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Neue jüdische Presse · 1921-12-08 · Heft 46 (8.12.1921) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 46 (8.12.1921)
Date
1921-12-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 3. Nc. 46 Neue Jüdische Presse. Frankfurter Künstierspiele Kaiserstrasse 69. Beginn 8 Uhr. Tel. Hansa 5516. --= Täglich 4 Uhr-Tee ■■ unter Mitwirkung erster Kunatkräfte._ Kranksurter Beranftallnugen. Talmud-Thora-Berein. (Hörsaal Gttneindesynagoge Börneplatz.)' (B: Dr. Braun, G: Gros;, L: Lipinsky, U: Unna, O: -Oelbaum.) Freitag abend: Vortrag (G). Samstag, 11*): Schulchan 'Aruch (U), 3(st: Rasch! (L), nach Mincha: Mikro (11). Sonntag, nach Schacharis: Mischna (G), 9: Schulchan Slruch (L), ör/,*): Gemoro (11), nach Mincha: Rewiim (11). Montag, n. Schacharis: Mischna (G), ti'/i: En Jaakauw (11). Dienstag, nach Schacharis: Schulchan Aruch (II), 8*4 abends: Tefillovortrag (I. B- Lcvy). Mittwoch, nach Schacharis: Mischna (G), 6*/i - ChanwauS Halewowaus (SS). , - Donnerstag, nach Schacharis: Schnlchan Aruch (11), 8(4*): Gemoro (11). . Freitag, nach Schacharis: Mischna (G). .* Schinr jür Damen: Tonntag,;Vy.i: Dinim;ll'(. Fortbildung für jg. Leute: Samstag: 3—i: Gemoro (G), Montag, 7((>: Gemoro (11),. 8: Gemoro (G), Mittwoch, 7(4: .Gemoro (G). Fortbildung f. Knaben: Samstag, 3: Schnlchan Aruch (Abt. A. (11), ii. (O). C. (£), I). -U/s (£), 6*4: Gemoro (ll), Montag, -U/»: Mischna (Abt. 0. und 11. (11), Dienstag, 4*/»: Mischna, Ii. (65), 6: Ndischna, A. (ll), Donnerstag, 4i/»: Gemoro, A. (11), Mischna, 11. (G). Ez Chaj im. (Leiter: Rabb. Dr. Horovitz: Dienten: Liverhant, Turcinski, Temersohn, Schcreschewsky. Kurse in Chumcsch, Tefilloh, Mischna, 65emoro, Hermesweg 27, Sonntag 1(4—4(4, Montag — Donnerstag, 2(/«:—8(4, Samstag, 2(4—ä, Iliiterlindau 23, Montag, Dienstag, Donnerstag 5(4—7i/q, Samstag, 5:,;i— Verein H a up t s h n a g 0 g e Samstag, 4, Hauptsynagoge: Lehrvortrag. *) Religionsschule Hermesiveg 27. □ □□□□□□□□qnncmcmocmüDan ana a □ a n □ ö □ □ □ □ □ □ □ Hansa 1787 □ □ □ □ D □ □ □ □ □ O □ □!I MaMaaMHAsIr« dicke, reinwollene, in vielen JllOtgCnCOCKC, Farben und Formen - UütCWOCkC bester Qualität, grosse Auswahl Ktoirfui* aus Wolle und Seide, nur Qualitäts- AWIUeli wäre in vorteilhaftester Preislage. HansNerger Hochstr. 26, p M oute f i 0 r e, Mittwoch: N* 4, Goetheplatz •'>: Was verdanken wir dem Talmud (Dr. Silber,»an»), Freies I ü d. Lchrh a.u s, Börsenstr. 7, Samstag, 8(c: -Inden in Der neueren Dichtung (Dr. Zalzberger), Dienstag, t>(4: Wissenschaft von Gott (Dr. Rosciizweig», 7(4: Christentum (Dr. Strauß), Mittwoch, l!(4: Unsere Zeit (Ernst Timon), Donnerstag, 7(4: Die heilige Schrift (Dr. Strauß). M.e-k 0 r -C hajim , täglich nach Schachris, Hörsaal Friedb. Anlage: Schinr, Sonntag-Donnerstag abend 8%, Montag-Donnerstag abend 7 Uhr, Langestr. 18: Schinr, Freitag nach Mariw, Samstag 12(4, Hörsaal: Vortrag, 3(4, Langestr.: Vortrag. Indischer Turnverein, I. T. V. Heim und Büro: Unterlindau 21. Turnzeiten: Herrenabt.: Mittwoch, 8, Mauerweg 1; Zgglingsabt.: Montag, 8, Dentschhercnkai 17; Knabenabt.: Montag, 5 Uhr nachm., Mauerweg 1: Damenabt.: Donnerstag, 8 Uhr abends, Wittelsbacher Mee 10; Mädchenabt.: Donnerstag, 4 Uhr nachm., Wittelsbacher Allee 10. — Sonntag 7—12 vorm., Riederwaldwiese (Endstation 18): Sport. Wir machen unsere Leser besonders aufmerksam auf die vielfache Gelegenheit, die Kinder und junge Leute unserer Stadt hier haben an Schinrim für alle Gebiete des rabbinischen Wissens. Neben den Schuten der Realschule und ReligionSschnle, den so überaus verdienstvoll wirkenden rührigen Vereinen Mekvr Chajim und Talmud Thora stehe» nun drei Zeschiwvth, die miteinander wetteisern, eindringlichste Kenntnis der Gemoro zu vermittetn. Bon diesen trat mit der neuen Aufgabe, bereits Knaben im zarten Alter znm regelmäßigen womöglich täglichen systematischen und oft mehrstündigen „Lernen" auch noch außer» alb ihrer Schule anznhalten der aus dein Bethhamidrasch am Hcrmesweg yervorgewachseue Ez Chajim auf den Plan. Unser Kalender gibt eine Uebersicht über den reichhaltigen Stundenplan dieser bedeutsamen 'Anstalt. Vier tüchtige Lehrer sind an den Kursen, deren Schnlerzahl stetig wächst, tätig. Wie wir hören, ist der durch mehrere talmudischc Schriften als hervorragende talmndische Kapazität rühmlich st bekannte Rabbiner Abel Krieger aus Koschedary (Litanc») mit der Oberleitung der Jeschiwoth betraut und zugleich zum K l a u s r a b b i n e r am Bethhamidrasch ernannt worden. Herr Rabbiner Krieger wird im Bethhamidrasch Hermesweg 25/27 demnächst einen regelmäßigen Schinr für Erwachsene eröffnen. Anmeldungen für diesen nimmt er Sonntag voll 4—5 in, Schulgebäude entgegen. Was -leibt. ... Bon ben Gerson. . ' Was bleibt, /.; .. .. wenn die Seele erzittert? ‘ " Was ruht, wenn sie erschüttert? Ba»lme springen, sie springen wie Rehe. Es beben Berge, sie zittern, auf gegen Himmeln, sie beben, sie beben hinab iu Grüfte. Ofienbacker Dmckluit-Anlage Offnnbnoh n» Telefon 123. Unübertroffene Teppichrelnigng mittetet Druckluft Dort tanzen Sterne, Mond springt l»eilig, Sonne steht » demütig still. Wer rief, und sie sprangen? Wer spielte, sie sangen? Wer hielt? wer stürzte hinab und baute? ES tönen Erden, Räume dröhnen, alle Saume des Leins sind erschüttert. Deirn unsere Seele» ergriff der Herr, die Ewigkeit rührte unsere Scetcn. Sie singen und beben, Tie sind erschüttert und alle Welten. Jedem das Seiuige. Roman von M. Pnlvermann. (Fortsetzung.) „Weil» der Engel des Friedens durch das Fenster gucke» wird, dann braucht er keine Angst zu haben, daß seine . weißen Flügel unsauber lverüeu könnten, und er wird sicherlich mit seiner Glückbotschafl unser Haus betreten, um nus ein frohes u>»d glücktiches Fahr zu verkünden." „Za, Mutter, und ich hoffe auch, daß mir uns des Gvttessegen würdig zeigen werden," erwiderte Elten feierlick,, zu gleicher Zeit sich aber wundernd, warum die Worte nnwillkürlich in einer unpersönlichen Form Über ihre Lippen gekomme» waren. Einige Minuten herrschte wieder Schweigen, bis die alte Frau, auf ein 6)efäß mit Honig deutend, das in der Mitte des sauber gedeckten Tisches stand, wieder die-Unter - Haltung anfiiahm: „Weißt Du» warum dieses ist?" „Rein. Mutter. Zch wollte Dich eben darum fragen." „Es ist ein Symbol, daß unser Leben so süß wie Honig sein möge," erklärte die Alte mit stolz erhobenem Haupt, als wäre sie über die scharfsinnige Erläuterung entzückt. Dann ivieder nahm 4hre Miene den geheimnisvollen 'Ausdruck an, wobei sie mit Den Augen blinzelte als bereite sie sich auf etwas vor und könne die Zeit nicht erwarten, es zur Ausführung zu bringen. L. Fassbenders BLönfituren «windai* in Frankfurt in FrtodensqualltStr, Kaiserstrasse 32. Jedem das Seiuige. Roman von M. Pulvermann. (Fortsetzung.) Ellen folgte der Einladung, doch ging, sic sehr langsam,, um Zeit zu gewinnen, die tvidcrstrebenden und sich kreuzendcir Gedanken ein ivenig zu ordnen und zu beschwichtigen. Da war zunächst ihre Unachtsamfeit, daß sie nie vorher.daran dachte, wie die Welt, in der ihr Gatto lebte, seine Heirat mit einer Christin, ausfassen werde. Dann empfand sie einen gewissen Stolz, daß seine Zurückgezogeuheil doch eilten gewissen Aufruhr verursachte. Endlich belustigte sie das Gebahren der Frau Mahlow, die sich berechtigt hielt, in demselben 'Augenblick zu moralisieren, da sie sich sicherlich mit einem Nichtsnden, mit dem Dr. Zarvis, ein Stelldichein -gegeben hatte. Bald aber hatte Ellen die widerstreitenden Gefühle überwunden. Sie war ja auf den» Wege zu Alice, .311 ihrem Schutzengel, die sich ihr als Führer und Leiter auf dem unbekannten Pfade augeboten hatte. Schon bei dem ersten Anblick erkannte sie, daß Frau Mahlow den Zustand ihrer Tochter nicht übertrieben, sondern pher unterschätzt.hatte. Alice' Begrüßung war wohl freundlich, aber es fehlte - der freie Ton, der offene Blick, den sie bei der Freundin vorzufindeu gewöhnt ivar. Ellen sah sich muh zu cder Frage veranlaßt, warum Alice nicht zum Vorschein gekominen sei, da sie doch von ihrer Anwesenheit im Hause ivyßte. Alice' Entschuldigung, daß sie noch nicht iu Toilette wäre, konnte nicht befriedigen: ebenso tveuig konnte sie sich die geröteten Augen der Freundin deuten. Ellen erkannte aus all dem, daß sich ein fremdes Element zwischen sie beide gedrängt hatte, und sie wurde noch mehr jdurch die Unterhaltung darin bestärkt; die nur gleichgültige Dinge behandelte, von denen beide wußten,; daß sie keinerlei Interesse dafür hatte» und nur dazu diente, keine Verlegenheitspause eintreteu zu lassen. - Ellen war so aufgeregt, daß sie keinen Versuch machen konnte, das Rätselhafte aufzuklären; aber sie hatte das bestimmte Gefühl, daß es doch dazu kommen werde, lind sie täuschte sich nicht. Sie hatte sich bereits erhoben, Um sich zu verabschieden, ohne daß Alice sie zu einem längeren Vertveileu ausforderte. Nicht wahr, Alice, Du wirst mich bald besuchen/« sprach Ellen. ' „Vielleicht," erwiderte diese, den Blick ins Leere gerichtet. „Vielleicht?" Ellen trat wieder ins Zimmer und verschloß die Tür hinter sich. „Glaubst Du, Alice, daß ich mich mit einer solchen Antwort zufrieden geben werde?" Alice schwieg und stieß dann kurz Ijcroor: „Das kannst Du halten, wie Du ivitlst." „Alice!" rief die junge Frau traurig. „Eine solche Antwort gibst Du mir! Oder willst Du mit mir Scherz treiben?" „Durchaus nicht. Es ist mein voller Ernst," erwiderte Alice unmutig, „lind wenn es Dir leid tut, dann mußt Du die Schuld Dir selbst beimessen. Zch wollte es Dir nicht sage», aber Du zwingst mich ja dazu." „Zch bi» froh, daß ich eS tat, denn so werde ich vielleicht über Dein rätselhaftes Gebaren 'Aufschluß erhalten." „Du Imst recht: vielleicht ist es gut so. Schließlich kann es auch keinem schade», wenn ich es Dir sage. Ich, habe doch so anhaltend darüber nachgcdacht und gegrübelt, daß ich auch darüber sprechen kann." „Hin Gottes willen, Alice, worüber hnst Du denn so viel gegrübelt?" ' „lieber meine Rückkehr nach der Stadt. Dort am Meere war cs doch ein wenig erträglicher. Der große, weite und ruhige Ozean erinnerte mich beständig, daß ich doch nur so ein ivinziger, unbedelitender Wurm im Weltall bin, daß es dal-cr eine grenzenlose Anmaßung von mir sei zu glauben, mein kleines, menschliches Leid sollte etwas in dem unermeßlichen All zählen. Doch hier, das wtißte ich, wird* mir dieses Gegenmittel fehlen ..." „Kann ich Dir nicht helfen?" zitterte es von Ellens Lippen. Alice sah sie mit glänzenden Angen an, vor denen sie zurückbebte. ' „Ellen, soll ich Dir die ganze Wahrheit sagen? Ja, Du kannst mir helfen, indem Du »rein Leid noch schwerer gestaltest, so daß ich 'Aussicht habe, bald zusammenzubrecheir. Rein, nein, halte mich nicht für tvahnsinnig! Ich wäre ja dem Schöpfer dankbar, wenn ich nicht so verständig und scharfblickend sein müßte! Wenn ich etwas noch mehr gefürchtet l)abe, so war es der Gedanke, bei nieiner Rückkehr wieder in nähere Berührung mit Dir zu kommen. /Ich wußte, daß es ineine Augen verdunkeln, mein Herz zerreißen »verde, wenn ich Dich — glücklich sehe, den Gegensatz zwischen Deinem und meinem Leben beständig vor 'Augen zu haben! Ellen, daß ich so offen und rückhaltlos mit Dir davon spreche, soll Dir ein Beweis meiner großen Liebe für Dich sein." Eilen war cs, als habe ihr Herz 311 schlagen aufgehört. „Dann willst Du mich 'wohl gar nicht mehr sehen, Alice?" „Wenigstens für längere. Zeit nicht: wenigstens flicht, bis ich mich in -mein Schicksal gefunden habe. So schwer kann ich doch nicht gesündigt haben, daß dieser Zustand elvig dauern sollte. Zch hoffe, daß Gott mich lehren wird, nicht vor der Berührung des Mannes zurückzubeben. den , ich heirateil soll! . Eines Tages werde ich mich vielleicht mit ineinenl LoS ansgesöhnt haben, dann, Ellen, wollen wir auch unsere Freilndschaft wieder anfnehmen." „Lebe wohl, 'Alice!" „Lebe wohl, Ellen! Sei nicht beunruhigt meinetwegen. Es hat jeder 'Mensch seine Kämpfe durchzumachen." Mit heißen 'Augen und ivehem Herzen verließ Ellen das Haus. Bei ihre» Verwandten traf sie den .Vikar Strömer, der sie kurz und förmlich begrüßte und dayu aufstand, um sich zu verabschieden. Alle Versuche des alten. Dumontkonnlen ihnnichtzu einem längeren«'erweilenbewegen. „Wir worden uns ja heute doch noch, sehen," sprach er als Begründilng für seine beharrliche Ablehnung. Der eigentliche Grund seiner Weigerung blieb Ellen nicht verborgen. Es Jollte ihr dadurch klar werden, daß, er vertrauensvoll bei seincni Vorsatz verbleiben wollte, jeglichen persönlichen Einfluß zu vermeiden. Sie mußte über die Wörtlichkeit und Buchstäblichkeit seines Vorhabens lächeln. Sie dachte daran, ob sein Fortgehen nicht doch noch einen andern Eirund llabcn möchte: daß er sie fliehe, aus daß der Funke, der jetzt nur noch schwach in seinem Herzen glimme, nicht durch ihre» 'Anblick wieder zu einer hellen Flamme, angefacht werde. — — Dieser Gedanke aber gab ihr die Kraft, ihre frühere Furcht, die sich wieder in ihr Herz einnisten wollte, von sich zu weisen. Das Zusqmnienscin mit ihren Verwandten gestaltete sich für Ellen sehr gemütlich. Es war nichts vorhanden, das die Herzlichkeit hätte stören oder beeinträchtigen können. In vollen Zügen genoß sie darum die.Herzlichkeit und Freundlichkeit des Onkels, die mütterliche und zärtliche Fürsorge der Tante, und es schien ihr unbegreiflich, daß sich etwas ereignet haben sollte, was dieses schöne Verhältnis hätte gefährden können. Daher war es für sie eine schmerzliche Enttäuschung, als sie bald wahrnehmen mußte, daß die gemeiusmne Innigkeit doch einen Riß erlitten hatte. Der Onkel warf nämlich ungeduldige Blicke nach der Wanduhr, von dieser wieder aus die Tante, die ebenfalls in der letzten Viertelstunde etwas einsilbiger geworden war, und plötzlich wußte Ellen, was es zu bedeuten hatte.

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