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Neue jüdische Presse · 1921-12-22 · Heft 48 (22.12.1921) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 48 (22.12.1921)
Date
1921-12-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Spendet z« Cha««rkay. für Le« La«LerwerL -es ZüLische« Ratioualfo«Lsr der Juden Ungarns habe sich gebessert, ihre .öffentliche Sicherheit sei.gesichert, es gebe in Ungarn keine offizielle! antisemitische Partei. Es ist wirklich kein Wunder, daß jüdische Führer, die nicht ihr jüdischer Wert,' sondern ihre .soziale Stellung in ihre Position, gehoben hat, zu Verrätern werden! Afrika. Die HUfSISttgkett der südafrikanische« Inden. (JPZ) Der Hilfsfonds für jüd. Kriegs- und Pogromopfer in Capetown hat zur Verfügung der Exekutive der! jüdischen Welthilfskonferenz 1700 Pfund assigniect. Die jüdische Oeffentlichkeit, besonders in Osteuropa, ist wenig informiert, über, die energische Sammeltätigkeit, die in Südafrika zu/Gunsten der jüd. Pogromopfer geführt wird. Es sei hier deshalb daraiisi verwiesen, daß der Hilfsfonds in Capetown, nicht eingerechnet die Hilfsorganisationen in Transvaal' und den anderen großen, südafrikanischen Zentren, bis heute nach Europa für Hilfszwecke gegen 80000 Pf. überwiesen hat. Alst südafrikanischen Komitees zusammen haben sich an der Hilfsarbeit mit mehr, als 250 000 Pf. beteiligt. Kurze politische Nachrichte«. Lublin. Im hiesigen Rathaus fand eine Versammlung polnischer Kaufleute des Lubliner Gouvernements mit dem Motto statt, alle nichtpolischenElemente aus dem Handel auszuschalten. Me Vertreter der Regierung He der Stadt begrüßten big-. Versammlung. Zionistische Nachrichten. Berlin, Von den Mitgliedern der Berliner Abteilung der Zion. Exekutive nahm Dr. Arthur Hantke in. den letzten Wochen an zionisttschen Tagungen in den Tschecho- Slpwakei statt. Kurt Blumenfeld bereist Rumänien und Dr. Victor Jacobson begibt sich zum belgischen Delegiertentag. -Berlin. 20. Dezember. Reichskanzler Dr. Wirth empfing heute den Präsidenten der Zion. Organisation, Prof. Dr. Weizmann. Lemberg. Dr. Abraham Korkis, Sekretär dex Handelskammer, ist im Alter von 55 Jahren verschieden. Er 'gehörte lange Jahre der zionisttschen Parteileitung an .und veröffentlichte wertvolle Arttkel über die Wirtschaftslage der Juden Galiziens. Mts der „Agttdas Jisroel"-Beweg««g. Jerusalem. Die Aguda hat hier ein Heim eröffnet, in dem Chaürzim Unterkunft und Kost erhalten, bis sie Arbett finden. Personitte» «»Ueine MitteU«»ge». verlü». Der Jüd. Nationalfonds erläßt zu Chanukkah einen Aufruf, in dem es heißt, „Eine der wichttgsten Aufgaben des Aufbaus, den Erwerb von Grund und Boden zur Ansiedlung mittelloser Einwanderer, erfüllt der Jüdische Nationalfonds, Dieser Fonds hat mit den Mitteln, die ihm aus allen Teilen des Judentums in immer steigendem Maße zufließen, im letzten Jahre seinen Bodenbesitz auf ca. 100 000 Dunanr gleich 40 000 Morgen erweitert und damit die Grundlage! für eine weitere großzügige Besiedlung von Erez Israel geschaffen. Ihm «bei dieser segensreichen Arbeit zu helfen, ist die Pflicht aller Juden, denen das Schicksal ihrer Brüder mn Herzen liegt. Wir dürfen daher besttmmt' hoffen, daß jeder das bevorstehende Chanukkah-Fest gern zum Anlaß nehmen wird, um den Nationalfonds durch eine großzügige Chanukkahspende zu unterstützen."*) Dnrmstndt. Frau Lina Joseph geb. Levi, Gattin des Herrn Hermann Joseph, ist verschieden. In ihr verliert der Jsr. Frauenverein ein langjähriges Vorstandsmitglied und zahlreiche Arine ihre Schützerin. Ihre Söhne .und Töchter sind tteue, bewährte Glieder des traditionellen Judentums. Wien. DieTohnbeehalleim H. Mendelhaus ist wieder eröffnet worden. 1910—14 fanden in dieser sozialphilanthropischen Bildungsstätte 700 Borträge, darunter zahlreiche über tzas Judentum statt. BartS. L. A Sew, Redakteur des russischen „Woschob" und dann der von ihm gegründeten „Nnwi Woschod", ist — 56 Jahre all — hier verschieden. NewAork-Adolph Lewisohngab 150000 Dollar für das pathologische Laboratorium des Mt. Sinai-Hospitals. Kranlsnrter Berichte. Gemeindevertrettzng der Jsr. Gemeinde. Aus der letzten Sitzung der Genleindevertretung, sei folgendes angeführt: --■ 1 * *) Spenden nimmt an I. Heimann, Frankfurt a. M., Postscheck 41441. Vene Füdistye Presse. Die Erhöhung der Gehälter der Beamten geschieht analog den staatlichen Gehaltssätzen. Es wird «ine Sitz-. ung mit der Konferenzgemeinschaft der Großgemeinden beantragt, um über die ffnmizielle Belastung der Gemeinden und lihre Erleichterung zu beraten: : Die Mazzebäckerei soll gegen eine' Mindestgebühr Von 40 M für den Sack Mehl und 3000 M Lokalmiete verpachtet werden. Der Satz für die zweite Klasse des K r a n k e uh a u s e s wird auf 75 täglich erhöht. ' - Israelitische Religionsgesellschaft In der Generalversammlung der Jsr. ReligionsgeselVschaft Wurde auch ein kurzer Bericht über das letzte Geschäftsjahr gegeben. Danach beliefen sich die Einnahmen auf 1100 000 .Mark, der Zuschuß an die Schillkasse auf 060 000 Mark «und die Rechnung schließt mit einem Defizit von 150 000 Mark. Personalien. Nachdein er Jahre hindurch als Kriegsgefangener in Sibirien feinen Lieben entrissen war, ist Siegfried« I e i d e l ihnen nun doch wieder genommen worden. Ein dem Thora-Judentum treu ergebenes Lebe» hat seine» irdischen Abschluß gefunden. Selbst in den Einöden Sibi--. riens war Siegfried Jeidel „medakdek bemizwaus"; >vo er es konnte, suchte er jüdische Schicksalsgenossen zu einem jüdischen Genieindeleben zu vereinigen. Das porige Woche verschiedene Fräulein Bella Grünebaum ' verdient in diesen Spalten gedenkende Worte. Ihre bewundernswürdige Aufopferung für das Wohl ihrer Umgebung erstteckte sich während der Kriegsjahre auch auf. die Hunderte jüdischen Soldaten »der einstmaligen Jnfanteriekaserne, denen ihr Elternhaus als Kost- Haus zugewiesen war. Ihr Andenken ist deshalb weit übev ihren Familienkreis hinaus ein gesegnetes. Notizen. Den Reigen der Chanukkahfeiern eröffnest der Philau throp in er-Be rein. Rabbiner Dr. Salzberg e r hielt die Festrede, und dann entwickelte sich ein künstlerisch hochstehendes Musikalisch-deklamatorisches Programm ab, dem sich ein Tanz anschloß. Frankfurter Veranstaltungen. Talmub-Thora-Bereiu (Dozenten: B: Dr. Braun, G: Groß, L: Lipinsky, U: Unna, O: Oelbamn), Hörsaal Gemeindesyuagoge Börneplatz. Freitag abend: Bortrag (Jacob S. Posen). Samstag, 11*): Schulchan Aruch (U), 3l/t: Rasch i (L), nach Mincha: Mikro (U). - Sonntags nach Schacharis: Mischna (G), 9: Schulchan Aruch (L), 9i/»*): Gemoro (U). Montag, n. Schacharis: Mischna (G), 9Vi: En Jaakauw. (U).: Dienstag, nach Schacharis: Schulchan Aruch (U). Mittwoch, nach Schacharis: Mischna (G), 61/4: Chauwaus Halewowaus (SB). Donnerstag, nach Schacharis: Schulchan Aruch (U), 8i/z*): Gemoro (U). Freitag, nach Schacharis: Mischna (G). Fortbildung für jg. Leute: Samstag: 3—4: Gemoro (G), Montag, 71/2: Gemoro (U), 8: Gemoro (G), Mittwoch, 71/2: Gemoro (G). Fortbildung f. Knaben: Samstag, 3: Schulchan Aruch (Abt. A. (U), B. (£)), C. (O), D. 4i/2 (O), 6V2: Gemoro sU), Montag. 4i/»: Mischna (Abt. 6. und v. (U), Dienstag, 41/2: Mischna, 8. (G), 6: Mischna, A. (U), Donnerstag, 41/2: Gemoro, A. (U), Mischna, B. (G). Ez Ch ajim (Dozenten: Rabb. Krieger,' Liverhant, Turcinski, Temersohn, Schereschewsky), Kurse in acht Klassen und einer Borbereitungsklasse in Chnmesch, Tefilloh, Mischna, Gemoro hauptsächlich für «Schüler hiesiger Schulen, Hermesweg 27, Sonntag U/2—4Vs, Montag — Donnerstag,» 21/2—8V4, Samstag, 2Vs—5, Unterlindau 23, Montag, Dienstag, Donnerstag 5Vr—7V-, Samstag, 53A—63/u Zahl der erteilten Stunden 45. Verein Hauptsynagoge Smnstag, 4, Hauptsynagoge: Lehrvortrag. Mo ntefiore, Mlltwoch, 8«/>, Goetheplatz 5: Deutschtum und Judentum (Kurt Neu-Berlin). Verein selbst, isr. Handwerker, Montag, 7, Kaffee Spiegel, Zeit 39; Chanukkah^Feier (Rede: Rabb. Dr. Horowitz). Ag. Jisr.-Jugendgr.', Hanauerlandstr. 17, Freitag: BorttagZ (Gottlieb), 8: gesell. Zusammensein. — Samstag, 112/4: Mischna (A. Hirschberg), UV«: Gemoro (Halpern), 3: Gemoro (Dr. Hofmann, 61/4: Raschi (L. Oppenheimer), Montag, 8: Mischna (H. Hirschberg), 9: Gemoro (L. Oppenheimer), Sprechstunde Angestellten-Aus-, schuß.i) — Dienstag, 9: Gemoro (Dr. Hofmann). — Mittwoch, 81/2: Zirkel (Dr. Hofmann), 9: Newiimi) (Unna). — Donnerstag, 81/2: Bücherausgabe?) 9: Mischna (H. Hirschberg). — Mädchengr., Samstag, Uf/»: Tehillim (L. Kahn), 4: Tauroh lA. Hirfchberg). Das Chartukkaglück im Wolkenkratzer von H e r m a II n Seckbach. „Ja, ist es denn wahr, ich soll hier bei Ihnen wirken dürfen, ich soll all das. verwirklicht sehen, wonach ich *) Religionsschule Hennesweg L7: VovIieLdvN-zaLStLNuugeL Hugo Roihscbild Lan^estrasse 36. Telefon Hansa 9926. Nr. 48. onnefBldtsTliBB altgemeliij getobt. v Thee-j'mport Ronnefeldt.FrankfürtlM.; mich seit Jahren sehne?" Mit zurückgehaltener Aufregung richtete, diese Worte ein blaß aussehender junger Mann an den vor ihm sitzenden älteren Herrn. . \.-- Beide befanden sich in dessen Arbeitszimmer, einem vornehm ausgestatteten Raum, bet cui Behaglichkeit nichts zu wünschen übrig ließ, dennoch aber unschwer, den Beweis erbrachte, daß hier eine rührige Tätigkeit entfaltet wurde. Die Auswahl der die Wand schmückenden Bilder. ließ feinstes Kunstverständnis erraten; was aber, dem Ganzen besonderen Reiz verschaffte, waren die prachtvollen Charakterköpfe jüdischer Größen. Neben den pietätvoll über dem Schreibtisch hängenden "Familienbildern sah man die geistvollen Köpfe berühmter jüdischer Gelehrter. Alles machte auf den Besucher den Eindruck, als ob in diesem Raume Edles und Schönes vereinigt sei. , - In der Tat befand sich der junge Mann bei einem' bekannten Philanthropen, dessen Betätigung im' Sinne und im Geiste'der großen Gelehrten, die ihn bildlich umgaben, weithin bekannt war. „Nun, mein junger Freund, ich kenne Ihre Lebensgeschichte zur Genüge; ich weiß,, daß Ihre Jugend umspült war von dey Wogen des Leids, und daß manche hochgehende Welle Ihnen persönlich oft «Schweres brachte. Daß Sie aber dennoch Ihren Weg gefunden haben, ja, daß Sie gerade int jüdischen Sinne sich Ihren Idealismus erhalten haben, das veranläßt nrich, Sie als Freund und Mitarbeiter bei mir aufzunehmen. Sehen Sie, mein Lieber, gar viele Menschen vermeinen, keinen Ausweg zu finden aus dem Labyrinth unseres Da» seins, wenn das Glück ihnen scheinbar nicht hold ist. Der eine wird durch «Schickungen und Fügungen, die ihm' beschleben find, gefestigt, der andere hält de» Prüfungen! des Lebens nicht stand, und die Folge dcchon ist, eine ewige Verbitterung gegen sich, seine Ilmgebung'und seine MittnenscheN. In der Selbstüberwindung, lieber Freund, im Gottvertrauen, im mutvollen Aushalten, darin liegt der 2Beg, der zur Zufriedenheit führen kann. : Seien Sie nur nun herzlichst willkommen, und jetzt bitte ich Sie, gehen Sie mit mir, meine Frau wird sich freuen. Sie kennen zu lernen, und bei einer 'Tasse Teq können wir noch ein bischen plaudern." So fand Joseph Selig im Hause des Philanthropen Jacob Bernheim Aufnahme. Wochen vergingen, — — inmitten einer vornehmen Pracht, umgeben von einer feingeistigen Sphäre labte sich «Selig in vollen Zügen aus den Quellen edelstest Menschentums» die ihn in diesem Hause erquickten.. Die Worte, die Beruhest» am ersten Tage an ihn richtete, flössen wie Balsckn in feine dürstende Seele, er hatte recht! Schwer, allzuschwer war seine Jugend gelvesen. Frühzeitig verwaist, fast,immer leidend, stand, er abseits von allen Freuden der Jugend, und so legte sich ein früher Reif auf fein Schicksal. Und doch, das Blut, seiner Mütter, die einer allen jüdischen Gelehrtenfamilie entstammte, rollte durch feine -.Adern. Arm an materiellen Werten, aber inner» sich reich, voller Ideale baute er Luftschlösser und „sah im Geiste, wie er, dem der Weg so steinig war, .den Bedrückten und Verlassenen Führer würde. Ein unstillbares Verlangen nach einer entsprechenden Wirksamkeit ergriff ihn, und er fühlte sich berufen, nicht tatlos seist Leben zu verbringen. . ' - Ach, lihr Menschen, die ihr Wohltaten auszuüben glaubt, was wißt ihr, wie es in der «Seele derer aussieht, denest keine Sonne ihr schattenreiches Dasein erhellen kann! Ihr nstint, genug geleistet zu haben,-wenn ihr aktenmäßig-für die, deren Schicksal in eueren Händen liegt. Hülfe stiftet, aber' wo ist der Funke, der hinüberglüht von Mensch zu Mensch?« f Wie alles Gesetz eines Schöpfers ist, so sind Leid, Jaminer und Elend nicht selbstgewählte Fügungen, sondern sie sind da, damit wir Menschen mitsühlen, mithelseu, mitleiden iönnen, und dieses so ausgelösst Mitleid bringt erst den Ausgleich für die, denen Reichtum, Besitz' und Macht von der Vorsehung beschiede» sind. Me'oft hatte Seligs Mutter chm als kleinen Jungen schon dem Simm mich dstse Gedanken eingeprägt, wenn arme, kranke oder sonst hilfsbedürfttge Personen sie aufsuchten. Einmal, er erinnerte sich des Falles noch ganz genau, war es kurz 'vor Sckabbos, als eine abgehärmte, blaß aussehende. Fräst zur Mütter kam und ihr ihr Leid klagte. Der Mann kränk, sieben unversorgte Kinder, keine ordentliche Kleidung, pich was sonst noch für trauriges Elend damit verbünden ist. Da zog die Mutter ihren Rock vom Körper und gab ihn der Armen. „Siehst Du, mein Junge, wir sitzen warnr, und haben gottlob das Nötigst«H»da soll so ein bedaueriiswertes Wäsen nicht leer ausgehen!" > Wie haben die Zeiten sich verändert! Wohl fließe» jetzt reiche Gaben, wenn es gilt zu helfen, aber wo siild die Häusckr, die ihre Pforten denen öffnen, dis heimatlos umherwandern, und wo sind die Tische, an deren Ecke der Platz für den Bedürftigen »nd Thorakundigeii geheiligt bleibt? . . . Während Selig so seinen Gedanken nüchhing, war er Gegenstand, der Unstrhaltung zwischen Bernheim und dessen Frau. : ' Esther Bernheim war xine jener jüdischen Frauen, deren vornehme Einfachheit jeden entzückte. Was aber ihrer Person besonderen Reiz gab, das waren ihre so güttg drechblickenden Augen. Man empfand in ihr die Persönlichkeit, welche dem- Hause Bernheim die Poesie gab. ., -i „Sag, habe -ich Mit unserem Selig nicht die richtige Wahl getroffen? Er wird meine Plänä und meine Hoff-

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