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Neue jüdische Presse · 1922-01-26 · Heft 4 (26.1.1922) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 4 (26.1.1922)
Date
1922-01-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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*rr'r 2 £ip« entzückende Auswahl in Abendsehohen zeigen die Anslagen der Firma _ Schnhbaam Goethestr. 29. Einfache Lackpnmps wechseln mit zierlichen Brokatspangen- 8chnhen, 'Wildlederschnhe mit reizenden Molieremodellen ab. — Die elegante Dame findet hier wähl den passenden Schnh zn jedem Kleid, und auch die Preise bewegen sich auf sehr massiger Basis. Eine Besichtigung dieser Ansstellung ist sehr zu empfehlen. Mödling, Baden, Wiener-Neustadt, Neuntirchen, Gloggnitz, Graz und Leoben. Auch die Wiener Gemeinde besteht zu einem beträchtlichen Teile aus westungarischen Juden. Im Burgenlande betreiben die Juden Wein- und Produkten' Handel und auch handwerksmäßige Gewerbe, und in Ödenburg besteht die überwiegende Mehrlreit der Kaufleute und Gewerbetreibenden aus Inden. In wohltuendem Gegensatz zu den Juden de» übrigen Ungarn haben sich die Juden Westungarns von jeher der magyarischen Assimilation scrngehalten, was sich auch äußersich schon an dem fast gänzlichen Fehlen magyarisicrter Familiennamen zeigt. In ihrer überwiegenden Mehrheit können sic als streng religiös bezeichnet werden. Der Zionismus hat namentlich in der Jugend begeisterte Airhänger gefunden, und in Palästina gab cs schon vor dem Kriege manchen sohir der Schsva Kehilloth. _ Eine dankbare Aufgabe des Wiener Jüdischen iochulvrreins wird es sein, die in jeder Gemeinde Westungarns bestehenden jüdischen Volksschulen unter seinen Schutz zu nehmen und auSzugcstaltcn. Es sei hier nur erwähnt, daß der in ungarisch-patriotischem Geiste gehaltene Lehrplan biefer Schulen am besten durch den der Wiener jüdischen Volksschulen zu ersetzen sein dürfte. Der Anschluß des Burgenlandes entreißt einen iverivollen Zweig unseres Volkes den Segnungen des christlichnationalen Kurses, in Ungarn und kann den Juden Oesterreichs den Impuls zu neuem kulturellen Aufschwung geben. Denn die früher erwähnte große hölzerne Fahne auf dem Dache der Synagoge von Mattersdors ist nicht nur deshalb von Interesse, weil sie der traditionelleir Tlnsorderung entspricht,, die Synagoge, die sich den Luxus von Tünnen nicht leisten kann und will, über die Häuser rings umher erhöht erscheinen zu lassen, sondern sie ist noch weit mehr ein Symbol dafür, daß hier die Traditionen des Judentums noch »»geschwächt und ungebrochen das Leben beherrschen. Denn wenn auch die Menschen einige Stufen zu ihrem Platze in der Synagoge hinabsteigeu, um nach dem Psalmwdrtr aus den Tiefen zu Gott emporzuflehen, die Synagoge selbst ragt hoch über die Häuser des Ghetto hinaus' und beherrscht sie vollständig. Vom frühen Morgen, wenn der Meschamesch zum Dienste des Schöpfers rufend an die Türen klopft und die Frommen ins Tauchbad und dann in die Synagoge eilen, um Körper und Seele zu reinigen und zu erheben, bis zum späten Abend, wenn die Lehrhäuser sich leeren, zieht sich hier eine ununterbrvcheire Kette von freudiger Betätigung echt jüdischen Lebens. Und erst der Sabbat, der in seiner scheinbaren Beengtheit zwischen den Drähten des Eruw eine ungeahnte Fülle von Genüssen! und Freuden edelster Art und wohltätiger Ruhe birgt! Wohl haben auch Wien, Mödling, Wiener-Neustadt iifw. stolze jüdische Erinnerungen, aber die Fäden zwischen dem Wien eines Jointow Lipmann Heller und dem Wienc» Neustadt eines R. Israel Jsscrlein einerseits und dem Wien und Wiener-Neustadt von heute andererseits sind infolge der dazwischenliegenden gänzlichen Auswanderung und Zerstreuung der Gemeinden gerissen, und Männer, wie Jsat Noa Mannheimer und Ahron Jellinek konnten und wollten sie wohl auch gar nickt wieder anknüpfen. In den Schema Kehilloth dagegen ist die Tradition der vergangenen Jahrhunderte ununterbrochen lebendig geblieben und wird treu gepflegt und fortgesetzt. Hier haben wir nicht künslliche Versuche auf jüdisch-kulturellem Gebiete, nicht Verpflanzungen fremder Art, nicht Nachahmungen und Blenderungen vor uns, sondern hier spricht und denkt, forscht und lehrt, beket und arbeitet, hofft und harrt das jüdische Volk noch so wie vor 500 Jahren. Das einzige Gebiet, auf dem sich hier Aenderungen finden, ist das der Tracht und dies wohl mit Recht aus der Erwägung, daß die sogenannte jüdische Tracht des Mittelalters doch nicht eine jüdische, aus der Heimat mitgebrachte ist. Gar nicht weit von Wien tut sich uns nun ein Stück wahrhaft jüdischen Lebens auf. Neue Kräfte können von hier aus in das jüdische Leben Österreichs fließen, das österreichische Judentum dagegen kann das latente Nationalbewußtsein in den Juden des Burgenlandes neu entfachen, und hier wird sich dann wieder zeigen, wie im Judentum Religion und Nation einander bedingen und ergänzen. Das jüdische Volk ganz Österreichs und das Judentum der ganzen Welt wird aus diesem Jneinandergreifen der wertvollsten Komponenten die schönsten Früchte erhalten. Rauddemertungeu. Das hiesige Organ der AgudaS Jisroel-Organisation hat sich veranlaßt gesehen, uns in einem Artikel „Ein Beitrag zur Taktik der Frankfurter „Neuen Jüd. Presse" anzugreisen. Merkwürdiger Weise uns, die wir die Differenzen innerhalb der Orthodoxie stets sachlich und unter Vermeidung jeder verletzenden Note behandelt haben» trotzdem aus der gleichen Ursache noch eine ganze Anzahl Blätter, die es gleichfalls für ihre journalistiscke Pflicht hielten, über eine Aufsehen erregende Rede des Klauscnburger Oberrabbiners zu berichten, hätte angegriffen werden können. Gerade der mit dem Aguda-Organ verbundene „Jsxaelit" ist die einzige jüdische Zeitung Deutschlands, die aus scharfe Polemik eingestellt ist. Zionismus, Misrachi, Gaueinde-Orthodoxie, Liberalismus, überhaupt das gesamte jüdische Leben außerhalb der selbständig organisierten Or- Ncue Jüdische Presse. thodoxic wird schonungslos als Krebsschaden am Mark des einzig wahren Judentums, als dessen Vertreterin sich-die Zeitung änsieht, kritisiert, — und trotzdem finden sich in ihr ständig Berichte aus den Vorkommnissen dieses jüdischen Lebens. Die Redaktion macht nämlich wohlweislich einen Unterschied zwischen Artikeln, in denen ihre Ansicht zum Ausdruck kommt, und informierenden Berichten. - Was dem einen recht ist, sollte dem anderen billig sein; — doch wenn wir einen Bericht bringen, dann heißt es auf einmal „Taktik"! Dabei hatten wir nicht mit einem Worte Stellung zu der Rede des Klauscnburger Obcrrabiners genommen und hatten des weiteren in einem Briefwechsel, den eine hiesige Persönlichkeit mit uns begann, uns sofort bereit erklärt, einer sachlichen Entgegnung von agudisttscher Seite Raum zu gewähren. Ist das Taktik'? Der Betreffende wollte jedoch Nicht diese Erwiderung geben, sondern verlangte die dlufnahme eines Briefes, der uns kritisierte. Dies lehnten wir selbsttedend ab. Als Antwort erhielt der Herausgeber, der sich seit zwei Jahrzehnten in selbstlosester, lauterster Weise für die Erfüllung seiner jüdischen Ausgaben opfert, einen Brief, in dem wegen der Wiedergabe der Rede des Klausenburger Oberrabbiners, einer der würdigsten Erscheinungen des jüdischen Lebens, sich der Schreiber zu der folgenden ungeheuerlichen, maßlosen Anschuldigung »ersteigt: „In Ihrem Blatte hat die Lüge eine Stätte gefunden, die infame niederträchttge Lüge, die die 'Ehre Tausender in den Schmutz zieht." Trotzdem gaben wir in dem Briefkasten unserer Zeitung eine Erklärung, weshalb wir den Inhalt der Rede Wiedergaben. - Beide Briefe des Agudisten sind nun in dem Aguda- Organe zum Abdruck gelangt, — statt ihnen aber loyaler Weist unsere Ausführungen im Briefkasten anzufügen, wurden — ein sehr ungewöhnliches Vorgehen — die Briefe des Herausgebers, die privaten Charakter ttugen, ausgebcutet. Wir folgen nicht aus diesen Weg, der mit der Ehre eines Menschen so leicht umgeht. Wir lehnen auch eine polemische Behandlung ab, denn wir haben nie Lust empfunden, den Zündstoff innerhalb der Orthodoxie zu vermehren, — und zur Orthodoxie rechnen wir uns mit dem gleichen Recht, nicht mit einem Jota weniger, wie die, denen es beliebte, die ganze Schwere des Geschützes aus uns zu richten. Liebe zur Thora, Erfüllung des Thorawortes sind uns heiligste Lebenserfüllung; sic sind es uns noch mehr gerade, weil wir mit unfern der Thora entfremdeten Brüdern dos noch gemeinsame Jüdische zu pflegen bemüht sind. Augenblicklich nusserseaShnllch billige Preise mcmnlttnffMiltr und fieseUschnftstolletten 1 Beaibtep Sie nmere tteröWe Süianfenster - fipssfellnnii 11 ROBINSOHN Erez Israel. Verschiedenes. Jerusalem. Dr. Eder, Mftglicd der Zion. Exekutive in Palästtna, ist infolge der mit Ussischkin gehabten Differenzen nach England zurückgekehrt. — Der Orientalist Prof. Strauß aus Budapest ist hier im Interesse der jüdisch-arabischen Verständigung eingetroffen. — Macdonald, der Führer der britifdjc« Arbeiterpartei, wird in Palästina erwartet. Deutsches Reich. Telegiertentagung des Hessischen Landesverbandes der jüdischen Jllgeudvcreinc. Der Landjugend zugedacht, Ziel und Zweck unserer Bewegung ihr vor Augen zu führen, eine nicht nach außen prunkvoll in die Erscheinung tretende Veranstaltung sollte diese nach Nauheim einberufene Tagung sein. Das besagte schon die Zusammenstellung der Tagesordnung, in der vorgesehen war, nur Menschen zn. Worte kommen zu lassen, die aus der Praxis heraus ihrem Empfinden, Ausdruck geben wollten, Ausdruck, zu dem ihr inneres Erleben sie drängte. „Die Arbeit der Landvereine" so lautete das Thema. Doch wer da glaubte, einen scharf umrissenen Weg' vorgrzeichnet zu bekommen, der mußte enttäuscht sein und wird es immer wieder sein, wenn er nicht gewillt ist, seinen Weg durch das Gestrüpp althergebrachter Begriffe im-steten Kampf mit sich selbst zu finden. '.Itr. 4 Don diesem Motiv getragen, waren die Ausführung Bcrthold Moses Frielendorf, der, weit zürn greifend, ungefähr ausführte: Die Opferwilligkeit, die freudige Hiygebung uird Bcg sterung für das Judentum hat unsere Geitteinschast di» die Jahrtausende der Verfolgung und des grausigen Leis erhalten. Mit dem Fall der Ghettomäuern ergoß sich d Strom jüdischer' Menschen hemmungslos in alle Windritungen. Ein neues Leben tat sich ihnen auf. Viele, allz viele, die einen aus der Not des Alltages, die ander aus üppigen Wohlstayd heraus, fühlten nicht mehr d inneren Zusammenhang zwischen sich und dem kraftspendend Boden, in den sie verwurzelt waren, ihren alten Bäh glauben. „Aus sich selbst besinnen," war da die Losung jugendli fühlender Menschen, die sich zusammenschlossen zu ein Gemeinschaft ehrlich strebender und ringender .Inden a einer Plattform, die jedem es ermöglichte, seiner Eigen» entsprechend, nicht eingeengt durch Parteiprogramme, si zurückzufinden zu dem Boden, dem er entwachsen, — zu Judentume —. Und das ist der Weg unserer neutral! Jugendbewegung. Unwahr, das Wort vom „toten Punkt", ans dem manch uitstre Bewegung angelangt sehen will. Jugend lebt m ein steten Krise. Uns sei das eine Mahnung, nicht zn erschlaffe nicht müßig die Hände in den Schoß zu lcgeir, sonde: jeder an seinem Platz durch intensivste Mitarbeit mi bcizutragcn zur Entkräftigung jenes Gerüchtes, und w werden mit Leichtigkeit aus diesen Krisen herauskomme Frei und .unbeirrbar gehen wir unfern Weg, nst Platz gewährend für Eigenbrödelcien, als Träger dies, hehren Idee uns verpslichtet sühlend und aus ihr schöpfen! ivenn es uns an Kraft gebricht. Wohl, cs sind Fehler, te tische Fehler begangen worden, die unserem Ansehn geschadhabcn. Jedoch, als sie als solche erkannt wurden, stand k fest, daß sie abgestellt werden mußten, und sie wurde! abgestellt. Das Strebe» nach körperlicher Ertüchtigung url serer jüdischen Jugend — neben intensiv geistigem Schasse» — gab den Anstoß zur Bildung des I. I. W. B. im groß;! Verband. Aus dieser Wandergruppe heraus entwickeltet sich allntählich Besttebungcn, die zu einen, eigenen Kurl innerhalb des Verbandes führen sollten, einer Bewrgun» der Verkennung der Verbandsziele zu Grunde lag. Del mußte Halt geboten werden, und als sie nicht ablassen wo!» ten, blieb nur die Scheidung übrig. Schmerzlich ist dal der jungen kraftvollen Menschen wegen, doch heilsam dl Lehre, die - für den Verband sich daraus ergibt. I Verständnislos stehen weite Kreise der unserem Verbau» angeschlossenen Landjugend diesem Geschehen gegenüber, fül die doch, wie schon envähnt, die Idee der Zusammengehörig! (eit Aller sich zum Judcnttim Betennendcil das Wesen unser» Bewegung ausmacht. Wir, die wir nicht zn Experimente! aufgelegt sind, die wir nur wieder Juden werden wolle! nn Dienste eines lebendigen Judentums, wollen weit» festhalten an der Durchführung unseres Vorhabens, zu! Erkenntnis der Wahrheit zu ko,innen, die allein uns unser! Religion geben kann. - I Auf den gleichen Ton gestimmt waren alle weitere! Ausführungen, wie sie auch djx Aussprache in sachliche! Weise zeitigte. I Berthold Bloch, Wolshagew I Sin Briefwechsel.! Das „Berliner Tageblatt" vcröffcntticht folgenoe» Briefwechsel zwischen dem frül-cren demokratischen Mg. DrI Blunck und Reichspost»,inister Gicsberts: I Dr. Blunck teilt am 7. September 1921 Minister ©icäl beris mit, daß am tz. Juni 1921 der iin'Reichspostministe-I rinin tätige Staatssekretär B. bei der Mfahrt de I Haniburger V-Zuges vom Lehrter Bahnhof in dein Augen! blick, als ein Hamburger jüdischer Kaufmann sein Slhteill betrat, seinen jungen Sohn aufgefordert habe, sich in Ham I bürg sofort eine große schwarz-weiß-rotc Fahne mit einem! Hakenkreuz zu taufen und alle Juden totznschlagen.! Bei dem Wortwechsel, der sich daran knüpfte, babe Staatssekretär B. dadurch, daß er zu einem Äitteisenden sagte: „Sehen Sie, der schnupft schon!" einen Beweis dafür ge-! geben, daß seine erste Aeußerung ans den jüdischen Mitreisenden gemünzt gewesen sei. Obwohl er um seinen Name» ersucht worden sei, habe er es unterlassen, ihn zu nennen. Minister Gicsberts erwiderte am 24. September, daß der Staatssekretär augenblicklich loegen einer schweren Hcrzerkrankung in Maricnbad weile: sobald er nach Berlin zurückgckchrt sei, werde er das Nötige veranlasse». Er wolle aber schon jetzt mitteilen, daß ihm dieser Vorgang außerordentlich peinlich sei und selbstverständlich' in jeder Richtung von ihm mißbilligt werde. Da der Minister aus die Sache nicht mehr zurückkam, obwohl der Staatssekretär gesund ins Ministerium zurückkehrte, wandte sich Dr. Blunck nochinals an den Minister und frug an, ob sich der Staatssekretär glicht wenigstens bei dem betreffenden Kaufmann entschuldigen wolle. Bis! beute bat Dr. Blunck keine Antwort erhalten!'.! Amerika. Snkalow im Weiten Hanse. Präsident Holding empfing ank 13. Januar den Führer der gegenwärtig in Amerika befindlichen zionistischen Delegation, Na hum So ko low. Dieser erklärte ausführlich die zionistische Aufbauarbeit in Palästina, bereif Ergebnisse, wie er meinte, in hohem Matze von der Haltung der amerikanischen Juden abhängig sind. Nach Entgegennahme der Mftteilungen versicherte Harding, daß die Regierung der Bereinigten Staaten den Bestrebungen der Zionistischen Organisation jede mögliche Hilfe leisten werde. valfonrs Zuverficht. In einem in der britischen Gesandtschaft zu Washington -zu Ehren der Zionistischen Organisation veranstalteten Empfang betonte Bolfour, er stehe auch heute dort^

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