Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 33 (1.9.1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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beite 4. Neue Zfldiskyc Presse. Nr. 33 Lonäitoi'ei und OM Wilhelm Wendel JUttguM 6 Talsfan Hansa 1288. Frankfurter Brenten n. Betmänncfaen. H«msr des Ostens. Der neue Reichtum. (Erlauschtes in den Wellen eines Seebades.) Er: Ich muß Tie doch kennen? Wo habe ich ssic gesehen? In Monte Carlo oder in Paris? — Sie: Was Paris, .was Monte Carlo! In der Markthalle von Pinsk, wo ich seit Jahre» bei Ihnen dir Fische kaufe. Alles et»«. Warum, Vater, trägst Du diesmal am Tischo b'Aw Schuhe und leine .Pantofseln? Es ist doch alles eins! — Beide sind heute von Papier. Früher rat jetzt. Früher sagte man: Nimm ein paar Mark und bring' einen Korb voll Semmeln. — Heute sagt man: Nimm einen Korb voll Markschrinc und bring' ein paar Semmeln. Literarische Rundschau. Jeschurun. (Monatsschrist für Lehre und Leben im Judentum. Herausgeber: Dr. I. Wohlgemnth. 8. Jhrg., 7. n.. 8. Heft. Berlin N. 24.) ' Inhalt: Der konsequente Nationalismus (I. W.) — Thauro, Erez Israel lind Aulom habbo iS. Klei», — Judentum in Italien (I. Zoller) — Moderne wcstl. Ghettoliteratur (Armin Blau) — Josef Israels (Hermann Weist) — Eine „Geschichte des Judentums" (A. Sulzbach) — Zur Reisezeit (A. Michalski) — Die Waisen der Ukraine (I. Schlesinger) — Hebräischer Teil. In dem erste». Artikel nimmt der Herausgeber Stellung gegen Klatzkin ,Krisis und Entscheidung im Judentum". Die meisten Leser Klatzkins stehen ganz im Banne der cr- . barmungslosen Konsequenz dieses Denkers, — und da in der Welt der Tatsachen die Dinge nicht so konsequent sind, ist es gut, wenn eine Kritik wie die Wohlgemuths zum Nachdenken veranlaßt. Wir sind begierig auf Klatzkins Entgegnung. Die J«-ea iu Abesstnien. (Von Dr. C. Rathjens. 98 Seiten und Abbildungen. Mk. 12.—. Hamburg, SB. Genie.) Aus dem Inhalt: Die Geschichte der Inden in Südarabien und Abessinien. — Reste jüdischen Kults in der L. Fassbenders BLontltixren wieder In Frankfurt in Friedensqualität. Kataerstrasse 32. -christlichen abessinischcn Kirche. — Die Kultgebräuche der Falaschen. Der Verfasser, ein Geograph, hat Falaschen kennen gelernt und ihre Literatur Jahre lang studiert, ivar aber nicht selber in dem schwer zugänglichen Abessinien. Er konnnt zu dem Schlüsse, daß die Kalaschen ein Mischoolk sind von ortseingesessenen Aga,, und cingewanderten Semiten, teils Stammesjuden, teils Südarabern, und daß sie sicher vor Christi Geburt einwanderteir und seitdem von den übrigen Judengeineinden geistig völlig abgeschnittcn gewesen sind. In dieser Tatsache liege das große Interesse, das ein genaues Studium ihrer Gebräuche und Kulteiurichtungen für die Kenntnis sowohl des alten Judentums, wie auch der ältesten christlichen Kirche besitze. Wenn man aber diese Sitten und Gebräuche noch in ursprünglicher Form kennen lernen wolle, so sei Eile geboten, denn die westliche Kultur begiuue auch in Abessinien Eingang zu finden. Dazu komme, daß die Falaschen bereits seit langem aus Rnplichkcitsgründen zum Christentum übertreten. El« «euer Jüdischer Verlag. Unter Beteiligung des Ultsieiu-Verlages ist in Berlin der jüdische Verlag K' l a > gegründet ivorden. Der Verlag beabsichtigt die Herausgabe von Büchern in jiddischer Sprache. Er, har sich bereits die angesehenstqn jüdischen Schriftsteller verpflichtet. Die Leitung hat der ehemalige ukrainisch.' Minister Lazki-Bartoldi. Zit den literarischen Kräften des Verlages gehören die Schriftsteller Berge l s o n , Dr. E l j a s ch c f j, (Baal-Machschowcs) H i r s ch-- ka h n, L cs z c z y n s k i.u. a. Auch eine hebräische Abteilung ist geplant. ' Reue Bücher. Aus den, „Rosengarteit" (Gtilistan) des persischen Dichters Mtlisch Din Saadi hat Friedrich Rosen das achte Buch, betitelt „Ratgeber für den Umgang mit Menschen", nebst einigen anderen Stücken ins Deutsche übertragen und in einem illustrierten Bande bei George Stille, Berlin herausgegcben. Die Moralsprüche, jWeiSheitssäpe und „praktischen Ratschläge" des Wertes (die Erzählungen treten »ach Zahl und Bedeutung hinter ihnen zurück) dürfeir nicht mit allzu strengeil künstlerischen Maßstäben gemesseit iverden; sie sind aufschlußreich, und interessant vor allem als Dokumente von kult>trhistorisck)em Wert. — „Romain Ro tlaud, den Mann und das Werk" darzustellcn, unternimmt Stefan Zweig in einem größeren, bei Rütte» u. Loening erschienenen Werke. Mit starker Einsühlungskraft und feinem psychologischen Spürsinn geschrieben, liest sich, Las Buch .stellenweise wie eine Dicht u n g über. Rolland, den Menschen und den Künstler. Im gleichen Verlag erschien ein neues Buch von Rudolf F. Bin ding: „Legenden der Zeit." Es sind Legenden von Himmel und Erste, voll feinen, tänzerischen Humors und heiterer Phantasie, leise durchklungen vom linterton moralischen Sinnens und Glaubens. — Die >„Weltkarikatur in der Völkeroerhetzung" nennt Ferd. Avenarius eine Sammlung von Kriegskarifohyen aus den Ländern der Entente, die er zusanimengeflellt und mit kurzen, sachlichen Erläuterungen versehen hat. Das (im Verlag D. G. Callwey, München, erschienene) Buch'soll nach den Worten des Verfassers dem Gedanken des Völkerfriedens und der Völkerverständigung dienen, indem es Kriegskarrikaturcii, Zeugnisse der Verhetzung durch Lüge und Verleumdung, einer allmählich zur Vernunft zurückkehrenden Welt als Gewisseiismahnuiig. für die Zukunft vorhält und vyrwirft. Ein verdienstliches Unternehmen, dem man nur den angcstrebten Erfolg wünscl-cn kann. ß. Sr Käffee Hu Island Kaiserstrasse 56 Täglich erstklassige Kaiserstrasse 56 Unterhaltungsmusik "H Kaiser Woche»-A8le«der. Samsiäg, 3. SepiVr. (M. Aw). l . Sabbat-Anfang in Frankfurt 6 Uhr 35 Min. >b meinde), 6 Uhr 25 Mi». (Religionsges.). Säbbat-Ansgang in Frankfurt 7 Uhr 50 Min. meiiidc), 7 Uhr 55 Min. (Religionsges.). Wochenabschnilt: Reei. S chab bos Ran sch -Cha »de sch. Soniitaq: 2.; Ransch-Chaudesch. Wocheiigottesdicnst 6>/, morgens, >!>.'« nachm. in di meisten Synagoge». Baut Durch l»i M> on Ze ott Fr> Mi Dr. ' ah 3.7 Dr. AräRkfurter Ka«Uie»«kchrichte». Barmizwos. Paul Herzheimer, Leerbachstr. 1 Ludw. Goldschmidt, Eschcrsheiiiierlaiidstr. .7, Rudoif N(m,t Ilhlandstr. 33, Hauptsynagvgc. — Marcel Kleefeld, Wiitcl ' bacher Allee 84, Spnagoge Börneplaß. G c st o r b e »..Nathan Margnlics. — Henni, Grünewel Auswärtige Kamilie»«achrtkyrer»- Gestorbcn. Sybilla Mann geb. Löb, Worms-Pfij ligheim. — Josef Haymaiiii, 74 I.,' St. Gallen. — Albe Nathan, 65 I., Mainz. — Louis Ne», 75 I., Weinheim. Lehrer a. D. Julius Metzger, 75 I.. Stuttgart. — (R Kommerzienrat Samuel Giiitmaii», 70 I., München Esther Bickhardt geb. Lion, 92 I., Frankenau. — Jnstizn Siegmund Henschel, Breslau. — Lehrer a. D. Emil Naiba 71 I., Louis Futter, 65 I., Berlin. rpe»de». 'Bei der Nationalfondskoiiimission (I. Heim an», Pos scheck 41441) gingen ein: ' - I Wodowski Sammlung Hochzeit Silbersaden-Gelbaiu l2U.— M Sammlung Zippel bei der.Bris Miloh Glückes, Ofsenbai ies 100.— JA ' Herzl - Baumspeiide durch Lubowsky von'Alb. Moses u. Cie. 5 Bäume 125 durch Arnold Kohn von Dir. Levy Baden-Baden 200 Kür lcnusrksrtißo-tuslüüruug ModerntNiilen Dr. Be Frau -iiiger- J Btttg «Infi Di oiii . 5 urfus (ugeni Heide' irankf ramm ltain,!!ark, iglich Nilge irs enz keioen Anstrich u. Lackieruo fahrt preisweit aas i. I«. Referenzen. ■ Prämiiert Düsseldorf 1902 W. Beols.ex Höchst aase 59. Te1. H' 68 Atelier Schäfergasse 15. andern vielen Schwierigkeiten, die sich einer Verbindung mit ihm entgegenstellen, ist in diesem Augenblick noch .eine neue hinzugekommen. Ja) ich weiß jetzt, welche Aut wort ich chm geben muß," wiederholte sie todesbleich. „Nein, Ellen, das weißt Du nicht, daher wollen wir beide sie herauszusindell suchen. Aber wir müssen uns mit -£cnr Seen der Sache befassen. Eigentlich liegt doch zwischen Euch.nichts anderes, daß Ihr Eure Glaiibcnslchrcii aus verschiedenen Büchern gelernt habt." „Nichts anderes? Und ist dies nicht auch schon über- -. genug?" „Siehe, Ellen," fuhr die andere fort, ohne den Einwand zu beachten. „Um Schwierigkeiten zu überwinden, gibt es zwei Wege: entweder man läßt sie riesengroß anwachsen, daß sie uns überwältigen, so baß wir für die Folgen nicht mGr verantwortlich sind, — oder, man zermalmt sie zu Nichtigkeiten, daß wir sie beherrschen und mit dem Fuß Lertreten. Welchen Weg würdest Du vorziehen?" „Ich verstehe Deine Frage nicht, darum kann ich sie Dir auch noch nicht beantworten." »Deine Offenheit erleichtert mir meine Aufgabe. Ich bin ja kein Gelehrter, meine theologische Wissenschaft besteht nur darin, daß alle Wege zu Gott führen. Gott hat allen Mcnsck-cniind'erii die Lebenswege geebnet, die Menschen aber geben sich die größte Mühe, überall eine» Zstrweg, ein Labyrinth, daraus zu machen. 4lni allerwenigsten aber war cs sein göttlicher Wille, daß zwei Menschrnherzen, die für einander geschaffen sind, aus verschiedenen Wegen gehen sollen." „Fahre fort, Alice," flüsterte Ellen. „Ich glaube,- daß Du Dich auf der richtigen Bahn befindest." - „Brauche ich denn noch fortzufahrcn? Muß ich Dir denn Deine eigene Worte wiederholen, daß Du ihn liebst?" „Das .wohl nicht, aber cs sind doch noch so viele andere Sachen vorhanden, über die id;- nicht hinwegkommc» kann. Auch ich kann die Sache nicht von der theologischen Seite behandeln: für mich ist eigentliche nicht das Göttliche, sondern das Reinmenschliche der springende Punkt. Ich denke sehr stark daran, obwohl ich doch nur ein schwaches Weib bin. Ich gestehe Dir offen, daß' cs nicht allein religiöse Skrupel sind, die mich quälen. Glaubst Du denn-, daß mein Geist müßig und untätig in den letztenArei Monaten verharrt hat, seit —seit' — ich nebelhaft und verschwommen zu ahnen begann, daß cs leise an mich heranschleicht, um aber bald mit Riesenschritten meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch zu iichmen? Siehe, Alice, vielleicht ist es eine Gotteslästerung, aber ich muß cs dennoch aussprechen: ich habebereits aufgehört, mich vor dem alten Bibelgoit zu fürchten, dessen ernste und strenge Aiisordcrungen so verschieden sind von 'dem jungen Gott, mit dem ich doch seit meiner frühesten Kindheit so vertrant bin. lind nachdem irf> erst soweit gekommen war, glaubte ich alles andere gar leicht bewerkstelligen zu können. Und dennoch . . . ." „Was fürchtest D» noch mehr?" siel ihr die Freundin ins Wort. „Ich weiß nickst, ob ich es überhaupt Furcht nennen soll. Es ist ein unsicheres, zaghaftes Gefühl über eine befremdliche, unentwirrbare Sache. Es ist freilich nichts, das in nnsetcm später» Eheledcn eine hervorragende Rolle spielen würde; es ist auch nichts, das durch irgend ein Heilmittel, durch eine Anpassung unserer Charaktere beseitigt werden könnte; aber cs ist so ein zarter, ganz leiser Unterton, der sich zu einem häßlichen Mißklang gestalten könnte, so sehr wir auch nach! einer Seelenharmoiiie streben möchte». — — Alice, ich erinnere mich-, daß auch ec einst diesen Ausdruck gebraucht hat, den er mir dkirch eine längere Erläuterung zu erklären suchte: cs wäre die Ueberlieferung oder noch besser die Vererbung, das Kastengcsühl. Es könnte sein, daß unsere verschiedenen Rassciiinstinkte sich aufrüherisch gebärden, ob wir auch in jeder andern Hinsicht übereinstimmten. Vergiß es nicht, in seinem Blute regt sich der Osten, in meinem der Westen, zwei Pole, die einander widersttebc». Die ganze Tradition^, die historische Atmosphäre haben unsere, ganze Denkweise, alle unsere Sympathien' verschiedenartig gestaltet, und ich fürchte, dieser-historische Geist könnte sich an uns rächen, weil wir ihn ans unserer Mitte auszuschaltenuns erkühnten. .Ach, -Alice, meine Gehanken verlangen so sehr nach Ausdruck! Aber ich kann sie nicht einmal mir selbst verständlich machen, , wie viel weniger erst Dir!. Ich weiß nur) daß Angst und Furcht in mir wohnen, daß der Gedanke, mich ihm zu eigen zu geben, .nicht, das süße, selige Unter-' liegen, sondern eine» Sprung in das Dunkel, ein Unteq tauchen in Finsternis bedenket." „Was liegt daran, wie' tief der Sprung, wie diinkej der Abgrund ist, wenn seine Liebe dort steht, um Dich ans zu fangen?" „Meinst Du, ich hätte nicht auch diesen Gedanken ii Atome zermalmt, um zu erkennen, wie viel ich verliech wen» ich mich ihm verweigere? Das ist es ja, das mi so bekümmert, daß ein Himmel so voller Licht und Sonnen! schein durch einen kleinep Schatic» getrübt und verdüstcri werden könnte! Ach, Alice, wenn Du doch nur mciiil Empsindiiiigen verstehen könntest, um mir zu raton, um mii zu helfen!" . Alice erbebte. Wie anhaltend das Schicksal sie mahiilr säst bettelte, daß sie es doch zu ihrem Vorteil verwende Sic hatte ja nur nötig, Ellen in ihrer wirklichen itnl eingebildeten Furcht zu bestärken, die Gefahr noch ein weni> größer anszumalen, ,und sie hatte wieder freie Bahn ooi sich. Aber schon .nach einer Minute wies sic die Versuch ung von sich. War denn der Sieg über sich selbst »ichi auch ein herrlicher, selbst mit einem Opfer nicht zu leim erkauft? Sollte sie sich noch einmal auf die Folterbau! der Zweisel spannen lassen? Wie eine Erleuchtiing kam es jetzt über sie, und sie wußte, was die neue Wendung zi bedeuten hatte. Sie hatte bis'jetzt schon so viel getau. daß es nur recht und billig war, auch Iveiter die Hände nichi müßig in den Schoß zu legen. Lliuh die letzte Kraft durfte ji> nicht schonen! „Ich verstehe und würdige Deine Aengste durchaus,- sprach-sie fest. „Freilich begibst Du Dich auf ein fremdes, unbckanittcs Gebiet; fremd sogar auch mir, Obwohl icki erröten müßte, dies ^inzugestehcn. Lächele darum''nickst daß der Blinde sich zum Führer des Blinden inächen will Ich »bin doch wenigstens a(s Jüdin geboren niiv besitzt immerhin die Rasseninstinktc, deren. Mangel Dü . zum Anlaß nehmen willst,, um Dich gegen Dein 'und -sein Gli'ul ablehnend zu verhalten. Ich will versuchen, Dich mit jene! Eigentümlichkeiten vertrant zu machen, jene Instinkte Dir eiiizvflößen, wenn . dieses, seiner Liebe..nicht gelingen sollie Ein Francnherz versteht es doch besser)- zn einem ander» zusprechen. Wenn Drr diese Zusage gensigt, dann will ich dieser Au-gabe mein Leben weihen."(Fortsetzung sol^t) 2 iog am