Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 31 (18.8.1921)
- Date
- 1921-08-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2692297-2693227-2693258--11566-2707040- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Erscheint wöchentlich trat Freitag. Bezugspreis pro Bierteljahr: In Frankfurt am Main bei der Neuen Jüdischen Presse, auswärts bei der Post abonniert Mk. 4.50 frei ins Haus. Bei Zusendung durch Streifband für Deutsch, land Mk. 30.00. für .Ausland 10 stanz., 5 schweiz. Frcs„ 3 holl. Fl.. 6 Shilling, 2 Dollar jährlich, im Voraus zahlbar. Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M, Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Satz Geis Insertionspreis für die sechsgespaltene Nonpareille-Zeile 100 Pfg., für die Reklamezeile Mk. 3 — sowie 25% Teuerungs» Zuschlag. Platz- und Datum-Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Annoncen-Annahme bei der Expedition und in allen Annoncen-Bureaus. — Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4804. Donnerstag, de« 14. Aw 5681 (IS. August 1931) 19. Jahrgang. Zum Kongretz. : Der 12. K ongrc si d e r Z t o ir t st i s ch e u Weltorganisation steht vor der Tür: am t. September nimmt er in Karlsbad seilten Anfang. Auf acht Tage ist die Dauer des Kongresses vberechnct: und schon aus dieser Berechnung geht hervor) - das; außerordentlich Vieles und ausserordentlich Wichtiges aus der Tagung beraten werden wird. Für jeden — ob Zionist oder Nichtzivnist, Jude oder Nichtjude —, der die (Ltttivickluug.dcr Zionistischen Organisation iu den legten acht Jahren ausmcrksamer verfolgt hat, , ist cs eine -einfache Selbstverständlichkeit, das; dem bevorstehenden zionistischen Kongkcst eine ganz besondere Bedeutung zntammt. Acht Jahre entscheidenden außen- und innenpolitischen Geschehens in und um den Zionismus, acht Jahre Katastrophe, Krise, Umschwung und Ausstieg haben für die zionistische Bewegung neue Fragestellungen geschaffen, neue Ausgaben gestellt, mächtige Schwierigkeiten politischer, innernationaler und ökonomischer 'Natur beseitigt, dagegen aber-.ireue.Widerstände an ihre Stelle treten lassen. Die neue Situation konstatieren, die neuen Probleme in aller Schärfe stellen und--zu (lösen suchen, ein konkretes Arbeitsprogramm für die Zukunft ausarbciten, — ist dem ersten Kongreß nach dem europäischen Kriege als eine große und schwere Aufgabezugedacht. Trotzdem nun der Kongreß endgültig auf einen be- .stimmten Termin festgesetzt ist, trotzdem nur zwei Wochen »ns vom Beginn der Tagung trennen, scheint die Atmosphäre der zionistischen Welt durch eine gewisse Apathie gegekennzeichuct, scheint, zumal in Deutschland, eine -lebendige Kongreß st i m m n u g diesmal nusbleibcn zu wollen. Bon erregten! Wahlkampf, heftigen Kougreßpolcmiken in Versammlungen und Presse, ivie sie sonst jedem früheren Kongreß, eindrucksvoll und die Atmosphäre reinigend, ooraus-- gingen, ist wenig zu merken. Eine gewisse seelische Ermattung, und mißtrauische Vorsicht gegenüber den politischen Ereignissen beherrscht einen großen Teil der zionistischen Welt, einen großen Teil des jüdischen Volkes. Jü der begeisternngsarmcn, schwungloscn Vorbereitung der einzelnen zionistischen Landsmannschaften für den Kongreß kommt diese Skepsis in der Beurteilung der gegenwärtigen Aussichten der zionistischen Arbeit erneut zum Ausdruck. Man glaubt, bei der heutigen schlvierigen altzeineinpolitischen Situation in Europa, bei der verwickelten Lage der innerpoliti-, scheu Dinge in der jüdischen Gesamtheit, bei der ganzen Ungunst der gegenwärtigen Bedingungen sür die Kolonisationsarbeit in Palästina sei dem Kongreß nur mehr die Bedeutung einer Demonstration zuzusprechen, einer Heerschau »ach innen.und nach außen, eines allgemeinen moralischen Appells an die Judenheit und an die Welt. Eine gewisse Berechtigung - dieser Auffassung zngestanden, muß doch mit Nachdruck betont werden, daß der Kongreß nicht allein den Zweck einer nationalen Kundgebung des jüdischen-Volkes zu ersüllen hat, sondern auch praktische Arbeit vvn-zukunstcnischcidender Bedeutung in jedem Fall zu leisten vermag. Karlsbad kann und wird irgendwie mitbcstimmend sürdie lveitere Entivicklung der äußeren und inneren Politik des-Zionismus werden; in welchem Maße,-steht allerdings noch dahin. Der Kongreß soll, in einem weiteren und größeren 'Ausmaße als alle seine Vorgänger, eine n a t i o n a l e W i l - l e n s k n n d g e b u n g des gesamten jüd. Volkes werden. Der ganzen. Welt wird es wieder einmal eindrucksvoll vor Angen geführt, werden, daß die jüdische Gesamtheit einig ist in dein. Willen und der Forderung, Palästina wieder zum jüdischen'Lande zu machen. Solange bei den bestimmenden Mächten, und Faktoren der Weltpolitik ein Zweifel an der Entschiedenheit dieses nationalen Willens des jüdischen-Volkes möglich ist, solange wird die im Kriege: errungene 'Anerkennung des Zionismus als Trägers des natiostäljüdischen Gedankens immer noch gefährdet sein und nur langsam zu praktischen Kviisequenzen führen. Das entscheidende Faktum, daß die zionistische Forderung einer jühischÄ^WMHMb in Palästina von der Mehrheit des Fünfder- Juden erhoben und verfochten wird, inMindeimger Klarheitvor aller Wett sestzustellen, dazu soft.und. wird'" der Kongreß als eine wahrhafte Volksdcnionstiatiyn'der Mischen.Gesamtheit dienen. § Das -nationale, Programm des jüdischen Volkes kann nur dann nnt dem ^notwendigen Nachdruck und mit starker volilischer Nah- und Fernwirlnng von der Tribüne des Kongresses aus verkündet werden, wennim zionistischen Läger,5Menn innerhalb -des jüdischen Volles Klarheit und Einigkeit Herrschi über die einzelnen polsiischen'Gruildsorderungen an die Welt. Darin besteht die zweite entscheidende Aufgabe .dieses Kongresses: Klarheit zu schaffen über die heutige Lage im Zionismus, Klarheit über den stand der Bewegung, über die Politik der letzten Jahre, über das 'Arbeitsprograinin für die Zukunft. Im wesentlichen handelt es sich hierbei um drei Punkte: um die Feststellung des p o l.i t i s ch e n n n d p r a k t i s ch e n A r b c i ts p r o g rain m s sür die Zukunft, um die Klärung der p a r t e i l i ch e n V e r h ä I t n i s s e innerhalb der zionistischen Organisation und um die Wahl einer n e u e » Leitung. Man weiß, daß die jetzige Leitung der zionistischen Organisation nicht vom Vertrauen der gesamten jüdischnatioiialcn Welt getragen ist. Die Männer an der Spitze sind nur zum Teil unmittelbar vom Volk gewählt. Der Leitung als Ganzes fehlt der enge Kontakt mit der zionistischen Masse, der im Interesse'einer guten, erfolgreichen iniierjüdischen Politik der Zionistischen Organisation kategorisch zu fordern ist. Es müssen neue Männer in die Leitung kommen, Männer von politischem Weitblick und ausdauernder Arbeitskraft, Männer, denen das Volk sein Vertrauen schenkt. Der Wahl der neuen Führung muß eine gründliche Auseinandersetzung zwischen den einzelnen Richtungen und Gruppen vorangehen., Gegensätze und Konflikte zwischen den einzelnen Parteiströmungen sind vorhanden,, zum Teil allerdings noch latent und nur halb erkannt. Der Kongreß wird diese Unklarheit der Parieiverhältnisse im Zionismus, die auf den Gang der zionistischen Arbeit nach außen und innen hemmend wirkt, beseitige» helfe». Er wird die einzelnen Parteirichtungen zu einer eindeutigen Feststellung und Forninliernug ihrer programmatischen Forderungen zwingen. Nur ans Grund einer solchen -Auseiiiaudersehiiiig zwischen den Parteien und Gruppen — seien es nun „Amerikaner" oder „Europäer", bürgerliche Zionisten oder Hapoöl hazair und Poale Zion, Maxinia- .listen oder Minimakisten — wird ein klares, gutes Programm für die Zukunft ausgestellt werden können. Die zweite Voraussetzung für die Festlegung neuer Richtlinien ist eine gründliche Rechenschaftsablegung und Berichterstattung der verantwortlichen Führer der Bewegung über die Politik der letzten Jahre, ihre Erfolge und> Mißerfolge, über den heutigen Stand des Aufbauwerks und die nächsten kolonisatorischen Arbeiten in Palästina, über die inneren Konflikte innerhalb der ^Bewegung und den Weg zu ihrer Ueberwindung. Ist über diese Tatsachen und Fragen Klarheit geschaffen, wird erst die endgültige Beschlußfassung über daS politische und kolonisatorische Progranim für die Zukunft möglich. Hierauf ruht naturgemäß der 'Schwerpunkt der ganzen Arbeit des Kongresses: auf der Feststellung bestimmter Aktionspläne für die Zukunft. Hier bei der inneren parteipolitischen Konsolidierung der. zionistischen Organisation, vor allem bei der Wähl einer neuen Leitung.und. der Ausarbeitung eines lieiteit Programms für die allgemeine und praktische zionistische Politik wird zugleich über ein gut Stück der jüdischen Zulnnft in Palästina mitentschieden. Hier kann der Kongreß bedeutsame praktische 'Arbeit leisten. 'Auf ihm liegt eine große nationale Verantwortung Und Verpflichtung, ungleich schwerer als auf irgend einem der früheren Kongresse. Ob er die ihm gestellten Ausgaben löst, wird allerdings erst sein Verlauf und sein 'Ausgang erweisen. 'Als nationale Denwnstratton nach innen und außen, als ein kurzfristiges Parlament der nationalen Judenheit, ein Parlament nicht nur der Rede, sdndern der Tat. kommt der 12. Zionistische Kongreß zur rechten Zeit. Er tritt in einer Zeit der äußeren und inneren Krisis der zionistischen Belvegiing zusammen; es ist seine Aufgabe, die Gefahren des Moments zu beschwören, den Mut des Volkes zu heben, die Welt restlos sür die zionistische Idee des jüdischen Volles zu gewinnen. Bedeutsames vom Jüd. Natioualfouds. Die Beratungen, welche Mitte Juli von. Generalver-r sainmlung und Direktorinin des INF in Prag abgehalten wurden, leiten eine'neue Aera ein. Sämtliche vom Direktorium im 'April und Mai vorgenommene Bodenkäufe, insbesonders der wichtige Kauf bei (imcf, int Ausmaß von 411(50 Dunani und mit einein Erfordernis von Lstr. 205 700, sowie der Kauf von 200 Dunam bei Tel Awiw zur Behausung der Flüchtlinge ans Jaffa' mit einem Erfordernis von Lstw 215 500 fanden einstimmig Genehmigung. Zugleich wurde .beschlossen, den 'gemäß Weisung des . (5. Rr. 31. Zionistenkongresses (1903) gefaßten § 57 der NF-Statuten, wonach bisher 25 Prozent des NF-Vermögens als Reserve deponiert und so der Verwendung iu Erez Jisrael entzogen blieben, im Sinne der Londoner Jahreskonferenz - (1920) a u f z n h e b e it. Von dieser Ermächtigung machte das Direktorium sogleich Gebrauch, indem es eine Reihe weiterer großer B o d e ii k ü u f e beschloß. So wurde iu Aussicht ge- »ommeii, mit den bisher eingelcuifenen Spenden von Lstr. 21 000 nächst Haifa 3000 Dimam als Kern für die „T s ch teil o w - K o I o ii i e" zu erwerben und, laut Weisung der Generatvcrsaninilnng, zwecks 'Arrondierung und Ameliorierung dieses Grundstücks die Sanimlungen für den Koloniefond bis zur 4. Jahrzcit des Verewigten 519. Sch'wat 5(582) auf womöglich Lstr. 40,000 zu ergänzen. Nächst R c ch o w o t h wurden, um die beengte Jemenireiisiedlung zu erweitern, 42 Dunani um Lstr. 1050 angetanst. Dieser Kauf ist deshalb von grundsätzlicher Bedeutung, weil das Direktorium hier, entgegen den falschen Gerüchten von einem diesbezüglichen Verbot, dem. INF jüdisches Privateigentum zusührt. - Alte weiteren Transaktionen größeren Stils betreffen städtischen Boden. An drei Punkten zugleich: in Jerusalem, Jaffa und Haifa faßt darnach der INF Fuß. In Jerusalem wird der dort dem NF gehörige Besitz abgerundet und sollen weiters von den Ländereien des Griechischen Patriarchates um Lstr. 50 OOO jene Komplexe erworben weiden, die für Wohnzwecke geeignet sind; zur Erwerbunz der restliche» Patriarchatböden in jüdisches Privateigentum wurde der Palestine Land Development Company vom INF, falls nötig, ein gesicherter Kredit bis zu Lstr. 35 000 zugesagt. Bei Jaffa werden 300 Dunain zur Errichtung eines nach dem verstorbenen Führer der Pvale-Zion benannten Borochow-Gartenstadtviertels um Lstr. 37500 und schließlich' nächst Haifa Grundstücke zur Errichtung von.' 100 Wohnhäusern gekauft. Ileber die Einzelheiien der Bodenkäufe soll noch berichtet werden. Durch die in Prag beschlossenen Käufe steigt der Gesa in t g ru n db e s itz des IN F, der sich »och anfangs Juli 1920auf 21100 Dunani ländliche» und 140 000 Ouadratstellen städtischen Bodens beschränkte, aus 72 (500 Dunani ländlichen Bodens (eingerechnet die Borochowkolonie) und 1 Million Quadratstetlen hochwertigen städtischen Bodens. Die Bodenkäufe des INF in diesem Jahre erfordern Lstr. 3(50 000. Der INF darf wohl, gestützt auf solche Leistungen, mit Recht die vervielfachte Opferwilligkeit allen Juden beanspruchen. * Die Besiedelung der Neuerwerbungen wurde vom Direktorium sogleich in die Wege geleitet. 8000 Dnnain des- Komplexes Malul im Emek sollen nach dem Plane Elieser Joffes zur Errichtung, einer Arbeitersiedelung i Mo schäm Owdiin) Verwendung finden, unter der Voraussetzung, daß der nötige Kolonisationskredit anderweitig beschafft wird. Es ist gedacht, Parzellen von je 50 Dunain zu individueller Bewirtschaftung mit intensivem Betrieb an im Lande schon erprobte landwirtschaftliche 'Arbeiter, vorwiegend Familienväter, in Erbpacht zu vergeben. Die Ameliorationsarbeitei« -sind von der 'Arbeitergruppe selbst durchzuführen. 'Auf den 42 Dunam in Rechowoth sollen 16 Jemeniten ihr Brot finden. Für die beiden Stadtviertel nächst Jaffa sind die Verträge des INF mit gemeinnützigen Ballgesellschaften der künftigen Siedler skizziert, sowie die Baukredite beim Viertel nächst. Tel 'Awiw für vorläufig 100 und beim Borochowviertel für vorläufig 200 Häuser schon gesichert- Die Jude« im Wirtschaftsleben Deutschlands. Dr. Felix A. Theilhaber, Berlin-Wilmersdorf. . (Schluß.) _ Die Deutsche Bank in Berlin stand in Jnteresscngemcinschaft durch die .i) Bergisch-Märkischc Banken«! Max Ger so n ir. (So. in Hamm, D. Fleck u. scheuer, Düsseldorf, R. I a c o 6 iKöln, s a lo m o n P h ilipp, Ruhrort, G okdschmidt u. (io., Barmen, Lazard Brach Co. in St. Johanns : ' b) der Schlesische Bankverein mit Georg. Froinb e r g u. C o., Berlin, H. C. W e i ß, Königshütte, Hirschberger Abtei lnng von Abraham Sctzlesrnger;