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Neue jüdische Presse · 1921-12-29 · Heft 49 (29.12.1921) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 49 (29.12.1921)
Date
1921-12-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurter Israelitisches Familienblatt Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Saly Geis ZnserttonSpreis für die sechsaespaltene Nonpareille-Zelle 250 Psg., für die Reklamezeile Da. 8.—. Platz- und Datum- Borschrift ohne Verbindlichkeit. Annoncen-Annahme bei der Expedition und in Men Annoncen-Bureaus. — Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4884. Erscheint wöchentlich am Donnerstag. BezugSpreiSpro Vierteljahr: Bei der Post abonniert Mk. 6.75, bei der Neuen Jüdische» Presse Mk. 7.50 frei ins Haus. Bei Zusendung durch Streifband für. Deutschland Mk. 60.00. für Ausland 10 franz., 5 schweiz Frcs., 3 holl. Fl.. 6 Shilling, 2 Dollar jährlich, im Voraus, zahlbar. 19. Jahrgang. Donnerstag, den 28. Kislew 5682 (29. Dezember 1921) Rr 49. Chanukkah. ü'ii' Ftäminchen, da: ZN vcrlösciieii drotn inid!v!!»d:r ^>arer Weise zur Flamme wird, — da:- ist da-: Snmbo! de-: 'Eyainirkahsestes- »nd iü aucti da-: Geh.'iinni: der Gescvichlc de-: jüdische» Bolle-:. E-: ist daher »ichl richtig, — wie c-: heilte öfter: gejchichl — von einem Mcittabäcrfcsic zu sprechen. Den Lieg der Makkabäer hat unser jüdische-: Bott nie ge feiert, denn ihn; leuchtet da: Prophetenivorl voran: „Nicht mit HeereSmacht, nicht mit niaierieller Kraft, sondern mir dem 'Geiste Gotte-:/' Nach menschlicher Berechnung, die nur da: Materielle, den sichtbaren Erfolg zu werken weiß, stand unser Volk schon Dutzende Male vor der Stunde, da ihm kein Hoffen uiehr war, da sein llntergaiig besiegelt schien. In dem Kampfe gegen die Syrer hat nicht die Feld' herniknnst der Mattabäer zum Siege geführt, — die Makkabäer wurden unüberwindlich, rmd ihre Fahne tvchte dem Liege über eine» an Zahl und .Kriegsgeräte um da: vietfäche ' ' erlegene» Feind entgegen, iveil sie der Rettung der Gotteölehre ihr Tinnen und Wollen lveihten. lind e: ist eine Lehre der Weltgeschichte: Selbst eine kleine Schar, wenn sie nur von reinen, lauteren, vor Gott bestehenden Absichten getragen wird, kann nicht der Vernichtung anheimfallen, — mag selbst ihr Irdische: für ein oder für mehrere Geschlcchtec vergehcn, ibr Geistige: seht sich eine: Tage: durch, und so wird ihr der Tieg. De»» wirklich Stätte ans Erde» findet doch nur, was mit Gott geschieht. So ist auch dem jüdischen Gcschlechtc unserer Tage in all dem Wirrwarr und dem Zerfall in seiner Mitte der Weg gezeichnet. Au: Israel: Häusern und Tempeln da-: U>>- indische, die treue Erfüllung de: Gotteöwortc: auf Erden Hindernde bannen und da: Gotieswort zum Leuchttnrm der Bestimmung de: jüdischen LebeiiSscknsses erheben! Nicht iil der Vermehrung der materiellen .Kraft, son- , dern in' der GotteSlchre sein Ideal schau.'»/ ist die 'Aitsforderung der Chanukkahtagc an einen jeden Sohn und an eine jede Tochter de: jüdische» Volke:. Mögen die Lichtlei» de: Ehanukkah Wärme bringen in erkaltete indische Herzen, daß sie sich entzünden an der Flamme, die im Donner de: Sinai zum ersten Male dem jüdischen Volte leuchtete und in seiner vierlansendjährigen Geschichte die 51 rast seiner Erhaltung, da: Leuchten seiner Zukunft lvar. kann in Palästina heute ein Arbeitsfeld und ein Arbeitsgebiet finde», da: anregt, da: - anspornt und da: wert ist ihrer Intelligenz und ihrer Bedeutung. Schon seht sieht man iyrc Vorbilder in und außerhalb Palästina: wirken! Da: wird in iiitciisivcm Maße sich eniivirkeln »lüsfti:, denn die Anstrengungen, die wir zu machen haben, sind nngehcucr große.' Wir haben vielleicht nicht zuviel Zeit, die Zeit ist' nicht unbeschränkt, die Welt lebt jetzt in einem viel schnelleren Tempo, Palästina wird nicht sehr lange, nicht unendlich lange auf die Juden warten. E: warten auf Tie, es wartet auf uns. Ich habe versucht, in großen Zügen da: Grundsävliche der jetzigen Situation so nüchtern als nur möglich zu schildern. Die Situativ» ist'schön, und sie ist schwer, sie ist voll von Möglichkeiten und voll von Schwierigkeiten, und diese Schwierigkeiten »nässen wir bekämpfen. Schon jetzt könne» Tie in Palästina sehen, wie an: aller Herreit Ländern die Inden die Straßen bauen, und ich glaube, der Gott Israels schaut auf seine Kinder herunter, die er durch schwere Prüfungen zum Ziele führt!" Eine Kreditbank der Brandeis-Gruppe in Palästina. (IPZ) Der Palcstine Development Council hat ein Statement erlassen, wonach die von ihm vertretene Brandeis- Grnppe sich mit der Iea in Pari:, dem MC und dem Londoner Economic Board vf Palestiiic verbunden habe, um eine Kredit»»io» und kooperative Bank in Palästina zu gründe». Laut dem Uebereinkommen, da: noch osnziell abgeschlossen werden mnß, soll die Bank ein Grundkapital von mindestens 30 000 Pfund haben, daö von dem Pälestinc Council- und dem Londoner Economic' Board beigestellt wird, wonach die Bank vom MC und der Ica eine gemeinsame langfristige Anleihe im Betrage von 70000 Pfund erhalten wird. Die vier Organisationen ivcrden zu gleiche» Rechten in der Bank vertreten sein In London soll demnächst die konstituierende Versammlung stattfindsir. bei der die Brandeis-Gruppe durch Baron James Rothschild und da: MC durch JameS Rosenberg und Morris Ernst vertreten sein werden. Hauptzweck der Bank wird sein, kurzfristige Kredite zu erteile» für landwirtschaftliche Bedürfnisse und an Handwerker sür Maschinen und Werkzeuge, ebenso Warenkredite an die Kolonisten, vermittelst Gewährung von Darlehen an .Kreditgenosscnschasten. E: wird auch geplant, daß mit der Zeit die kooperativen Organisationen die Anteilscheine der Bank übernehmen und sie ans genossenschastlicher Grundlage weitcrführen sollen. Die Deutsche Judenheit und Palästina. (Aus einer Rede Weizman»:.) Anläßlich der Anwesenheit Weizman»:, de: Präsidenten der Zion. Otganisatiön, in Berlin, fand eino Ricsenversanunlung statt, auf der a. die RcichSregierung durch Ministerialdirektor ». Schubert und Prof. S o b e r n h e i in »nd die Iüd. Gemeinde ljmrch die Vorsitzenden ihrer beiden. Gremien, Gcheimrat * t er >, und Geineiiiderat Platte vertrete» waren. ■_ Von der Rede Weizman»: sei hier der Schluß miedergegeben. Er sagte: ' „Ich komme nun auf die Rolle zu sprechen, die besonders die deutschen Zionisten und die deutsche Juden heit, wie es mir scheint, in der nächsten Zeit zu spielen habeir wird. Sie dürste» berufen sein, zu den iiitellektnelleir Führer» für de» Aufbau Palästina: einen großen Prozentsatz zu stelle». Von der Fülle der geistigen Kräfte der deutschen Judenheit wird cjn Teil abgcsührl werden, der notwendig ist für de» Ausbau Palästina-:. Damit will ich nicht gesagt haben, daß Sie sich nur ans eine geistige Kontribution beschränken müssen, >öir werde» auch da: andere brauchen und ^da: andere tt.ehmeii. Weiist cs auch zufällig heute äökonomisch von kleinere»! Wer? ist, so ist es moralisch .idioii .heute in Palästina 'eine Leimstatte. -Pätästina äst jetzt . vielleicht das einzige Land, wokeincpolitischen Schrägten eristieren, und die deutsche zionistische Jugend, die deutsche 'jüdische Jugend Rabbiner Seligrnanu Fromm. (Zu seinem hundertsten Geburtstage.) Am -t. TeweS werden 100 Jahre verflossen sei», seitdem Rabbiner Fromm dem Judentum und der Gesaintmcnschheil geschenkt worden ist; gleich einer helleuchtenden Mcnoräh strahlt sei» Bild aus alter glücklicher Zeit hinüber in unsere Tage. AlS Zweitältester Sohn eines -schlichte», durch Frömmigkeit und Rechtlichkeit ausgezeichneten Mannes in Groß» langkeim geboren, erkannte die edle, an: gefeierter Gelehrten - Familie stammende Mutter mit richtigem Blicke schon sehr frühe die im zarten Kinde schlummernden Anlagen und Vorzüge, und auf ihrem Totenbette bestimmte sie den damals kaum achtjährigen Junge» „für» Lernen". Im Alter von 12 Jahren kam der Knabe zu Rabbi S-eligmann Bär Bamberger, dem nachmaligen großen Würzburger Raw, der damals noch in Wiesenbron» lebte, und nach gründlicher Vorbereitung zog er als Sechzehnjähriger nach Preßburg,. um auf der damals größten jüdischen Hochschule zu den Füßen des Chatam Sofer sich weiterzubildeu; und er wurde bald sein Lieblingsschüler. Ein Jahr genoß er noch den Unterricht des großen Lehrers, NM dann bei dem Nachfolger, dem unvergeßlichen Ksav Sofer, der ihm innigste Freundschaft entgegenbrachte und bei dem Preßburger Dajan, Rabbi Nathan Wolf, der de» jungen Schüler väterlich liebte, weiter 'zu lernen und zu streben. Nachdem er 5 Jahre lang in Preßbürg als einer der anspruchslosesten und sonnigsten Schüler seinen Studien obgelegen hatte, kehrte er init der Semichah in die Heimat zurück, frob cmpfangc.n von Rabbi Wolf Hamburger, dem damaligen Fürkher Rabbiner, der den jugendlichen Schüler schon damals zu seinem Nachfolger im Amte wünschte. Das ehrliche, treue WissenSsrreben, das sein ganze: Leben hindurch einer seiner stärksten Charakrerzüge bildete, führt ihn indessen nochmals zu seinem Jugendlehrer Rabbi Seligmann Bär Bamberger zurück, der inzwischen ans den alten RabbinatS-Titz in Würzburg berufen worden war. Vier Jahre hindurch' widmete er sich gleichzeitig seinen Universität-:- und den Thora-TIndien — wie emsig und erfolgreich er .gelernt" har. beweist die Tatsache, daß de»? große Würzburger Raiv dem fleißigen Jünger "die Hatorat Horvoh verlieh, eine Auszeichnung, deren sich von allen seinen Schülern nur noch ein ziveitcr (der selige Ober- - rabbiuer Stern in Hamburgi rühmen durste. Er ivar dann turze Zeir als Lehrer in .Karlsruhe tätig und trat dann. 1S51, das Rabbinat Homburg v. d. Höhe an. In der Zeit, da er sein Amt antrat, entwickelte die;,Reform" ihre stanze .Kraft, ui», wie ihre Banneoträger glaubten, in starkem, schnellen Anlauf Israels Gemeinden für sich zu gewinnen. ES gelang der Kraft undder milden, überzeugenden Persönlichkeit de: Rabbiners Fromm, 'von der ihm anvertrauten Kehille alle Versuchungen abzuwehre», eS gab damals in der stattlichen Hamburger Gemeinde niemanden, der am Sabbat seinem Geschäftsbetriebe obtag. Als Rabbiner gehörte er dem Vorstande der Gemeinde an. Er sah sich in dieser Korporation oft ganz isoliert in seinen Bestrebungen, dann aber entfaltete er desto größeren Mul, und seine felsenfeste lleber!- zeugung, daß die gute Sache siegen müsse, ließ ihn nicht verzage». In 24 gesegneten Jaliren hat er seine Kraft der Gemeinde geweiht, von seinem Landesfürsten, dem Landgrafen Ferdinand von Hessen-Homburg, in besonderer Weise geachtet und verehrt, einem jede» seiner Gemeinde- Mitglieder ein wirtlicher Freund in jeglicher Sorge und Not. — Die Tätigkeit in Homburg, das damals als Weltkurort in höchster Blüte stand, führte Rabbiner Fromm alljährlich mit Persönlichkeiten des In- und Auslandes zusanime». Das Hau: de: Rabbiners bildete den Mittelpunkt für jüdische Gelehrte — Bekiu: wacharifos waren bei Rabbiner Fromm in gleich starkem Maße zu Hause — und hervorragende Geldaristokrate», au deren Herz Rabbiner Fromm in seiner gewinnenden Art nie umsonst iür wohltätige Zwecke appellierte, und deren Hilfe er auch für den Bau der schönen Synagoge in Homburg in Anspruch nahm. Biele Schaaloth utschuwoth ivie jüdische Geistesfürsten stamine» aus Fromm': Rabbinertätigkeir in Homburg und finde» noch heute durch ihren Scharfsinn und ihre Klarheit die Beachtung der jüdischen Gelehrtenwelt. 9tn seiner Seite wsrkke in ihrer beglückende» und liebevollen Art die unvergeßliche ebenbürtige Gattin, die Tochrer seine: Lehrers, des Würzburger Rabbi Bainberger, mir der ihn ein wahrhaft glückliches, heiliges Familie,w leben umschloß. ' Bis zu in Jahre IK75 wirkre Rabbiner Fromm in Homburg. In diesem Jahre berief Baron Willy von Rothschilds. A. ihn an seine Seite nach Frankfurt und bereitete ihm damit die Möglichkeit, ausschließlich dem Tliorastudinm, den Werken der Wohltätigkeit und dem Mühen für.alles Große und Edle sich zu widmen. Wer möchte schildern, wie Rabbiner Fromm dann bis zu seiner Todesstunde der heiligeit Aufgabe, die ihm gestclll war, sich treu bewiesen hat? Und dieser gefeierte Gelehrte, in Schrift und Sprache, diese Verkörperung von eckit jüdischem Gemitus Chesed, dieser liebevollste Freund aller Leidgebeugke», der treueste Ratgeber aller Gedrückten und Besorgten, der Freund seiner Kinder, war durchstrahlt von einer geradezu einzigartigen! liebeatmenden Bescheidenheit und Freundlichkeit, deren Zauber jedem, der ihm nahte, Bewunderung. Freundschaft und Liebe abzwang. In stiller Ehrfurcht gedenken wir des unvergeßlichen Mannes s. A., dessen Vorbild u»S voranlenchter, dessen! Wesen uns begeistert und dessen ideales Wirken uns stets von Neuem aneifern möge, in seinen" Wegen zu wandelw lehagdit Torah ulehaadiroh. Randbemerkungen. Das Verhältnis eines leider nicht unbeträchtlichen Teiles der deutschen Judenheit zum Judentum ist negativer Natur. Als Judentum schwebt diesen Nachkömmlingen, deren Borfahren für ihr Judentum furchtlos das Auto dass bestiegen, etwas Verschwommenes von Ein-GottheitSidee, Ethik, Fort-

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