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Neue jüdische Presse · 1921-10-28 · Heft 40 (28.10.1921) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 40 (28.10.1921)
Date
1921-10-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 40 f MillW-il. " , (auch Anfertigung nach Maas). Hans Nerger, Hochstr. 26 Hansa 1787. v - -J wiedergegeben, die David A e l l i it, 2. Bürgermeister von Jerusalem, am Schlüsse seiner zweite» Rede (Diskussionsrcdc) anführte: „Mir wurde berichtet, daß einer der angesehensten deutsch-jüdischen Führer vor einige» Wochen in Fr. in einein Vortrage die Worte gebrauchte, „Und wie groß ist schließlich Palästina?" Wenn jemand aus der Spitze des Oelbergs steht, so kann er in der einen Richtung die eine Grenze, in der andern, die andere Grenze des Landes sehen! Ans diese Worte gibt es nur eine Antwort: Hat der Herr die Zahl des ganze n jüdischen Volkes inmitten seiner Wirtsvölker berücksichtigt? Von uns sagte Moses, „Nicht wegen, eurer großen Zahl liebt euch der Ewige, denn ihr seid das kleinste unter den Völkern." Volk und Land könne» nicht mit dem Meterstab gemessen werden. — Hat der Herr vergessen, daß allen Verfolgungen der Welt zum Trotz, dieses Volt his heute lebendig geblieben ist? Und dieses kleine und armselige Volk Israels hat ans die ganze Welt eine» ungehetkic» Einfluß ausgeübt, sein Buch ist ihr Heiligtum, seine Tesilli», sind ihre Gebete! Ihr wißt doch, wie die ganze Welt über das lleberhandnehmen des jüdischen Einflusses klagt. — Das kleine und armselige jüdische Volk hat einen Einfluß, der größer ist als der Chinas mit seinen ungezählten Millionen! Und das Land? Ist es dem Herrn unbekannt, daß es kein Land in der Welt gibt, und sei es noch so groß, auf das der Blick der, ganzen Welt so gerichtet ist, wie auf Erez- Jsrael? Wir wissen von uns, daß das Unser'Land und unser Voll ist. Und keine Kraft der Welt kann uns von dieser unserer Erde vertreibe» und unseren Wert verkleinern. Wir sind sicher, daß das jüdische Land und das jüdische Volk nie nntcrgehen." Ostend-JIpotheKe H. Plochmann, Verwalter Hanauerlandstr. 2 Telephon: H. 2802 VrlnUntersnchungen — rasch und gewissenhaft. - .—. - — Neue Jüdische Presse. Seite 3. Was Vellin sagte, war uns Zionisten nicht neu, durste uns nicht neu sein. Er erzählte von der Anerkennung der jüdischen Rechte auf Palästina durch die Großmächte, von den bisherigen Leistungen in Palästina ans politischem Gebiet: Einsetzung des jüdischen Oberkommissars, Anerkennung der jüdischen' Verwaltung in Stadt und Land. durch die Regierung, Anerkennung der hebräischen Sprache als als offizielle Verkehrssprache, des Sabbats und der Jomimtowim als ossiziellc Feiertage. Als einen gewaltigen Schritt »ach vorwärts bezeichnete U. 'die Erkenntnis von der Notwendigkeit des Zusaiiimcnschlnsses aller Schichten des Judentums in Palästina, eine Erkenntnis, die sich gleich nach der Balfour-Erklärung in allen Kreisen Eingang zu verschaffen wußte. Die innere Organisierung war nur unter Darbringung der schwersten Opfern möglich, aber ihr Znstandekonimen (Bildung des Waad iwri — Stadtvarlament und Waad lemri — beginnendes Staatsparlameut) bedeutet einen große» nioralischen und tatsächliche» Erfolg ans denk Gebiet der neuen Verwaltung, der Selbstverwaltung. Nach Schluß seiner Aussührilngen hob der Redner dir Bedeutung der hebräischen Kultur für das jüd. Volk in Palästina sowohl wie auch im gesamteil Golus hervor und wies an mehreren Beispielen aus der Geschichte dir starke Beeinflussung der Diaspora durch Erez-Jsrael aus allen Gebieten der Geisteswissenschaften Nach, berichtete von der jüdischen Nationalbibliothck, den letzten 'Ausgrabungen im Lande, die — endlich — von einer, jüdi s ch e n Gesellschaft^ geleitet werden, lind — was NellinS, des Pädagogen, ureigenstes Gebiet ist — von der Ausbreitung der Schulen, in denen — selbstverständlich — Hebräisch als Unterrichtssprache eingeführt ist. Vellin wird nach Erez-Jsrael zurückkehren. Geben wir ihm die Versicherung, daß wir hier alles tun werden, um ihn in seiner dornenvollen, aber segensreichen Arbeit zu unterstütze»'. Mnba. «leine Notizen. Der Talmud-Thora-Verein nimmt am SchaboS bereischi? seine Tätigkeit für den Winter 1921/22 mit einem stark erweiterte» Arbeitsprogramm ans (siehe Frankfurter Veranstaltungen). ES finden jetzt wöchentlich 39 (7) regelmäßige Schiurim statt und wurde dem 'Ausbau der Fortbildungsnnterrichte für junge Leute und Knaben besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die Fortbildungskurse, in denen schulmäßig gelernt wird, vereinigen -jeweils nur eine beschränkte Teilnehmerzahl, sodatz ein intensives Lernen ermöglicht wird, worauf besonders hingcwiesen sei. Die Tefiloh-Vorträge des Herrn Kantor I. B. Levy sind:» nun regelmäßig Dienstags abends, 8(4 Uhr, statt, dieselben nehmen mit einem Vortragszyklus über die Schinauno-Esro am Dienstag, den 1. November, ihren Anfang; für die Freitagabend sowie die Tesilohvorträge ist die Teilnahme von Damen erwünscht, ferner wird noch auf den jeweils Sonntags stattsindenden DinimknrS für Danien hingewiesen. Frankfurter veraustaltnugen. Talmud-Thora-Berein. (Hörsaal Gemeindesynagoge Börneplatz.) tA: Aron, B: Dr. Brau», G: Groß, L: LipinSky, U: Unna.) Freitag abend, nach Schluß des Gottesdienstes: Vortrag. Samstag, 11*): Schulchan Aruch -(U), 3'/i: Raschi (L), nach Minchq: Mikro (U). Offenbacher Druckluft-Anlage Offenbaoh a. M. Telefon 123. Unübertroffene Teppichreinigug mittelst Druckluft. Sonntag, nach Schacharis: Mischna (G), 9(4: Schulchan Aruch (L), 9(4*): Gemoro (ll), nach Mincha: Newiim (11). Montag, n. Schacharis: Mischna (G), 6(4: En Jaakanw (11). Dienstag, nach Schacharis: Schulchan Aruch (1k), 8(4 abends: Tesillovortrag (I. B. Levy). Mittwoch, nach Schacharis: Mischna (Gl. 6(4: Chauivaus Halewowans (B). Donnerstag, nackt Schacharis: Schulchan Aruch (11), 8(4*): Gemoro (U). Freitag, nach Schacharis: Mischna (G). Schinr f. Damen: Sonntag, 6: Dinim (11). Fortbildung für jg. Leute: Samstag: 3—1: Gemoro (G), Montag, 7(4: Gemoro (11), 8: Gemoro (G). Mittwoch, 7(4: Gemoro (G). Fortbildung f. Knaben: Samstag, 3: Schulchan Arnch (Abt. A. Unna, B. Oelbanin, C. Aron), 6(4: Gemoro (Unna), Dienstag, 3: Mischna (L Aron), 5(4: Mischna (A. Unna. B. Groß), Donnerstag. 5>4: Gemoro (A. Unna), Mischna (B. Groß). Freie s I ü d. L e h r h a u s, Börsenstr. 7, Samstag, 7(4: Das soziale Problein (Dr. May), 8(4: Juden in der neueren Dichtung (Dr. Salzberger), Dienstag, 6(4: Wissenschaft von Gott (Dr. Rosenzweig), 7(4: Christentum (Dr. Strauß), Mittwoch, 6(4: Unsere Zeit (Dr. Kracauer), Donnerstag, 7(4: Die heilige Schrift (Dr. ^traust). Jüdischer Turnverein, I. T. B. Heim und Bür»: Unterlindau 21. Turnzeiten: Herrenabt.: Mittwoch, 8, Mauerweg 1; Zöglingsabt.: Montag, 8, Deutschherrnkai 17; Knabenabt.: Montag. 5 Uhr nachm., Mauerweg I; Dmnenabt.: Donnerstag, 8 Uhr abends, Wittelsbacher Allee 10; Mädchenabk-: Donnerstag; 4 Uhr nachm., MttelSbacher Mlee 10. — Sonntag 7—12 vorm., Riederwaldwiese (Endstation 18): Sport. Leah, die Fisch Verkäuferin. Skizze ans dem russisch-jüdischen Leben von Ben-Avigdor. Aus den: Hebräischen übersetzt. (Fortsetzung.) „Ich bedarf Ihrer Zurechtweisung nicht!" erividerte jener entrüstet, „weiß schon selber,- was Ordnung heißt." „Woher aber nehmen Sie die Befugnis, die Mädchen zu schlagen? Gehört das mit zum Ordnunghalten?" *) Religionsschule Hermesweg 27. Konditorei und Cafö Mi. Ia au bens teilt Hohenxollernstraase 18. - Telephon: Hansa 985. Spezialität: Ananas-Törtchen und Pralines* Jedem das Seinige. Roman von M. Pulvermann. (Fortsetzung.). - „Das mag fei». Aber es war doch so ein aufregender Abend für mich, daß ich alles andere vergaß." „Da hatte ich nachher Gelegenheit, mit Deinem Gatten längere Zeit mich zu unterhalten." . . „Bei welcher Gelegenheit Du ihn natürlich hast ganz gehörig abfallen lassen. Eigentlich müßte ich darüber' böse sein," lächelte Ellen. „Wie konntest Du Dich auch unterstehen, meinem Gatten einen Korb za geben?" „Weil ich Dich nicht fallen lassen durfte, selbst wenn ich die Neigung dazu hatte," sprach Alice gelassen. „Habe ich »sich nicht Dir als eine Art Bürgschaft angebotenl? . Höbe ich Dich nicht zu meinem Schützling erkoren?" Die junge Frau sah sie verblüfft an und schüttelte den Kopf. ' „Hast Du vergessen, daß ich mich verpflichtete. Dein' Führer, Ratgeber und Dolmetscher zu sein, wenn Du eines solchen benötigen solltest?" Ellen setzte sich kcrzengrade und ergriff Alice' beide fiände. „Glaubst Du denn, daß ich auch nur einen Augcnlick das vergessen könnte? War es doch erst gestern, daß -ich cs Artur sagte, wie sehr ich Ursache habe. Dir dankbar zu sein! Ich sagte ihm auch, welcheMühe Du Dir in jener fürchterlichen Stunde gabst, um ineine Zweifel zu beschwichtigen . . ." -'„Du hast es ihm gesägt?" „Sollte ich denn nicht?" . .. „Und auch, was ich noch weiter ,für Dich tun will-"' ■ „Das allerdings nicht: denn wie hätte ich es mich nur andeuten dürfen, daß ich an seiner Seite noch eines aiibevii Helfers. gebrauche» könnte! Er hätte mir ja zürnen müssen, wenn ich dadurch zu erkennen gab, daß ich Schwierigkeiteir.. erwarte, die er nicht beseitigen, Mißverständnisse, . die er nicht aufklären, Widerspnäche, die er nicht in Einklang bringen könnte?" ■ „Du hast recht: Das durstest Du ihm nicht sagen. Und nun nur noch eine Frage, Ellen: Seit tvir damals diese Sache , besprachen, hast Du seitdem Gelegenheit ge» habt. Dir eine bessere/Meinnng zu bilden?" _ „ Ellen schlug die Augen nieder , und sprach nur sehr langsam: ... a „Alice, Du bist grausam. Du willst nur nur eine einzige Frage stelle», — doch sie ist schwieriger zu beantworten, als tausend andere. Zunächst muß ich verneinen, daß ich Gelegenheit hatte, mir eine andere Meinung zu bilden. Zu viele äußere Einflüsse waren an der Arbeit, mich von einem inneren Nachdenken abzuhalten: meine Verpflanzung in eine ganz andere Welt — anders kan» ich es nicht bezeichnen —, sodann die vielen neuen und befremdliche» Sachen, die inich verwirrten, und vor allem, Asice, meine Glückseligkeit. Bis jetzt habe ich daher noch gar nicht Zeit gehabt, inein Innenleben zu beginnen. Aber das eine kann ich Dir sagen, daß ich seit meiner Heirat noch nicht ein einziges Mal das Verlangen empfand, zu beten!" „Auch das kommt sicherlich noch." „Ich weiß es nicht. Mir will es scheinen, daß es besser ist, lute es ist." Mit verschlungenen Händen saß sie ^>a, den Blick in die leere Ferne gerichtet. „Das wäre schlecht von Dir," sprach Alice mit einem Ernst, der auch durch das Lächeln nicht abgeschwächt wurde. „Doch dafür kenne ich Dich doch zu gut. Ich bin fest überzeugt, daß Du bald zu einer andern Ansicht kommen wirst." > Ellen schüttelte den Kopf, als wollte . sie dadurch ihren Zweifel noch unterstreichen. Mit einer raschen Bewegung stand sie auf und veranlaßte dadurch die Freundin, ihrem Beispiel zu folgen.- „Dachgeht nicht, Alice. Du bist doch nicht den weiten Weg hergekonnne», um meine unsterbliche Seele, zu sondieren, sondern, um mit mir ein Fest unsterblicher Freundschaft zu feierst. Wir wollen uns zu den Herren begeben, dmnit sie uns helfen, diese Stunde festlich zu begehen." Lachend umfaßte sie die Freundin und öffnete die Tür, um aber bald verblüfft stehen zu bleiben. Bor der Tür, von der Gasflamme hell beleuchtet, stand Chaje Rachel, die sicherlich, gelauscht hatte und jetzt ohne Bewußtsein ihrer Ilngehörigkeit langsam die Treppe hinunterging. Um den peinlichen Vorgang zu verwischen, eilte 'Alice der alten Frän nach und sprach, lächelnd: „Frau Klaßner, wollen Sie mir nicht wenigstens ,Gnten Abend!' sagen?" Die Alte starrte sie mit harten Auge» an und sagte dann mit einem schlauen Lächeln: „Guten Abend, gute» Abend! Ja, ich kenne Sie doch, da Sie schon mit der feinen Frau mit der goldenen Brille hier waren. Ja, Sie wären besser -für ihn gewesen als jene dort!" Alice blickte die Freundin verlegen an. die kreidebleich, mit zusammengepreßten Lippen am GAänder.lehnte. als suche sie dort irgend eine Stütze. Chaje Rachel war schon längst wieder fort, bevor Eklen auch nur ein einziges Wort hcrvorbringen konnte. Endlich sprach sie: „Alice bleibe einen Augenblick hier. Ich bin gleich wieder Zurück." Alice war wie versteinert und bewegte still den Kopf. Ellen ging mit schnellen Schritten hinunter und betrat die Küche, gerade als die Alte ihr Abendgebet beginnen wollte. Sie verschloß die Tür und sprach ernst: .Mutter, das war sehr unrecht von Dir. Das hättest Du nicht sagen sollen. Wenn wir allein sind, kannst Du sagen, was Du willst. Wer nicht in Gegenwart anderer. Das ist gegen Deine — ich meine, gegen unsere Religion. Du hast Dich einer schweren Sünde schuldig gemacht, daß Du .mein Blut wie Wasser vergossen'. Artur hat mir dieses erklärt: ohne Grund und Ursache hast Du. mich vor Fremden beschämt." ’ Die Alte gab keine Antwort und entfernte einige Stäubchen vom Tisch, die dort gar nicht vorhanden waren. „Mutter, hörst Du, was ich sage?" fuhr Ellen fort, bemüht, ruhig zu bleiben. „Du darfst mit mir schelten, so viel Du willst, wenn' keiner zugegen ist; ich werde es' mit Gleichmut hinnehmen; — aber vor Fremden darfst Du nicht vergessen, daß ich vor Gott und Menschen die Frau Deines Sohnes bin, ob Du es gern hast oder nicht." Die Worte schienen doch nicht ohne Eindruck auf die alte Frau zu bleiben.' Mit einem Lächeln, das zu ernst war, um als Ausdruck der Freude gelten zu können, aber auch nicht ernst genug, um Zorn zu bedeuten, sprach sie: „Nu, nu! Es ist nicht so schlimm. Du wirst nicht davon sterben." Ellen gab weiter keine Antwort. Leise, wie sie eingetreten, verließ sie wieder die Küche. Hätte sie aber einen Blick hinter sich geworfen, so würde sie etwas bemerkt haben, worüber sie mehr hätte Nachdenken müssen. Es war . Chaje Rachels verwunderter Blick, der einen auffallenden Gegensatz zu der bisherige» sckieinbare» Gleichgültigkeit bildete, daß die Unterhaltung so plötzlich abgebrochen wurde. Noch lange stand sie verblüfft an derselben Stelle, nachdenkend den Kopf hin- und herbewegend, während ihre Lippen fortwährend „Nu, nu!" murelten. Als die Freundinnen wieder das Wohnzimer betraten, wurden sie von Burger mit einer grobkörnigen Schmeichelei empfangen, die Alice mit einen: Erröten und Ellen mit einem unbestimmten Lächeln aufnahm. Burger war überhaupt in der rosigsten Laune und erzählte viel von seinem Leben und seinen Abenteuern in Afrika. (Fortsetzung, folgt.) ^19154 294

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