Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1921-11-24 · Heft 44 (24.11.1921) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 44 (24.11.1921)
Date
1921-11-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2692297-2693227-2693271--11670-2707157
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 2. Nr. 44. Neue Jüdische Presse. fioit hat die Hilfsaktion für die jüdischen Flüchtlinge in Bessarabien zu organisieren, die>'im Zusammenhänge mit dem Evakuationsdäret der rumänische« Regierung in besondere Notlage geraten sind. Berlin. Wie der Verband der Deutschen Juden mitteilt, sind — entsprechend seinem Antrag — in Preußen die Angelegenheiten der jüdischer^ Gemeinden nunmehr.vom Ministerium des Jmiern aus dos Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ' übertragen worden, was Gleichstellung mit den christlichen Religionsgesellschaften bedeutet. Warschau In der Mittwechstbung des Parlaments wurde die Debatte über die Vorschläge der Regierung und des Staatschefs in der Wilnaer Frage (Wahl eines Parlaments, welches über die Zugehörigkeit der Wilnaer Gebiete entscheidet) zu Ende geführt. Von der Annahme dieser Vorschläge hatten die Regierung und Pilsudski ihr Verbleiben im Amt abhängig gemacht. ^)ie Rechtsparteien hatten alles aufgeboten, um die Regierung und den ihnen verhaßten Staatspräsidenten Pilsudski zu stürzen. Angesichts der schweren Konsequenzen, welche ein Sieg der Rechten in dieser Frage 'für den Staat gehabt.hätte, beschlossen die jüdischen Abgeordneten, ihren früheren Beschluß auf Stimmenthaltung zu reassumieren und für die-Regierung zu stimmen. In diesem Sinne war auch die Erklärung gehalten, welche namens der jüdischen Volksparteien der Abgeordnete Hirschhorn abgab. Er wies darauf hin, daß die Vorschläge der.Regierung der erste Schritt in der Anwendung des Selbstbestimmungsrechtes seien, und legte dar, daß die jüdischen Abgeordneten als Vertreter derjenigen Nationalität, gegen welche die frühere polnische Regierung und auch die jetzige eine Politik der Unterdrückung führen, das' volle Recht und die Pflicht hätten, die Gelegenheit zum Sturz der Regierung aüszunützen, daß sie aber dies nicht tun,!weil sie keine Staatskrise Hervorrufen wollen. Die Erklärung erregte im Parlament großes' Aufsehen. Bei -der namentlichen Abstimmung wurde der Antrag der Regierung mit 171 gegen 158 Stimmen angenommen. Diese Majorität wurde eigentlich durch die. Vertreter der Minderheiten erreicht. Dieses Ergebnis der Abstimmung führte zu Lärmszenen der Rechtsparteien. (Wien. Morgenztg.) Statatta. Kreinin, D--. Klee - Berlin und Ela eie r- Paris von der Exekutive der Jüd. Welthiffskonferenz und Dr. Kowals kh von der Rewyorker ,Hias" wurde im Ministerium empfangen, mcd es wurden Vereinbarungen hinsichtlich der jüdischen Durchwanderer aus Rußland getroffen. Zionistische Nachrichten. Frankfurt a. M. Die Tagesordnung des in Wiesbaden stattfindenden Gruppcnverbandstages lautet: Samstag, den 26. Nov., abends 8 Uhr, Große öffentliche Versammlung (Aula des Lyceums am Schlossplatz). Thema: Der Zionismus nach dem 12. Kongreß; Redner: Rechtsamv. Dr. Felix Rosenblüth, Berlin, Vorsitzender der Zion. Vereinigung für Deutschland. Sonntag, 27. Nov., 10 Uhr vorm., Loge Plato, Friedrichstr. 87, u) Begrüßung; b) Hauptreferat: Die innere Lage des Zionismus, Referent: Rechtsanw. Dr. Rosenblüth. Berlin; c) Referat über die Tätigkeit des Gruppenverhandes mcd die kommende Winterarbeit, Referent: Jakob W o l f f, Frankfurt a. M.; ä) Diskussion über Punkt c; e) Antrag auf evtl. Verlegung des Gruppenverbandes; f) Wahlen zum Vorstand. Lzernowitz. Die zionistische Landesorganisation veranstaltete am Jahrestage der Balfour-Deklaration ein Festbankett, auf dem als Ehrengast der englische Konsul John Cameran folgende Worte sprach: ,Die Geburt einer Nation ist selbstverständlich ein großes Ereignis in der Welt, aber die W i e d e r g e b u r t einer Nation nach 2000 Jahren ist etwas noch' viel Größeres. Es ist ein Ereignis, das nur möglich war bei der jüdischen Nation, die, obgleich auf der ganzen Welt zerstreut, durch! so viele Jahrhunderte es verstanden hat, ihre Tradition und ihre Ideale zu bewahren. Ich brauche wohl kaum zu sagen, baß wir Engländer ftir die jüdische Nation großes Interesse haben. Das ins Englische übersetzte Alte Testament bildet einen der Grundsteine unserer Literatur. Im britischen Reiche, dessen Fortschritt so sehr vom' Handel abhängig ist, bilden die Juden ein wertvolles Element. Aber nicht nur im Handel. Soll ich! Sie an den Name« Disraelrs, eines unserer berühmtesten Premierministers, erinnern, oder an, den Lord Readings, unseres großen Oberrichters und gegenwärttgen Vizekönigs von Indien? Meine Herren! Sett meiner Ankunft in Czernowitz habe ich Gelegenheit, Zeuge.des Enthusiasmus zu sein, mit dem die zionistische Bewegung ausgenommen wurde, ganz besonders von der Jugend, die Sie Chaluzim nennen. Ich kann nur sagen, daß ich! mir, wenn ich ein zwanzigsjähriger Jude wäre, nichts ^Schöneres und Uealeres würde denken können, als in /solcher Gesellschaft nach Palästina zu gehen." Aus -er Misrachi-Bewearmg. New Bork. Das Misrachi-Zenttolkomitee bat die Jahreskonserenz auf den 20.—23. November nach Neiv- Dork einberufen. $er?ottcttett «. lleitte Mitteilungen. Berlin In dem Prozeß wegen Schnitzlers „Reigen" zeigte sich, daß es sich bei diesem Prozeß weniger um eine Aktion des verletzten Sittlichkeitsgefühles, als um eine organisierte antisemitische Kampagne handele.. Die s. Zt. im Theater inszenierten Skandale hatten aus- I gesprochen anttsemitischen Charakter. Auch vor dem Gerichtssaal hörte mau immer wieder antisemitische Aeußerungen. Insbesondere die Zeugen erklären offen, daß sie einen Kampf gegen'das „Judentum auf der Bühne" führen. Die nationalistische Presse begleitete de» Prozeß mit antisemitischen Glossen. (J.P.Z.) Altoua. Am 31. Oktober fand das 25 jährige Stiftungsfest des Jsr. Wissenschaft!. Vereins statt, der auf.Anregung unseres Oberrabbiners Dr. Lerner von Wolfs Möller.mit dem Ziele ins Leben gerufen wurde, die heiligen Ueberlieferungen Israels in die Herzen der Jugend und der dem Judentum Entfremdeten! einzupflanzen. — Bei der stilvollen Feier hielt Oberrabbiner Dr. Lerner die Festtede, welche von großen Gesichtspunkte» ans die Gesamtleistungen des Vereins in Vorträgen und Studien darswllte und in ihren Ausführungen über Zeit wird Ewigkett die zahlreichen Hörer stark fesselte. Der Verein hat eure Jubiläums-Plakette herausgegeben, die besonderen Wert durch das Bildnis des berühmten Rabbi Jonathan Eibeschütz f. A. hat. Rust (Amt Ettenheim). Frau Heilbrunner feierte ihren 100. Geburtstag. Wi-n. Proiessor Anton Beitelheim, der bekannte Literaturhistoriker, beging den 70. Geburtstag.— Oberrabbiner C Hajes erhielt von einer Dame eine Spende von einer Mi l lion Kronen, darunter 400 000 Kr. für die Verein. Jüdische Kinderfreunde und 200 000 Kr. für das Heim für jüdische blinde Mädchen. Wien. Mitten in rüstigem Schaffen ist der bekannte Maler Professor Isidor Kaufmann verschieden. Er erreichte ein Alter von 70 Jahren. vudapeft. Ignaz Goldzieher, Universitätsprofessor, Generalsekretär der Kultusgemeinde, ein angesehener Orientalist, ist — 71 Jahre alt — verschieden. Bakel. Dr. Felix Lewandowskh, ordentlicher Professor der Dermatologie und Vorsteher der dermatologischen Klinik, eine Koryphäe seines Berufes und ein vornehiner Mensch, ist — erst 42 Jahre all — verschieden. Er war ein Verwandter des Komponisten Louis Lewandowsky und des Philosophen 'Hermann Cohen. — David ben Joseph Kahan, der sich mit seinen religionsphilosophischen Aufsätzen bereits einen Namen gemacht hat, hat Bafel nachi siebenjährigem Auseythatt als Student und als Lehrer am' Beth-Hamidrasch verlassen, um nach Jerusalem überzusiedeln. Kahan, ein begeisterter Anhänger der Ideen von Rabbi A. I. Kook, wird in dessen jüngst begründetem „Akerkas Horaw" eine hervorragende Stellung einnehmen. Der junge vielversprechende Gelehrte hat sich mit seiner idealen Gesinnung, die er in Lehre und Leben kündete, in Basel, vor allem' unter der Jugend, eine stattliche Gemeinde von Verehrern geschaffen, die seinen Wegzug außerordentlich bedauert. (J-P-Z.) » II Gigarrenhaus „Löwen"£ck“ Arthur ß-öder Hauptgeschäft: Gr. Esohenheimeratr. 4. Neueröffnete Filiale: Trambahnwartehalle Zell an der Friedberger Anlage. II II Paris. Leonhard Rosenthal erklärte sich bereit, 40 ukrainische Waisen auf seine Kosten erziehen zu lassen. Ctucluati Als Nachfolger des jüngst abgedankten Dr. Kaufmann Köhler wurde Dr. Julian Morgenstern zum Letter des Rabbinerseminars gewählt. M. ordinierte 1902 an dem hiesigen Rabbinerfeminar als Rabbiner. Er ist 43 Jahre all. Jerusalem Dr NachumSlousch, früber in Paris, wurde von der Regierung zum Leiter der jüdischen Abteilung des eröffneten palästinensischen Museums ernannt. | David Hoffman» s. A ß .Berlin,' 21. November. Professor Dr. David Ho ff mann, der ehrwürdige, allgemein verehrte Rektor des Berliner Rabbiner-Seminars, der anerkannte geistige Führer der Rabbiner Deutschlands, ist Sonntag mittag 2 Uhr verschieden. Die Beisetzung findet Dienstag vormittag statt. Dr. Salomo« Bamberger-Hana». 3nm 1. JahrzeitStag. Am 24. Cheschwa u ist bereits ein Jahr vollendet seit dem so frühen Heimgang des Prov.-Rabb. Dr. Salomon Bamberger f. A. in Hanau, und noch ist es uns schwer, in den Gedanken finden, daß uns dieser geistige Führer genommen ist. Das Bild seiner überragenden Persönlichkeit steht vor unserem geistigen Auge in unverminderter Frische und Lebendigkell, wie sie stets von ihm ausstrahlten und befruchteten, mochte es in Mündlicher oder schriftlicher Form geschehen. ' Zu den genußreichsten Stunden zählen wir vor allem seine Lehrtätigkeit, galt sie Erwachsenen oder Schuit. Er beherrschte als erste Voraussetzung aller ersolgreichen Lehrtätigkeit den Stojf in meisterhast klarer Weise und verfügte über ein reiches Wisse», das von frühester Jugend' an sorgfältig vorbereitet war, unterstützt von einem erstaunlichen Gedächtnis und einer peinlichen Exaktheit. Dazu gesellte sich die glückliche Begabung einer angeborenen Lehrbefähigung. Plastisch wußte er die Gegenstände vor die Seelen seiner Zuschauer hinzustellen, Schwierigkeiten zu entwirren, die Gedankengänge klar zu entfalte». Mit sicherer Hand führte er seine Schüler durch die schwierigsten Stoffe. Er verstand es ebenso gut, mit den Kleinen Alaph- Bes zu lernen — dies tat er in seiner Ansangsstelle in Burgen — als mit jungen Menschen aller Altersstufe» T'nach, Mischnah und Talmud zu pflegen — wie er dies in reichstem Maße uird mit großem Erfolge als Leiter der Präparandenschule in Burgpreppach zeigte —. Eine stattliche Anzahl jüdischer Lehrer Deutschlands saßen dort zu seinen Füßen. Und im Kreise betagter Talmide Chachomim hat der damals erst 26jährige dort als Distriktsrabbiner Meisterhaftes geleistet und 'sich -rasch zum Führer der Alten gemacht, die willig sich ihm beugten und ihn als- Rew verehrten. Aufs glücklichste wurde seine Lehrtätigkeit unterstützt durch seine liebenswürdige, gewinnende Persönlichkeit, mille d'bedichatha lagen chm -so natürlich!, daß es ihm jederzeit gelang, die Seelen zu erschließen. Sein tiefes Gemüt, sein Zartsinn gewannen ihr» schnell die Herze». Kein Wundtr, daß man B. sehr bald auf den schwierigen Posten des Hanauer Rabbinates berief, für den er gerade durch seine Persönlichkeit so sehr geeignet war. Mit tiefer Wehmut gedenken wir an diesem Erinnerungstage und mit uns ein weiter Kreis all dessen, was wir verloren haben und segnen die Stunden und Jahre, die uns an seiner Seite gegönnt waren, daß wir'ihm wenigstens für jene Zeiten nähertreten durften, um für Lebenszeit reiche Anregung zu gewinnen, so daß wir in vollendeter Weise von ihm' sagen dürfen für und für: „Secher zaddik liwrochoh." Nürnberg, im Cheschwan. Frankfurter Berichte. Ehrung des Rahviners Dr. Rodel. Der 50. Geburtstag des Rabbiners Dr. Nobel gibt der Jugend des Blau-Weiß Veranlassung, zu Ehren dieses Führers einer geistig strebenden jüdischen Jugend eine akademische Feier zu veranstalten. Die durch den Raum diktterte Beschränkung macht es erforderlich, Anmeldungen zur Teilnahme schriftlich einzureichen. (Siehe Inserat!) Personalie«. Karl Herzberg, -Direktor der Deutschen Effekten- und Wechsel-Bank, langjähriges Vorstandsmitglied der Israelitisches Gemeinde, beging den >70. Geburtstag. — Jsaac M. Mainz, einer der bekanntesten und angesehensten „alten Frankfurter"', eine Zierde des traditionstteuen Judentums, und seine Frau geb. Fuld feierten am 22. Noveiyber die g o l b e n e H o ch z e i t. Nottze«. Der Verein selbst, isr. Handwerker und Gewerbetreibender hat sich eine Frauengruppe angegliedert, in dessen Vorstand wurden gewählt die Damen: Schwarzschild (Vors.), Schloß (2. Vors.), Richard, Wolf, Aretz, Sondheimer und Gans. Ein Unbefugter rief hiesige Adressen telephonisch, im Namen der Beratungsstelle für ostjüdische Flüchtlinge an, ein Trupp FLichtlinge sei angekommen, und es fehle aN Kleidern und Wäsche. Es swürde denn von dem' Schwindler der Versuch gemacht, die Gegenstände abzuholen. Frankfurter Veranstaltungen. Talmud-Thora-Verein. (Hörsaal Gemeindesynagoge Börneplatz.) (B: Dr. Braun, G: Groß, L: Lipinsky, U: Unna, O: Oelbaum.) Freitag abend, nach Schluß des Gottesdienstes: Vortrag (Dr. H. Speyer). Samstag, 11*): Schulchan Aruch (U), 3^: Rasch i (L), nach Mincha: Mikro (U). Sonntag, nach Schacharis: Mischua (G), 9: Schulchan Aruch (L), 91/2*): Gemoro (U), nach Mincha: Newiim (U). Montag, n. Schacharis: Mischna (G), 61/*" En Jaäkauw (U). Dienstag, nach Schacharis: Schulchan Aruch' (U), 8(4 abends: Tefillovortrag (I. B. Levy). Mittwoch, nach Schacharis: Mischna (G), 61/4: Chauwaus j Halewowaus (B). , Donnerstag, nach Schacharis: S.chulchau Aruch (U), 8c/»*): Gemoro (U). Freitag, nach Schacharis: Mischna (G). Schiur f. Damen: Sonntag, 6: Dinim (U). Fortbildung für jg. Leute: Samstag: 3—4: Gemoro (G), Montag, 71/2: Gemoro (U), 8: Gemoro (G), Mittwoch, 71/2: Gemoro (G). Fortbildung f. Knaben: Samstag, 3: Schulchan Aruch (Abt. A. (U), B. (O), C. (O), D. 41/2 (O), 6V2: Gemoro (U), Montag, 41/2: Mischna (Abt. C. und D. (U), Dienstag, 41/2: Mischna, B. (G), 6: Mischna, A. (U), Donnerstag, 41/2: Gemoro, A. (U), Mischna, B. (G). Zu beachten: Der Vortrag I. B. Levy findet wieder regelmäßig Dienstag statt. Verein Hauptsynagoge Samstag, 4, Hauptsynagoge: Lehrvortrag. Montefiore, Mittwoch, 8(4, Goetheplatz 5: Was bedeutet uns die heilige Sprache? (Walter Fischel). *) Religionsschule Hermesweg 27.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.