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Neue jüdische Presse · 1921-12-08 · Heft 46 (8.12.1921) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 46 (8.12.1921)
Date
1921-12-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Erscheint wöchentlich aiy Donnerstag. BrzugSpreiSpro Vierteljahr: In Frankfurt an» Main bei der Neuen Jüdischen Presse, auswärts hei der Post abonniert Mk. 4.50 frei in- HauS. Bei Zusendung durch Streifband für Deutsch, land Mk. 30.00. für Ausland 10 ftanz., 5 schweiz. Frcs„ 3 holl. Fl.. 6 Shilling, 8 Dollar lährlich. im Voraus zahlbar. HetzMon uird Expedition: N-antfprt a.M.,La«gestrahe? Fernsprecher Amt Hansa LSYL Herausgeber: Galt? Seis JnsertionspreiS für die sechsgespalteue NonparMle-Zerle 850 Psg., für die R^klamezeile Mk. 8.—. Plchtz« und Davmr- Vorschrift ohne Berbtnülichkeit. Annonceu-Annahme Ser der Expedition und in allen nnnoncen-Bureaus. — Konto Lei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4884. ' - IS. Jahrgang. Donnerstag, Leu 7. Kislew 5682 (8. Dezember LS21) Rr. 46. Inden in der Naturwissenschaft von Tr. Felix A. 2 ei! daher. Verlin-Wilmersdo, f. II. Botanik. Fraglos har die lünsttiche Ltbschneidiuig der Juden Deutschlands von Grund und Boden und ilire ursprünglich von eigenen Trieben beeinflußte Hingabe an die Tätigkeit des PermittlerS, also de-S Kaufmanns, das Interesse an aer Natur herabgesetzt. Wir erwarten dah.r eigentlich unter den Juden nicht viele Männer, die sich mit der Botanik, einer an sich nicht sehr einträglichen Wissenschaft, bcichäsi tigen- Wir müssen uns wundern, wein» wir sie aber auch auf diesem Gebiet stark vertrete» finden: dir Lösung dieses » Rätsels ließe sich wohl nur in ihrer starken geistigen Inter-- efsicrtheit erklären, die an allen Lebeiisvocgänge» üverrenlie» Anteil ninrmt. Wie in der Medizin und in der Chemie zeigt sich ein praktischer Einschlag ihrer Forschertätigkeit. Fast alle jüdischen Botaniker sind Experinientalphysiologen, wie überhaupt diese Form des F-orscl-ens auf sie zurücigeht -'ähnlich wie sie sich auch als Aerzte vor allem in der Experimentalpathologie betätigen). Strasburger, Sachs und Wiesner sind die Väter dieser Bersuchsanstalten, ohne die heute jede wissenschaftliche Botanik undenkbar wäre. Zwei Fragen fanden dabei von den jndisckw» Fachleuten eine besondere Beachtung, nämlich die der Befruchtung nnd di: de-S Chlorophylls. Strasburger, der ein Mitarbeiter Hacckels war. hat auf histologisch-cntivicklnngsgeschichtlicye.n Fels in vielen ■ Untersuchungen die „Befruchtung bei den Koniseren", die „Desläubnng der Gymnospermen", über „Befruchtung und Zellteilung" sowie „Zellbildung" grundlegende Funde gemacht. Die Welt der Konifere», Angiosvermc». Gymno .spönnen hat er der Wissenschaft erschlossen. Mit weiteren Arbeiten wie die Wirkung des Nichts nnd sie Wanne auf die Schwärmesporen.nähert er sich dem Wirtuiigsseld 'Julius WieSnerS, dem. Direktor des pslanzenphykio- .logischen. Instituts in Wien. Wicsner hat diese Beziehungen zwischen Licht und Begetationsprozeß in den Vordergrund seiner Experimente gestellt. „Die heliotropische» Erscheinungen im -Pflanzenreich" waren die Frucht dieser Arbeiten. WicSncr arbeitet außerdem noch auf dem. Gebiet , der Anatomie der technisch vorhandenen Rohstoffe des Pflanzenreiches. Auch der Experimenlalphysioiog.' Juli u s L a ch s , hat die Eiiiwirkimg des Lichts auf die Lebensprozesse der Pflanze, aus die Stosiüildung. Keimung, ans Wachstum und Bewegung der aisimilierten Stoffe in den Pflanzen in zahlreichen Arbeiten unserem Verständnis nähergedracht. Seine Lehrbücher, Vorlesungen uiw Abhandlungen und 'die Arbeiten seines Würzburger Instituts zeige» ihn „als einen.' der bedeutendsten Botaniker" tHandwörtcrbuch der 'Näturw iffenschaften). N at y anaet P ring-S he im, ails einer jüdischen .Familie Obcrschtejiens ^entsprossen, die eine größere Zahl bedeutender Wizsenschastler, Künstler und Großindustrieller hervorbrachte, verdankt seine Ernennung zum Mitglied der Königs. Akademie einer wichtigen Entdeckung., Man hatte bis 'dahin bei den .Algen und ähnlichen Pflanzen die Fortpflanzung durch die einfache Zellteilung angenommen, als eine ungeschlechtliche Are der Vermehrung. Pringsheim konnte 'Nachweisen, das; Tüberaus primitive Organe, -Zellteilc, die keinerlei Gefchlcchtscharatter aufweiseu. dennoch die Sexualorgane vertreten und' als solche fungieren. Aber auch seine über Jahre hinaus sich'erstreckenden Untersuchungen gehörten dem rätselhaften Stoff der Pflanzen, jrneitr grünlichen Etwas, da-4 der Fachmann Chtoropdytl rlcimt. Und dieses . Pflanzengrün ist nach Pringshcnn eine Schutzvorkehrung gegest die Einjlüsse des p'i.h!s. P rings heim konnte dabei die Einwirkungen des Lichrs in verschiedenen Farben und in verschiedener Intensität Nachweisen. Er! konnte aus den Chlorophyllkörpern der Pflanzen, die in voller Assimilationstätigkeit begriffen sind,, durch Salzsäure einen braunen, öligen Stoff aussckteidcn, der^ich riach einiger Zeit kryskqllisigrte. Dieser Stoff, Hypo - chMin, tzdäs erste .NssimiKtionSpkodüktdes .Wachstums, komite er nicht nackstoeisert in -der ^Dunkelheit wie bei sehr starkem und blauem Licht. Mit diesem-Fund-war der Einblick in das Werden und"Wachftn der Pflanze gegeben. " Jüdische Chemiker haben das große Problem dann aufgegrisfen und an seiner Klärung mitgearbeiret.^t Ein anderes Feld suchte sich ein Landsmann und Zeitgenosse Priiigshcims. Es ist dies der Vater des Gocrbeforfchers Otto Ludwig, der selbst noch an? den Namen Ferdinand Julius Cohn hörte. „Cohns Name ist." sagt Professor Metz, „in der Wissenschast einer' der leuchtendsten des zur Rüste gehenden, an bedeutenden Männern fast überreiche». Jahrhunderts. Als Forscher hat er der Wissenschaft neue Bahnen gewiesen: als einer der ersten deutschen Stilisten.hat er in voe tisch schöner Sprache seiner Zeit das Verständnis für die geheimsten Wunder der belebten Natur erschloss',,: als edler Mensch war er gelobt von allen, die il,n kannlen." Bivgc Jahrbuch 1808.; . Schon als 21 jähriger Mensch konnte er Nachweisen, daß die berühmte Blnlerjch-inung der Hostien aus das Wirken eines Battriums zurückznsübren ist. Ein Jahr soäter fand er neue, wichtige Entdeckungen auf dein Gebiet der Zcllnlas und Protoplasma-Physiologie, deren eine die Aehnlichkeit der tierischen und pslaiiz'ichen, Zelle betraf. Daraus baut sich heute die ganze Physiologie auf. Praktisch wichtiger war die Erforschung einer durch Pilze hervorgcrusencn Pflanzen Krankheit und die erste Pilzerkrantnng eines Tieres. Nach Schleiden hätte sehlerhnt'r Standort, schlechte Ernährung nsw. die Schttld an den AuSschl-ägen der Pflanzen gegeben. Eohn konnte Nachweise», wie ein mikrostovischer - Pit; in eine gesunde Alge eindrang, sie zum Abstcrben brachte und dann neue Algen besict- 1S51 lCohn ist 1828 geboren) entdeckte er das Wesen der Fliegenkrantheit. Trotzdem griss Bitlroth, der grüßte deutsche Chirurg seiner Zeit und Meier, der größte Botaniker, ihn an. als er die Spezisizität der Keime (die damals alle für ein und dasselbe gehalten wurden, die nur den Charakter hatten, je nach Ort und -Zeit sich zu verändern! nachwkes, als er die Eigenart der einzelnen Bakterie» lehrte. Aber Cohn zeigte den pathogene», zymogenen. den photogenen und den chromogenen Charakter der Keime, und er war es der den phantastischen Lehren über Urzeugung den letzten, Stoß versetzte. Er wies den legren Anhängern der Urzeugung nach, daß ihr Vorkämpfer Bastian mit seinem Versuch sich getäuscht hatte. Er konnte zeigen, daß in diesem Beispiel es sich um Svurei, eines Bazilllw handle, der einige Zeit die Siedehitze vertrage und daß dieser Keim in dem äuge zogcnen Käse stets schon zu Beginn enthalten sei. Eine Unzahl wichtiger Arbeiten hat Cohn geliefert, allein sür die Landwirtschaft wichtig waren seine Unter suchungen über den Kieferwickler, die Erdrauvcnkrankheit, über Jnsektcnleideii des Getreides und Stockfäule des Klees, über Getrcidckäser u. a. Diese Pslanzentranlheilcn wurden späterjvon Paul Soraner als spczialfach weiter verfolgt. Zca. Die- Baron Hirsch-Slistnr.g Jewistz Cotonisalion Association Z.Jea") hielt in Pari-- unter dem Vorsitz von F r. Philippson ihre Generalversammlung ab. Dem der Versammlung vorgelcgten Tätigkeitsbericht über das. Jahr 1820 ist u. a. folgendes zu entnehmen: Die 8 argentinischen Kolonien zählen (jcticc 27 078 Seelen und befinden sich wirtschaftlich in der vcstcn Entwicklung. Auch die beiden brasilianischen .Kolonien mit mehr als 1800 Seelen entwickeln sich günstig. In Brasilien und Argentinien werden die jüdischen Siedlungen zu- Anzi.hungszentren sür di; jüdischen Einwanderer. Die „Trade School" in New York hat letztes Jahr 292 Schüler ausgebilder. Sw unterhält 7 Werkstätlen für Typographen, Metallarbeiter, Maschinisten, Bleiarbeiter, Elektriker. Chauffeur-Mechaniter und Optiker. Die „Jewish Agricultural and Industrial Aid Society" konzentriert ihre Anstrengungen in der Landwirtschaft. Sie begünstigt die füd. Kolonisation, kommen den jüd. Landwirten bei Wahl und Kauf des Terrains zur Hilfe und beurteilt die besten Merliotzen der Nutzbarmachung. ... In -K a n a d a bestehen gegenwärrig ungefähr ijjO jüd. tandwirlschasttiche Betriebe mit zirka '2500 jüd. Seelen und .*). Auch die Arbeiten neuer Pflanzenphysiotogen »z. B- Magnus) knüpfen an das Problem des Wachstums an. Interessant. ist, daß übrigens als' der beste Kenner der Flora Deutschlands erne Jude Asch er ko hu gilt. einer Dodenfläche von zirka 60 700 Hektar, di; annähernd -17,00000 Dollar Wert besitzen. Die Heroen dieser Betriebe sckkäyt man ans' eine Million Dollar und ans eine halbe Million ihre Clerälschaiten. Die J-.hr.sernte w rd auf eine Million geschätzt. Die Bevöllecung c>e - landwirtschafr i'he.i Kolonien der „Jca' auf der Insel Zypern stieg i.n Dez. I02-) nur 160 Seele» mit l-!80 Hektar. Die jüd- Bevölkerung im Wirkungskreise der ,.Jca" in Palästina zählt beute mehr als- 10 0'OÜ Seelen. Ungefähr 2-b.Xt Kinder besuchten lstÄO die Schule.» 'in den verschddenen Zentren. Das Werk der „ Jen" in P «U« wuroe UfiJi» durch die militärischen Operativ,ic.i geschädigt. Trotz den Schwierigleilen haben diese Jistitute ihre LevenSsähigteü bewahrr nnd manckre von ihnen gedeiyen sogar. Wir nennen hier nur die zw.i professionelle i Schuten Warschaus, die Besitzung von Czenstockau, die Berufsschule von Czenstochau, diejenigen von Lodz und Wilna, die Leihkassen von Wilna Piotrköw, Bialvstok haben zu funktionieren begonnen. In Kieiiivoten, reorganisierte sich die Domänie von Slobodka- Lcsna, ebenso wie die Leihkassen, ivelche schon große Dienste erweisen. Das Schulwesen in R u m ä n i e n har 1020 ernste Fortschritle auszuweisen. Die zerstörten Ortschaften sind alle neuerbaut- Die Schulen funktionieren nornia!: die 21 von der „Jca" unterstützten Jnstittttioyen zählten >020 .1422 Schüler. Die Emigration, d.e 1010 »tnvedentend geolieveu ist, nahm 1020 größere Dimensionen an und von allen Seiten wurden an die „Jca" Gesuche gerichtet- Die Pariser Direkt tion hak sich an Ort und Stelle von den dringendst:» Bedürfnissen Kenntnis verschafft. Es wurdest Maßregeln getroffen in Danzig, in Antwerpen, Rotterdam. Genua usw-, lim den örtlichen KomitSeS zu Hilfe ,;u kommen und die Basis für eine neue Organisation zu schaffen. Dieses Werk wurde jedoch gestört durch die Bedingungen in den über-- seeischcn Ländern. Ueberall waren di; Pertreiec der „Jca" cingcladen, sich zu diesem Zweck zu organisieren, um die freie Einschissung der Ankömmlinge zu sichern, ihnen zu Helsen Arbeit zu finden und sich rinzitrichten im Inneren des Lundes, in Argentinien, in Brasilieir, in den Vereiitigteme Staaten, in Kanada, wo inan im Noo. 8—9000 Ankömmlinge zählte und wo äußerst energische Maßregeln getwgea werden mußten, um die Jnstatsierung der Renankömmlinge zu erleichtern. Die „Jca" yar 1020 ihre Zusammeuardei: -nit der Alliance Jsraelite fortgesetzt, ebenso wie mit einer ganzen Anzahl jüd- Organisationen, deren Objekt den von der- „Jca" verfolgten Bestrebungen entspricht. Tag«ug m AiouMsGM Mrsppe«- verbaudes für Heffeu Md Hefieu-NaffL». Am 27. -Noovr. ragte in ''Wiesbaden der Gruvpen-- vecbaizö für Hessen und Hessen-Rasiau. Der Tagung wohnte« der erste Vorsitzende der Zionistischen Bereinigung für Deutschland R«htsanwalt Felix Rosenblüth.-Berlin, sowie der Sekretär der Zionistischen Bereinigung. Otto- Lehmann- Berlin, bei. Am Vorabend der Tagung hielt RechtSnnw. Rosen-' blüth einen össcntlicken Borkrag über ,F)er Zionismus nach dem 12. Kongreß." In sachlicher und überzeugender Weise setzte er sich mit der heutigen Situation im 'Zionismus auseinander und gad der zahlreich erschienenen Zn- Hörerschaft viel Anregung. Die Distussion, in der Dr. Goldstern vom Vorstand der Ortsgruope des Zentral- Vereins sprach, gab dem Redner Gelegenheit, im Schlußwort auf ein; Reshc von Anfragen überzeugend zu an:- warten. Wir konnten nach dem Bortrag durch Rücksprache mir einer Reihe von Nichtzionisten feststel'ten, daß die oornehme und ruhige 'Art des Herrn Rosenblürh. der ssch nichr scheut, auch Schwächen unserer heutigen Situation frei und offen zu. erörtern, die Gegner gerade von doc Stärke unserer Position überzeugt. Die Grupvenverbaildsragung selbst war von Vertretern der Ortsgruppe Wiesbadeir. Frankfurt a. M-, Mainz. Darmstadt. Fulda, Gießen-Wetzlar, Cassel, sowie dem Bertraüensmann aus Sterbsritz besucht. Eine Reihe von Ortsgruppen hatten mehrere Vertrete? entsandt. Au der Tagung nahmen als Gäste teil: Stadt- und BezirKrabbiner Dr>

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