Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 43 (17.11.1921)
- Date
- 1921-11-17
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 2 - bahn verbrachte, weilte jüngst auf Einladung der rumänische,! Regierung sechs Woche« lang dorten nick, war über Liefe Einladung anscheinend so entzückt, daß er nicht nur alles im rosigsten Lichte sah, sondern auch die für die Erhaltung des rumänischen Judentums notwcitdigen Fordes ruugen der Minoritätrnrechte opferte. Deshalb .beschuldigte er gelegentlich seiner Berichterstattung auf 'der letzten Sitzung der Anglo Jewish Associatio» die'Zionisten der Störung der judenfreuodliche» Politik Rumäniens, das seine Juden rumänisieren, d. h. assimilieren will, llnd Dr. Gasler ist — Rabbiner! 8rez Israel. Et«wauderu»g nach Palästina. Von, l. Scpteinber bis 15. Oktober find insgesamt 1650 Juden nach Palästina cingewandcrt. Der amtliche Ausweis läßt erkennen, daß 11-50 Einwanderer in Jaffa und 500 in Haifa gelandet sind. Außer einer Gruppe von '250 Personen, die erst Mitte Oktober cingetrosfen ist und deshalb noch nickt eingereiht werden konnte, gibt cs gegenwärtig in Palästina keine. Erwerbslosen. Deutsches Reich. Jüdischer Bahuhofsdienft. Der vom H i l f S v e r c i n d e r D e n t f ch e n Inden vor einiger Zeit übernommene jüdische Bahnhofsdienst am Schlesischen Bahnhof in Berlin wird entsprechend der dauernd steigenden Zahl von Emigranten weiter ausgcstaltet, denn die Zahl der Emigranten hat die monatliche Durchs«.,nttshöbr von 5000 Personen erreicht. Im Reiche ist besonders der jüdische Bahnhofsdienst in Osnabr ü ck vor schwere Atlsgaben gestellt. Trotz der Schwierigleiten, die in einer kleinen Stadt Beherbergung und Derptlegung großer Transporte bei kurzer Aufenthallszeir vielen, ist es möglich gewesen, die Fürsorge fü: Hie Turchwanderer venniltels eines ehrciianttlichen, mit großer Hingabe des Amtes waltende» Komitees in bester Weist' zu regeln. In Bentheim kontrolliert ^den Durchwanderer-Ber-i kehr ani dem 'Bahnhof da» dortige Schntzkomitec des Hilfsvereins der Deutschen Jtckrn. Dauerhelm für erwachsene jüdische Schwachfiunige. Seil »lehr als 10 Jahren besteht die Jsr. Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Binder in Beelitz (Mark). In dieser Zeit hat sich das Bedürfnis in immer steigendem Maße herausgestelti, sür diesenigeu Insassen, die ■ durch die Anstalt nicht sonvil gefördert werden können, um in das Lebe» hinaus entlassen zu werden, eiir Dauerheim zu schassen. Auch die zahlreichen Anfragen, die ständig bei der Leitung eingehen, lassen erkennen, das; ei» Notstand in dieser Richtung bcstehl. Es, Trat sich nun dem Borstaiw eine Möglichkeit eröffnet, ein Änstaltsgebäude toflenlos zur Lersügung gestellt zu erhalten. Gestützt hiermit hat der Borstaiw beschlossen, sich ein Bild von dem.Umfange des Bedürfnisses einerseits, und andererseits pon den zur Verfügung stehenden Mitteln zu verschaffen. Dabei wird besonders damit gerechnet, daß ersahruiigsgemäß die Angehörigen älterer Schwachsinniger, geneigt siitd, das Erbteil der dauernd Uiiterzubringende» der Anstalt zu überlassen, und daß manche Wohltäter, die BerständniS für die seelische No, der Angehörigen von erwaMenen Schwachsinnigen besipcn, geneigt sein dürsten, größere Summen iür das segensreiche Werl zur Verfügung zu stelle». Daher» erläßt der Verein an die jüdische» Gemeinden Deutschlands Fragebogen, die sich mit der Feststellung der Personalien erwachsener Schwachsinniger beiderlei Geschlechts und mit der Ermittlung der für das Projekt eventuell zur Verfügung stehenden Mittel befassen. Da es in Großgemeindc» schwer sein dürste, das erforderliche Material beizubringN, so wäre es crwüiiichi, iveirn die Leser dieses Blattes das Vorhaben durch ihre Mitarbeit unterstützen würden. Fragebogen sind' in jeder gewünschten Zahl durch das Büro des Deutsch-Israel. GemeiiidebiindeS. Berlin W. 35, Lckeglmerstr. 9, I zu beziehen. Deutsch-Oesterreich. Et« antisemitischer Akt. Der österreichische Nationalra! har in der» Schulaussichtsgesetz sür den Wiener Stadtschulrat die Vertretung der jüdischen Konfession g c st r i ch e Ir (mit 39 gegen 82 Stimmen) und die der katholischen rrnd der evangelischen' Konfession (mit 36 gegen 81 Stimmen» bewilligt.-In der Sitzung zeigten die Sozialdeinolraten wieder einmal,' daß sic -in Oesterreich antisemitisch injiziert sind: llugtt». Ungarische Ungeheuerlichkeiten. Ans Blwapest wirb, der „Wien. Morgenztg." berichtet: „Die Regierun g setzt ihre Aktionen zur völligen Ausschaltung der Juden aus dem wirtschaftlichen Leben in brutalster Weise fort. Jeder Vorwand ist ihr gut genug, anch die wenigen Juden, die. »och im Besitze irgendwelcher'' 'Konzessionen sind,- derselben zu berauben. ' So mußte sich in den letzte» Tagen das Rechtsschutzbüro der Budapester jüdischen Gemeinde in Angelegenheit einer' Anzahl jüdischer Trafikanten an die Regierung wenden', welche diesen Trafikanten, weil sie am Jomiippur die Trafik.geschlossen hatten, die Konzession entzog, beziehungsweise mit große« Geldstrafem belegte. Die Leitung des Rechtsschutzbüros täuscht sich wohl selbst nicht über den Essekt dieser Beschwerde, die sicher- Neuc Jüdische Presse. lich dasselbe Schicksal erleiden wird, wie manche Vorstellung dieser Stelle -in der<letzter^ Zeit. Nun holt die Horthy-Regiernng zu einem neuen Schlag aus. Siebzig jüdischen K affe c - u n d. G a st - Hausbesitzern wurde die K o n z c s s i o n zum Ausschank 'geistiger Getränke entzogen, so daß ihnen sogar verböten wird, ihren Gästen einen Tee mit Rum Zu vcrab- ' reichen. Die sogenannte gesetzliche Grundlage für diesen neuerlichen Rechtsraub bildet Punkt 18 des Gesetzesarti- . kels 4 vom Jahre 1921. In diesem Gesetze wird die Revision sämtlicher Konzessionen für das Schankgewerbe ungeordnet- und die' Einziehung dieser Rechte nicht nur dann vorgenonnne», wenn der Betreffende den Exekutivorganen als politisch »»verläßlich erscheint, sondern auck) dann, wenn der Lionzessionsinhaber die ungarische Staatsbürgerschaft erst nach dem 31. Dezein der 1900 erlangt hat, oder wenn trotz der Verläßlichkeit des Inhabers selbst dessen Vater oder nächsten Verwandten sich als unverläßlich erwiesen haben. Wie rajfiniert ausgedacht und geradezu ausschließlich gegen - die Inden gerichtet dieses Rechtsraubgesetz ist, geht aus einer Aeußcrnng hervor, die der Präsident der Budapester Kaffeesiedergenossenschaft, Moritz Reiner, estiem Redakteur des „A Rap" gegenüber hat, Cr sagte u. a.: „Der Nachweis der Zuständigkeit, wie ct in diesen, Falle verlangt wird, ist überaus schwer und für die Juden beinahe unmöglich. Im Sinne der Durchführungsverordnung genügt es nicht, daß der Inhaber seine i Zuständigkeit nachwcist: cs wird überdies nochgefordert, daß er auch die Staats Zugehörigkeit seines Vaters. Nachweise, und sür diesen Nachweis wieder begnügt man sich nicht mit de». Heiniatschein, sondern verlangt den Geburtsschein des Vaters. Dies ist in den meisten Fällen unmöglich. Da haben sie zum Beispiel meinen Fall: Mein Vater wurde vor hundert Jahren in einem Dorfe bei Kascha» geboren, wo es damals überhaupt keine Matrikeljührung gab. Ich bin daher völlig außerstande, einen Geburtsschein meines Vaters beizubringcn. So ergeht es auch den meisten ältere» jüdischen Kaffee- und ' Gastlmusbesitzern." Die Entziehung der Schankerlaubnis. (JPZ.) Das Finanzministerium entzog etwa 1200 jüdische,! Wirten die Schankerlaubnis und ließ gleichzeitig die betreffenden Wirtslokale zugunsten neuer Lizenzempsänger requirieren. II ' II Gigarrenhaus „Löwen-^ck“ Arthur 5^öder Hauptgeschäft: Gr«. Esohenheimepstr. 4. Neueröffnete Filiale: Trambahnwraptahalle Zell an der Fpledbergep Anlage. II 'II Pole». Die Krakauer jüdische Eemeioöe für den Keren Hajejjod. Der Vorstand' der Krakauer jüdischen Gemeinde beschloß gegen die Stimme» der Orthodoxen, 300 000 Kronen sür den Keren Hajessod zu zeichnen. _ Eine Proteftverfannulung jüdischer Studenten, Die jüdischen Studenten der Lembcrger Universität veranstalteten eine Versammlung, um gegen die Zurücksetzungen n. dglch. der jüdischen Studenten zu protestieren. Rntzlano. Progrome 1« der Ukraine i Es hat den Anschein, daß P e t l j n r a und seine Mordbanden .wieder in der unglücklichen Ukraine miiten. Italien. Ein Interview mit Einstein. „Secolo" veröffentlicht ein Interview mit den, in Jtalii’i, wcilcnbcn Professor Einstein. Einstein sagt darin, er halte die Entwicklung Palästinas zu», geistigen und kulturellen Mdischen Zentrum sür viel wichtiger als zu», nationalen jüdischen Zentrum. Die Assimilation seit mit der' einfachsten menschlichen Würde unvereinbar. Er glaube nicht an irgend eine jüdische Superiorität, jedoch sei jüd. Selbstbewusstsein vonnöten, und cs sei der Zionismus, der den Inden dies Bewußtsein ihrer eigenen Würde gibt, damit sic nicht untergehen. Jude« dürfen nicht superior sein und sind es es auch nicht, aber sic müssen existieren und sich ihrer Existenz bewußt sein. Amerika. Kuba als Einwauderuugöland. Die ,Hias" (Jüd. Hilfsgescllschaft für die Einwanderer) hatte, da sich die Vereinigten Staaten der Eintvanderung fast verschlossen habe», ihren Vizepräsidenten Albert Rosenblatt nach Cuba gesandt, um die dortigen Verhältnisse zu, prüfen. Rosenblatt besuchte die Hauptstadt Havanna und hielt sowohl mit den bereits ansässigen Juden wie mit den Einwanderern, wie auch mit dem amerikanischest Konsul Konferenzen ab. Er veranlaßte die aschkenasisch« und die sephardischc jüdische Gemeinde, sich zu einer Ge- Nr. 43. meinde zu vereinigen, gründete eine Filiale der HiaS und ein Hachnosas-Ärchin- und einen Gemilus-Chassodim- Berein. Ein 16-Zimmerhaus, das den Einwanderern Aufenthalt und Herberge, gewährt, ist bereits gemietet worden. I» den ersten Jahren-dürfte das Land jährlich mir etwa tausend jüdische Einwanderer ausnehmen könne». Kurze politische Nachrichten. Prag .Der Ministerpräsident empfing Dr Ludwig Singer, dem Vorsitzenden des Jüdischen 'Nationalrates, der im Namen der koalierten jüdischen Parteien die Wünsche der nationalen Inden ans dein Gebiete der Politik und Kultur vortrug. Dr. Singer wies ans den Umstand hin, daß von den Regierungsorganeil, namentlich in der Slowakei, bisl-cr nur in ungenügendem Maße Rücksicht auf die Ergebnisse der Wahlen, bei denen inehr als die Hälfte der Juden sich zum nationaljüdischen Programm bekannten, genoinmen werde. Der Ministerpräsident erklärte, er verjolge die Ber- . hältnisse im Osten der Republik mit größten, Interesse und rechne bei der Konsolidierung ans die Mitarbeit der Inden, deren Regenerationsbestrebnngrn er begrüße. Perso»»lie» «. flehte MitteU«»se». Berlin. Ter Generalsekretär des Aibeitersüi sorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands, Alfrc-d Berger, wurde vom Leiter des Preußische» Mediziualwesens, Ministerialdireitor Professor Dr. Gott stein, zu einer längeren Unterredung enipsairgen. Der Ministeriah, dircktor nalM mit besonderem Interesse die Mitteilungen über die sanitäre Behandlung und Unterbringung der ostjüdischen Flüchtlinge, die durch die' Stellen des Arbeiterfürsorgeamtes der jüdische» Organisationen Deutschlands, insbesondere in dem Flüchtlings-Asyl in der Wiesenslraße in Berlin, nntcrgrbracht werden, entgegen. Wie das „Bert. Tgbl." melde!, isl Dr. Paul Nar1) a ii, der Leiter des Hilfsvereins der deutschen Juden und langjähriger-Mitherausgeber der bekannten Zeitschrift „Nation", aus der demokratische» Partei ausgetreten »nd in die sozialdemokratische Partei eingetrete». Berit«. Der Dcuisch-Jiraelit. Gemeindedun d vcranstallel z. Zt. bei sämtlichen Buiidesgemcindcn eine E „ g u e t c, die die wirtschaftlichen Verhältnisse ihrer Beamte » llarstellen und gleichzeitig eine Ucbersicht darüber schaffe» soll, in welchem Ausmaß eine Ausbesserung derselben durch Bundes«,ittel erfolge« kann. Darmstadt. Am 2. Marcheschwan verstarb in dem benachbarten Crumstadt Frau Witwe Käthchei, Grüiiebannr inr 72. Lebensjahre nach längcrein Leiden. Sic war eine Tochter des verstorbenen Lehrers Montag in Griesheim und eine gotteSsürchtige Frau und wohltätig gegen Arme. Die Bestattung jand in Gr.-Geran statt nick gestaltete sich als eine Wertschätzung allgemeiner Hochachtung. Möge sie sanft ruhen. Warschau. Der dieser Tage verstorbene Andrzej N i c in o j e w S k i, Herausgeber einer antisemitischen Zeitschrift, einer der belanntesten antisemitischen Demagogen, hat Flavins Josephus „Der jüdische Krieg" ins Polnische übertrage» und hat vor 20 Jahren mit jüdischer Subvention eine Reise nach Palästina gemacht. Paris. Eine von der Baron Hirsch-Stiftung „Jca" zur Erörterung von Emigrationssrageneinberufenc Sitzung beschloß, mit der Jü d i s ch e n, Eni i g ra ti o ns ze ntralc in Verbindung zu treten." An der Sitzung nahm zum erste» Male wieder ein deutscher Jude — Dr. Paul R a 1 h a n - Berlin — teil. Paris. Die Halbmonatsschrift „Le Pcuvle Juif" wird wieder ihre» irüheren Titel „L 'Echo Si o n i ste" annehmen. Philadelphia. Kantor a D. Alexander Groß', ein Schüler des ehemaligen Jüd. Lehrerseminars in Karlsruhe, und Frau Earrie geb. Oppenheim feierten die goldene Hochzeit. Washlugto«. Der Philanthrop. Politiker und Rkchtsgelehrte Simon Wolf, in den Mer Jabren Gesandter in Ägypten, vollendete sein 84. Lebensjahr. New Kork Groß-New-Porh^ zählt jetzt 1600000 Inden, fast 50°.i der Bevöuernng. Es gibt in Newhork 12,.jüdische Theater. Die P i n c u s E l i j a h - S >> n a g o g e, die einzige orthodoxe Synagoge im oberen Westen der 'Stadt, baut mit 100 000 Dollar Kosten eine neue Synagoge. . Fraukfurter Berichte. Alt-Rödelhelm. Im Verlag von Engkert n. Schlosser, hier, ist ei» Werk „?llt-Rödelhei,n in Wort und Bild. Ein Heimatbuch von Emil Hartmann und Paul Schubert (Preis geb.' 70 Mark)" soeben erschienen. Die Seiten 154—160 sind der Geschichte der Juden in Rödelheim gewidmet. Dieses Geschichte beginnt bereits im Jahre 1290, in welchem Jahre Kaiser Rudolf von Häbsburgdie Erlaubnis zur Ansiedluag von 6 Juden gab. Jahrhunderte -lang waren sie gleich den ander» Inden in Deutschland entrechtet. So'mußten sie Sonntags in ihren Häusern bleiben, die Christen durste» mit ihnen nicht gesellschaftlich verkehren. am Sabbat keine Hilfe leisten usw. Ihrehöchste Zakst Hütten die Rödelhcimer Inden im Jahre 1845; damals zählten sie, 421 Seele». . züdlsche Krauesvereiuisu«« D ie Jiid. Frauenverpinigung E. Bteilt'hierdurch ihren Mitgliedern und den Lesern dieses Blattes mit, daß sie mit Beginn des Monats iho' Winterprogramm^-ausgenommen hat und ihre Vorträge und Veranstaltungen swts - in diesen Blättern anzeigen wird. Es' Ist aber bekanntlich