Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 20 (1922)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1922)
- Date
- 1922-01-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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—*! Seite 2 zurechtgemacht. Herz, Augen und Mund feierten ein schönes ijejit. ©o-taat kt erste Abend. Und 4>er zweite stand ihm nicht mach, denn da dursten die Kinder Theater spielen. Und tvie prächtig haben sie es gemacht! Die schönstes Märchen zogen an uns vorüber; über allem aber stand' die Chanullahgeschichte, mit Innigkeit gespielt und gesungen- »Tief gerührt waren die Eltern, die an diesen freien Tagen zum 'Besuch ihrer Kinder gekommen waren,, und doll Freude darüber, daß diese hier oben unter der liebevollen Fürsorge der alchxrehrten Oberin nicht bloß Gesundheit und Kräftigung finden, sondern, daß das Hospiz ihnen auch chre Religion lieb wacht und schönste Erinnerungen fiir's ganze Leben mitgibt. K. U»gar». Der Mißerfolg btt Buvapester Delegation ln Amerika Aus Briefen, die Rabbiner Dr. Elias Adler, eines der Mitglieder der Pudapester jüdischen Delegation, nach Amerika, an seine Freunde richtet, gaht hervor, daß diese mit magyarischer Reklame inszenierte Amerikareise der Budapester Assirnilantendelegation ein vollständiges Fiasko erlitten hat. Dr. Adler bellagt sich, daß sie ganz enttäuscht sind, daß man ihnen in den jüdischen Kreisen mit Mißtrauen begegnet und daß sie schwer arbeiten müssen, mm nicht ganz leer zurückzukehren. - „Wiener Morgenztg." 81« notleidendes WaisenhanS - Wie uns Oberrabbiner Lichten stein in Balkany (Komitat Szabolcs, Ungarn) mitteilt, befindet sich das dortige jüdische Kriegswaisenhaus in einer finanziellen Krise und bedarf der Unterstützung der Juden des. Auslandes. Das amerikanische Joint Committee hatte bisher monatlich 20000 bis 30000 Kr. gegeben; nachdem es aber seine Tätigkeit in Ungarn eingestellt hat, ist auch siir diesen so dringlichen Zweck die Subvention weggefallen. Pole». Tagung jüdischer Literalen und Journalisten. In Warschau begann eine Tagung der jüdischen Literaten und'Journalisten Polens, zu deren Eröffnungssitzung Vertreter der Regierung anwesend waren. Nomberg verlangte in seiner Begrüßungsansprache Einheit in der Schreibweise und ausgeprägtes Verantwortlich keitsgefühl der jüdischen Oeffentlichkeit gegenüber. ' Dr. Schipper sprach über die Geschichte der jüdischen Literatur und der jüdischen Presse. Großbritannien. Der Ehiefrabdi und dasEvangeUnm. Ehiefrabbi Dr. Hertz hatte aus ein an ihn gerichtetes Ersuchen gestattet, dgß in'der Schule der Deämpstad-Dynagoge das lÄangelium" gelehrt werde. Auf den Sturm der Entrüstung, der mit Recht in jüdischen Kreisen einsetzte, führte der Chiefrabbi den altjüdischen Ausspruch an: „Wisse, was du einem Ungläubigen zu antworten hast." Der bereits begonnene Unterricht ist inzwischen wieder-eingestellt worden. Amerika. Originelle Propaganda für ein HospUal. Das jüdische Hospital im Newyorker Stadtviertel Bronx will mit 300 000 Dollar Kosten einen neuen Flügel bauen. Da die Spenden hierfür nicht schnell genug eingingen, so verfiel die Verwaltung auf den Gedanken, sich mit vem berühmten jüdischen Boxer Benin Leonard, einem Sohne dieses Stadtviertels, der sich trotz seiner 25 Jahre schon als Millionär von seinem Metier zurückziehen konnte, in / Verbindung zu setzen, — und dieser verstand sich sofort zu dem Gemllus-Chessed, seine Kraft kostenlos zur Verfügung zu stellen. Es fanden sich noch andere jüdisch« Boxer mit der gleichen Gesinnung, — und so fand im M<ü>ison-Square Garten mit großem materiellen Erfolg der Kampf zum Besten des Hospitals statt. politische Nachrichten. Budapest Im Parlament beschuldigte Rudolf Ruppert die Regierung der Verschwendung von Millionen Staatsgeldern im Interesse ihrer Anhänger, z. B. zur Unterstützung der antisemitischen Hetzpresse. Trotzdem hätten die Juden den Hauptanteil an allen Wohltätigkeitsakten der Regierung gehabt, so vn der Heimbeförderung , btt Kriegsgefangenen, was ihre einige Ruhmestat bleibe. ' Wäre Ungarn der Vorkämpfer der Menschenrechte geblieben, vonn hätte auch das Ausland geholfen. Kowno (Litauen). 'Der Min ist errat beschloß, daß sämtliche öffentliche Bekanntmachungen dort, wo mehr als 20o/o Juden, Polen oder Weißrussen wohnen, auch in den Sprachen dieser Nationalitäten veröffentlicht werden müssen. Das bedeutet die Anerkennung des Jüdischen. Bnknreft. Das Kön'gspaar lud H. F r t e n d aus Chicago, der je 50000 Lei für jüdische und christliche Kinder spendete, zum Tee und gab ihm die Versicherung, alles zu tun, daß die 'Juden Rumäniens keinen Grund sich j zu beklagen haben. - Neue Jüdische Presse. 'Zionistische Nachrichten. Berlin. Anläßlich der Anwesenheit Weizrnanns fand bei Professor Einstein eine Konferenz'angesehener jüdischer Universitätslehrer mit dem Thema ,Die jüdische Universität in Palästina" statt. Ein Komitee — Geheimrat Morgenroth, Prof. Neuberg und Dr. Sandler — soll das Material prüfen und einer demnachstigen Sitzung berichten. .! ’I 1 Weizmarln berichtete, ferner vor einer internen Versammlung der angesehensten Berliner Juden über das Aufbauwerk in Palästina und erzielte einen mächtigen Eindruck. London Dr mrazkus. der vier aus Rußland ein» traf, und der zu den führenden Zionisten Rußlands gehört, verlangt den Rücktritt Jabotinskys. - — AuS der MiSrachi-Bewegrmg. Wien Eine vom Misrachi einberufene Versammlung gestaltete sich zu einer imponierenden Kundgebung. Dr. Aron Barth-Berlin war der Referent des Abends. Warichon Am t6 Januar findet hier die 3. m i s» rachistische Landeskonferenz statt. Personalien ». kleiue Mitteilungen. Berlin.. Assistant Gabriel am „Zahnärztlichen Institut", Sohn des Chemikers Geheimrat Gabriel, machte einen Studenten darauf aufmerksam, daß es nicht korrekt sei, im Dienst bas Hakenkreuz zu tragen. Er erhielt darauf eine Forderung des Studenten zugesandt, und eine von diesem veranlaßte Studentenversammlung forderte seinen Rücktritt. Prof. Dr. Schroeder, der Vorsteher des „Zahnärztlichen Institutes", stellte sich gleichfalls auf die Seite des Studenten, so daß Assistent Gabrieles vorzog, seinen Abschied zu nehmen. Ofieubach a. M. Am ersten Tag Chanulka beschenkte der unter der Leitung des Lehrers Gabriel stehende Chanukkahverein 50 arme Kinder unserer Gemeinde mit Stiefeln und Wäsche und vereinigte sich am nachmittag mit diese» Kindern zu fröhlichem Feste. frankfurter Berichte. Jubiläum des „Moutefiore". Das 25jährige Bestehen des „Moutefiore" gab Veranlassung zu einer akademischen Feier, in deren Mittelpunkt die von Dr. I s a a c H e i n e m a n n - Breslau gehaltene Festrede stand. ' Redner nahm 4. Buch Moses, Kapitel 21, Vers 18 und 19 zur Grundlage seiner Worte. Edle des jüdischen Volkes gruben mit der Gründung des „Montefiorc" eine» Brunnen jüdischen Lebens. Sie erkannten den tiefen täiittt der Worte: „Umimidbor matono, umimatono nachaliel, nrninachaliel bomaus". Wie der Sand der Wüste erst durch die Verbindung, die ihm das Wasser gibt, zur spendenden Oase wird, so wardie Verbindung der auseinanderstrebendew jüdischen Jugend die erste Voraussetzung, wieder jüdisches Leben zu wecken. Die zweite Stufe galt der Erkenntnis des väterlichen^ Erbes, um dann als drittes in seiner Jugend Judentum mit der Kultur der Zeit und die Kultur der Zeit mit dem Judentum zu vereinigen. Für diese Aufgabe mußte der Verein die Neutralität zu seinem Programm erheben, d. h. er wußte sich fernhalten von den bestehenden innerjüdische» Verschiedenheiten und das Gemeinsaine in den Vordergrund stellen. Aus dem-Lichtlein, das der Montefiore entzündete, ist heute die große neutrale jüdische Jugendbewegung geworden. Redner gedachte besonders des geistigen Vater? des Vereins, Rabbiner Dr. Marcus Horovitz s. A, und würdigte die Verdienste der früheren Vorsitzenden Sigmund Singer, Max Eisenkräuter, Felix Meyer und Dr. Gustav Löfsler. Der musikalische Teil der Feier bot uns den 'Genuß, wieder einmal die prächtige Stimnie N a u ni o w Fleischm a n n s zu hören: N Die Frankfurter jüdische Bühne. (Theater im Löweuhof.) ' Frankfurt ist neben Wien und Berlin in den Mittelpunkt jüdischen Kunstinteresscs gerückt: es hat heute eine jüdische Bühne von bedeutendem künstlerischen Niveau. Als zu Beginn vorigen Jahres daß Theater iin Löwenhof eröffnet wurde, blieben naturgemäß die Mängel jeden Versuchs in künstlerischer Hinsicht nicht aus. Heute aber besitzt die Bühne eine gutgeleitete lvertvollc Truppe,- die sich über die üblichen Operetten seichtesten Stils hinweg an große Werke der Weltliteratur wagen darf — sic bringt z. Beine starke Aufführung von Tolstojs „Lebendem Leichnam".- Daß damit der eigentliche kulturelle Kreis jüdischer Kunst überschritten wird, ist an und für sich zwar durchaus kein Fortschritt, es möge aber dazu dienen, den Blick auf große tragische jüdische Schöpfungen zu richten. Die Revertoirefragen scheint mir überhaupt das brennendste Problem des ganzen Unternehmens. Die meisten Stücke entbehren in jüdischer wie in künstlerischer Hinsicht jeder Berechtigung, einem Publikum vorgeführt zu werden und ernste schauspielerische Kräfte zu beschäftigen. Irgend ein banales Singspiel (dessen Vater doch in einer westlichen Stadt zu suchen ist) gewinnt doch keine jüdische Bedeutung dadurch, daß jüdische Künstler es aufführen. Man sei sich doch seiner kulturellen Verantwortung bewußt und stelle sich näht so, als ob man nichts Eigenes, Urwüchsiges schaffen könne! Die charakterlose Annäherung an die westliche Zivilisation führt nur zu taktlosen Verzerrungen. Ohne sie wäre z. Bdie geschmacklose Zwischenaktsmusik (Dielenschlager!) und die übertriebene Realisierung der Schauspieler (deren Intensität sonst die größte und schönste Seite ihres Künstlertemperaments bildet) nicht? denkbar. -Nr. 1. Doch wir wollen nicht fremde (und daher falsche) Maß« stäbe an diese Kunst anlegen: Ihre Eigenart ist ihre Größe. Sie muß wie jede Kunst aus ihrem Kulturkreis heraus ver-- standen werden (es ist mehr als zweifelhaft, ob die Schauspieler eines Sophocles oder Shakespeares unser Kunst-- empfinden in allen Einzelheiten besrieoigt hätten). Wesentlich ist nur, daß diese Kunst echt und wahr ihrer kulturellen Basis entwächst. Und daß dies in einem ganz unglaublichen Maße der Fall ist, zeigt die enge und naiv-empfängliche Beziehung zwischen Publikum und Künstlern, durchs die diese Kunst sich,zur Höhe wahrer Volkskunst erhebt und die all diese Aufführungen mit einem seltenen Zauber des Erlebens umgibt. . Jb. Chvuukkahfeier im Talmud Thora-Berein - Zu einer eindrucksvollen, in jeder-Beziehung vom Geiste der Tauroh durchwehten Veranstaltung gestaltete sich ble>- Chanukkahfeier, welche der Talmud-Thora-Berein im Hörsaal Börneplatz unter Anwesenheit der Leher und Dozenten seinen Schüler- und Jünglingsabteilungen bereitete. Nachdem der'Schüler Werner Graß mit prächtiger Stimme die Brochoh gesprochen und die Lichter entzündet hatte, erllang machtvoll das Moaus - Zur durch den festlich erleuchteten Saal. Der Vorsitzende des Vereins, Jakob Hamburger, begrüßte mit herzlichen Worten die Erschienenen, insbesondere die zahlreich gekommenen Schüler und Jünglinge. Rabbiner Dr. Nob5l, Rabbinatsass. Liptnsky, Lehrer S. U n n a und Dr. Radin ermahnten in zu Herze» gehenden «Worten, ein jeder in seiner 9lrt, die Shüler und Jünglinge, fortzufahren im Tauroh-Lernen und immer mehr sich in den Geist /der heiligen Lehre zu vertiefen. Nachdem vom Bereinsvorstand noch Willy Mainz und Adolf Dorszann gesprochen hatten, dankten für die Schüler Herbert Levi, für die jungen Leute Paul Wertheim und Ist Broch den Lehrern und dem Vorstand für die reichen Lerngelegenheiten.' Der nulerhaltende Teil der Feier wurde in Form von Gedichten und kleinen Theaterstücken, die sämtlich! -dem Charakter der Feier angepaßt 'waren, von den Schülern Ludwig Kuttner, Fritz Meyer, Leo Hetz I., Siegbert Neuhaus, S. Neuland, Fritz Kuttner, Werner Groß, Max Lipinsky, Sally Buchbinder, Kaiser und Leo Heß II. bestritten. Möge es dem rührigen Verein gelingen, besonders seine Schüler und Jünglingsunterrichte, die-ckiereits eine stattliche Teilnehmerzahl aufweisen, auch fernerhin erfolgreich zu entwickeln; das war der Wunsch, mit welchem sich am Schlüsse die Teilnehmer der Feier in gehobener Stimmung trennten. Chanukkahfeft des Hartes für jüdische Mädchen, r Das Chanukkahsest des Hortes fand in den alten gewohnten Räumen des Turnsaals der Jsr. Volksschule statt. Aber die Halle hatte ein Festgewand angelegt, sie prangte im Schmuck bunter Guirlanten und schie sich, mitzufreuen mit dem kleinen Völkchen, das sie täglich beherbergt. Barg sie doch, heute große Schätze für ihre Kleinen. Das . Notwendige, das Nützliche, auch was Kinderherz erfreut, was den kleinen Leckermäulchen schmeckt, — nichts war vergessen. Die Vorsitzende des - Horts, die unermüdliche Frau Henriette Be st hoff, erössnete die Feier, indem sie liebevolle Worte zu den Kindern sprach, an die Leiterinnen,, die mit ganzem Herzen und Unermüdlicher Geduld mehr als ihre Pflicht tun. Wartender Anerkennung richtete und den Damen dankte, die mit großem Eifer, vielem Verständnis und treuer Hingebung das Gelingen des Festes ermöglichte. Hierauf zeigten die Kleinen ihr Können, und sie machten ihre Sache gut, sehr gut. Dellamationen, kleine Stückchen, Gesänge, Reigen, alles gut einstudiert, alles klappte und brachte den kleinen Künstlerinnen reichen, wohlverdienten Beifall. Die Channkkahlichter wurden angezündct, und Moaus Zur llang aus den frischen Kinderkehlen so rein, so freudig, so erhebend, — unsere geliebte Melodie — int Kindermund riß sie unwillkürlich mit. ■> Die Vorsitzende fügte wiederholtem Danke die Bitte bei, das Interesse für den Hort weiter so treu zu wahren. Und endlich konnten sich die Kleinen «an den Tisch setzen, wohin schon' längst die Kuchen verführerisch gelockt hatten. Sie griffen wacker zu und ließen sich die Chokolade schmecken. Dann verteilten die Leiterinnen die schönen Geschenke, und Kindesaugen leuchteten, die Mäulchen plapperten, ein jedes hatte reichlich erhalten. -Hier wollten wir nicht versäumen, den hochherzigen Gedern zu danken, die aus gütigem Herzen und mit vollen Händen gespendet. Wir haben kaum eine Fehlbitte getan und hoffe» auch weiter um' geneigtes Wohlwollen, denn die Not ist groß und wächst noch immer. Notizen. Im Talmud-Thora-Berein beginnt Kantor I. B- Levy Dienstag,- den 10. .Januar, abends 8h) Ur, den zweiten Teil seiner Tffllovorträge mit einem Bortrag über, die' Freitagabend-Tfillo. , - Frankfurter Veranstaltungen. Talmud-Thora-Berein (B: Dr. Braun, G : Groß, L: Lipinsky, 11: Unna, O: Oelbaum), Hörsaal Börneplatz. Freitag abend: Bortrag (Dr. Braun). . Samstag, 11*): Schulchan Aruch (U), 3>/i: Rasch i (L), nach Mincha: Mikro (U). Sonntag, »ach Schacharis: Mischna (G), 9: Schulchan Aruch (L), 9i/2*): Gemöro (U). Montag, n. Schacharis: Schulchan Aruch (U), 6 h): En Jaäkauw (U). Dienstag, nach Schacharis: Mischna (G.), 8h): Tefilloh- Bortrag (I. B. Levy). ~ Dienstag, nach Schacharis: Mischna (G.). Mittwoch, nach Schacharis: Mischna (G), 6V): Chaüwäus Halewowaus (B). *) Religionsschule HenneSweg 27.