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Neue jüdische Presse · 1921-06-23 · Heft 24 (23.6.1921) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 24 (23.6.1921)
Date
1921-06-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24 i ßeue M»We WreM 1V Conditorei und Cafd Wilhelm Wendel AItegasse6 Telefon Hansa 1288. Frankfurter Breuteu n. Betmännchen. Bevölkerung Palästinas ist muselmanisch, und diese Mehrheit könnte ihre Macht benützen, den Juden die Einreise in Palästina zu verwehren, denen Großbritannien versprochen hat, in Palästina eine Heimat zu schaffen. Die Araber befürchten, daß ihre Einrichtungen und ihre Häfen bald in den Händen der Juden sein werben. Die Engländer müssen deshalb versuchen, ihren Versprechungen gemäß auf ' die Araber und Inden versöhnend einzu- . Wirten und sie find verpflichtet, Truppen zu halten, . damit durch diese die Ansprüche^ beider Parteien gesichert werden können. 1 Kurze politische Nachrichten. Berli». Am 7. u. 8 Juni fand in Brüssel eine von der Jca veranlaßte Konseren zder jüdischen Aus - und Durch Wandererkomitees Europas statt. Es Nfnrde beschlossen, unter der Aegide der Jca hie Tätigkeit der verschiedenen Komitees und Organisationen zu gemeinsamer Arbeit aufzurusen. Unter anderem wurde die Notwendigkeit anerkannt einer durchgreifenden Beaufsichtigung aller Emigranten in sanitärer Beziehung. Uebereinstimmend wurde anerkannt, daß die hauptsächlichste Arbeit des Komitees darin bestehen soll, sich nur mit dringenden Fällen zu beschäftige», und daß keinerlei Maßnahme getroffen iverden darf,' die geeignet wäre, zu unnötiger Atlstvanderung anzureizen. Paris. Auf einem hier abgehaltenen Kongreß der russischen rechten Parteien wandte sich Dr. Pasmanik gegen die Pogrome. Seine Worte wurden von höhnischen Zurufen fortgesetzt unterbrochen. Laudon. Die „TimeS" schreibt: Es ist unangenehm, die Verwaltung unserer französischen Verbündeten in Syrien' kritisieren zu müssen, aber man möge sich fragen, ob cs logisch von General Gouraud gehandelt ist, nachdem Syrien in verschiedene „sreie und autonome,Staaten" geteilt worden ist, eine Preßkampagne für die Vereinigung (wahrscheinlich unter französischem Mandat) Syriens und - PMstinas zu fördern, und ob es politisch oder ökonomisch ist, . so viele bezahlte. inoffizielle Agenten zw unterhalten, deren Haupttätigkeit darin besteht, die arabischen Feindseligkeiten gegen den Zionismus zu schüren und die Engländer zu „plagen". , Auch kemalitische Intrige kann in Palästina nachgewiesen werden. Rom. Aufsehen erregt eine hochpolitische Ansprache, die der Papst im heutigen geheimen Konsistorium gehalten hat. Er fordert darin alle christlichen Regierungen, auch die mchtkatholischen auf, bei der Erörterung des ^irakischen Mandats für Palästina vor dem Völkerbünde für die Wahrung der Rechte der Christen im Heiligen Lande rinzutreten. Der Papst beklagte msbesoiwere die Zunahme einer reichdotierten nichtkatholi- . scheu Propaganda seit der englischen Besetzung, die Bevorzugung der Juden, durch die Christen aus ihren Stellungen KaffeeKaiser garten Künstler - Konzert. vertrieben würden, die Erniedrigung der heiligen Orte zu weltlichen Vergnügungsloknlen. Die Juden sollen zwar in ihren begründeten Rechten nicht geschmälert, »oohl aber verhindert werden, sich über die Christen zu erheben. New Park. Alvert D. Laster»Chicago ist zum Minister für Schiffsverkehr ernannt worden. Er ist der erste von Hartung ernannte jüdische Minister. Ans der Misrachi-Bewegmrg. Liverpool. Rabbiner Samuel Jacob Rabbino. w i tzist — 64 Jahre alt — verschieden. Der Verblichene war zuerst in seinem Geburtslande Rußlauh Rabbiner (in Aleksod und in Sopotskin) und begriindete mit Rabbiner Reines s. U. zusammen den Misrachi. Er hat die meisten zionistischen Kongresse besucht. Die Misrachi-Konferenz-in Manchester (1918) wählte ihn zum Ehrenpräsident des englischen Misrachi. Seine Werke sind: Aurach joschor (Wilna, 1904), Litkusas hajomim (Liverpool), Hadaas wehalumijaus (Warschau 1900). Jerusalem. Sir St ew art Samuel, Bruder des Obcrkommissars und Mitglied der Misrächi-Zentrale, traf hier ein und wurde von Prof. Pick empfangen. Bei den Unruhen in Jaffa wurden auch zwei Misrachi-Chaluzim. getötet: der 2ljähr. Dav. Zewi Katzburg aus Budapest und der 31jährige Mordechai 11sh u d i, der bisher in D e b re c z e n (Ungarn) wohnte. Personntte» «. Keine MMettnnge». Wie». Rich ar§ Beer-Hofmann wurde für seine Dichtung „Jaakobs Traum"' mit dem; alle 3 Jahre zur Verteilung gelangenden Raimundpreis ausgezeichnet. Haag. Beim Hauptbüro des Jüd. Nationalf >^n d s gingen im Mai II573 Pfund (ca. 3 Millionen Mark) au Spenden ein. London. Die englische Presse widmet Professor A. Einstein, den L o r h H a l d a n e als „das größte Genie der letzten fünfhundert Jahre, für das die ganze Welt Deutschland dankbar sein sollte," seinen Studenten vorstellte, enthusiastische Artikel. Den Juden Englands sprach Einstein den Wunsch aus, sie "möchten ihm Helsen, die Univerfitätin Jerusalem aufzubauen. London.. Dr. M. I un g, Oberrabbiner der Bereinigten Synagogen, ist Freitag nachmittag plötzlich verschieden. Geboren 1860 in Tisza-ESzlar (dieser Ort ist t8S3 durch einen Ritualmordprozeß zur traurigen Berühmtheit gelangt), studierte er nach dem Besuch bedeutender ungarischer Jeschiwas in Marburg und in Leipzig: Rach IV-jähriger Wirksamkeit als Rabbiner in Mannheim wurde er 1891 nach Nngarisch-Brod berufen. Hier erlangte er einen weitreichenden Ruf durch die Gründung und mustergültige Leitung eines jüdischen Gymnasiums. Er gründete weitere Gymnasien in Krakau, Lemberg und Morozynetz bei Czernowitz, -von denen die zwei letztere» erfolgreich waren. 1912 wurde der.Verblichene »ach London berufen. Er war in England der- Führer der Agudas Jisroel. Seife 3. Offenbacber Drncklult-Aslage Offeabaoh a» M. Telefon 123. Unübertroffene Teppichreinignn& mittelst Druckluft. Kruukfurtrr Berichte. Ein Anfruf zur Förderung des Thora-LeruenS. Der Verein Ez Chajim — Vorstand: Rabb. Dr. Horovitz (Bors.), Jacob S. Posen (2. Bors.), Raph. Weil (Schristf.), L. B o r n st e i n (Kassierer)^ Dr. med. Fromnk, Max Kahan, CH. I. Rothenberg, E. Sasier, Dr. med. Salvendi, Nathan Sondheimer, M. Steinlauf, S.W. Quadrat — veranstaltet Hernicsweg 27 in sieben Abteilungen täglich von 2Vs—7Ve S ch ü l e r k u r s e. Die Institution ist' inzwischen so gewachsen, nnd demgemäß sind ihre Ausgaben so gestiegen, daß sie genötigt ist, aus ihrer bisherigen Zurückgezogenheit herauszutreten und -sich an weitere Kreise der Frankfurter Judenheit um Unterstützung zu wenden. Gegenwärtig werden mehr als 100 Knaben von 4 Lehrkräften unterrichtet. . Eine große Anzahl Persönlichkeiten der hiesigen Orthodoxie — an der Spitze Rabb. Dr. Nobel — hat den Aufruf unterschrieben. Personalien. Handelsrichter Moritz Waller sie in i. Fa. Leopold Wallerstein wurde zum'Handelsgerichtsrat ernannt. Frankfurter Bernustallnnge». Talmud-Th ora-Bexe im (Hörsaal Gemeindesynagoge Börneplatz.) Samstag, 11: Schulchan Aruch (Unna)*), 3^/*: Raschi (Lipinsky). 3A Stunde v. Nacht: Mikro (Unna). - Sonntag, nach Schacharis: Mischna (Groß), 9V«r Schulchan Aruch (Lipinsky), 9Ve: Gemvro (Unna). Montag, nach Schacharis: Mischna (Groß). 6%: En Jaatauw (Unna), 71-2: Gemoro (Unna). Dienstag, nach Schacharis: Schulchan Aruch (Uima), 8'/r abends: Newiim (Unna). ' . Mittwoch, nach Schacharis: Mischna (Groß), 6*/i: Chauwaus halewowaus (Dr. Braun). Donnerstag, nach Schacharis: Schulchan Aruch (Unna), SYat - Gemvro (Unna)*). Freitaa, nach Schacharis: Mischna (Groß). Fortbildung für Knaben: Samstag, 3Yr: Schulchan Ucuck (Abt. A. Dr. Unna, Abt. B. Groß, Abt. C- Dr. Braun). Montag, 6: Mischna (Groß). Dienstag, 6: Schulchan Aruch (Mt. 6. Dr. Braun)» Mischna (Mt. A. Unna). Mittwoch, 6: Schulchan Aruch *) Religionsschule Hermesweg 27. ■r Ken eröffnet! -W» Cafe Schneider, Zeit 46 Konditorei fteinster Backwaren. ' Spezialität: PralinäSm SepphoW und Rom. Mn Historischer Roman anS denk vierten Jahrhundert. Bon Ludwig PhUiPPfoh«. Fortsetzung.) „Und dann," hob Amnon noch einmal an, „habe ich noch einen, Hintergedanken, den ich Dir ehrlich bekennen will. Jddo's heimlicher Plan, Patrika an sich zu ziehen, wird dadurch gründlich zu Schanden. Patrika wird zurückschauern vor solch giftiger Liebe, und die Wohltaten, die sie ihni getan, werden dadurch gänzlich ausgehoben. Warum war sie auch in ihrer List so töricht, in ihrer Schlauheit so kurzsichtig! Konnte sie Dich hinter Schloß und Riegel bergen? Konnte niemand Dich sehen, der Dich kannte, und der mit Patrika zusämmenträfe, um ihm von Dir zu berichten?". r'.„Und was denkst Du, wird daraus erfolgen? fragte ^Mirjam. ,/Das istnicht meine, das ist Patrika's Sache.- Er muß wissen, was er zu-tut hat. Und Mirjam, ich bin nicht so unbewandert in unserm heiligen Gesetze, als daß ich nicht wüßte, was geschrieben steht! Wenn ein Weib ein Gelübde getan, und an dein Tage, wo der Mann davon hört, erklärt, er es für ungültig, so ist es ausgelöst, und das Weib trägt dessen keine Schuld."' .' Mirjam, fuhr aus, und mit einer fast zornigen Geberde .(streckte sie ihre Arme wie abwehrend gegen Amnon ans. - „Nein, Amnon, nein, nein!" rief sie aus, „das ist nicht wahr, das ist nicht recht! Das >war kein Gelübde, sondern ein heiliger unverbrüchlicher Eidschwur bei Gott! Das war ein .Kauf.durch welchen ich die ,Freiheit und das Leben meines .Patrika - erkaufte, und nachdem er beide erhalten, kann ( ich' den Kauf nicht rückgängig machen und den Kaufpreis -zurücknehmen. Das wäre ein Meineid, der auf meiner und! Pättika's, Seele ftir immer-brennen würde. Was auch an^nns gesündigt wurde, wir müssen es trägen, bis die gnädige-Schickung Gottes uns einen Ausweg finden, läßt. Geh, MmnoN, zieh hin, tue, wie Du nicht anders kannst- und fich" werde auf meinen Knieen Gott anskehen Tag und 'Nacht, euch zu schützeunndzu segnen in Kampf und Gefahr und nach.seinem! heiligen Willen unser Geschick zu V leiten) >wie »es seinHRatschluß ift.? Den <-Sinn meines Patrika und, seinen hochherzigen Geist kenne ich zu gut, um 'nicht zu ahnen, wie er handeln werde!" Das Antlitz Mirjam's strahlte von der Erhebung ihrer Seele nnd von ihrer' tiefen Begeisterung. Aber so tröstlich es .ihr war, Amnon bei Patrika zu wissen, einen solche» Freund ihm zur Seite und zur Hilfe, wo es galt, und so süß insgeheim der Gedanke, daß Patrika über seine Täuschung nun doch aufgeklärt und sie lebend wissen werde — neue Hoffnungen klopften an die Pforte ihres Herzens undbegehrten Einlaß —, dennoch fiel ihr die Trennung von de»; jahrelangen Gefährten, der ihr eine unerhörte Treue unveränderlich gewidmet, sehr schwer,, und sie fühlte. sich noch einsamer nach seinem Abzüge, »och verlassener. * Amnon eilte mit seinen'Begleitern nach dem nördlichen Italien, nnd hie und da schlossen sich unterwegs Gleichgesinnte ihm an. Bald -aber mußten sie sehr vorsichtig zm Werke gehen. Die beiden Konsuln Turnus und Florentius hatten, was sich lau Truppen in Italien vorfand» zusammengerafft und sich am rechten Ufer des Po dem Heranziehenden Heere des Julian entgegengeworfen. Amnon mußte sich daher westlich halten, um die Anhänger des Constantius zu umgehen. ' Unterdessen hatten sich' wie Bergströmc von den Höhen die Heerhansen Julians von den Lllpen über die mailändischen Ebenen ergossen. Sie Hielten nach den Befehlen ihres Anführers die strengste Disziplin, und wo sie keinen Widerstand fanden, trat Sicherheit und Ordnung mit ihnen ein. Dagegen war den'Soldaten versprochen worden, sobald sie in Rom eingezoge», die Plünderung der Häuser aller derer vornehmen zu dürfen, welche die Macht des Constantius .in jo schnöder Weise geteilt und sich noch jetzt als dessen Parteigänger benmnmen hätten. Die Vorhut des" Eupolemos rückte mit außerordentlicher Schnelligkeit gegen den Po vor, um die beiden Konsuln möglichst zu überraschen. Furcht und Schrecken waren ihnen vorangeeilt nnd hatten das Heer der Letzteren, das an sich schon schwächer war, mit Angst erfüllt und alle Zucht in ihm gelockert. " . .. , Patrika war mit seiner rschar zuerst an das User des Po gelangt. Ohne sich zu besinnen, setzte er durch eine Furt über iwd griff mit Ungestüm den ersten feindlichen Saufen, ans den er stieß, von der Seite an. AE das efecht begann, schickten die beiden Konsuln einige tapfere Mannschaft an den Ort des Kampfes, um dadurch Zeit zu gewinnen, — ihre persönliche Flucht zu bewerkstelligen. Mit unwiderstehlichem Löwenmut stürzten sich Patrika und die Männer von.Inda, die er führte, auf den Feind, hieben nieder, was sich in den Weg (teilte, und jagten - den Feind nach einigem Widerstande mit geringem Verluste - auf ihrer Seite in die Flucht. Die Flüchtlinge warfen sich auf das wenig geordnete Lager, und da es schon ruchbar geworden, daß die Konsuln sich entfernt hätten,- war bald, die gesamte Truppe aus die Flucht mttgerijsen; sie warfen dre Waffen von sich und flohen auseinander. Anfangs ver-- folgte Patrika den fliehenden Feind; bald aber erkennend,.- N daß das ansgelöste Heer des Feindes sich doch nicht wieder zusammenscharen werde,' kehrte er zu der Furt zurück,, um hier erst die Befehle seines Oberen zu erwarten, au den er einen Boten mit der «iegeSnachricht sandte. Hatte es auch - ' keine große Anstrengung gekostet, diesen Sieg zu erlangen, so machte doch der unerschrockene Mut und. der unwiderstehliche Ungestüm, welchen Pattika erwiesen, eineu sehr günstigen Eindruck auf Julianus, der sein Lob und seinen Dank auszusprechen nicht zurückhielt. Noch stand Patrika. am andern Morgen auf dem Kampfplätze, als Amnon mit seiner Schar aus ih» traf. Der Freund stellte dem Freunde sich vor das Angesicht, unk - erschien diesem wie eine Gestalt aus dem Reiche der Geister. Pattika hatte seit dem Unglückstage von Sepphoris durchaus nichts von ihm gehört und ihn längst untergegangen geglaubt. Als aber der Ausruf: „Patrika, ich bin es, Amnon!" ihn überzeugte, daß es der lebende Freund sei, der vor ihm stehe, stürzten sie sich Beide in die Arme, und ciu - halb lauten, halb erstickten Ausrufen brach der Sturm ~r ( der. Gefühle, der Freude und der Trauer, des Entzückens ( und des Schmerzens hindurch. Doch welche Worte könnte»; die wechselnden und verschiedenartigen Empfindungen schil-, deru, welche Patrika überkamen, als Amnon ihm das ganze- Geheimnis enthüllte!. In seinen Gedanken wirbelte es, und viele Stunden verginge», bevor er nur zu einer klaren Auffassung der Dinge kommen konnte. Sagte er sich im ersten Augenblicke: „Ha, das ist die echte Tochter Meschut» lam's, und wie der Vater den meinigen vernichtete, tat--; es die Tochter mit mtt," — so konnte doch seine edle Seele sich nicht lange dem Bewußtsein verschließen, daß Mo aus Liebe gefehlt, und daß er in ihr die zu ehre» habe, welche mit großen Opfern und vieler Klughett ihn der Freiheit zurückgegeben und wahrscheinlich auch sei« Leben erhalten, das ohne ihre Hülfe in dem furchtbaren Kerker . *

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