Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 28 (26.7.1921)
- Date
- 1921-07-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28. Reue Mdiftye Wreye. Seite S H. Plodtmann, Verwalter Hanauerlandstr. 2 Telephon: H. 2802 Artikel zur Krankenpflege Ia, Verband-Watte, Binden, Mail. rum, daß Dir die Auge» zum Hintern rauslaufen. Ihr, verfluchte Judenbande, Euch wird allen bald das Fell vom Leibe gezogen werden. Es wird nicht lange dauern, dann werdet Ihr Juden alle totgeschlagen." Lehrerverband und «esamtorganisation des deutschen Judentums. In der Angelegenheit der Ablehnung der Lehrerforderungen auf dem 15 .Gemeindetage sowie der vom Deutsch-Jsr. Gemeindebund eingesetzten Kommission „zur Prüfung der Lage der jüd. Lehrer" Hat der Vorstand deS LehrerverbandeS folgende Entschließung angenommen: „Der Vorstand des Lehrerverbandes spricht seinen Delegierten ans dem 15. Gemeindetage Dank und Anerkennung für die mannhafte Vertretung der Lehrerforderungen auS und bedauert zugleich, daß der Geineindetag die wichtigste Eorderung „die Anftellungs- und Besoldungsoerhältnisse der ehrer durch Bundcsbeschluß zu regeln" abgelehut hat. Er kann in der seitens des Gemeindebundes eingeleiteteul R o t st a n ds a k t i o n keinen Ersatz für das der Lehrerschaft vorenthaltene Recht» sondern allenfalls einen Versuch erblicken, das auf dem.Gemeindetage. an ihr begangene Unrecht einigermaßen gutzumachen. Der Vorstand vertritt die Auffassung, daß der Fortbestand des Lehrerstandes, und mit ihm der Fortbestand der jüdischen Gemeinden davon abhängt, daß air btc_ «teile der bisherigen Willkür in der Anstellung und Besoldung der Lehrer Gesetz und Recht tritt und spricht die ganz bestimmte Erwartung aus, daß die Leitung des D.-J. G.-B. alles daran setzen wird, eine gesetz'lich e Regel u n g der Anstellung und Besoldung, die den Anschauungen und wirtschaftlichen Verhältnissen der Zeit entspricht, herbeiznführen. Unter dieser ^Voraussetzung ist der Verbandsvorstand bereit, an der Gesamtorganisation des deutschen Judentums mitzuarbeiten und auch auf seine Mitgliederin gleichen, Sinne einzutoirkcn." Pole». Die Yoluisch-jSdischeu AuSgleichSverhandluuge». ' Wie „Rasz Kurier" meider, hat Ministerpräsident WitoS mit Dr- Nossig den Plan der weiteren Bemühungen zur Regulierung der jüdischen Frage in Polen besprochen. Die Konferenzen sollen nunmehr „ach dem Abschluß der gegenwärtigen Kabinettskrise wieder ausgenommen werden. — Laut der Leinberger „Chwila" geht diesmal die Initiative Jttn&jurt. 8r ossweissnäherei Legv. 1901 Lsugestrasse 18 (Hinterbau) 3. St. :: Tel. Römer 5308 Anfertigung sämtlicher Wäsche (auch einzelne Stäche) mit oder ohne Stofflteferung. Knopflöoher innerhalb 24 Stunden. Spezialität: JScaut-Ausstattung., Xecren-Oberhemden naoh Man. zur Wiederaufnahme der polnisch-jüdischen Berständigungskonferenzen von Witos selbst aus. Witos soll den einzelnes Ministerien Anordnungen haben zugehen lassen, interne Beratungen über diese Frage zu beginnen. Aus der Misrachi-Beweg«»s. Misrachi-Weltkonferenz. Gelegentlich der Tagung des Großen Aktionskomitees wurde eine Sitzung der in Prag anwesenden Mitglieder der Misrachi-Exekutive abgehalten. Es wurde beschlossen, eine Misrachi-Weltkonferenz nach Karlsbad einzuberusen, welche am 29. August beginnen wird. Am 19. August wird im Schützenhaus in Karlsbad ein Büro zur Vorbereitung, dieser Konferenz errichtet werden. Warschau. Hier fand ein M i s r a ch i - Frauen - Kongreß statt. Karlsbad. Auf der Sitzung des Aktionskomitees sprachen die Vertreter des Misrachi F a r b st e i n und Prof. Dr. Pick für den Vorschlag Jabotinsky auf Wiederheritel- Offenbacher Druckluit-Anlaael . Offenhaah a» M» Telefon 123. I Unübertroffene Teppichreinignng mittelst Druckluft. I Budapest. In den vergangenen zwei Jahren traten hier 3154 Juden zum Christentum über. - U1WT \Sr y V l |l V U l U 1IL uvtt, Jerusalem. Die hebräische Tageszeitung „Dar Hajom" wurde wegen einer Kritik für einen Tag verboten. Pick für den Vorschlag Jabotinsky auf Wiederherstellung der jüdischen Legion in Palästina im Rahmen des britischen Heeres. Der Vorschlag Jabotinskys wurde mit 23 gegen 7 Stimmen angenommen. Zionistische Nachrichten. New dort. H a r d i n g empfängt am 2g. Juli die neue Exekutive der amerikanischen Zion i st en. — Die amerikanischen Poate Zion beschlossen gegen die Stimmen ihres linken Flügels die Beteiligung a m Z i o n i st e n k o n g r e tz. — Der Orden „Bne Zion" — Präsident: Richter Jacob Strahl — will sich wieder mit der Zionistischen Organisation in Amerika vereinigen. (I. P- Z ) Perfo«aüe» «* Ueiite Mitteil«»se». Berti«. Bernard Baruch, während des Krieges der Leiter des amerikanischen Kricgsindustrie-Depariements, ist auf einer Studienreise hier cingetrosfen. Brückenau. Ein gemütlicher Abend im Hotel Strauß ergab 605 Mark,fur den Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel. KreiS Offenvach. Leo Frankfurter ick Mufoogee (Oglahaina), ein Enkel des Predigers Frankfurter s. A. in Rendsburg, hat in treuer Anhänglichkeit au seine Heimat in H e u s e n st a m m in Gemeinschaft von 'mehreren Gönnern und Freunden eine hochherzige Spende von mehreren tausend Mark der isr. Gemeinde-.überwiesen, sodah dieselbe in den Stand gesetzt ist, ihr Gotteshaus mit elektrischer Beleuchtung zu verzieren und den Wiederaufbau der verfallenen; Friedhofsmauer herzustellen. Stuttgart. Oberkirchenrat Dr. Krön er ist in den R uche st a n d getreten. Alzey. In der Synagoge wurden zwei Gedenktafeln für vie im Weltkriege gefallenen Söhne der diesigen Geineinve — Alfred Koch, Erwin Strauß, Paul Küchler, Max und Ludwig Schwarz, Jakob L. Schaffner, Paul und Hugo Weinmann — ei » geweiht. Sanitätsrat Dr. Mainzer hielt die Begrüßungsansprache und Rabbiner Dr. L e w i t die Weiherede. Haag. Der Jüdische Nationalfonds veranstaltet vom 28. bis M. August in Karlsbad eine große Tagung und eine Ausstellung von Palast i n a p r o d n l t e n.n ßlv. Beim Hauptbiirö des Nationalfonds gingen im Juni 13 172 Pfundein. Parts. Professor SabrielLipPmann, Mitglied des „Institut de France", Nobelpreisträger, Ehrendoktor der Universität Leipzig usw., berühmt durch seine Erfindungen auf dein Gebiete der Optik und der! Elektrizität, ist verschieden. v Kra«ks«r1er Berichte. Austritte in Frankfurt a. M 1. Ans -der Gemeinde (ohne Zugehörigkeit zu einer anderen Gemeinde) 17. Mai, Hugo Steiner, Schauspieler, Ilnterweg SH. 2. Auzldem Judentum 3l. März Amalie Koch geb. Berliner, Brüder Grimmstr. 34. 31. „ Charlotte Amalie Strauß Wwe. geb. Ullmann, Bleichstr. 16. 6. April Kalmann gen. Karl Neubauer, Reisender, Ludwigstraße 11. 1. Mai Leopold Rosenbaum, Schneider, Am Schwimmbad 2 pt. 7^ „ Josefine Paris geb. Königsberg Wwe.. Holzgrabe» 27. 18. „ Harry Aschaffenburg, Bankdirektor, Westendstraße 94. 1 . 2. Juni Mathilde Schlier geb. Strauß, Hasenstr. 25. 6. „ Paula Dertiuger, geb. Hermann, Hanauerland» straße 72 HI. - 16. „ Paul Frankel, Kaufmann, Kleebergstr. 2. 4 ■i Die Wahlen zum Knugretz finden vom 1—7. August, mit Ausnahme des 6. in unserem Heim, Unterlindau 21, an den Wochentagen von 3—5, am Sonntag von 10—12 Uhr Mach den bekannten Wählbedingungen statt. Zur Wahl sind die Schekelquittungen oder Quittung über bezahlten Mitgliedsbeitrag mitzubringen. Bei schriftlicher Wahl ist die Schekelquittung mit dem Wahlvorschlag an die Z. Bl. f. D., Berlin W. 15, Sächsischestraße 8, einzusenden. Kleine Notizen. -Am Dienstag, 26, Juli, 2. und 9. Ülugust, abends 3 Uhr, spricht Rabb. Dr. Bondi-Mainz in der Agudas Jisroel, Hanauerlandstr. 17, über ,/Dte Schutzherrschaft der Röme r." .; Persoualie«. Mathilde Kirsch »er geb. Hamburger, Rechneistraße 1, feiert am,2. August in, geistiger und körperlicher Frische den 82. G e b n r t s t a g. Krankfurter Beranftaltuuge«. Talmud-Th ora-Beret n. (Hörsaal Gemeindefynagoge Börneplatz.) Samstag, 11: Schulchan Aruch (Unna)*), 3®/*: Raschi (Lipmskh). 3/4 Stunde v. Nacht: Mikro (Unna). Fflr kunstfertigeAasfOhrung HodemeHoleiei feinen Anstrich n. Lackierung fahrt preiswert aus. 1 In. Referenzen. --»■ Prämiiert Dasseldorf 1902 Hochstrasae59. Tel. H. 6866. Atelier Schäfergasse 15. SetzpZoris «»d Nom. VUl historischer Roman <w» bette vierten Jahrhundert. Bon Ludwig PHUippsoh«. (Schluß.) . / 7 Wohin aber waren jetzt eure Schritte gelenkt, Mirjam und Patrika? Wohin ging schon von Byzanz aus euer Denken und Sinnen?.... Nack) Osten —dorthin, wo der Charboras seine grünen Wellen mit den blauen des Euphrat vermischt; dorthin, wo Karchemisch sich an den Ufern beider Ströme hinstreckt; dorthin, wo hinter dem Häuschen der Euphratvorstadt mn Ende des Garteich ein kleiner Grabhügel sich wölbt. ... '' . So zog Mirjam zum dritte» Male durch die schreckensvolle Wüste; aber ihren Patrika zur Seite und das Grab ihres Kindes vor Angen, waren für sie alle Beschwerden, alle Mühsale leicht zu ertragen. »Sie gelangten glücklich dahin, wohin ihr Sehnen gegangen, und standen endlich an dem wohlerhaltenen kleinen Hügel. ' Das kleine Haus ging wieder! in den Besitz Patrika's üb,er, und Frieden und süßes Glück wohnten darin. Bald auch kani lAmnon ihnen nach. Mit den Mitteln, die Patrika ihm bot, begann er sein Handwerk von Neuem zu üben und führte ein braves Weib heim', i 7 A Doch nur wenige Jahre sollte Patrika diese ungestörte Rühe genießen. In Machuza, dem damaligen Hauptsitze der jüdischen Weisheit im Osten, wav Rabah, der ruhmreichste Meister derheiligen Wissenschaft, gestorben. Kein ihm ähnlicher Nachfolger bestieg seinen Sitz, R. Isaak, ein Greis, hatte mehr - 'durch seine Vergangenheit als durch die Leistungen, derener noch fähig war, Anspruch auf diese Würdet Zugleich war durch' eine römische Belagerung der Wadtgroße: BedrängniS ^bereitedrwordeg.' Da. sandten die Einwohner von Machuza zu Patrika, ihn zu bitten, das Amt ihres Vorstehers zu übernehmen. Patrika trennte sich ungernvon der ihm lieb» gewordenen neuen Heimat, trat ungern aus der Zurückgezogenheit in den Kanipf des menschlichen Lebens zurück. Aber erj fühlte, daß es seine Pflicht sei, dem Rufe zu folgen^ und Mirjam, in welcher sich ihr Patriarchenblut regte, stimmte ihm bei. Sie siedelten nach Machuza über, und es eröffnete sich hier für Patrika eine lange, ruhmreiche Lausbahn. Mit seinem Wissen und scharfen Geiste Unterstützte er die Meister der Lehrschule, daß diese bald wieder in ihrem vorigen Glanze strahlte; mit seiner Tatkraft vertrat er seine Volksgenossen bei den persischen Fürsten, und durch die Achtung, die er ihnen einflötzte, wußte er das Wohl seiner Nation zu sördern. Spät sank er ins' Grab, dahin ihm Mirjam nach wenigen Monden folgte. Sein Andenken erhielt sich lange Zeit bei seinem dankbaren Volke und erlosch selbst nicht in der Nacht der Jahrhunderte. Dem Kaiser Julian war nur eine kurze Regierung befchieden. Nach zwei Jahren schock traf ihn in einem siegreichen Treffen gegen die Perser am Tigris ein tötlicher Pfeil. Die oft so -düster brennende Fackel der Geschichte verinochte es nicht zu Erhellen, ob der Pfeil von einem persischen Bogen oder von der Sehne eines Verräters gekommen. Er war nicht der Letzte Held für Glaubensfreiheit, über dessen Gruft dieselbe Frage sich erhob. Seine Geschichte wurde zumeist von seinen Feinden niedergeschrieben, und dies sowie die kurze Zeit seiner Regierung verhinderte ihn, den Namen zu erlangen, den er durch seinen Geist, seinen Charakter und seine Tatkraft wohl verdient hätte, den Namen eines der Großen im Menschengeschlechte. Aber der Hauch seines Geistes durchwehte noch die nächste Folgezeit und war insonders für die Juden von unmetzbarem Segen. Seine Nachfolger, mitten in den Kampf zwischen den Arianern- und Katholiken hineingestellt, konnten nicht so schnell den' Weg der Unduldsamkeit und Bedrückung) wieder betreten, und noch der dritte derselben, Balentinian, erließ ein Toleranzedikt, das ausdrücklich die freie Uebung jeder Religion ohnq irgend eine Benachteiligung der bürgerlichen Rechte sicherte. -;ä Erst nach und nach begannen die Ausschließungen von Neuem, und fast eines Jahrhunderts bedurfte es, bis die Dekrete des Constantins nochmals publiziert und endlich verwirklicht wurden. Bis dahin hatten sich auch die Juden allmählich gewöhnt, dieses schwere Joch ruhig zu tragen, und was sie am Beginne dieser Zeit zum größten Dile erdrückt hätte, konnte sie nunmehr in ihrer Treue und Anhänglichkeit für ihren Glauben nicht wankend machen. Dunkle Schatten lagerten sich Aber den Gemeinden im Abendlande; aber desto heller strahlte das Licht für sie im- Morgenlande, wo die großen Lehrhäuser der babylonischen Juden und die Duldsamkeit der persischen Herrscher ihnen die Leuchte des Glaubens und des friedlichen Glückes nicht erlöschen ließen. Da, als der Orient abermals zu sinken, und von neuen Stürmen heimgesucht zu werden begann, wurde auf einem einsamen Schiffe die Fackel über den Ozean nach Westen getragen, und der Geist/ der nie ruhende, der stets schassende, weckte ein neues Leben in den Juden des Abendlandes. In Spanien, Gallien und Deutschland erstanden neue Heerde des jüdischen Geistes und des jüdischen Lebens. Erhabener Weltgeist der Du in der Geschichte Deiner Menschsett eben so wie in Deiner Schöpfung lebst und wirkest, wie wundersam find die Gewebe, die Deine Vorsehung aus zahllosen einzelnen Fäden zusammenwebet, und welche in erhabener Zeichnung und mit hellen Farben Deine-Weisheit und Deine Liebe klar und erkennbar wiedergeben! ---1