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Neue jüdische Presse · 1921-11-17 · Heft 43 (17.11.1921) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 43 (17.11.1921)
Date
1921-11-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurter Israelitisches Familienblatt Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 1 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Galp Geis Inf ertionSp reis für die sechsgespalteneRonpareille-Zeile 200 Psg., sstr die Reklamezeile Mk. 5.—. Platzmtb Datum- Borschrist ohne Verbindlichkeit. Annoncen-Annahme bet der' Expedition und in allen Snnoncen-Bureaus. — Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4884. Erscheint wöchentlich am Donnerstag. Bezugspreis pro Vierteljahr: In Frankfurt am Main bei der Neue» Jüdischen Presse, auswärts bei der Post abonniert Mk. 4.58 •frei inS Haus. Bei Zusendung durch Streifband für Deutsch, land Mk. 38.88. für Ausland 18 franz., 5 schweiz. Frcs„ 3 holl. Fl.. 6 Shilling. 2 Dollar jährlich, im Voraus zahlbar. 19. Jahrgang. Donnerstag. Le« 16. Cheschwan Sv82 (17. November 1921) Nr. 43. Agudaö Jisroel und Palästiuamandat. Zu der Meldung, dag die d r i l i s ch c Regie r u n g das an sie von der A g u d a s I i s r o e l gestellic Verlangen, die der Z i o n isti s chc n O r g a n i s a t i o n als Vertretung des jüdischen Volkes durch den Mandateiitwurf i», Palästina eingeriiumten Rechte mich aus sie gnszudehne», abgelehnt hat, erläßt der geschästSsühreude 'Ausschuß des Zentralrates der Agudas Jisroel in Wien, dessen Seele Rabbiner Dr. Pinchas Äoy» ist. eine Erklärungdie der Mitteilung der Tatsache folgende Worte anschließi: „Die Agudas Jisroel ivird sich durch diese vorläufige Ablehnung ihres in erster Linie gestellten •Antrages ivcder in ihrer praktischen Erez Jisroel-Arbeil. beirren, »roch von der energischeir Fortsetzung ihres Kampfes um dir politische Geltung der Orthodoxie in und für Erez JiSroet abtzalten lassen. Durclchrungen von der ilebcrzeugung, das; eine lediglich durch die zionistische Partei dargestellte Jewish Ageney keinerlei Recht zur Vertretung der jüd. Volksgesamtheit besitzt, ivird die Agudas Jisroel vielmehr vor allen maßgebende» Instanzen iveiterhin gegen die Monopolisierung der politischen Einslußnahine bez. Erez Jisroels durch eine einzelne, der - Thora neutral gegenüberstehende. Partei Verwahrung einlegcn und die unveräußerlichen Rechte des Volkes der Bibel gegeiüiber jeder einseitigen Partei- Herrschaft nachdrücklich vertreten. Sic ist sicher, dabei auf die kraftvolle Unterstützung der thvratrcnen sich. Massen aus dem Erdenrunde zählen zu dürfen." Hierzu ist zu bemerken: .Ein großer Teil der thorat reuen, indischen Massen .ist nicht in der Lage, die'Politik der Agudas Jisroel gutzuheißen. Rein prinzipiell hält diese der Thora nicht weniger ergebene Orthodoxie eü ideell für ein Unrecht und materiell für einen politischen Fehler, die Zerrissenheit des jtibi scheu Volkes der Außenwelt aufzuzeigen. Diese Orthodoxie hat sich im Misrachi organisiert, um einerseits die Verbindung zunr jüdischen Volksganzen zu wachen und andererseits. Einflußnahme .auszuübcn. Was nun aber den vorliegenden Fall betrifft, so sprc- . chen folgende Gründe gegen die von der Agudas Jisroel , beobachtete Politik. In jahrzehntelanger ausopserungSvoh» lex Pionierarbeit haben die Zionisten all die Vorbedin- ■ güngen geschaffen, die zur Gewährung des Mandates führten, — und nun kommt die Agudas Jisroel, die bezüglich ihrer Tätigkeit in Palästina noch in den AnsangFstadien steckt,' und die ein nationales jüdisches Volksganze — und nur diesem ist m der Zionistischen Organisation. bog Mandat gegeben worden! — verwirft und will gleich- . berechtigten Anteil an den Früchten der Arbeit der Zio »isttsche» Organisation haben. Und das in einem Mo- . lnrnt, da die Gegner des Mandates »nt allen Mitteln . an der Aushebung oder mindestens Schwächung deS Mandates arbeiten! Und das in einem Moment, da die gesamte politische Situation der Judeuheit Palästinas gefährdet ist! In Zeiten der Gefahr ist doch vor allen Dingen erst einmal' Einheit und Einigkeit die selbstverständlichste Forderung! Wir verstehen die Diplomaten der AgudaS Jisroel nicht! Wenn das autonome jüdische Slusbauwerk in Palästina gestört 'und als Folge davon unter Umständen gar zerstört wird, — erfahren da nicht auch die von der Agudas Jisroel vertretenen Interessen ihre schwerste Schädigung?, Die''größte Gefahr für , die Erhaltung der traditionellen Judentums ist die Assimilation; in den Diasporaläüderu ist sie trotz größter Anstrengungen nicht auszühalten, nur ein autonomes jüdisches Palästina bietet die MWichkeit, der Assimilation wirksam zu begegnen. — und -HesWb. brauchen wir vor allen Dingen die Autonomie -Fitdenheit Palästinas, bewußte Förderung all ihrer Wlonblen Bestrebungen. Damit erst ist der Rahmen geischafflin, 'in dein sich Lbhre und 'Leben des traditionellen Judesttums mit Erfolg pröpagieren läßt. - ma wollen übrigelis unsere Freunde von der Aguda mit Ren nichttraditkoitell gesinnten Juden in Palästina milchen? Sie sich selbst zu überlassen, diese Methode läßt sich vielleicht noch in deck Diäsporaländern beobachte», keinesfalls-Er aus dem Boden Palästinas, wo die gegenseitigen Beziehungen um vieles zahlreicher, viel inniger als. in der Diaspora such, denn sie betreffen nicht nur das religiöse Leben. Mristrn das Leben ist all seinen Wider- ' ss»sMlüstgen. Wenn mannun aber, einmal mit chen andersdmHnde» Juden rechnen muß, — welchen Sinn kann es -M'haben, sich dost ihnen ferstzühaften, sie negieren zu tövllen?' •' Der Standpunkt der Agudas Israel macht den Eindruck der Konsequenz, doch iu der Wirklichkeit ist er inkonsequent. Eine thoratrene Judenhcit, als eigener jüdischer Bolkskörper und nicht als Teil des jüdischen Volkstorpecs begrisfcn, kann auf die Dauer keinen Bestand haben, und deshalb kau» die Prämisse nicht richtig sein. Jüdisches Lebe» in Cambridge. Trotzdem in der englischen Universitätsstadt Cambridge ksine jüdische Gemeinde besteht, gibt es durch die Universität doch jüdisches ■ Leben. Dieses schildert I u l i u s H e r m a n n ink „Zionist Record" (Johannesburg) wie folgt: Die eigentümliche Struktur des Cambridger Judentums l;-at zur Acußerung eines größere» Verantwortungsgefühls in Bezug auf jüdische Angelegenheiten geführt. Wenn ich zum Beweise mitteile, daß die Regelmäßigkeit der Gottesdienste und der Besuch deS Gotteshauses mancher südafrikanischen Stadt mit älterer jüdischer Bevölkerung ein Vorbild bieten könnte, so führe ich .eben mir ein Beispiel an. Uebrigens glmibe ich, daß diese Tatsache darauf zurückzuführen ist, daß die Studenten alles selbständig tun und sogar das Amt des Kantors. wechselweise den Mitgliedern ihrer Vereinigung übertragen. In engein Zusammenhang mit der studentischen Bereinigung steht die sogenannte „Shechter-Gesellschast", dio eine höhere Diskussion aller Dinge des jüdischen Lebens bezweckt. Es gehört durchaus zu diesen Veranstaltungen, daß Inden von Weltruf zu den Debatten eingeladen werden, und einmal hatte ich den. Genuß, Israel Zangwclk über „Jüdische Poesie des Mittelalters" und Dr. Hertz über „Jüdisches Denken" sprechen zu hören. Reben diesem Verein besteht noch die „Zionistische Gesellschaft", die zur Pflege jüdischen Lebens nicht weniger beiträgt und die besten Beziehungen zu der Shechter- Gruppe unterhält, was schon daraus hervorgeht, daß die Versammlungen beider Vereine in gemeinsamen Vorbesprechungen verabredet werden,, dmnit die Mitglieder jeder Gesellschaft Gelegenheit haben, die Veranstaltungen der Nachbargesellschast zu besuchen. Die Zionisten sind in Cambridge sehr beliebt, weil sie die jüdische Arbeit der Studentenschaft vertiefen mib so dafür sorgen, daß die jungen Leute auch nach ihrem Studium sich jüdisch betätigerr. Selbstverständlich sehen auch die Zionisten häufig berühmte Gäste in ihrer Mitte, und es war höchst belehrend, Sir Herbert Samuel, dessen Sohn ein eifriges Mitglied der Gesellschaft ist, vor seiner Abreise nach Palästina über den Aufbau von Erez Israel reden zu hören. Zinn Schluß muß ich noch ein Wort über die älteren' Juden in Cambridge, besonders über den Universitätsprosessor Dr. Israel Abrahams sagen, dessen Zuspruch und Gastfreundschaft für alle dort Lebenden sehr wertvoll ist: ferner will ich auch Herrn Herstch erwähnen, dessen jüdisch-persische Schule in Cambridge den Neid mancher rivalisierenden Institution erregt; schließlich .Herrn Fox, dessen umfangreiche Pflichten als' Leiter des Erziehungs- Colleges ihm doch noch gemägend Zeit für jüdische Arbeit lassen. Der 2. November in Jerusalem Am Morgen des 2. November, des Jahrestages der Baljour-Dellaration ließen in Jerusalent die Araber ihre Geschäfte als Protest gegen diese Deklaration geschlosst». Um 10 Uhr rottete sich vor dem. Jaffa-Tor arabischer Janhagel zusammen und zog mit Stöcken zum Postamt. Die Polizei bemühte sich, die Demonstranten zu zerstreuen, ihren schwachen Kräften war stdoch Tein Erfolg beschieden. Im weiteren. Verlaus des Tages ereigneten sich dann viele Angriffe, deren Ziel die jüdische Altstadt war. Die traurigen Folgen dieser Vorfälle sind bekannt; sie sind um so bellagenswerter, als energischere Vorsichtsmaßregeln vor Anbruch des Tages die Unruhen gewiß hätten verhindern können. Die Zionistische Kommission, der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat in Palästina) und andere jüdische Körperschaften verlangen, daß der den Juden nicht gutgesinnte Gouverneur von Jerusalem- General StorrS. bis zum Mschluß einer gründlichen Untersuchung vom Amte suspendiert werde. ' Die normale Lage kann als wiederhergestellt bezeichwerden. Ein .Sondergericht.hat bereits 21 Angreifer abgeurteilt. Die politischen Drahtzieher, die hinter den Angreifern standen, sind über die Wirkung ihrer Kainvagne ossensichtlich enttäuscht, da sie glmiben. daß auf Grund der Jerusalemer Ereignisse das Prestige der gegenwärtig in London weilenden arabrsthen Delegation einen entscheidenden Schlag erhalten hat. Insgesamt siitdJuden und 1 Araber getötet, 32 Juden und '6 Araber verwundet worden. Lord Robert Cecil und die Balfmrr- Dettaratio«. Das „Jewish Correspvildenrc Büro" empfing vou Lord Robert Cecil solgendrs Begrüßungstelegramm an das jüdische Volk: „Viele Gratulationen und gute Wünsche zum vierten Geburtstag der Balsour-Deklarariou. Laßt Weisheit und Mäßigung die Früchte des Baumes sammeln,-den vor vier -Jahren die Ergebenheit und der Genius der Zionisten so erfolgreich gepflanzt haben!" Tagung der isr. Laudesshuode Badens. 'Karlsruhe, 0. Rov. Zn der rnr Sitzungssaale des Laiwtages stattfindenden Versammlung waren erschienen 26 Abgeordnete nnd am, Regierungstisch die Mitglieder des Oberratcs und dir Hilfsarbeiter. Eröffnet wurde die Sitzung mit einer Ansprache des Vorsitzenden des Oberrares, Dr. Moritz Straus- Karlsruhe, wobei er nach einigen Mitteilungen über die noch in Vorbereitung bejindlichen Arbeiten des Verfassungs-AuSschusstS auf die Notwendigkeit der Erledigung der 'Vorlagen (Budget 1921—1923, Besold»ngsvorlagen für Rabbiner sowie Lehrer und Kantoren nnd Gehaltsfrage) dinwies. Dir Vorlagen nrachen.eine Erhöhung des Zteueriiißcs um beinahe das Doppelte nötig. Die Wahl des Präsidiums erfolgte durch Zuruf. Zun» Präsidenten wurde, wie bei der letzte» Synode, Dr. Rathan Stein -Karlsruhe slib.) gewählt, ztnn Vizepräsidenten Eduard Bauer-Mannheim skvns.) und zu Schriftführern Dr. Bloch- Konstanz nnd Dr. D a r m - st ä d t e r - Ladenburg. Rach Erösfnung der ziveircu Sitzung durch den Präsidenten Dr. Nathan Stein gab zunächst Synoüalmitglied Schloßb.erger -Bruchsal den Bericht des HaushaltungSausschussts über den Voranschlag 1921—1923-.?llS notwendig erweist sich die Anstellung eines besoldeten Otstrratsmitgliedes. Ms Steuerfuß ergibt sich von den Vermögenssteueranschlägen 4,5 Z von 100 .<6, Wir den Emkoinmensteuersätzen 31/> P, von 1 .16 Rameirs der Gehaltsregelungskommission berichtete Synodalmitglied Hanptl'ehrer Müller-Heidelberg über die durch die Teuerung notwendig gewordenen Vorlagen beziigsich der KchalKverhältnisst bex Rabbiner, Religionslehrer und Kantoren und deren Ruhegehälter. Gcsamtvoranschlag nuö Vortage» wurde» eiustimnlig genehmigt. Die Festsetzung der Teuerungszulage siir Rabbiner, Lehrer und Kantoren mit Wirkung vom l. Okt. 1921 auf 25 Prozent des Grundgehalts und der Kinderzulage wurde gleichfalls einstinnnig gutgehciße». Zur Besteucrungsordnung wurde einstimmig beschlossen, den Oderrat zu ermächtigen, bei besonderen Umständen an »Stelle der dreijährigen steuerlichen Einschätzungsdauer eine jährlich« Einschätzung vorzunehmen. Aus verschiedene Anfragen bezüglich des Scaiiües der neuen Kirchenverfassnng teilte der Vorsitzende des OberratS Dr. Straus mit, daß zu hosfen ist, daß nn Januar eine Synode zur Durchbrratung der Verfass«ng berufen werden kann. Na«-vemerk»«ge». Dr. G a st c r, der Oberrabbiner der sephardischeu Gemeinde in London, mag ein bedeutender Gelehrter sein. Ob er aber ein bedeutender Mensch ist? Besonders'zu Lebzeiten Herzls trat Dr. Gaster innerhalb der zionistischen Bewegung aktiv hervor, und der Beobachter hatte da stets das Gefühl, als sei er gekränkt, nicht an der ersten Stelle der Bewegung zu stehen. ) Innerhalb der Kriegsjahre scheint sich Dr. Gaster'imn zu einem Assimilanten Nnd Zionismusgegner bekehrt zu haben, denn anders läßt sich seine Beurteilung der Judenfrage in Rumänien nicht erllären. Dr. Gaster, der aus Rnmänien gebürtig ist und dorten die erste Zeit seiner Lauf-

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