Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 37 (29.9.1921)
- Date
- 1921-09-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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37. Nr. 37. La» wo iunbc flc güig er durchs Leben, und mancher treffende Bonmot >o>>Mmmrt von ihm. Unter außerordentlich starker Beteiligung wurde er mir 0. Ellul in Bischheim zu Grabs; getragen. Obcrrabbincr schwaxtz- Straßburg, Dr. Schau oll, der Präsident des onsiftoriums, und Rabbiner Dr. W e i l l - Bizchheim würlgten die Verdienste des Atanncs, der so viel fiir die NÄDäjsische Judenheit geleistet hat. Möge Gott den verwaisten l i il indern die Kraft geben, in des Vaters uitd der Ahnen Geiste at g i streben und zu wirken. Murnau am Staffelfee. Im hiesigen Kurhaus stieg Freiherr v. K u o b l o ch aus Cassel init Frau ab. dwj lm anderen Morgen war das Hotel mit antisemitischeir Kdat Zetteln beklebt. DcS Abends, alS dic Gäste in der großen laffe ani See saßen, flammte plötzlich am See ein mächtiges ident sakeiikreuz auf. In dem gleichen. Angenblick stürzte von n Kr snobloch mit mehreren GesinnungSbrüdern ans die Halle ete e »S und die Schar brüllte: „Juden raus! schlagt >pc, Ale Juden tot!" Frauen weinten, Kinder heulten. Ein >bjekt Münchener Maler stand auf und ging vor die Türe. Gleich N«!i lef v. 5knobloch mit seiner Horde hinter ihm her. Als der 1 al Kater wieder in der Halle erschien, blutete er heftig. Fre zie Hakenkreuzler aber tanzten wie besessen um die ent- >ß di landenc Blutlache herum uüd gröhlteu: „Bravo! Jude nilnt!" Endlich rief eine Stimme: „Was habt ihr denn da md d Macht, das ist ja gar kein Jude!" Der Wirt suchte Pr, litte Gäste so gut >wie möglich zu schützen, war aber gegeilt tun ' ‘ ' " " ' ' . ~ iber der tollen Bande machtlos. Am nächsten Tage wurde Knobloch nebst „Gcmahlin" — einem bekannten Easseler Dämclien — von demä Wirte all die Luft gesetzt. Ein Teil iUtru juer Gäste reiste sofort asb. Die tapferen Helden werden sich Degen Beleidigung und Körperverletzung — der blutig ge- 'chlagene Maler mußte einige Tage das Bett hüten '— rtvcHior Gericht zu verantworten haben. Gegen v. Knobloch ist »ußcrden» Anzeige wegen Falschmeldung erstattet. Eiseg. General Soos der .Oberkominandant der BcsrcinngSarinee'^ in der Baranya, kam dieser Tage nach Anja, daS gleichfalls a» Ungarn znrückgefallen ist. Zn seinen» Empfang erschienen im Stadthaus die Geistlichen sämtlicher Konfessionen, unter ihnen auch Rabbiner Heinrich R o s c n f e l d im Orüat. Als der Obergespan V o j - „ich des Rabbiners und des gleichfalls ainvesendeu Direktors des städtischen Spitals, Dr. Rona, ansichtig unirdr, ließ er diesen durch ,dcn Stadthauptniann sagen, Exzellenz Soos telephonierte soeben, daß er keinen Juden zu sehen wünsche. Der Rabbiner und der Oberarzt entfernten sich sofort. In der Stadt, Ivrlche bisher frei voi» Antisemitismus war, hat dieser Vorfall umso unangenehmeres Aufsehen erregt, als die Bevölkerung überzeugt ist, daß Obcrgespan L oj n i ch der» beide» erschienenen jüdischen Funktionären den Afront auf eigene Faust zugefügt hat, obzwar gerade er den Judetl zu Danke verpflichtet ist. Als nämlich während x uns der jugoslawischen Besetzung Obergespan V o j n i ch verhaftet üdisch wurde, und seine Familie sich in größter Verzweiflung . Prä >mob Jnb iuu cteg den d »gm T° rakm, erT« r or rede eu. Hil Jew r de> >e»,! whor! folgen öwisch en wl den c süh che vl jcinnn Rati befand, hat die jüdische Familie Reich die ganze Familie des Obergespans bei sich ausgenommen. Run hat die Bajacr Zudenschaft dicrfür den Dank des christlichnationalen Oberzespans erfahren. Warschau.. Im Alter von 72 Jahren verschied der Pruskowcr Rabbi, I. M. Lipschitz, ein Sohn des Gostininer Rabbi. Neapel. Das hiesige jüdische Emigrantenbüro ist geschlossen worden. ES besteht nunmehr nur in Iriest ein derartiges Büro. » New Aork. Der Leiter der berühmten Lonrser Jeschiwa, Rabbi Jehuda Loeb Gordvn traf hier cin und hatte seitens der Lomser Juden in Newhork einen iufe, weilt, te.? Lots» zchnjä wur! jgetvi, >d fa» gag etragc r Iah »te P Kle anglom Inge r. Re ide, l . rrwi ' : Va> umnt, scht ii eit » lentur »s Re, ist ih in d len. D ibildu, ixsein den istvoll. Jedem das Seimge. Roman von M. Pulvermann. (Fortsetzung.) „Ich danke Di»', Ellen. Aber beruhige ich, cs wird Früher nicht immer so bleiben, cs ist nur vorübergehend, oder später werde ich doch wohl eine bessere 'Anstellung linden. Siehe, Liebling, ich gebe zu, daß dies oder jenes bei ulisercr Verbindung von der ausgetretenen Bahn ein ivcnig abwich; aber es ist geschel)eii, und wir haben uns damit abgcfunden. Jetzt sind »vir ein ganz gewöhnlirlres Ehepaar wie alle andern, die — die — nicht von der ausactretenen Bahn abivichen. Nicht wahr. Herzlieb, wir wollen ans unsere»» Leben kein Problem »nid kein Experiment »lachen, sondern eine herzliche, liebevolle und harmonisch: ' eelengemeiuschast. Es »väre mir mehr als peinlich, geradezu widerwärtig zu denken, daß die Menschen und noch »ichr wir selbst unsere Bereinigung als einen Prüfstein, als ein Exempel, betrachten sollten, »»»» zu sehe»», >o»e eine olche Elfe sich lveiter entwickelt. Ist es nicht auch Deine Ansicht?" .Jawohl, Artur, das ist auch meine Ansicht," erwiderte sie gelassen. „Dann ist diese Angelegenheit für uns erledigt, und wir brauchen.kein Wort ivciter darüber zu sprechen. Jetzt aber, Frauchen, sage »i»ic Deine Ansicht über das Ehelebcu in» allgemeinen." „Ich bin glücklich, Artur, sehr glücklich, anders kann ich nicht sagen. Und wenn . . ." .Eine ehrliche und offene Antwort," unterbrach er sie sröhlich. „Aber Du »volltest noch etwas sagen," drängte er sie. .Ich würde »»och glücklicher, sein, wenn . . ." verwirrt brach , sie ab. Zärtlich streichelte er ihr das Blondhaar. „Ich verstehe, weirn Du Dich erst etwas inehr eingelebt haben »virst. Aber es koutmt alles noch. Ich mache mir darüber keinerlei Sorgen: Du bist ja eiu-Wuiider der Anpassungskxaft. Zunächst hast Du natürlich noch ein bißchen Angst'vor meiner Mutter." 'V , 9?cue Jüdische Presse. glänzenden Empfang. Seine GeldsanNnlung zur Erhaltung der Jeschiwa war bereits in den ersten Tagen von Erfolg gekrönt. Frankfurter Berichte. Personalien. Die Orttzodoxie der Börncplatz - S»i»»agoge hat eine ihrer geachtesten Persönlichkeiten verloren: Börsenmakler Siegfried Herz seid ist auf einem Talimisansflug das Opfer eines Unfalls geworden. Der Verstorbene gehörte viele Jahre dem Simagogeiivorstand an und beiätigte sich gern in GcmiluS-Chesed. S a l l y Kahn, Hegelstr. 17,, Proklirist der Firma Gebr. Seligmanii, blickt'am I. Oktober auf eine ö0 jährige Tätigkeit in diese»n Haufe zurück. Blusenu. Modenhaus Kaiserstrasse 18/20 chilli gegen über de m Frankfurtc r H o f. Herbst- und Winter- Neuheiten Blusen, Jumper, Kleider,. Kostümröcke, Morgen rücke, Mäntel. »leine Notizen. Die „Aglldas JiSroel-Jugeudgruppe" teilt mit: Am Samstag, l. Oktober, eine .L-tiinde vor 'Nacht, findet in den VcreiiiSräunicn zun» Aildcnkci» an den im Kriege gefallenen Sallh Michel ein Jahrzeitslcrnei» statt und a»n 1. und 2. Tag Raufch-Hafchoiioh um 3 Uhr nachm. Tehillimfagen. Seite 3. ^^en-Avtgdor. | Ben - Avigdor (A. L. Schalkowitz) ist am Dienstag, den 20. Septeinber, morgens plötzlich in Karlsbad gestorben, nachdem er nochj am Sonntag mit dem Dichter Bialik z»»sammen bei bester Gesundheit einen'Ausflug unteriwmmeit hatte. Geborei» 1806 »,» Slüdok ^Wolhynien), besuchte er bis zum 18. Jahre die Jeschiwa und begann erst dann» sich allgemeines Wissen anzueigiiei». Sciir publizistisches Debüt gab er 1888 im -„Hmneliz". 1881 wurde er Sekretär des Ordens „Bnei Manscheh", der nationale Ideen durch Broschüren verbreitete. Hierdurch gab Ben Avigdor zwischen 1881—83 mit großem Erfolg 25 Hefte unter dem Titel „Sisrci Agora (billige Bibliothek von Erzählungen und Novelle»)" heraus. Seine Erzählung „Leah, die Fischverkäuser.n" verbreiteten seinen Ruf in der ganzen östlichen Judenheit. 1883 gründete er den Verlag „Achiasaf", aus dem er 1887 iseraustrat, um den Verlag „Tltschiah" zu begtündeit, der eine bedeutende Rolle in der Entwicklung der ln:brüischen Literatur gespielt hat. Auch an der Zeitschrift „Bolkssrennd" und der hebräischen Tageszeitung „HaSmai»" war er beteiligt. Seit zehn Jahren war er der Seniorches des Verlages „Zentral". Ben - Avigdor ist der Schöpfer einer ne»»en Periode in ber hebräisck)cii Literatur: er räumte mit den Tohuwabohu der Haskalah-Perivde ans: seine klare, einfache Schreibweise und sein gesunder, auf Menschen- und Weltkenntnis, beruljcnder Realismus sind das Gegenteil von den Charakttriskislheu jener Periode. Er ist ferner init seinen Verlagsgründungen der Organisator der neuhebräischen Literatur. Ein Mann von unglaublicher Arbeitskraft, von Hellem, klaren, auf das Tatsächliche gerichteten Blick, niit einem ' großen, gütigen Herzen, ha» er nnch in dem sozialen Leben der Warschauer Judentzeir eine bedeutende Rolle gespielt. Seit cinent Jahre hatte er im Interesse der hebräischen Literatur iit Amerika geweilt. Er hatte ans der Rückreise in Karlsbad Statioit gemacht und dachte, nach seiner Rückkehr in Warschau eine Fülle neuer Pläne zur Ausführung ' zu bringe». Mitten in seiner Vorbereitung l>at ihn der Rilf des Höchsten getroffen. In Karlsbad vertrat Beit-Avigdor unsere Zeit»»»g auf dem Kongreß. Uebrigens ist der ganze Familienkreis 'Sein' Avigdors stets aufs Engste mit unserer Zeitung verbundeit gewesen. Sein Bruder, der Schriftsteller und Pädagog S. H. G v l d m a n n, und sein 'Nesse Dr. R a ch n in G o l dm a n i» haben viele Jahre der Redaktion unserer Zeitung angehört, und sei» einziger Sohn, Student 5kaleb Schalks w i tz, gehört ihr noch heute an. Moral des Talmuds. Nach«« Gamsn. Radb» Rachuni, der den Beinamen „Gamsu" führte, »veil er zu allem, was ihm »viderfuhr, sagte: „Auch daS ist zum Guten", war blind und lahm »»»d siechen Körpers. Eines Tages gaben seine Jünger ihrer Verwunderung 'Ausdruck, daß er, der.Fromme, so viel leiden müsse. Der Rabbi erwiderte: „Meiuc Söhne, ich selber trage Schuld an 'meinem Zustande. Einst wollte ich »neineu Schwiegervater beslicheu und führte als Geschenk drei mit Lchensmitteli» schwer beladene Esel mit. Kurz vor dem Ziele meiner Reise trat auf der Landstraße ein kranker, schwacher Manu auf mich »zu und bat, ich möge ihn heilen. „Warte nur, bis ich »»»eine Esel abgeladeu habe," vertröstete ich den Mann. Doch darüber verging einige Zeit, — „Gewiß. Dennoch glaube ich, daß wir zusammen anskomnten werden." „Jawohl. Hat sie heute schon mit Dir gesprochen „Sie sagte,' daß ich nach einein Fleischgericht sechs Stunden »vartcu muK ehe ich Milch zmu Tee nehmen darf." „Das ist ja großartig!" lachte er. „Das bciveist, daß sie endlich aiifängt, von Deiner Aiilvescuheit Notiz zu nehmen. Ich gehe eine Wette ein, daß sie Dich innerhalb der nächsten acht Tage fragen »vird, wie Du Ijei&t, und bald wird das gegenwärtige peinliche Verhältnis ein Ende Erreicht haben." „Mache Dir darüber keinen Knunner, Artur. Ich »ann warten." „Schließlich hast D»i doch etlvas, mit dein Du Dich in der Zwischenzeit bcschüftigcn kannst." Seine Stimme klang dabei sehr ernst. „sogar mehr als ich vor wenigen Minuten dachte." „Willst Du »ilr damit ein Rätsel anfgrben?" Er blickte sie »vicder schelmisch an. „Ich habe ja Dich," sprach auch sie ernst: „ebenso Dein Versprechen für eine» Versuch zu einem glänzenden Aufstieg durch Dein Schasse». Diesen Sinn habe ich wenigstens in Deine Worte gelegt, die Du vorhin sprachst. Ich war eitel genug, sie als ein Komplimeitt für inich aufzufassen. Ich ntöchtc gern glauben, daß meine Verbindung »nit Dir Dich für Deinen Beruf scharf -gemacht hat, uitt alle Deine Geistesgaben zu entfalten, um Dir Deinen Platz in der Welt zu erobern. Ich möchte gern den Gedanken festhalten, daß ich es war, die ibie Flamme entzündete oder tvenigstens Oel hineiiigoß, um Deine Begeisterung noch inehr anznseuern. Mit diesem Gedanken werde ich mich nicht vereinsamt fühlen, Ivem» Dl» abivefend bist. Zu wissen, daß Du in jeder Minute einen Zoll näher zu dem Ziele gelangst,, das Du Dir gesteckt; zu wissen, daß Deine Zukunft sich immer' größer und herrlicher gestaltet, diese Gedanken werden meine angenehmste Gesellschaft bilden. Siehst Du, Artur, ich maß Inich doch Vvr mir selber rechtsertigen. Zuerst liebte ich Dich für daS, was Du konntest; später erst liebte ich Dich (für das, was Du warst, und ich war iiärrisch genug, mir einzubilden, daß das. zweite nur geschehen könne, wenn Du das erste vollbringst. Deshalb, Geliebter, habe ich Deine Worte von vorhin festgenagelt und ineinem Herzen eingeprägt, »venn sie »ncht," ihre Stirir zog sich in Falten zusammen, und ihr Blick wurde sehr bekümmert, „wenn sie nicht eine bloße Vorsorge für eine größere Geldmisgabe bedeuten sollten, die für Dich durch meine Anwesenheit cntstaitd uitd . . ." „Und nicht das beseligende Verlangen, inich Deiner würdig zu mache»»," unterbrach er sie und legte sanft die Hand unter ihr Kinn, uin ihren gesenkten Kopf emporzurichken. „'Ach, Du kleiner, sophistischer Zweifler! Du verdienst, daß ich Dich bet Deinen Zweifeln lasse! Ein solcher Juwel von einer Frag, »oill sich; als eine häusliche GeldauSgabe bezeichnen! Kleines Rlädchen, Du vergißt ivohl, daß Du eine Frau bist!" Er machte ein: Pause und holte tief Are»», daß. cs sich »vie ei» Seufzer anhörre. Dann bengie er sich dicht zu ihr herüber, als »oollle er sie n»it seinen Blicken ganz uinsasse». „Meine Frau!" wiederholte er. „Es gibt freilich Augenblicke, wo cs mir sichtver fällt zu glauben, daß cs eine wahre, »virkliche Tatsache und nicht ein schöner Traum ist. Ellen, Du hast Deine Beichte abgelegt, — jetzt will ich auch meine ciblegen. Auch ich lfabe Dich a»tanfänglich nicht so voll und ganz geliebt. ES fing sogar dmnit an, daß ich Dich haßte. Erinnerst Du Dich noch jenes Abends, als ich Dich das erste Mal bei Fran Mahlow traf?" „Natürlich, das ganze Zimmer »var ja voll von Dir, da Du doch bei Deinen» Reden gar kein Ende finden konntest," lachte sie. „Ich weiß cs. Ich riß die Unterhaltung an mich und ließ sie mit mir durchgehen. Mein Uhrwerk war aufgezogen, und ich konnte mich nicht mehr halten. Ich bemerkte, .daß ich Dein Ohr hatte. Deine Augen waren auf mich gerichtet, da wurde mir das Herz voll und der Mund lief über. Haft Du eS den» gemerkt, Ellen?" „Du hast »nir aber noch nmner nicht gesagt, warum Du mich gehaßt hast?" sprach sie ausroeichend. „Sollte ich dem» uicht? Ist es denn nicht eittsetzlick', der Frcnt zu begegnen, die die Macht besitzt, Herz und Geist zu fesseln, zmu Ueberlcmfen zu bringen, dabei aber nich! zu wissen, ivelchen Gebrauch sie von dieser Macht machen wird. Ich wußte, daß ich in Dir mein unabwendbares Schicksal getroffen hatte. Du aber saßest da, unbewegt.