Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 46 (8.12.1921)
- Date
- 1921-12-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Jtttsi Seite 2 Neue Jüdische Presse. psssenäe k^estzesekenke in reicher Auswahl. sa AUfPTA Feine Lederwaren KJ und Reise-Artikel 28 Goetheslrasse 28 _ Telephon Körner 764. — Lazarus, der heil Gruppenverband namens der Gäste begrüßte und die Bedeutung der Paläsrinafragc für die gesamte JudenHeit yervorbob, M a x H e ß als Vertreter der israelitischen Kultusgcmeinde, Leopold Ackermann als Vertreter der altisraelitischen Kultusgcmeinde, Justizrat Marxheimer als Vertreter der Nassau-Loge, Dr. G o l dst e i n für Sie Ortsgruppe des Centralvereins, Gold-- schmidt für die Agudas Jisroel, Haas sür den jüdischen Jugendverein, Oberkanwr N u tz b a ü m für den Verein der Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau und Diesenbrunner für den Talmud-T hora-Verein. Die Tagung wurde eingeleiter durch ein großzügig angelegtes volitisches Referat Roseublüth. Er gab einen Neberblick über den derzeitigen Stand der zionistischen Politik, insbesondere über unsere Beziehungen, zur Mandatarmacht und zu den Arabern. Er erörterte sodann die innere .Lage im Zionismus, insbesondere den Stand der Kercn- Hajessod-Aklion und verwies voller Zuverjichr auf die amerikanische Reise unserer Führer, die einen guten Erfolg der Campagne in Amerika verbürge, 'die aber nicht allein und vielleicht nicht einmal in erster Linie dem Kcren- Hofessod diene, sondern notwendig geworden sei. weil auf der Abrüstungskonferenz in Washington höchst wahrscheinlich auch Wandatsfragen. zur Erörterung kommen. Die Darlegungen des Referenten, die'ihren Ausgang nahmen von der Kritik Martin Bubers an der zionistischen Gegenwartspolitik in der letzten Nummer des „Juden", wurden von allen Teilnehmern dankbar ausgenommen und waren geeignet, die Zuversicht unserer Freunde zu stärken. Es folgte der Bericht des bisherigen Vorsitzenden des Grupveiwerbandes Jakob Wolfs in Frankfurt a. M, über die Tätigkeit des Grnpprnverbandes im vergangenen Jahr und feine Aufgaben in der Zukunft. Nach der Mittagspa,ise, in der ein gemeinschaftlich Miltagessen eingenommen wurde, fand, die Aussprache statt. Es wurde an der bisherigen Leitung des Gruppenvcrbandes scharfe Kritik geübt, andererseits aber auch hervorgehoben, daß die Ortsgruppen dem Gruppenverband bisher das nötig? Int-ress: nicht cntgegengebracht und infolgedessen die Arbeit erschwert haben. Es lerrschte Einstimmigkeit darübe:, daß eine ersprießliche Arbeit im Gruppenverband so lange nicht geleistet werden kann, brs nicht endlich der schon seit. langem verlangte Sekretär angestellt ist, der die Geschäftedes Gruppenperbandes hauptamtlich - leitet. Rechtsanwalt Rosenblnth erklärte namens der Aionistischen Bereinigung für Deutschland, daß diese das Verlangen des Gruppenverbandes nach einem' Sekretär als durchaus berechtigt anerkenne. Es wurde einstimmig beschlossen, den Sekretär alsbald anzustellen und einer im nächsten Frühjahr anznberaumenden Gruppcnvcrbandstagung über den Erfolg der Bemühungen in der Sekretärsfrage Bericht zu erstatten. Es wurde weilet beschlossen, ist jeder Ortsgruppe einem Resforr zu beschaffe», das die alleinige Aufgabe hat. die Verbindung zwischen Ortsgruppe und Gruppenverbaws am» recht zu erhalten. Schließlich wurde in einer Resolution nachdrücklichst auk die Beschlüsse des Kongresses, die sich auf die Makserverpslichiung beziehen, hingewiesen. Nachdem der bisherigen Leitung des Gruppenverbandes Entlastung erteilt war, wurde einstimmig beschlossen, als künftigen Vorort Wiesbaden zu bestimmen. Zum ersten Vorsitzenden des Gruppenverbandes wurde Rechisanivalt Dr. Landsberg, Wiesbaden,- gewählt zu weiteren Mitgliedern des Grnppenverbandsvorfftandes: Bertram Stern und Fritz Herz, beide in Wiesbaden. -Der Verlauf der Tagung bewies ihre Rotwcndrgkeit. Sie bat das Band zwischen den einzelnen Ortsgruppen wieder enger geknüpft und sie hat allen Teilnehmern reichliibe Anregung gegeben. Feier der J«gerrd für Herrn Rabbiner Dr. N- S. Nobel zu seinem 50. Geburtstage, veranstaltet vom Blau - Weiß. Die Jugend seicri ihren Führer. Das war das Leitwort, das unsichtbar über dem ganzen Abend stand, der Frankfurts natioimljüdische Jugend und diejenigen Verehrer des Rabbiner Dr. Nobel, die dem Nus der Jugend gefolgt waren, am Abend deS 31. November um den geliebten und verehrten Fünfzigjährigen versammelte. Es war so ganz anders, wi: sonst solch: Feiern ab- -geh alten zu werden pflegen. So ganz ohne „Ofsisiellität" und doch voll Forni. Eine strahlende Fröhlichkeit lag -über dem Ganzen. Dabei wirklich: Leistungen, ein präck>- riger gemischter Chor, der den KM. Psalm in Mendelssohns Vertonung sang, Kammermusik von Händel, Haydn, Busoni. und vor allem die Aufführung der Goldenen Kette von Perez — gewiß rin Wagnis, denn um die dichterischen Schwächen der beiden letzten Akte zu überdecken, hätte es einer so vollendeten Darstellung bedurft, wie sie hier nur dem von der vollen Kraft des Dichters gespeisten ersten Akte wurde. Das, was der junge Nahum Glatzer als greiser Rebbe in diesein ersten Akte gab, wird den Zuschauern . unvergeßlich bleiben: es war mehr als Theater, —' grade weil es weniger als Theater war. _ Mitten inne in diesen Darbietungen standen die beiden Reden, die den Sinn des Festes aussprachen» die Rede .des Jugendführers und die Antwort des Führers der Jugend. Wie Ernst Simon dasrnnd, ganz wuchtend und doch ganz gefaßt, wie er oie Gestarien opr drei Mä.uwr matte, deren der Gefeierte sich selbst zu verdanken bekennt, soweit ein Mensch sich andern verdanke» kann, des Vaters Joseph Nobel, Hermann Cohens, Theodor Hersis, wie er aus diesen drei historischen Porträts die lebende Gestalt dessen erstehen ließ, dem die Feier galt, der, allen drei verpflichtet, doch ein Eigener geworden war und nun aus diesem seinem Eigenen heraus einer nach Führung, Form, lebendigem Gesetz dürstende» Jugcnv zu jchrnlen vermag, wouach sie verlangt, — das tonnte mir noch überiroffen werden durch die ganz einfachen Worten, die dann der Gefeierie selbst an der schwer und köstlich beladenen Teriascl envidertc. Die Legende, so ssthrte er aus, die stets der Historie auf dem Fuße folge, habe auch, ihn umrankl. Er rönne sie den «ebnsüchtig'en, die ihrer - bedürften und di: ihn zum Träger dieser Lcglmde schöp- ' serisch umgestaltet hätten, nicht rauben, aber für ihn selber, ihn, der sich heute mit 50 Jahren ja jchon ein wenig historisch sehen dürfe, emsvringe aus der Legende nur zweierlei: Verpflichtung und Dank. Als die Feier — Mitternacht war schon vorüber — endete, da ging man mit dem srohen Gesübl heim, daß hier wirklich einmal ein Fest ohne Phrase, ohne faden Weihranckdust und — grade der Nichtzionist und Nichtkonservative, der hier berichtest muß das hervorheben — ohne billige Parleipropaganda irgendwetchrr Art gefeiert war, ein Fest das gerade dadurch, grade durch seine innere Wahrhaftigkeit und uiidefangene Echtheit in vielen jungen und vielleicht selbst auch in einigen alten Seelen Samen ausgestreut bat, der einmal ausgehen wird. Franz Roscnzwetg. Der Jüdische Frauenbund und die Ukrainer Müder. Die Noi der jüdischen -Kinder in der -Ukraine war wiederholt der Gegenstand eingehender Beratung des Vorstandes des Jüdischen Frauenbundes, Dieser konnte sich unter den gegebenen Verhältnisse» nicht dazu entschließen, die jüdische Frauenwelt für die Errichtung neuer Waisen- und Erziehungsanftalteii auszurusen. Wenn auch aus den Reihen der jüdischen Mütter, die ihre Kinderstuben diesen Aermsten öffnen können und werden, Verständnis und Hilfe zu erwarten ist, so scheint die Zeit doch .nicht geeignet, darauf hoffen zu dürfe», daß entsprechend der großen Kindernot sich annähernd genügend Familien findest werben, die privat ein Kind in ihre Häuslichleit aufnehmc» werden: denn die Verantwortung eines solchen Schrittes in ideeller wie in maierietler Hinsicht ist eine sehr große ,tnd für Jabre zu tragen. Wie das Ei des Kolumbus erschien deshalb aus der Delegiertenversammlung in Elberfeld die Lösung dieser' brennenden jüdisch-sozialen Frage in einem Anträge des Vorstands des I: Fr. B. der verlangte, daß jede jüdische Anstalt in Deutschland — einerlei welchem Zwecke sie statutengemäß zu dienen buben inöge '— die Sorge sür ein Kinck aus dev Ukraine übernehmen. Ohne besonderen Apparat, säst unmcrklich in der Belastung des Budgets durch ein Menschenkind mehr, können — wenn die Stellen wunschgemäß reagieren — sicher 200 Kindern im beste» jüdischen M.lieu das Leben gerettet und ihnen eine sichere Existenz vorbereitet werden. — Ein Bett, ein Plätzchen am Tisch, Schutz und Schule und eine wohlmeinende Führung, gute jüdische Erziehung. welcher Betrieb, wenn er nicht verknöcherter Bürokratismus ist, könnte das nicht einem Kinde gewähren? Welcher Vorstand könnte dazu die Einwilligung versagen, könnte nicht ein Ausnahmegesetz der Liebe und Milde machen? In vorbildlicher Weise hatte sich schon vor-Annahme der Resolution der Verein sür jüd. Krankenpslegerinne» in Berlin gemeldet, ein Kind au'zunchmen. Es wird es gut haben! Hoffentlich kaufen die Meldungen nach Bekanntgabe des Planes zahlreich ein, entweder bei der Schriftleituiig des des I. Fr. B-, Berlin-Wilmersdorf,. Gieselerstratze 113 oder bei der Vorsitzenden Frankfurt a. M., Geschäftsstelle Langestraße 30. Von der Zahl der Anmeldungen wird die Ausführung und 'Organisationen des- Hilfswerkes. die rasch einzusetzen hat, abhängen. Erez Israel. Mufikaltsche Erziehung in Palästina A. Z. Jdelson schreibt in der „Zionist. Review" über dieses Thema: Der Versuch, in Palästina eine mnskrl schc Erziehung ztt sörde.n: ist v,-rhält:nS.„.ästig früh, vor etwa Io Jachen, begonnen worden. Der Verfasser dieses Arii.'els war der erste, der in indischen Schulen systematische Gesangsstunden einsührte. Als ich mich, wie gesagt, vor 15 Jahren dieser .Arbeit, widmete, gab cs nur einig: wenige hebräische Lieder. Ich halte also überhaupt erst einmal die notwendige Musik oussindig zu machen. Ein schwieriges Unternehmen! Jahre-' lang mußten alle traditionellen und populären Gesänge zusammengetragcn und pcinlichst auf ihre Eignung sür, Kindergärten und Schulen untersucht werden. Dabei erhob sich dann die Frage, ob das jüöische Voll wirklich eine eigene Musik besitze, und ob solche Musil "dem neuzeitlichen Gesangspädagogcn genügen könne. Eine klare Antlvort hierauf konnte nur ein Vergleich der musikalischen Elemente in den populärsten Liedern aller jüdischen tIaluthgemeinden geben. Dieser Vergleich war aber nur möglich, wenn 'man eine vollständig e Sammlung der Lieder zur Verfügung Hatte. Da dieses nicht der Fall war, beschloß ich, die Sammlung zu veranstalten. Anfangs hielt ich die Arbeit für einfach, aber die 'Erfahrung hat mir die Schwierigkeiten eröffnet. Heute, nach der Vollendung 'meiner Sammeltätigkeit, kann ich sagen, daß ich 15 Jahre lang unermüdlich alles zusamineugetragcii habe, um lediglich die Vorarbeit zu iwllenden. Dabei muß ich mich heute glücklich schätzen, daß das Erforderliche Material noch nicht vorhanden warst denn — daß ich's nur gestehe! — erst beim Sammeln, ist mir die Existenz einer spezifisch jüdischen Musik ausgegangen. Ich will jetzt das Ergebnis dieser Tätigkeit — 4000 Lieder und Volksweisen — in übersichtlicher Weise veröffentlichen, um Musikern und Komponistcii Ouelleinnaterial, Schülern a,rd Lehrern eine Grundlage sür den Unterricht zu geben. Wie'.steht -es um die musikalische Erziehung in Palästina? In Jaffa besteht seit 11 Jahren eine Musikschule, die von der verstorbenen ersten Gattin Dr. Ruppins begründet wurde und heute von Herrn Kopcnko geleitet wird. Dieses Institut hat viel sür die Verbreitung edler europäischer Musik getan. Eine zweite, gleichfalls von Frau Dr. Ruppin begründete Musikschule gab es in Jerusalem; sie mußte bei Kriegsausbruch ihre Pforten schließen. Im Jahre 1918 wurde jedoch in der Hauptstadt eine neue Musikschule eröffnet, die anfangs ihre Förderer in Aegypten, später beim -Waad Hachinuch fand- Eine dritte Anstalt in Haifa wird.von Fräulein Weitzm ann geleitet. In allen diesen Konservatorien wird Klavier- und Gcigenuntcrricht, Chorgesang. Theorie und Harmonielehre gepflegt; die Jerusalemer Schule lehrt auch Sologesang, während, in Haifa eine Orchesterschule besteht. Kurze politische Nachrichte«. Verli«. Den Bemühungen dcö Exekuiiv-Komitccs der Jüd. Wefthilfslonferenz bei der rumänischen Regierung gelang es zu erreichen, daß die Evakuation von nun ab nur in engerem Rahmen vor sich geht und dadurch einer bedcu'enden Anzahl von F üch lings.atego.im die Möglichkeit gewährleistet wird, an ihren gegenwärtigen Ansiedlungsplätzen in Bessarabien zu verbleiben. Tanztg. Eine Konfer, nz der katholischen Priester aus Posen sprach sich für den Boykott der Juden im Geschä ftSv erke b r aus. PersouuUe» ». Helme MitteUuugeu FranNvrt a. M. Der Verein „Asyl kür tränke Israeliten,. Meran" hat in seiner letzten Vorstandssipung beschlossendas „Genesungsheim" in Meran von Mitte Februar bis Mitte Mai 1922 wieder zu eröffnen. Awiiahr.e uchende wollen sich sofort an die Verwaltung in Meran wenden, worauf ihnen die 'Aufnahmebedingungen zugcschickt tverden. Brumat «Ebopl rbavbincr Dr. Levv ist im Alter von 55 Jahren verschieden. Bern. Die hebräisch tprecbende StudentenkchaU veranstaltete anläßlich der llcbersiedlung des Schriftstellers Dr. Horodezky eine Abschiedsfeier. Buva-eft Dr Alexander Petö, demokratisches Mitglied der Nationalversammlung, ist verschieden. Warschau. Der R a b bi von Bresloss wurde - während einer Eisenbahnsahrt von Soldaten mißhandelt, und aus dein Zuge gejagt. Bald darauf entgleiste dev Zug, wodurch eine Anzahl Personen in dem Kupee, das der Rabbi verlassen mußte, getötet und schwer verletzt wurden. Rom. Senat-w Morlara. Präsident des Obersten Gerichtshöfe?,, wurde, zum Staatsminister ernannt,, was soviel wie Mitglied des Kronrates bedeutet. Dieser höchsten Auszeichnung wurden bisherbloß vier Staatsmänner teilhaftig', darunter Luzatti. Fravkfurler Berichte. Rottze«. Der Jüd. Turnverein hat auf seiner letzten Generalversammlung seinen Namen in Jüd. Tur.rr- und Sportverein „Bar Kochba" abgeändert.. Für: das Winterprogramm sind außer dem regelmäßigen Trwnbetricb in sämtlichen Abteilungen Heimabende eingerichtet worden, die jeden Montag abend in der Unterlindau statt finden.?ferner finden jeden Sonntag,' morgens 10 Uhr, Waldläufe _ Treffpunkt: Sportplatzrestaurant), sowie monatlich eine " größere Wanderung statt. . . Z- Bernhard Sektes, musikalisches Trauerspiel „Die Hochzeit des Faun" wurde am' Wiesbadener StaatSthcater mit Erfolg aufgeführt. '. - Die Ag- Ifr. Jugendgruppe'teilt mit: Der Sanhedrin-Schiur (Dr. Ehrmann) findet erstmals Montag abend 9 Uhr statt. W Donnerstag, den 15. Dez., abends 6-F Uhr, findet nach längerer Unterbrechung wieder der , Chaurew-Kursüs für Damen (Leitung: Dr. Ehrmann) statt. Lin beliebtes Geschenk schwarzer \elour •Chiffon. bevorzugt für Abendkleider. Prüfen Sie Auswahl and PreiBWÜrdigkeit: dieses begehrten Stoffes an unserem Lager. ROBINSOHN V- - ' ' J