und von A. S. D o n i a ch veranstaltet werden. Nach einer gründlichen Einführung in die Gesetze der hebräischen Grammatik sollen Uebertragnngen aus dem Englischen ins Hebräische und umgekehrt vorgenominen werden. Nach diesen Vorübungen wird das Kolleg den hebräischen Essays von Achad Haam gewidmet sein, die zu den bedeutendsten Zeugnissen der nationalst jüdischen Literatur gehören. (Ziko.) Pole«. Pogromhetze. Der als Antisemit berüchtigte Pfarrer L u c z y ck i gründete in N a l e n c z o w ein Entjudungskomitec zur Vernichtung der Juden. Der Erfolg dieser Gründung war, daß letzten Sabbat den Juden die Fenster eingeschlagest wurden und ihnen schriftlich mitgeteilt nyttbc, es werde ein Pogrom stattfinden. Der Rabbiner intervenierte sofort beim Bezirkshanpttnann, der die notwendigen Maßnahme» ergriff. Die For»er««gen Ser Jude« von Wilna. In der jiddischen Zeitung „Unser Freind" tritt der Präsident der Wilnaer jüdischen Gemeinde, Dr. Witz o d s k i, gegen die Behauptungen der polnischen Presse auf, die die jüdischen Forderungen als Privilegien bezeichnet, i Wigodski stellt fest, daß die Juden die nationalperso- > nelle Autonomie auf keinen Fall als „Privileg", son- Sk. 7. dern lediglich zum Schutze ihrer nationale» Minderheit verlangten. Die Juden vertreten ebenso den Standpunkt, daß die nationalpersonelle Autonomie nicht nur' ihnen, ' sondern allen nationalen Minderheiten, ähnlich wie in Kowno-Litauen, zu erteilen sei. Die nattonalpersonelle Autonomie bedeute die einzig mögliche Sicherstellung ihrer bürgerlichen, politischen und nationalen Gleichberechtigung. Sie biete auch die einzige Garantie, daß die Gleichberechtigung tatsächlich dnrchgekührt werde. Litauen. Um die jüdische Autonomie in Litauen. Aus K o w ii o wird gedrahtet: Die zur Modifizierung des Gesetzentwurses über "die Errichtung nationaler Ministerien gebildete Ausgleichsk o in m i s s i o ii des Landtags hat einem wichtige» Antrag des Ministers für jüdische Angclegeiihsiten, Dr. Soloweitschik, zugestimmt. Danach, soll jede Minderheit, die innerhalb des litauischen 'Grenzgebietes hunderttausend Seelen zählt, ein nattonales Ministerium beanspruchcn dürfen. Wie verlautet, wird auch? die Bersassungskommission diesen Vorschlag unterstützen. Die sozialdemokra« ttsche Partei, die der Errichtung nationaler Ministerin, bisher abgeneigt war, soll ihren Widerstand aufgegebrir haben. Schweiz. «in aatisemitikcher Beschluß. Im Zürcher Kantonsrat gelangte der Antrag des sich Demokrat nennenden, Lehrers H ö h n: „Der Regieriingsrat wird cingeladen, seine» Beschluß vom 31. Dezember 1914 betreffend Dispensation der israelitischen BolkSschüler von der manuellen Tätigkeit am "Sabbat außzuheben und die Ordnung dieser Verhältnisse den Ortsschulbehörden zu überlassen. Dabei sollen diese letztern eingeladen werden, von der bisher gewährten Dispensation nur abzugehen, wenn die «Schulordnung und Schulführung beeinträchtigt werden." mit 92 gegen 35 .Stimmen zur Annahme. Aus der Debatte seien die Ausführungen des bekannten sozialistischen Advokaten Dr. Farbstei n wiedergegeben. Er sagte: In Glaubenssachen sei eine Diskussion unmöglich, Es gehe . nicht ,iu, daß man über Gebräuche der orthodoxen Juden lache. Mit'»demselben Rechte könnte man über die Gebräuche irgend einer anderen Konfession, sich. luftig machen. Er als Mitglied einer Raffe, die wegen ihrer Ueberzeugung immer versotgt wurde und verfolgt wird, ist gegen die Unterdrückung einer jeden Ueberzeugung. Wenn es möglich ist, daß Lehrer mehrere Tage wöchentlich im Kantonsrat sitzen und die Schule nicht gestört wird, so soll auch durch die Sabbatrühe für dir jüdischen Kinder die Schule nicht gestört werden müssen. Man solle keine Konflikte zwischen Eltern und Kindern herausbeschwören. Das würde nur zur Demoralisierung der Kinder führen. Bewußt mag Herr Höhn kein Antisemit sein, bewußt schämt er sich wohl Antisemit zu sein, .unbewußt werden hier an!i semitische Momente eine Rolle spielen. Das beweist der Ton der Rede Höhns. Redner selbst sei freisinnig, er schwärinc aber keineswegs für .das sogenannte- Reformjiideiitiini. Das Reformjudentum sei der ideologische Uebcrban des jüdischen Großkapitalismus. Redner achte viel mehr die jüdisch.' Orthodoxen, die für ihre Ueberzeugung ehrlich känipfen. ., Kanada. Einwanderung. Vom Mai bis November 1021 landeten in O.uebee 5687 jüdische Einwanderer. Antz der MiSrachi-Beweguna. Um den allseitig geäußerten Wünschen unserer Freunde nachzukommen, hat das Zentralbüro die 'Anfertigung einer neuen M israchil> üch sc veranlaß!. Die Büchse ist in der Ausführung ähnlich? wie die frühere, die sehr schnell vergriffen war, und mit einer Reproduktion von Prof. Kaufftnanii versehen. Der Preis beträgt M 8.50 proBnchse. Bestellung sind schnellmöglichst erbeten an: Zentralbüro deS M iS rach i in Deutschland, Berlin N. 24, Monbijouplatz 1. Prag Die miernchiinscbe Landeskonferenz wählte Oberrabbincr Dr. B r o d y - Prag zum Vorsitzenden der Misrachi-Organisatioii für die Tscheeho-Slowakei. Ans der „Agudas Jisroel"-Beweguug. Wie« Anläßlich eines Besuches (pendele Frau Hendl T h u m i n, Schwägerin des Präsidenten ' des Kriegswaisensonds der „Agudas Jisroel",' I. I. Thumkn, aus der Verlasscnschaft ihres seligen Mannes Moses Thiimiu für den „eisernen Fonds"-des Badener Waisenhauses der „Aguda" 200000 Kr, ____________ V ' , Perionnlte» m. tut« Mittet!«»«». München. Der Vorsitzende der Ohel Jakob Gemeinde Kommerzienrat Jakob Fränkcl, ist zurückgetreten Frankel hatte sich, vielfache Angriffe, ans orthodoxen Kreisen zugezogen» weil er als Vorsitzender der Münchener Handelskammer bei der Leichenverbrennung des jüdischen Syndikus der Kmnmer eine Gedächtnisrede gehaktem hatte. Vrovnschwe»« , Dr. Regensburger wurde, zum 3. Präsidenten des Landtages gewählt.

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