Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1921-06-30 · Heft 25 (30.6.1921) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 25 (30.6.1921)
Date
1921-06-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2692297-2693227-2693252--11523-2706991
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2. Beue AüdWe Kreüe. 3k. 25. 'fx sie doch ein Bild der bedrängten-Verhältnisse der Rabbiner und der Not bei vielen Lehrern. - - Naturgemätz schloß sich daran: >D as r e li g i o n s - ' gesellschaftliche Steuergesetz" (Berichterstatter Präsident Dr. Renmcher). Klar und instruktiv sührte N. ein in 4>ie kommende Gestaltung dieser Dinge. Nach! .der Trennung von Staat und Kirche legt der Staat diesen Dingen . zu Grunde, was Rechtens erklärt wird seitens der Reli- -gionsgesellschasten und so in unserem Falle das Gutachten /der baryischen Rabbincrkonferenz, das als ein weseirtliches Merstnal die Zwangsgcmeinde fordert. Jeder Jude hat künftig in Bayern durch Steuern mitzutragcn an den Lasten für -die Allgemeinheit zur Ehre des Judentums und seiner Erhaltung. , Logischerweise rechte sich daran der ,Haushaltpla n" (Berichterstatter Dr. Rose »zweig, Nürnbergs. Imponierend in Form und Inhalt entwickelte der Redner alle! -Einzelheiten der künftigen Besteuerung für die jüdischen 'Ausgaben. Am Nachmittag fand als Ergebnis dieser Refe- ' rate der hochbedeutsame Beschluß Annahme: 500000 Mark sür Unterstützungszweckc, wovon die Hälfte zur Eingruppierung der Religwnslehrer festgesetzt wurde. Gewiß wird dieser Beschluß überall mit der. größten Genugtuung begrüßt werden. Damit hat der Gemeinde- . -verband bekundet, daß er sich seiner hohen Aufgabe be- - Mußt ist. Ein ehrenvoller Anfang auf aufwärtssührender Btchn! Des weiteren beherrschten den Nachmittag die Referate: „Vertretung des Verbandes nach.außen. Wahlordnu ng und Geschäftsordnung für die Ausschüsse. Einschlägige Verfassungsänderungen," „S ch i e d s g e r i ch t s o r d n u n g." (Berichterstatter: R.-Ä- Dr..E. Strauß, Dtünchen.) Die lichtvollen Ausführungen zeigten den tiefen Sachkenner, gehört doch der hochverehrto Redner zu den verdientesten Männern in Bayern, der mit ' Dr. N. gemeinsam in unablässiger jahrelanger Arbeit für ' den Verband gewirkt hat, dabei in rührender Bescheidenheit; Zurückhaltung übt. In der Debatte gab es etwas erregte Szenen, weil es noch immer gewisse Kreise gibt, sie werden/ glücklicherweise immer enger, die das bayerische Judentum zu retten glauben-durch Ausnahmegesetze gegen die ausländischen Juden. Auch die .Debatte über den Anschluß des Verbandes an den D.-J. G.-B. erregte die Gemüter, wie auch die Frauendebatte. Diese strittigen Fragen wurden in die entsprechenden Ausschüsse »erwiesen. Am Schlüsse gab es noch -eine erregte Szene infolge eines gemeinsamen Antrages der drei Fraktionen, die Abwehr des wüsten Antisemitismus in Bayern betreffend, aber-die versöhnliche Haltung des Präsidenten glättete.auch diese Wogen. Nachdem'noch die lange Liste der verschiedenstes Ausschüsse genehmigt worden war, konnte der Vorsitzende die Tagung unter dem Ausdruck der Befriedigung ob ihrer Leistungen und ihrer würdigen Haltung schließen. Es sei uns gestattet, einige kritische Bemerkungen anzusügen. - Zunächst einmal war dieä u ße re V e r an st a ltu ng der Tagung verfehlt. Der Saal war viel zu eng, insbesondere konnte das Publikum sticht in größerem Umsange an den Verhandlungen teilnehmen. Und das sollte vor allem geschchen: Eine solche jüdische Tagung muß benutzt werden zur Einwirkung auf die Oeffentlichkeit,ihr Interesse und Verständnis für jüdische Angelegenhesten zu erwecken. Das wirkt klärend und reinigend. Davon konnte Mber keine Rede sein. Des ferneren Haben wir bei der feierlichen Eröfsnungszrtzung programmatische Kundgebungen seltenster Fraktionen vermißt; neben den Rabbinern — die Lehrer hatten ihre -Erwartungen in chrem Fachorgan der Tagung kundgegeben — sollte das ,B„lk" sagen, was es wünscht und erwartet. Das'.konnte ohne polemische Schärfe geschehen. Vielleicht lag es darauf daß es der ganzen Tagung an einem geistigeil groß«r Zug fehlte. Biel trug dazu sicher die Ueberfülle des Stoffes für eine IV» tägige Veranstaltung bei. Die Diskussion kam nicht zu.ihrem Rechte. Wir wollen durchaus nicht einem Redeschwall das Wort reden, aber es geht noch weniger, Referate von eminenter Bedeutung ohne Erörte- ' rung zu erledigen. Nun: „Aller Anfang ist schwer." Besser: ,Lol haschalyth kaschoth". Nachdem nun einmal der Anfang Überstunden ist, werden die späteren Tagungen das alles nachholen, und andererseits geschieht die Hauptarbeit in den Ausschüssen, vor allem im „Ständigen Ausschuß" und in den .Religiösen Hauptausschüssen." ‘ Wir wollen es uns auch nicht verdrießen lassen, daß ein Teil der liberalen Fraktion. nervös wurde bei .jedem Antrag oder bei jeder Wortmeldung der „Volkspartei", die von mancher Seite als ,Mkajair" gerne dem- Untergang geweiht worden wäre. Die „Bolkspartei" hat ihre Anträge, sorgfältig vorbereitet, rechtzeitig und mit vollem Recht, nicht in letzter Minute, als Ueberrumpelung beim Präsidium eingereicht. Die Volkspartei -kann Und wird nicht dazu s ch w e i - -gen, die Ausländer unter Ausnahmerech t zu Hellen. Es war Zeit zur Prüfung und Rücksprache, ebenso konnte das Präsidium den schon am Vormittag beantragten Protest der 3 Fraktionen gegen das antisemitische Treiben in Bayern und den entsprechenden Antrag ait den ,L?ät" mit dessen Präsidenten eingehend im voraus besprühen, so w.äre der Schluß der Tagung wirknngsv oller gestaltet und vor allem vermieden worden, einen Gegensatz zwischen Rat und Tagung in die Erscheinung treten zu lassen. All diese Ausstellmigen sind aber nicht imstande, uns die Freude an dem Erreichten zu vergällen; sie solleis uns nur für künftig Fingerzeige geben, und diese sind dem allseits hochverehrten Präsidenten Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer sicher willkommen und erhöhen nur damit sein Ansehen und das Vertrauen zu ihm. Der Autisernttrsnms an der Wiener U«ive,fitSr. Einer Rede Dr. P l ä s ch k e s' im Wiener Gemeinde-, rat entnehmen wir folgende Ausführungen: ' „Vor allem die Infamie auf der Universität! .Mit aller Deutlichkeit muß hervorgehoben werden, wohin diese Stätte der Wissenschaft in der Führung der deutschen Burschenschafter und der Füchse der Verbindungen; gebracht wird. Was ist aus unserer Universität geworben! Sie, die herrlichste Leuchte und der Kulturbesitz unserer Stadt, eines der herrlichsten Güter, die die Wissenschaft überhaupt aufzuweisen hatte, ist heute der Tummelplatz wüster deutschnationaler, antisemitischer Leidenschaft geworden, und zwar deshalb, weil .sich einzelne Professoren leider herbeiließe», sich vom Aiitisemitenbund ins Schlepptau nehmen zu lassen. Und wie auch Dr. Otto Bauer erfahren mußte, haben die Herren statt der geistigen Waffen andere, schlagkräftigere Argumente sich angewöhnt. So wollen Sie den Ausschluß der Inden oder wenigstens den Numerus clausus an der Wienev Universität. Es sind die Herren Schwind und Dop sch, ferner ein gewisser Blumauer und Professor Habcrda, deren Namen nran sich sehr gut Merken muß, die dem rüdesten Antisemitismus ausgelöst haben und den Friedensocrtrag >üNü die österreichischen Gesetze nach den Vorschriften der Bierbankfüchse irgendeiner Studentenverbindung interpretieren. Wenn Sie Missen wollen, warum so viele hervorragende Lehrer von dieser Universität abwandern, so ist es nicht bloß die fremde Valuta, die sie reizt, denn unsere Professoren haben gehungert und die medizinische uild juridische Schule zu Ehren gebracht. Es> sind vielmehr die bestehenden Verhältnisse, - die einen D w o r z a k ins Grab gebracht und einen S t r z y g o w s k y anekeln. Weil unter der antisemitischen Hetze der wissenschaftliche Betrieb leidet, wollen 18 Professoren der Wiener- Universität abwandern. Wen» großen, weltberühmten jüdischen Professoren ein.Herr Kermauner vorgezogen wird, bloß weil ev Arier ist, muß der betroffene Geehrte von Wien weg. Hier in Wien könnte nicht einmal Professor Einstein eine Lehrkanzel bekommen. Sd weit ist es bei unK mit der Wissenschaft und ihrer Lehre gekommen. ist jeder Hansfran bekannt. Dass wir mit den Preisen unserer Waren auch erheblich „abgebant“ haben,. darauf müssen wir immer wieder hinweisen. Sie brauchen keine 10CKF und mehr Mark - für einen guten fertigen . Anzog auszugeben. Wir liefern Ihnen za Mk. 400.— und 600.— fertige Anzüge und Ueberzieher aus wirklich guten, tragfähigen Stoffen, die modern imd flott gearbeitet sind. Lassen Sie sich diese Kleidungsstücke für, Nk. 400.— und 600.— in unseren Geschäftsräumen vorlegen. ' Bamberger & Hertz Zeil 112 neben der Hauptpost. Staaten.gebeten, sich einzeln mit den Vereinigten Staaten über diese Frage zu verständigen. Fisher (England) .erklärte sich mit der Verschiebung iw der Erwartung einverstanden, sie werde gestatten, daß der Rat über die Ansichten der Bereinigten Staaten verständigt werde. Er sei aber, ebenso wie Präsident de' Cunha der Meinung, daß diese Verschiebung für die Mandatarmächte Unzukömmlichkeiten im Gefolge haben werde und spreche daher den Wunsch aus, der Rät möge die Angelegenheit noch vor der nächsten Bölkerbundsversammlung behandeln. Geniäß dem Beschluß des. Völkerbundsrates wird die Prüfung aller der Gruppe A ustd B zugehörenden Mandate, also auch das Palästinamandat, verschoben. (J-P-Z-) Wenn es »och bei der Wissenschaft bliebe! Aber Professor Sch alten froh hak sich mit der Mensa mademica ein ungeheures Stück Antisemitismus geleistet. Er hat die jüdischen Studenten aus der Mensa, academica, die mit jüdischem Gelbe gegründet und erhalten wird, ausgeschlossen. Sie wären verhungert, wenn es ihnen nicht gelungen wäre, mit Hilfe der amerikanischen Hilfsaktion eine neue Mensa zu errichten. Das war aber den Herren ein Dorn im Auge mid da haben die deutschen Burschenschafter eines Tages unsere jüdische Mensa ausgeräumt und die jüdischen Studenten verprügelt. Es ist hoch an der Zeit, daß endlich festgestellt wird, daß nicht ein Herr Schatten froh um» springen kann, wie er will. Es handelt sich darum,, daß derartige Verfolgungen der Lehrer und Studenten in Zukunft nicht geduldet werden dürfen und daß die Stadt Wien. nicht duldet, daß diese Verfolgungen fortgesetzt werden." Aufschub der Regeluug des PalMua- * Mandates. Auf der am 17. Juni in Genf eröfsneten 13. Session des Völkerbundsrates verlas Präsident da Cunha einen Bericht, wonach die Regelung der Mandatsfrage verschoben wurde, da die Vereinigten Staaten mitteilten, die Mandatsfrage könne nicht ohne ihre Mitwirkung gelöst werden. Aus die' Einladung, sich an der nächsten' Session vertreten zu lassen, sei von den Vereinigten Staaten weder eine Antwort eingegangen, noch seien dem Rat auf irgend eine andere Weise die Ansichten der amerikanischen Regierung über diese Angelegenheit zur Kenntnis'gebracht worden. Da Cunha hat die hauptsächlichsten alliierten Raudbemertuugeu. -Vor einigen Wochen wurde nach fünfjähriger Pause eine Hauptversammlung^ des Rabbiner-Verbandes in D eu t sch l a n d abgehalten. Die Sitzungen fanden hinter verschlossenen Türen statt, nur «in offizieller Bericht unterrichtete die jüdische Oeffentlichkeit über den Verlauf, — und es ist daher nicht verwunderlich, 'daß die Tagung in der deutschen Judenheit kein Echo gefunden hat. Fünf Jahre waren die Rabbiner nicht zusammen; dazu Jahre, in denen die aufgewühltesten Elemente tobten, und nicht die ruhigen, ebenmäßig verlaufenen Jahre von ehedem. Diese letzten fünf Jahre hätten Deutschlands Judenheit ein Erwachen bringen müssen, — mochte sie auch vorher Jahrzehnte hindurch sanft dahinträumen und die Augen ihrem allmählichen Hinüberschlummern in das Nichts des Jndifferentismus verschließen. Die Verschlechterung der staatsbürgerlicheil Position der deutschen Juden — wenn auch nicht im Buchstaben des Gesetzes, so doch in der Wirklichkeit des Lebens — und die Demoralisierung der Zeit, die auch auf das innerjüdische Leben einwirkt, -sind wahrlich^ sichtbar genug, als daß man sich über ihr Vorhandensein hinwegtäuschen könnte. Zweifellos ist auch, daß sich Mischehen und Taufen mindestens verdoppelt habe», der sicherste Beweis für die fortschreitende Verebbnng des jüdischen Bewußtseins in weitere» jüdischen Kreisen. Sturmzeichen also genug!. Und unsere Rabbiner sollten die erfahrenen, weitsichtigen Steuerleute sei», die sich um den Lauf des Schisses der deutschen Judenheit mühen! Vor dein' größten Forum Hätten sie das Weh der- Zeit hinausschreien müssen; ringen hätten sie in ihren Beratungen müssen um die Meisterung der Probleme, die es zu löse» gilt, soll Deutschlands Judenheit nicht weiter in den Strudes des Verderbens hinabgleiten! Doch sie tagten hinter verschlossenen Türen, — und wer den offiziellen Bericht liest, gewinnt den Eindruck, daß gerade die wichtigste Frage der deutschen Judenheit, die nüchterne Frage ihrer Erhaltung, die in dem Mittelpunkt der Debatten hätte stehen müssen, nicht ihrer Bedeutung entsprechend gewürdigt nnd behandelt wurde. Grotzbrttaimierr.. Die „Times" für eine starke englische Palästina-Politik. In einem Leitartikel billigt die „Times" die kürzliche Rede Churchills, nanientlich seine Bewunderung über, die Leistungen der jüdische» Kolonisten. Ohne jüdische-Hilfe werde Palästina stets nur ein krankes Anhängsel der arabischen Welt sein. Die englische Politik in Palästina müsse (n Zukunft weniger unentschlossen sein. Selbst Herbert 'Samuel sei von dieser Unentschlossenheit angestcckt worden — sein inzwischen aufgehobenes Einwanderungsverbot sei ein politischer Fehler gewesen. Durch solche Konzessionen an die Araber iverde nichts erreicht. Nötig sei »eine klare Politik für die nationale jüdische. Heimstätte in Palästina. Kurze politische Nachrichten. Gießen. Dem Landtage des Bolksstaotes Hessen ist unter Bezugnahme auf die antisemitischen Exzesse an der Universität Gießen folgende Ansrage der Abgeordneten Bauer -und Genossen zugegangen: „Das rüpelhafte Berhalteir gewisser Studentenkreise in. Gieße» und das unerhörte Verhalten der Senatsbehörde in Gießen, bei der im Anschluß an den Fall des jüdische» Studenten Falkenstein in Gießen getroffenen disziplinären Entscheidung, ist geeignet, das Ansehen der Gießener Hochschule zu schädigen. Was gedenkt die Regierung zu tun, um diese Mißstände zu beseitigen und damit eine weitere Schädigung des Ansehens der Gießener Hochschule zu verhindern?" Warschau. Die sozial demokrattiche Parder beschloß, die vor 1905 bestandene jüdische Sektion wieder zu errichten. Es handelt sich bei dieser Maßnahme um ein Mittel, der sozialdemokratischen. Partei Juden zuzusühren. Für die Juden selbst dürfte praktisch nichts dabei herauskommen, — sind doch gerade die jüdischen sozialistischen Abgeordneten Assimilanten nnd als solche Gegner der jüdischen Autonomie. Parts. In Algerien ist es wieder einmal als Erfolg französischer Kulturträger. zu antisemitischen Unruhen gekonrmen. Die Hetze des französischen Blattes „Tribüne" rief in Konstantine Tätlichkeiten gegen die Inden hervor. Antwerpeu. Die Nach'icht daß die Zavt der -Einwanderer nach Amerika auch für den Juli bereits überschritten sei, hat unter den hier auf ihre Abfahrt.wartenden Juden große Bestürzung hervorgerufen. - London. Im Board of Devuliesverlas Lu eien Wolf die Mitteilung des Auswärtigen Amtes, § 129 im Palästina-Mandat, der die in Palästina vorhandenen englischen Bürger automatisch irr palästinensische Bürger verwandelt, werde abgeändert werden. AÄf der gleichen Sitzung wurde über.die; andauerndeii Verfolgungen der Juden in Polen berichtet. New fjorf. Har ding richtete zu dir Eröffnung des jüdischen Einwastdererheims an die ,Hias" (He-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.