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Neue jüdische Presse · 1921-07-14 · Heft 27 (14.7.1921) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 27 (14.7.1921)
Date
1921-07-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Ente 2. Reue MWe Welle. Nr. 27. k & f: te W:' I L_- - r PK if t< t Lord Balspur. | Lord Artur James Balfour, der als Minister Des Aeußern am 2. November 1926 an Lord Rothschild! schrieb, England werde den Juden ihr nationales Heim 'Wieder errichten, ist — 73 Jahre alt — gestorben. Balfour, der — nebenbei bemerkt — Neffe und bis 1885 Privatsekretär des berühmten Premierministers Lord -Salisbury war, wurde bereits im Jahre 1966 durch Dr. Weitzmann, den jetzigen Präsidenten der Zionistischen Organisation, für die Bestrebungen des Zionismus gewonnen. Zu Nah um Sokolows „Geschichte des Zionismus" hat Balfour ein Vorwort geschrieben, das ein Ehrenzeugnis für die vornehme, gerechte Denkweise sowie für -'die intuitive ErfassmigSgabe und den Weitblick dieses englischen Staatsmannes ist. So heißt es in dem Vorwort: ,/Die Stellung der Juden ist einzigartig. Für sie stehen : Volkstum, Re ligio n nndLand in unlöslichem Zusammenhang wie bei keinem anderen Volke, keiner anderen ‘ Religion und keinem anderen Lande der Erde." Gerade heute vor einem Jahre ergriff Balfour aus einer zionistischen Massenversammlung in London das Wort und sagte u. a.: „Auch in meinen hoffnungsfreudigsten Augenblicken habe ich nicht vorausgesehen, habe ich nicht einmal geahnt, ..daß das große Werk des palästinensischen Aufbaues s o bald einfetzen würde, ja, daß es sich! vielleicht noch zu meinen eigenen Lebzeiten vollziehen würde. Das ist eines der größten und unerwartetsten Ereignisse des soeben beendeten Weltkrieges, — wenn wir überhaupt sagen'dürfen, ^daß - dieser bereits beendet ist. Dieser Krieg hat unendliches Hebel heroorgerufen, aber wenn wir unter seine Ergebnisse -hie Wiederherstellung des jüdischen Volkes und seiner alten - Heimat zählen können, so können wir wenigstens ein --großes Ereignis zu seinen Gunsten buchen, ein Ereignis, - das, so weit sich, das absehen läßt, unter anderen Umständen niemals zu einem so frühen Zeitpunkt hätte eintreffen können." Er wandte sich dann au die Adresse des arabischen Volkes, das England seine heutige Freiheit verdankt und - -von dem England als Dank erwarten dürfe, Palästina, das nur einen Engpaß des großen arabischen Gebietes bedeutet, den Juden zu geben, „die, obzwar viele Jahrhunderte davon getrennt, sicherlich doch ein Anrecht darauf haben, sich .-ihrer eigenen Art entsprechend im Lande ihrer Väter zu entwickeln, ein Streben, das beim' arabischen Volke ebensoviel Sympathie finden sollte, wie es sicherlich bei der großen Masse meiner eigenen christlichen Landsleute findet." Balfour schloß seine Rede mit folgenden Worten: „Wir haben uns in ein großes Abenteuer eingelassen; ich. sage absichtlich ,wir', und mit diesem ,wir' meine ich - einerseits das jüdische Volk und andererseits die Mandatarmacht über Palästina. Wir sind Partner bei diesem großen -Unternehmen. Wenn wir Sie im Stich lassen, bleiben Sie erfolglos. Wenn Sie uns im Stich lassen, bleiben wir er- - solglos. Aber ich 'bin ganz sicher, daß wir nicht Sie und daß Sie nicht uns int /Stich lassen werden; und wenn ich mit dieser hofinungs- und vertrauensvollen Prophezeiung recht habe — tunb ich bin überzeugt, daß ich es Habs —, dann können wir freudig einer Zukunft entgegenblicken, In der Palästina wirklich Und im vollsten Maße und Grade des Erfolges zu einer Heimstätte für das jüdische Volk gemacht werden-wird." ~ - * Schweres Gewölk hat sich in Palästina zusammengeballt. Der katholische Klerus, für den das Auferstehcn eines jüdischen Volkes in Palästina gegen die Dogmen seiner Religion verstößt, die von der heutigen Zivilregierung Palästinas ^gelösten englischen Militärs französischer Unterminierer gegen englische Interessen aus dein benachbarten Syrien -und die eingeborenen arabischen Großgrundbesitzer, die gesamte gesellschaftliche Oberschicht hat sich aus verschiedenen klrsachen zu dem einen Zwecke geeinigt, das Versprechen der -englischen Regierung dem jüdischen Volke gegenüber unwirksam zu machen. In diesem hortischen Momente ist der Tod eines solch aufrichtige» und einflußreichen Freundes wie Balfour ein besonders fühlbarer Verlust für das jüdische Volk. , / Wir Juden erfuhren von jeher so viele Lieblosigkeiten und Ungerechtigkeiten, daß wir es gelernt haben, das Gute, das man uns erweist, voll anzuerkennen und treu im Gedächtnis zu bewahren. Zn den Zadikim der Völker, die sich in unsere Geschichte eingeschrieben haben, werden wir auch Balfour rechnen! Erez Israel. Zur Frage der Einwandermrg. Der Vertreter des Einwanderungsamtes der palästinensischen -Regierung, Morris,, befindet sich gegenwärtig in - Wien, um. die Frage der Einwanderung zu regeln. Alle vor dsn 20. Mosi erteilten englischen Bisa zur Einreise nach Palästina sind ohne Vermerk Morris' als ungültig zu betrachten. Morris kommt in kurzer Zeit von Wien nach Berlin, um die Frage der Visa für die Palästina aus Deutschland hier zu regeln. Bis dahin darf kein Palästinafahrer die Reise antretcn. Insbesondere wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Reise »ach Wien oder Triest völlig zwecklos ist. Aus einem Interviews. Das aus Palästina in Triest eingetrofsene Mitglied dys zion. Aktionskomitees Katze nelson gewährte einem Vertreter der „I. P. Z." ein Interview und sagte sin dieser Unterredung u. a.: „Die Taktik der palästinensischen Regierung während- und nach den. Pogromen war sehr unglücklich. Antisemitische Beamte scheuten Line Mühe, die Balfour-Deklaration zu diskreditieren. Die in London gegründete militärische Liga steht in ständigem Kontakt mit der jndensxindlichen . ^arabischen Presse - und hat viele Wortführer nach Palästina entsandt. Ein großer Teil der Bezirksbeamten, wie auch der höheren Regierungssunktionärc läßt sich vom Geiste dieser Liga beeinflussen. Storrs und Genossen halten in Jerusalem die Regierung in ihrer Gewalt und haben Samuel geradezu gezwungen, mit dein Haisaer Kongreß zu rechnen. Einige Effendis, die aus kräinerischein Eigennutz die jüd. Kolonisation scheel ansehen, haben aus echt orientalische Weise den Ayfruhr angezettelt und den Judenhaß zur höllischen Flamme ausslackern lassen, und die Regierung, die in Gefangenschaft der Generale Storrs, Bols und Konsorten sich befindet, wagt nicht, die Verbrecher zur Verantwortung zu ziehen. Wirtschaftliches. Eine Reihe deutscher Konzerne hat Handelsvertretungen in Palästina neuerdings dortigen Firmen übertragen. So wurde die Vertretung der im Siemens-Konzern znsammengeschlossenen Gesellschaften der Palestine Company ,H i r a m" Ltd. inHaifa und Filialen in Ti b e - rias und Safed übertragen. Dieselbe Gesellschaft erhielt die Vertretung der Hirsch-Kupfer - und Messt n g w e r k e, A.-G., sowie die Vertretung der Deutschen Werke, A.-G-, unter welcher Firma die auf Friedenswirtschaft umgesLllten Reichsbetriebe und Reichswirtschaften arbeiten. — Das amerikanische Unterstützungskomitee „I o i n t", das seine hiesige Tätigkeit wesentlich abgebaut hat, errichtete statt dessen ein Kreditinstitut. Auf allgemeine Bankprinzipien aufgebaut, wird es die Gewährung kleinerer Darlehen an Arbeitergruppen, Genossenschaften usw. umfassen. - Stuart Samuels Ansicht. London. Sir Stuart Samuel, der aus Palästina zurückgekehrt ist, erklärte den Vertretern der Presse, daß die D e r h ä l t n i s.s e in Palästina sich regeln und er selbst glaube, daß die Aussichten g ü »st i g seien. Vor seiner Abfahrt aus Palästina gab bet Misrachi ein Abschiedsbankett, Samuel versprach seinen ganzen Einfluß anzuwenden, die Welt zu überzeugen, daß ein nationales Heim für die Juden ohne Sicherheit von Leben und Eigentunr! keine Bedeutung habe. Er habe das Vertrauen, daß England nicht erlauben werde, daß die Judeir der Gnade des Mobs aysgeliefert seien. versuchte man der Kleidernot zu begegnen. Es war ein Irrwahn! Behördlicher Bürokratismus schuf die sogenannten „Reichs-Anzüge". Wir erbringen den Beweis, dass die freie Wirtschaft in würdigerer Weise der Kleidernöt steuern kann. Wir liefern Ihnen für Mk. 400.— und 600.— Anzüge aus wirklich guten und tragfühigen .Stoffen, die modern und flott gearbeitet sind. Für Studenten, für Beamte und Arbeiter, für grössere Schüler sind diese Anzüge als Sonntags- und Alltage-Anzüge zweckmässig und sehr preiswert. Lassen Sie sich diese Anzüge für Mk. 400. und 600.— in unseren Geschäftsräumen vorlegen. Bamberger & Hertz Zeil 112 --—* neben der Hauptpost. Politisches. .Sir Herbert Samuel machte dem jüdische» National rat eine Mitteilung, daß das Kolonialmat in London sich auf seinen Vorschlag zur Einberufung einer «ns VoKswnhlcN hervorgehenden L a » d e s v e r s a m nt * lung entschossen habe. — Einem Versuch arabischer Elemente, die Landung jüdischer Einwanderer in Jassa zu verhindern, wurde von Regiernngsseite durch! M ilitäraufgebote nt gegen - getreten. Es wurden dabei einige- 'Araber getötet und mehrere verwundet; auch fanden Verhaftungen der Anstifter statt. Arabische Zeitungen, welche Hetzartikel brachte»,wurden dauernd-verboten bzw. ihre Einfuhr in das Land untersagt, so die Zeitungen „Kännel" in Haifa und „Alcf-Be" in Damaskus. Deutsches Reich. Zur Stargurder Affäre. Das Arbeitersiirsorgeamt teilt uns mit: Die Untersuchung über die Vorgänge im Lager Star-- gard ist nunmehr abgeschlossen. Sie hat die Darstellung des Arbeitersürsorgeamtes im weitgehenden Maße bestätigt gefünden, mtb e§ muß unerkannt werden, daß das preußische MinisLrium des Innern energisch durchgegriffeu hat. Es sind Wachmannschaften entlassen worden. Wie wir höre», soll gegen , die bei der Staatsanwaltschaft Anklage erhoben werden. Die Verpflegung wurde erheblich verbessert, die Behandlung ist jetzt, wie die Internierten aussagen, menschenwürdig. Wie wir hören, wird das Internierungslager in Stargard in Kürze aufgelöst werden. Diejenigen Personen, die nach Polen zurückzukehren wünschen, werden imch .Polen abtransportiert'werden. EnieAnzohl besonders krasser Fälle i/t bereits, neu untersucht worden; die Entlassung dieser Personen steht unmittelbar bevor. Ein dritter Teil-endlich wird bis zur Klärung des völkerrechtlichen Sachverhaltes — es handelt sich hier vor allem um Deserteure — zunächst nach dem Lager Cottbus-Sielow überführt werden, bis eine Entscheidung, die die einzelnen Fälle jedoch zu berücksichtigen hat, erfolgt ist. Es ist die selbstverständliche Pflicht der jüdischen Organisationen und der gesmnten jüdischen Oefsentlichkeit, auch weiterhin aus der Wacht zu sein, um liebergriffe und Vorfälle, wie sie in Internierungslagern nur zu leicht passieren können, sofort zu verhindern. Insbesondere muß eine grundsätzliche Entscheidung darüber herbeigeführt werden, daß arbeitende Elemente nicht interniert werden dürfen. Eine solche grundsätzliche Entscheidung ist bisher noch nicht gefallen, wenn auch die Behandlung der Einzelfälle der Internierten .Grund zu der Annahme gibt, daß dieses' Vorgehen gegen Arbeiter einer Revision unterzogen wird. Pole». Ausschreitungen gegen Juden in Weftgalizieu. Krakau, 8. Juli. (Tel. d. „Wiener Morgenztg"). In den letzte» Tagen haben sich aus der Eisenbahnstrecks Dzieditz — Drzebinie starke Ausschreitungen bewaffch neter Polen gegen jüdische Reisende ereignet. Den Juden wurden die Bärte ausgerissen, sie wurden mißhandelt und die Zahl der Verwundeten ist groß. Diese Ausschreitungen dauerten mehrere Tage, ohne daß die Behörde» die ent-- sprechende» Maßregeln zu ihrer Unterdrückung -ergriffen hätte». ffltfttt«. Orthodoxe LaudeSreprSseulanz Die orthodoxe Landcsrepräsentanz hat seit Beginn des Krieges zum ersten Male wieder getagt. Von den früheren 40 Rabbiner waren, nur 11 erschienen, da mehrere gestorben sind, während die größere Zahl infolge der Teilung Ungarns aus dem Verband der nngarischen Landesorganisation ausgeschieden sind. Präsident Frankl entwarf ein Bild der Ereignisse der letzten 7 Jahre, beantragte, daß' die ungarische Orthodoxie sich zuerst neu vrganisieren solle, um dann als kompakte Einheit der Llguda beizutreten und sprach für die Förderung von Erez Jisroel. Seine Anträge wurden nach kurzer Debatte angenommen und beschlossen, nach den Feiertagen eine große Landesversaminlung ciiizuberufen. (I. S. Z.i Rumänien. Die Sonntagsruhe. Da die Zwangssonntagsruhe eingeführt »erden soll, hat der Jüd. Nationalrat der Regierung einMeinorandnm überreicht, -in dem verlangt wird, daß, die. Juden nicht gezwungen werden, am Sonntag zu ruhen, da sie bereits am Samstag ruhen und es vom sozialen Standpunkt gleichgültig ist, welcher Tag als Ruhetag eingehalten >vird. Das Memorandum verweist auch auf ausländische Beispiele und den ökonomischen Schaden, der dadurch entstehen würde, wenn die Juden gezwungen würden, zivei Tage in der Woche zu ruhen. _' Rußland. Pogrome. \ Warschauer Zentralstellen erhalten unausgesetzt Berichte ans Weißrußland über Mordtaten und Plünderungen, welche von Banditen, die sich unter'dem Namen „Powstanci" organisierte», ausgeführt wurden. In letzterer Zeit organisierten sie in der Slucker Gegend förmliche Pogromzüge, bei welchen Hunderte von Juden das Leben einbüßten. Nach Wilna gelangen gleichfalls Meldungen von Pogromen in der Mosirer Gegend, wo die Banden nicht nur morden und plündern, sondern auch Juden als Geisel verschleppe». Die Zahl der jüdischen Flüchtlinge, welche mit Hinterlassung ihrer ganzen Habe aus ihre» Wohnorten fliehen, wächst, dadurch von neuen an. Die zionistische Zentrale in Wilna hat gleich nach Einlangen der Schreckensmeldungen Schritte unternommen, um den gefährdeten Juden Schutz zu bieten. Unter den Ermordeten befinden sich wie bei allen ähnlichen Bestialitäten zum großen Teile Greise, Frauen und Kinder. Es ' besteht der Verdacht, daß diese Banden, die sich immer mehr und mehr ausbreiten, von stelle» und Personen außerhalb Sowjetrußlands gestützt und gefördert werben. „Wien. Morgenztg." Segen Sie Jeschiwaus. In Rostow' am Don. fand vor einem p roletar ischeu Tribunal' eine Gerichtsverhandlung! gegen die Jcschüvaus statt. Der Beschuldigungsakt war von der jüdischen Sektion b e i,N B i l d u n g s k o m - m i s s a r i» t zusaminengestellt und behauptete, daß die Jeschiwaüs eine» klerikal-reaktionären Einfluß auf die Juden ausüben, Hatz gegen die sovietistische Bildung verbreiten und Müßiggänger heranbildeu. Das'Gericht beschloß die Schließung der Jeschiwaus. A«s der Misrachi-Bewegung. ‘ Jerusalem. Prof. Dr. Pick, der Luter der Misrachi- Organisatio», ist, um an der Sitzung des zionistischen Aktionskomitees in Prag und an dem zionistischen Kongreß in Karlsbad teilzunchmcn, nach Europa abgefahren. Zionistische Nachrichten. Mitteilungen SeS Büros des 12. ZiontsteukongreffeS. -' "Der Kongreß beginnt in. Karlsbad.am 1. September. .. ' -^...,7.. . ‘ 1. Tribünenkarten: ' - ' „ £ . „-"V •»t S- - n

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