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Neue jüdische Presse · 1921-12-22 · Heft 48 (22.12.1921) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 48 (22.12.1921)
Date
1921-12-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Air. 48. Neue Jüdische Presse. Seite 5. Konditorei und Cafß X* au b enst ein .Hohmnzallarnstrammm IB. : Telephon: Hansa 985. ■[ Spezialität: - - Ananas-Törtchen und Pralines* nungen verwirklichen, dessen bin ich sicher. Meinst Du nicht, Esther?" " «Du hast! -schon immer den richtigen Weg gefunden, ' aber so ganz weiß ich immer noch nicht, was Du mit ihni vorhast." ' ~ : „Das will ich Dir sagen. Du kennst meine Lebensgeschichte, Esther, ,wie oft habe ich Dir geschildert, welch ' armen, bitter armen Verhältnissen ich entstamme. Von . Hause ,früh weg, wandernd von Land zu Land,, von Stadt zu 'Stadt, um schließlich doch auf keinen grünen Zweig zu kommen, fandet ich zuletzt überm Meere. Und drüben — c ein Leben voll Sorg und Mühe, voll schwerer'körperlicher ''Arbeit. In einem Wolkenkratzer hochoben in schwindelnden " Höhe, dort hauste ich, dort verbrachte ich sorgenvolle Tage '.und. Nächte, — bis das Glück mir nahte. “ 'Es war am Chanukkah, als ich mit Tränen in den Augen die Lichter entzündete. Gerade hatte ich, wehmütigen Herzensder Heimat gedenkend, einige Strophen des Moaus ' Zur gesungen, als die Türe sich öffnete und ein feilt galonierter Diener mich bat, mit ihm zu kommen. Auf meine Frage nach dem Zwecke, gab er mir zur Antwort, , daß der Besitzer des gegenüberliegenden Geschäftsgebäudes. mich tzu sprechen wünsche; weitere Auskunft konnte er nicht geben. Ich bat den Diener, noch einige Minuten zu verweilen, und als die Chanukkahlichter erloschen waren, folgte ich ihm bekloinmenen Herzens. Man führte mich durch prachtvolle Räume, in kostbaren Teppichen versank mein Fuß, und schließlich stand ich in einem verhältnismäßig kleinen Rauch vor einem älteren sympatisch aussehenden Herrn. . . I „Nicht wahr, .Liebling, jetzt strählst Du, na höre weiter zu. „Verzeihen Sie, mein Herr, wenn ich Sie hierher bitten ließ"; mit diesen Worten begrüßte mich dev alto Herr, „aber ich' möchte Ihnen kurz den Grund sagen. Seit einigen Tagen beobachte ich von meinem Arheits-- zimmer aus mit Gefühlen, die mich sehr wundersam berühren, wie,drüben hochoben ein Lichtlein nach denk andern,' entzündet wird, und da überfiel wich Plötzlich mit alle« Macht ein unstillbares Sehnen, hier bei nnr, in meinem Hause, mitten in meiner Familie diese Aichtlein entzündet zu sehen. Chanukkah, der Zauber meiner Kindheit umhüllte mich. Ich ließ Erkundigungen einziehen, wer in mir diese Erinnerung erweckt hat, und so erfuhr .ich, das will ich Ihnen offen sagen, von Ihren Sorgen und Nöten: und nun mache ich Ihne» .kurz und bündig den Vorschlag, bei mir einzutreten, und die Bedingung, die ichjdaran knüpfe, ist die, daß Sie mir eine vergnügte Channkkahstimmung mitbringen sollen." „Du weinst, .Esther, ach, ich danke es heute tausendmal dem Allgütigen, daß er mich erst heranreifen ließ, bis ich den Wechsel des Glückes voll genießen durfte. Dort! im Hause meines Wohltäters lernte ich Dich, sein Mündel, kennenj und — 'lieben." „Du Guter, warum übermannt Dich heute diese alte Erinnerung?" „Alt, sagst- Du? So jung pulsierend unsere Liebe ist, so lebendig und frisch steht all das Vergangene vor meinem Auge, und jetzt, mein liebes Weib, lveil ich Dir verraten, was ich Mit Selig vorhabe. Als wir, nachdem Dein Onkel, »teilt edler Wohltäter, dessen alleiniger Erbe ich wurde, starb, in unsere Heimat übersiedelten, da nahm ich mir vor, tneine Vergangenheit mir als Richtschimr zu nehnien, tvenn es gilt, Hilfe zu L. Fassbenders 1 wieder in Frankfurt in Frledeuequalitfit. Kaiserstrasse S2. leisten. Nicht im Verwaltungswege läßt sich Einblick gewinnen in (öie Herzen der Notleidenden, sondern wir müssen sie kommen lassen, miigen sie beobachten und müssen so Mittel und Wege finden zur Hilfeleistung.' Du, meine gute Seele, warft bisher mein treuester und hingebungsvollster Mitarbeiter, und was ich an Dir bewundere, das war Dein vertrauensvolles Eingehen auf meine Ideen, und nun, da wir wiederum vor Chanukkah stehen, an dem die Lichtlein, die mir das Glück meines Lebens brachten, erstrahlen/ da möchte ich eine Menschenseele beglückt sehen. Was wir bisher gemeinsam durchdachten und bearbeiteten, das will ich nunmehr versuchen, in andere Herzen einzupflanzen, Bost Familie zu Familie soll die alte" jüdische Auffassung von warmer Gemiluth-Chesed-Uebung übertragen werden. Die Jugend wird dann erst den Wert des Lebens in der ganzen Größe erfassen, wenn sie selbst die Schatten ihres sonnigen Daseins empfindet. Diese Verbindung von Haust zu Haus benötigt neben der ideellen Betätigung viel praktische Lösungen, und nun soll cs Llufgabe unseres Freundes Selig sein, den zu beschreitenden Weg der Hilfeleistung mit uns zu beraten und das Weitere durch die einzelnen Fanriliengruppen zu veranlassen. So werde ich' den Dankden ich meinem Schöpfer schulde, abzutragen versuchen." Da umschlangen weiche, zarte Frauenhände den geliebten Mann. 29 0oetnestraste29 ftfeitmachs®* Unsere eleganten Abendschuhe . in Lade, Wildleder, Brokat und Seide sind die vornehmsten weiHnadltsgefchenke , für jede Dame. . Entzückende Neuheiten in . Hausschuhen. 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