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Neue jüdische Presse · 1921-08-18 · Heft 31 (18.8.1921) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 31 (18.8.1921)
Date
1921-08-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. ■ Hannoversche Bank mit S im o u'.^e iVe'm au», i!üncbm$, A- Le.esr r, Stade, Benfe y u. C o., Köttingen, I. 'S. Meyer, Baden-Baden: , 6) Essener Kreditanstalt mit Lev i H i rsch land, Essen, S7 H ans, Witten.. . Durch weitere Jnicrcssengezneinschaften ,nit der Rheinische» Kreditanstalt kam der 'Deutschen Bank I ul. E a h » u. Co. in Pforzheim nahe. Die Dis konto gesellschaft nahm in sich auf G. I. Gutmann in Nürnberg fBayr. Diskonto- und Wechselbank), W. S. Wa> bnrg-Altona ('Norddeutsche Bank), Leffma n n "Stern in Hagen tBarnicr Baukverei»), W. H. L a d e n b u r g u. Sohne, Mannheim (Süddeutsche Diskonrogesellschast), vor allem aber den größten Teil der Finna M. A. v. Rothschild n. S ö h n e in Frankfurt. . Die Dresdner Bank hat in sich ausgenommen: .Michael Kaskel, Dresden, S. E. W e r t l> e i m b er. Nürnberg, Ä l e x a n d e r S i m o n, Hannover, W. I. G u t- .m an«, Nürnberg, v. Erlange r Söhne, Frankfurt, Gust. Hanau, Mühlheim. Auch bei der Kommerz- und Diskonto Bank i» Hamburg, sowie bei der Mitteldeutschen Kreditbank-in Frankfurt (S. Pflaum u. Co., Nürnberg), bei der Nationalbank (Jakob Landau, Berlin) stoßen bvir auf übernommene jü- " bische Bautfirmen. Der Schaaffenhausenschc Bankverein ionsoldierte sich durch seine ^Tochtergesellschaften niit der Einbeziehung der Firmen Kasten stein n. Söhne, Bielefeld, Salomo» u. Oppenheimer, Detmold u. Lemgo, v. Speyer n. C o., Basel, I. s i in o » W w e u. S ö h n e, Königsberg, M. Friedländrr in Brvmberg, Bloch u. Co., München, Markus Levy, Worms. - Die Uebcrsicht bricht mit den, Fahre 1905 ab. In den nächsten 10 Fahren fanden fast ebenso viele Privatbanken ihren Anschluß an die unpersönlichen Großbanken. Nur eine ganz naive Geschichtsaujsassnng kann die wirtschaftliche Bedeutung dieser viele» Bankiers leugnen, die durch ihre Kredite Landwirte, Fabrikanten und Äaufleuten erst die moderne Bewegungsfreiheit gaben. Haus Schneider schildert in „E. Heimann — 100j Fahre eines Breslauer Privatbankhauses" die vielseitige anregende Tätigkeit eines Bankiers in der I. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Aber selbst noch in unserer Zeit habe» sich neben den Großba»ke,e einzelne Privatbanken einen recht erheblichen Einfluß auf das Wirtschaftsleben gesichert. Und auffallender Weise sind es fast restlos jüdische Bankiers, die sich neben den Riescninstituten zu behaupten wissen und sogar in vielen Kreditoperatiouen führend sind. So ist Mendelssohn »och der Hauptniatador auf dem Gebiet der Russeuwerte, Bleichröder in gervissen Auslandswerten. Rießer'hat in feinen Dvrträgcu „Zur Entwicklungsgeschichte de.r deutschen Großbanken mit besonderer Rücksicht ans die Konzenträtionsbestrebungen" die Beziehungen der Banken zu der deutschen Elektrizitätsindustrie zusaiiimengefaßt. Darnach interessierte sich für den Konzern der Allg. Elrktr. Gesellschaft (A. E. G-, Bank für rlektr. Unteriiehmunge», Allg. Lokal- und Straßenbahngesellschast Berlin), die Berliner Handelsgesellschaft, die Deutsche Bank Mid die Nationalbank, ferner. Delbrück, Leo ».. E o., H a r d y u. Co., Gebr. Sulzba ch - Frankfurt, E H e i- .. m a n n - Breslau und die Rheinische Diskontogcsellschast. Hinter der Siemens und Halske - Gruppe standen n. a. S Bleichröder, Jacob S. H. Stern iind L. Speyer-Elliffen, die E. A. G. vorm, «chuckert wurde finanziert durch W. H. L a d e n b ü r g u. T ö h n c, Wannhenn, A n 1 o n K o h u - Nürnberg, E- Lade » burg - Frankfurt, I. D r e y s u ß u. Co., Frankfurt. Die Heliösgnippe lehnte sich an I. L. Eltzbachcr „. Co., I. H. Stein, Sal. Oppenheim fr., Köln, C.^. Schlesinger, Trier u. Co.» L. Be h re ns. S ö'h n e in Hamburg und die E. G. loorm. Lahmeyer arbeitete» u. a. mit ». Erlanger u. Söhne, Frankfurt und B. M. S trupp-Gotha. Bei k>er Zusarnmenstelluug der Banken zu regelmäßig "wiederkehrenden Geschäften zeigte sich die Bedeutung der vielen jüdischen Privatbanken, die trotz mangelnden großen Kapitals noch immer eine ausschlaggebende wirtschaftliche Rolle spielen. In der Preußengruppc treffen sich u. a. S. Bleichröder, Mendelssohn n.^Co, Robert Marsch a u c r u. C o. In der Rothschitdgruppr ist starker ausländischer jüdischer Einfluß. ' Im Syndikat für asiaiische Geschäste fungierten u. a. 'Jacob S. H. Stern, S. B l e i ch r ö d e r, Sal. Oppenheim jr., L. Behrens Söhne. Don den Judenfeinden ist, stets vorgehalten worden,' daß sich die Aden »auf Kosten des deutschen Balles bereicherten. In Wirklichkeit — und das ist das Tragische an dieser Erscheinung — hat das Judciilum aus den. allerdings erwirkten kolossalen Vermögen ivenig Vorteile geschöpft. Das'Geld, das schafsensfreudige, klug berechnende/ regsame Börsenmänner gewonnen, kam mühelos den Kindern zugute und diese sind fast durchweg aus -dem Judentum geschieden, und sorgen meist durch Mischehen für ihr völliges Slnsgehen. So sind z. B. zu Christen geworden die v. Mendelssohn, v. Bleichrödcr, o. Erlanger, - v. Oppenheim, v. Speyer, Heimann, Warschmier, insbesondere die Reichsten der Wiener und Berliner Börsianer. Deren Kinder verprassen das Geld, sind die steten Erscheinungen am Turf (oft als Rennstallbesister). in den Autoklübs und Spielsälen, bei Regatten und Tennisturnieren. Trotz allem bleibt das, Verdienst ihrer Eltern bestehen, das deutsche Wirtschaftsleben durch neue Formen bereichert zu haben, durch Ansspüren moderner Wirtschaftsbedürfnisse, durch Ausgehen in Handel und Wandel die fabelhafte Umstellung der Oekonomic Deutschlands im 19. Jahrhundert; vom Binnenhandelsstaat zum Welicxportji»b Importlands ' mitbewirkt zu haben. Die Wirtschaftsgeschichte Deutschlands in dieser Zeit ist - noch nicht geschrieen. Ohne Anerkennung des starken nutzbringenden jüdischen Einschlages wird sie nicht objektiv veue Jüdische Prcge die Problenie 'erfasse». In diesem Siirne ist die Geschichte des jüdischen Wirtschäftseinflnsscs ein wertvoller Ausschnitt aus dein großen Kapitel der deutschen Oekvnomie. - Der Papft u»d -er ZiovisruirS Fm englischen Untcrhauje fragte O rmib y G o re an, ob Musa Kiasin, der Führer der gegen die englische Palästiiiapolitit arbeitenden arabische» Delegation, vom Papst empfänge» wurde und ob der britische" diplomatische Vertreter dabei anwesend war. Der Regnrungsvertreter autivortete, die Tatsache stimme, doch sei der Besuch ohne Wissen der englischen Regierung und ohne Anwesenheit ihres Vertreters geschehen. UniversitSts- «ud Ratioual-Bibliothek z« Jerusalem. Aus dem diesjährigen Zioiiistentongresfe, der am I. September in Karlsbad eröffnet wird,-soll.auch das Budget der jüdischen Nalioiial-Biblioihct besprochen und beschlossen werben. Da diese Institution zugleich auch die Bibliothek der in Entstehung begrifscnc» hebräische» Universität, zu Jerusalem ist, so lviiimt ihr eine doppelte Bedcutniig z». Die H re u II de d e r j üd l s che » R at i o u al - B ib l.i o I h e k, die auf und am Kongresse sehr zahlreich sei» werde», veranstalten daher eine besondere Z u s a in m e n t u »st, die voraussichtlich am dritten K o n g r e ß l a g e stattfiiide» tvird. Die Versammlung wird durch den Bevollmächtigten der Bibliothet, Prof. D r. Heinrich Loewc, mir einem aiissührliche» Vortrag e über die Geschichte, Betz e li t n n g. den jetzigen .3 u st a n d, d i e P l ä n e n n d Aussichten des indischen Bibliothekswesens im Heiligen La »de eingeleitet werde». Daran anschließend Diskussion und Beschlußfassung. An der Bersaliimlung wird eine große Reihe von Gelehrten und jüdische» Polititer» aus allen Ländern teil nehme». Ort und Zeit der Vcrsammluitg werden in Karlsbad bekainiigegebeu. Der Bevollmächtigte der Bibliothet, Prof. Dr. Heinrich Loewe, wird bereits am 20. Anglist in Karlsbad fein und ist in Bibliotheksangelegenheiten in KartSbad, Hans Venedig, Parkstraße, z« erreichen. Erez Israel. Ei« GenSdarmeriekorpS. Der Oberlommifsar hat die Bildung eines Gendarmrriekorps genehmigt, das aus 300 Kavalleristen und 200 Infanteristen bestehen und aus Mohaiilmedaner», Christen und Juden zusammengestellt werden soll. Die neue Polizeitruppe soll die Landesgrenze bewachen und die Zivilpolizer bei der Ausrechterhaliung der inneren Ruhe und Ordnung unterstützen. Die englische» Protestanten für ei« jüdisches Palästina. „The English Ehnrchma»", das offiziöse Organ der englischen Protestanten, greift die päpstliche Erklärung über Palästina mit außerordentlicher Schärfe an, indem es betont, daß das Vorgehen des Papstes einer Aktion-gegen die Bibel gleichkomme, die doch dem Volte Israel den ewigen Besitz Palästinas zugesprochen habe. Das Blatt nennt die Erklärung des Papstes ei» hossiiiingsloses llnternehineit, das den Kamps gegen de» Willen -GotieS eröffne. verli«-Palästi«a 1« 7 Tage«. Durch die Neuorganisation der Eillinie Triest-Alexandrien ist es gelungen, den Reiseweg nach Palästina wesentlich abzukürzen. Nach dem letzteir Fahrplan der Berliner Niederlassung der „Maawirim" Reise- und Transport-Ges. ni. b. H. kann man Berlin am Mittwoch Abend um 6,54 Uhr verlassen und bereits am Freitag früh Triest über München und Salzburg erreichen. Jede» Freitag mittag verläßt der Eildampfer den Hafen von Triest, um ain Montag nachmittag in Alexandrien anz» laufen. Am nächsten Tage kann man den Zug' nach El-Kantara und von dort weiter nach Palästina -benutzen. In Haifa trifft der Zug am nächsten Nachmittag um 5,05 Uhr ein. A«Sgrab«»ge«. Die seit 2 Ähren von Professor N a h u m Slou s ch z ans Paris geleiteten Ausgrabungen hatten eiir glänzendes Ergebnis. Slonschz hat die alte, von König Herodes erbaute Stadt Tiberias aufgesunden, darin den prächtigen königlichen Palast, dann eine Synagoge und zum erstenmal eine echte Menorah, wie sie in der Bibel beschrieben tvird, entdeckt. Ebenso .fand er mehrere religiöse und wirtschaftliche Gegenstände intatt,'die ein höchst wichtiges .Merkmal für den Kultrirznstand unserer Väter vor 2000 Fahren darstellen. Besonders wichtig ist,' daß diese Funde nicht, wie die von nichtjüdischen Forscher» entdeckten, nach Europa wandern, sondern im Jüdischen N a t i o n a l m u s e u m in Jerusalem verbleiben werden. Deutsches Reich. Pogr-m t« Bayer«. Wir berichteten iu der vorigen Nummer über unerhörte Vorgänge in Mentmingen. Das Münchener „Jüd. Echo" gibt nun Aufklärung über die Ursachen und den Hergang des Aufruhrs. Es schreibt: „In der bayerischen Ordnungszelle hat es ein Pogrömche» gegeben. Keinen richtiggehenden Pogrom mir Mord und Raub, sondern mehr so eineir kleinen Probe-Pogrom. Wenn es nicht zu mehr kam, als zu dem, was aus Memmingen berichtet tvird, und dessen sich auch ein Halbkulturswat tief zu schämen hätte, so ist das gewiß nicht das Verdienst der unmittelbaren und-mittelbaren Veranstalter, vom ... Nr. «I. Memminger Arzt Dr. S i c i u S bis zu den E ck , H iRbe r.i 'S ch l i t te l, ba l, e r und — — ' I Wpindert sich jemand, daß es so weit gekommen ist?! Merten >vir setzt, erst, daß in der vom „Beobachter", „Mies-I bacher Anzeiger", „Baherischen Vaterland", — wo Dr.! S ch l i t t e n b a n e r Sigls Schatten in den Schatten stellt! — linter wohlwoklendcr Neutralität'von „aiigeschenen" Welt-I 'blättern^ vergifteten, politischen Atmosphäre Ausschreitungen! schlimmster Art nicht auSbleiben/ töiincn? Ach nein, man! wnndert sich höchstens, daß der gesunde Sinn des baye-I rischen Voltes noch genug Widerstandskraft gegen diese gewissenlose »ud gcmeingesährliche Hetze besitzt.' Bloß die Behörde, die . sonst so ängstlich für die öfsentliche Sicherheit besorgt ist «ud oft verblüfft durch die Art, wo „ud wie sie „Gefährdung der öffentliche» Sicherheit" sindek — jindet nichts dabei. Selbst seinen Namen brauchte der Beobachter nur kurze Zeit entbehre». Ja, man ist nicht nmsoiist das Leibblatt gewichtiger Stellen — —. . Immerhin der Memminger Probe-Pogrom zeigt Nuance», die nicht ohne Reiz sind.- Es ist selbst bei ganz regelrechten Pogromen, nicht üblich, daß' der Staats > a »io a 11 auf Verlange» der Pogrom - HeldenI eine» H a f t b e s e h l zur Berfügiiiig stellt, und daß die Polizei de» B e r h a f t e t e » d e ni Pöbel überl ä ß t. Es gibt Leute, die iiieliieil, daß dazu die Polizei nicht - unbedingt nötig wäre. Sollte die Widerstandstrast der Meni- »ililger Polizei-Organe durch eifrige Lektüre der genanutcn Blätter gelitten haben? Was sagt der Jiistiziniilister zu diesem tvackeren Staatsanwalt? Was sagt der Minister des J»»ern z» dieser famosen Polizei? Müßige Fragen. Die Regiennigskiiiift gab es schon im Mittelalter. Der patriotische Bauer braucht „Anreiz-Preise" zur Erhöhung seiner Produktion^ uitd der — Jude ist der Wucherer. Die Wünsche des so rücksichtsvollen, auf die Not .'feiner städtischen Volksgenossen so sehr bedachten Bmiern sind inatzgebend, denn er ist die Hauptstütze der Regielimgspartei. Dein Volk dls Beruhigung und Entschädigung, äls Ventil die Fudenhetze.. — Bezeichlieitd, daß die „liberalen" Münchener Neuesten Nachrichten kaum ein Wort der Kritik dieser Vorfälle sinden. WTBveröffentlicht jolgenve Darstclliing der Vorgänge: M e in m i » g e », tz. Aug. Am Samstag abend kam es hier, dem „Memminger Voltsblatt" zufolge, zu stürnlisckfen Szenen. Eine Volksmenge zog vor das Hans des Käschändlers Wilhelm R o s c n b a n m und verlangte von ihm, daß er die Milch billig für die Stadt liefern soll. Rosenbauin erklärte, daß er die Milch täglich nach Nürnberg sende und daher nicht in der Lage sei, nach Memmingen zu liefern. Es müßte ihm erst vo» der Landesfettstella eine Einwilligung hierzu verschafft werden. Rvsenbaum versprach, seinen Einflnß bei den Käserit geltend z» tiiachen, um billige Milch in die Stadt zu liefern. Die Demonstranten satldien hierauf eine neuerliche Deputation zu Rosenbaum, die von ihm die Zahlung einer Halde» Million Mark für die Armcilkasse verlangte. Während dieser Verhandlungen hatte sich die Menge vor der Billa Rosenbaums auf inehrere hundert Personen erhöht, aus deren Mitte Rufe kaut würden wie „Heraus mit dem Schieber!" „Heraus mit dem Juden!" „An den Galgen!" Die Deputation kehrte unverrichteter Dinge zurück und suchte die Menge zu -beschwichtigen: es war aber timsonst. Die Leute schrie»: „?llle Juden -gehören an den Galgen!" Daruin begab sich eine Deplitation znm Ersten Staatsanwalt und verkangte die Verhaftiliig Rosenbaums. Vor der Villa erschien Bürgermeister B r a u il, mn die 'Denlonstrauteii zu beruhigen, was jedoch auch ih»i nicht gelang. Die Situation wurde immer bedrohlicher und, als da»» der Haftbesehl des Staatsanwalts eintraf, forderte die Menge, daß Rosenbailni heraiisloiiinie. In großem Zuge wurde Rosenbauin durch die ganze Stadt geführt, hierbei angespuckt, geprügelt und mit großen Kuhglocken . angehängt und ausgeläutet unter sorklvährendem' Anschreietl wie Hump, Schieber, Wucherer, Mörder usio. Vorn Marktplatz, wo die Demoiistranten Rosenbaum als warnendes Beispiel hingestellt hatten, wurde er sodann, schrecklich zugerichtet, ins Gefängnis gebrächt. Die Schutzlentc mußten alles aufbieten, daß Roserlbaiim iiicht erschlage» wurde. Nach dieser Demonstratio» begaben sich die Lebensnlitteldemonstranteii zum Pferdehändler Max Guggenh e i in e r und zum Hadernhändler David S o m m e-r,.um auch dort Radau zu imacheii, trotzdem die Letztgenannten mit dem Handel von Lebensmitieln nichts zu tun haben.^ . Die Denlonstratione» scheuten von langer Hand vorbereitet zu sein. Wie feststeht, soll die treibende Kraft ein gewisser Dr. .2 icius, ein in Memmingen ansässiger. Arzt, sein, der versuchte, die Masse» aus die Jllden zu hetzen . .!" Inzwischen hat das Volksgericht Rosenbaum wegen Schiebungen mit Butter und Brot zu f ü n s Wochen Gefängnis und 3000 fOlt. Geldstrafe verurteilt: Rosenbaum hat sofort Berufung eingelegt.. Da der Angeklägte in der vergifteten Memnringer Atmosphäre sicherlich sehr strenge Mchter gesunden hat, so mutz, nach dem Urteil zu schließen, an-seiner Verfehlung nicht viel dran.sein. Aber selbst wenn dem anders wäre, tvürde-das, was sich in Memmingen ereignete, in teinem milden Lichte ' er- . scheinen. ‘ , Aus M e m mingen wird weiter gemeldet: Der Vorstand der israelit. Gemeinde schrieb an den Stadtrat, er verurteilte Schieber- und Wuchertum schärsstrns,*) verlange aber für den rechtlich denkenden jüdischen Bürger Schutz- Der Stadirat, der die antisernitische Hetze^schärsstens verurteilte, erteilte dem Bürgermeister das^^iktssüei künstigen Unruhen Reichswehr zu Hilfe zu rufen>SMitePolizei zu schwach 'gegen die systematisch betriebene Judenhetze sei. *) Selbstverständlichkeiten sollte man nie betonen. Ueberdies: Schutz hat jeder Mensch im deutschen Staate zu verlangen: vergeht sich jemand gegen das Gesetz, dann ist das Gesetz da, um es zu ahnden» — und es kann nicht der Willkür irgend eines Volkshausens überlassen werden, Justiz zu üben. Das Schreiben des Vorstandes hatte^ in einem ganz anderen Tone abgefaßt sein müssen. D. Red.

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