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Neue jüdische Presse · 1921-11-24 · Heft 44 (24.11.1921) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 44 (24.11.1921)
Date
1921-11-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I { Erscheint wöchentlich am Donnerstag. BezugspreiSpro ' .^Vierteljahr: In Frankfurt am Main, bet der Neuen Jüdische» Presse, auswärts Hei der Post abonniert Mt. 4.50 frei inS HauS. Bei Zusendung durch Streifband für.Deutsch, land Mk- 30.00. für Ausland 10 fianz.. 5 fchweiz. Frcs„ . .3 holl. Fl., 6 Shilling, 2 Dollar jährlich, im Boraus^zahlbar^ Redaktion und Expedition: Frankfurt a. M., Langestraße Z Fernfprecher Amt Hansa LSvS Herausgeber: <Saly Geis InsertionSpreis für die sechsgespaltene Nonpareille-Zeile 200 Pfg., für. die RÄlamezeile Mk. 5.—. Platz- und Datum- Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Annoucen-Annahme bei der. Spedition und in allen Annoncen-Bureaus. — Lonto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Rr. 4864. 19. Jahrgang. Donnerstag, den 23. Cheschwan 5682 (24. November 1921) Nr. 44. AbrahamS Lebeuskuust. „Dies sind die Tage der Lebensjahre, die Abraham gelebt hat: 175 Jahre. , r . In einem guten. Alter, reif und. satt, starb Abraham;mb wurde zu seinen Genossen ausgenommen." Der grandioseste Nachruf, der das Leben, einer fürstlichen Erscheinung im Menschenkreise zusammenfaßt, wird hier in zwei kurzen Sätzen gegeben. Jeder Tag dieses Lebens war gelebt, keiner war verloren, und wie die Frucht nrit ihrer Reife den Zweck erreicht, für den sie geschaffen wurde, so war >auch Abrahams Erdendasein erfüllt, als er an der Pforte des Jenseits anklopfte. Wer möchte nicht auch .in. einem guten Alter, reif und satt, abberusen werden,'— und dennoch, wie selten sind bifefe. Lebenskünstler? Abraham mußte sich loslösen vom Elternhause, von der Heimat und vom Geburtslande und begann in der Fremde, ganz auf sich allein gestellt, seine Laufbahn; ein Fremdling war und blieb er, so daß ihm, dem Hundertvierzigjährigen, nicht einmal das Stückchen Erde zu eigen niar, in denk er seine Frau begraben konnte, und ' dennoch gestaltete sich vom ersten Tage an, da er den: Rufe in die Ferne gefolgt war lund so auf alle nicht selbst errungenen Vorteile Verzicht geleistet , hatte,-jeder Tag zu einem wertvollen, reif seine Frucht, die er spendete, nnd voll köstlicher Sättigung für,den Spender selber, Segen ausstreuend auf die Umgebung und Abraham' selber Segen gewährend. Das Höchste, was menschlicher Ehrgeiz erträumt, ward Abraham' beschert: von den Fürste», den Mächtigen der Erde, als ebenbürtig betrachtet,' in Reichtum lebend unddieses Reichtums sich freuend und mit ihm erfreuend. Und wenn jemand, nach dem' Wundennittel fragt, das den Weg ■ Abrahams auch ihn zu führen vennag, damit auch sein Leben voll gelebt werde, so lautet die Antwort: Gottvertrauen-- „Abraham hatte sein Vertrauen auf Gott gerichtet, und Gott rechnete ihm dies als Pflichtgerechtigkeit an." Selbst in der schwersten Stunde seines Lebens, als von Gott der'Befehl an ihn erging, seinen Isaak zu opfern,- — selbst in dieser Stunde verließ ihn nicht die Ruhe, die wahres Gottvertrauen gibt. Diese Ruhe hält zurück vor der Sünde, diese Ruhe macht weise, diese Ruhe macht jeden Tag zu einenl im Sinne Gottes gelebten und bringt damit das höchste Glück "wahrer innerer Befriedigung als Ergebnis treuester Pflichterfüllung in jedenr Augenblicke. Es ist nur wenigen Menschen die Grüße eines Abrahams heschieden. Geistige Begabung und glänzende Gestaltung des materielsen Geschicks fiitb Gaben auf den Lebensweg, die unabhängig von dem Willen des Menschen sind. Aber den Willen, sich von denk Vertrauen zu Gott Seiten zu lassen, diesen Willen kann ein jeder haben, und dieser Wille genügt, damit die Seele zu ihrem Schöpfer „reif und satt "heimkehre, reif, da sie das erfüllte, was ihre Bestimmung auf Erdeu war, und satt, da sie jede» Augenblick im Gedenken an ihren Schöpfer zweckbewußt durchs lebte; Die Legalifiermrg der jüd. Emigration aus Sowjetrntzland - In Kow no fanden in der letzten Woche Besprechungen statt, die zu einer Uebereinkunft von weittragender Bedeutung für die Regelung der jüdischen Emigration aus Sowjet- Rußland führten. . Die litauische Regierung, vertreten durch den Minister des Innern Skipitis,. den Minister für jüdische Angelegenheiten S o l o w e i t s ch i k und den: Vertreter des Landschutzministeriums Brigadechef Merkis einerseits, und die Repräsentanten des Exekutivkomitees, der jüdischen Welthilsskonferenz S. R o f e u bäum,' Präsident des jüdische» Nationalrates in Litauen, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee-Berlin, Dr. M. Kreiuin-Moskau, Dr. M. Kowalsky-Newhork, Rechtsanwalt Dr. Leo Gläser - Paris, andererseits, haben einen Vertrag abgeschlossen, dessen Inhalt >vir folgendes entnehmen: . ' Nach diesem Vertrage gewährt die litauische Regierung denjenigen jüdischen Emigranten ungehinderte Einreise nach Litauen, dessen Ausreise die Sowjetregierung, mit der ebenfalls dauernd Verhandlungen geführt werden, gestattet, d. h. zunächst vor allem den nächsten Verwandten in Amerika naturalisierter Bürger. Es sollen in Litauen alle Einrichtungen getroffen werden, die genügende Wohugelegenheit, die »rötige sanitärhygienische Hilfe und nötige Verpflegung garantieren, um eine geregelte Durchwandernng zu ermöglichen. Auch in bezug auf die Erteilung der erforderlichen Visen und Legitimationen sind eine Reihe erleichternder Maßnahmeir vorgesehen. Das Erekutiv-Komitee übernimmt es, der litauischen Regierung jeweils die Listen der Emigranten vorzulegen, die für die Einreise in Aussicht genommen werden. Abschrift dfeser Listen wird die litauische Regierung ihren Vertretern in Sowjetrußland und in der Ukraine zustellen mit der Anordnung, den in die Liste eingetragenen Emigranten die erforderlichen Bisa zu erteilen. Mit denr Bau der Einrichtungen, Baracken u. a. m., den das Exekutiv-Komitee der jüdischen Welthilfskonferenz übernommen hat, soll tunlichst 'sofort begonnen werden. Die Registrierung der Emigranten ist auch bereits in die Wege geleitet, so daß zu hoffen steht, daß im nächsten Frühjahr eine geregelte Emigration über Litauen ihren Anfang nehmen wird. Die Haltung der litauischen Regierung — der Minister des Auslvärtigen Puritkis erklärte, daß es ihn freue, an einem völkerverbindenden Werke der Humanität »ritarbeiteN zu können — wird nicht nur den jüdischen Emigranten zu gute kommen, sondern auch ihre Wirkung auf die litauischjüdischen Beziehungen nicht verfehlen. Raudvemerkuugeu. In Halle hatte der Staatsanwalt ein Einschreiten gegen die .„Hällesche Ztg." ab ge lehnt, die gegen den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens die Verleumdung erfunden hatte, er habe Leute gedungen, um eine deutschnationale Versammlung zu sprengen und den Redner zu töten. Erst auf Verfügung des Justizministeriums wurde das Verfahren eingeleitet. Dagegen war in einer anderen Stadt — Wolgast — der Hüter des Rechts sehr schnell zur Stelle, als ein jüdischer Kaufmann Damenstiefel in-reinem' Leder zu 112.50 Mark anpries und sich ergab, daß wohl Sohle, Brandsohle und Oberleder reines Leder waren, Kappe und Wsatz aber meist gus Pappe bestanden. Und der den Sünder zu 200 Mark Geldstrafe verurteilende Anitsgerichtsrak Gahrmann meinte in seiner schriftlichen Urteilsbegründung, der Angeklagte müßte schon als „Angehöriger der jüdischen Rasse" über die erforderliche Materialkennknis verfügen. - * Hier wird ein recht bedeutungsloser Fall lehr ernst genommen, denlr der Preis der Stiesel Ivar mäßig, und bei seiner nicht korrekten Reklame hätte der Kaufmann tut guten Glauben gehandelt haben können. Dort wird eine aus Bosheit und Schlechtigkeit geborene Handlung, die weite Kreise des Volkes vergiftet, gewissermaßen als ein gutes Recht der Politik sanktioniert. Diese und andere Vorkommnisse werfen einen grellen Schein auf das Eindringen antisemitischer, deutschnatioiialer Anschauungsweise auch in den Richterstand. Selbst die ehrlichste Absicht, objektiv zu urteilen, muß in der Regel der Subjektivität weicheil, sobald starke Affekte der Zuneigung oder der Tlbneigung den Richter beherrschen. In einer solch aufgewühlten Zeit, wie unsere Tage sind, ist es daher keineswegs verwunderlich, wenn häufiger als sonst an den Gerichten das Rechtsgefühl weiter Kreise verletzende Rechtssprüche ergehen. Gegen diese Erscheinung läßt sich nur in der Weise ankämpfen, daß jeder nrit seiner Lebensarbeit dazu beiträgt, die Wogen zu glätten, den Wirrwarr zu entwirren. Don spezieller jüdischer Seite sollten daher die führenden Persönlichkeiten der Gemeinden, dir Bnei-Brith-Logei« -und der Centralverein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens mit aller Energie gegen rücksichtslose.Erwerbssucht, gegen Luxus, Unbescheidenheit uiid auffallendes Auftreten; ihre Stimme erheben. In Predigten und in Borträgertz wäre immer wieder und wieder zu zeigen, wie sich das Judentum auf sozialer Gerechtigkeit, auf Rücksicht. gegenüber den Rechten des Nebenmeuschen aufbaut. Schlichte Einfachheit selbst bei Hochzeiten und Bereinsfeierlichkeiten müßte im jüdischen Leben von der öffentlichen jüdischen Meinung; endlich erzwungen werden. Jedenfalls müßte versucht werden, die Rcibungsflächen, an denen sich, der Judenhaß immer wieder entzünden kann, zu verringern. Dies hätte zu geschehen neben dem Kampf für unser gutes Recht! Erez Israel. Wachsender Widerstand gegen General StorrS. Einen Tag nach denr arabischen Angriff in Jerusalem versmmnelten sich ettva 200 jüdische Kaufleute in der Handelskammer, um die durch den Ueberfall geschaffene Lage zu besprechen. Nach '.kurzer Aussprache wurde beschlossen, alle jüdischen Läden bis zum Empfang ausreichender Garantien fiir die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung geschlossen zu halten. Als ein Antrag einging, von der palästinensischen Regierung auf Grund der letzten Erfahrungen die Demission des Gouverneurs General Storrs zu verlangen, wurde die Versammlung durch einen, telephonischen Anruf des Gouverneurs unterbrochen. Storrs bemühte sich, die Sitzung 'zu schließen und die Kanfleute zur Oeffnung ihrer Läden zu.bewegen. Man erwiderte ihm jedoch, daß die jüdischen Kaujleute das Vertrauen zu ihm verloren hätten, da sie jetzt, nach dem 2. November, sich nicht mehr auf feine Sicherheitsmaßnahmen verlassen könnten. Eine Deputation der Kaufleute begab sich dann zu Storrs und wiederholte, daß sie sich von irgendwelchen Versicherungen nur' überzeugen lasse, wenn sie von Leuten, ausgingen, die auch in der Vergangenheit ihre Versprechungen gehalten hätten; im.übrigen forderten sie eine Unterredung mit dem Oberkommissar. Dieser Wunsch der Deputation wurde sofort erfüllt. Sir Herbert Samuel erklärte dann, daß er nach eingehender Beratung mit den Militärbehörden sagen könne, daß die Lage gesichert sei. Einige Höhere Offiziere, die der Oberkommissar im 'Laufe der Unterredung hinzugezogen hatte, bestätigten ihrerseits, daß der Friede. verbürgt sei. Die Deputation erstattete hierauf der noch immer tagenden Handelskammer Bericht, und diese beschloß, die Versicherungen des Oberkommissars anzunehmen und die Geschäfte zu öffnen. Deutsches Reich. Die Beiträge der Schulverbänüe bezw. Schulgemeinde» zur LaudeSschulkaffe betragen nach dem Erlaß vom 25. Juni 1921 jährlich mindestens: 1. für jede planmäßige Lehrerstelle 9600 J6; 2. für jede planmäßige Lehrerinstelle 8600 J6; 3. außerdem für jede Schulstelle der Besoldungsgruppe 2 und 3 2000 J{; 4. in Schulverbänden und Schulgemeinden, deren Lehrer und Lehrerinnen einen höheren Ortszuschlag als den der Klasse E erhalten, außerdem für jede Schulstellc Ortsklasse 0 360 .H, Ortsklasse C 720 M, Ortsklasse B 1200 Jt, Ortsklasse A 2000 M Nach de» dem Verband der Deutschen Juden zugegangenen Mttteilungen wird ein großer Teil der jüdischen Gemeinden, die öffentliche jüdische Volksschulen unterhalten, nicht in der Lage sein, die aus der vorstehenden. Aufstellung sich ergebenden Beiträge an die Landesschulklasse abzuführen. Es erscheint daher zweckmäßig, daß diese Gemeinden schon jetzt an das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung einen Älntrag auf Gewährung von Sonderzuschüssen zum Lehrergehalt richten. — Die Gehaltszahlungen an die Leher sind gesichert, da diese von der Landesschulkasse auch dann bewirkt werden, wenn die Beiträge der einzelnen Schulverbände bezw. Schulgemeinden dort noch nicht eingegangen sind. Kurze politische Nachrichten. Bern«. Am 15. November sind die Vertreter des Exekutivkomitees der jüdischen Welthilfskonfereuz Angel» 'Sulain aus Venedig und Schriftsteller Nachum Herrin an n aus Paris nach Bukarest abgrreist. Die Delega-

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