Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 21 (2.6.1921)
- Date
- 1921-06-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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. 21. der Hrabbincr Gemein er Weisj Jen, lüii >er cini ic Ail-. rag zu rimg zu )es frin l, Jiöln, ent ,,„d Die sich Ikot dci gibt sich kolonisa- > geltend u, Ivcm, ii Sinn: lnstaltn, ) mache, olgendcr zur Anm ersicu hat foIe Folge Cl'lilllbej ugcji der ieit, zum and hält eit, trotz rhaltirnu tnisse in )C Gtanier Rabr Jude», >er Auj- Borailödeiltuuii Partei' Beitrages »ach, der anisaiio- Orgmi> )ie Friewirke». irbeitnng , Frank, ie reiche Z ökonv n. g n d a i für Paurch die rgic ge. Nr.' 2t 7r I s a n r H c i ncm a n n trat ror einem Jahre in das' xozentcnkollcgi'uin des Breslauer Rabbinerseminars ein und iß heute der Leiter desselben. Dr. H r i»e m a n n denkt auszcspracheu orthodox, und der deutsche Grnppenvcrband der zgudaS Jisrael wählte ihn deshalb in seine Leitung. Wenn rin Jude wie Dr. Heinemann eine Position wie die in Kttslau. annahni, dann geschah es sicherlich in der Absicht, (r werde dem .Breslauer Seminar seinen Standpunkt aufprägen, und nian sieht ja, das; die erste Berufung, unter einer Leitung eine weitere orthodoxe Persönlichkeit, den Mismchisten Dr. R a b i n, in das Dozentenkollegium des Breslauer Instituts brachte. Doch die Agnda zog einen anderen Schluß —- nicht „lechaf sechus", viclniehr umgekehrt -, nach ihr hat Dr.. Heinemann Verrat am orthodoxen Andciltilin geübt und sich zum bisherigen Programm des Lrcslauer Seminars — „dtesiro-Hochburg" titulierten es toi 14 Tagen die Blätter der Agnda — bekehrt. Die Agnda hat Dr.. Heine,nann deshalb veranlagt, aus ihrer Leitung imszutreien. Es bleibt also die Frage, ob nicht eine versöhnlichere Haltung der Aguda, bez>v. verschiedener ihrer prominenten Nrtreier, die der Prinzipientrene der Aguda kciiieswcZs schaden wurde, manchen Zwiespalt im jüdischen Lager vermiede» hätte, Andererseits — und wir möchte» dies unterslecichen —- hätte in den anderen jüdischen Lagern mich mancher Stein des Anstoßes iveggeränmt. werden können. La hätte es das sichtbare Bestreben der zionistischen Führer in Palästina sei» müssen, auf die antiiraditivnellen Mreife eiiiznwirkcn, das; sie sich nicht bei Lassalle und Marx, sondern als Juden bei dem Sozialismus der Bibel orientieren, dag sic sich im Zeitalter der Sonntagsruhe, die nur einen -chatten der Sabbatrnye darstellt, zu der einzigen sozial wirtlich gerechte» Ruhe, der Säbbarruhe, bekennen, dag sie de» Golusjude» ausziehe», indem .sie sich mitten hinein in das Deuten der klassischen Perioden des Judentums — denn das sollten Bibel und Talmud wenigstens' für sie sei», für uns Orthodoxe sind sie weit, mehr — hineinziistellcn ocisnchten. Etwas mehr Güte und etwas mehr Einsicht ans allen -eiten, — und cs kommt Frieden in Israel! Allgemein deutscher Kautorentag. Am 16. Mai trat in Berlin der allgemeine deutsche ltanlorenverbaiid zusammen. Eine Huldigung au den graste» Mister der jüdischen Musik, Lelvandowski, leitete die ragnng ein. Ein Chor, der aus Berliner Kantoren gebildet war, trug Lewandowstis „Socharti loch" in meisterhafter Leise vor. Kantor I a c v b s o h u -Berlin-Friedenau zeichnete ein Lebensbild seines unvergeßlichen Meisters. Der stellvertretende Vorsitzende, Oberkantor Davidjoh», erösfnete die Verhandlungen mit einer Begrützungssnsprache. Er gab eine Geschichte der Organisacionsbestredüngen im deutschen Kantorenstande und ging' auf die bejendcre Lage der dtantorcn ein. Die neue Zeit hat vor dein Tor der jüdischen Gemeindestnbe Halt gemacht. In msercm demokratischen Zciialter habe» alle Stände' ihre Lcrussvcrtretnng, nur in de» jüdische» Gemeinde» herrscht die Autokratie weiter. Der Rabbiner hat sich nach schweren »äinpfen in vielen Gemeinden de» Zutritt zur.Gcmcindc- Conditorei und Cafd Wilhelm Wendel Altegasse 6 Telefon Hansa 1288. Frankfurter Breuleu u. Betmäuuclien. Heue Jüdische Seite 3. stube erkämpft: dem Kantor, und Kultnsbeamten bleibt sie noch verschlossen. Er darf seine Stimme nur im Gotteshausc erheben und hat sonst zu schweigen und zu gehorchen. Auch in der neuen Gesamtorganisation der deutschen Juden ist der Kantor ans dem Großen Rat ausgeschaltct worden, oblvohl er in zahllosen Gemeinden der einzige Träger jüdischer Religiosität und Bildung ist. An diese Ansprache schlossen sich die Begrüß,ingsansprachen der Delegierien der geladenen Körperschaften Das erste Sachrescrat über Besold u » g sn n d A »- st e l l u n g s f rage » hielt Kantor G n t t m a » n - PotS-j dam, der ein sehr trübes Bild von der Lage der. Kantoren zeichnete und seine Hingaben durch Einzelheiten aus einer Mittelgemcinde vor den Toren Berlins belegte. Seine Ausführungen gipfelten in folgende», in der Abstimmung angenon'.niene» Leitsähen: \ Die. Kantoren-Bersamminug fordert zivccks Hebung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse folgende Maßnnhmcn: 1. Einreihung in die Gehaltsstufen der Volksschullchrer des - Ortes. 2. Anstellung nach einer vereinbartes Probezeit, die drei Jahre, nicht übersteigen darf. 3..Teil-, »ahme an den Berwaltniiskorvern, in denen das Interessengebiet der Kantoren berührt wird, mit beratender und beschließender Stimme.!. Akiives und passives Wahlrecht, ö. Die Versammlung ersucht die Verbaudsleimng, diese Fordernngci! sämtlichen Geiucindeu und den zuständigen jüdischen Organisationen zu übcrmiiteln. In -der Aussprache über dieses Referat sprach sich Obcrkautor Singer-Halle für energische Maßnahmen zur Hebung dieses Standes aus. Wie jeder Bernfsstand, müssen auch die Kantoren endlich eine Organisation gegenüber den Arbcitgebcrn bilden. Eine Zivangsinnnttg deutscher Kantoren lväre das beste Heilmitlel für die Schäden, an denen der Stand lranlt. Ein weiterer Miststand ist der.Stillstand der wissenschaftlichen Bestrebungen bei vielen Kantoren. Sie sind lebenslänglich zu Sulzer und Lewandolrsli rfrurteilt, ohne die Möglichkeit einer künstlerischest Eutwickluug z» haben. Rnr der freie Fvrischritt kann hier wcitexhelfen. Kantor W ie > e r-Pyritz hofft wenig für den Kantrrcnstand von dem guten Willen der Gemeinden De Gemeinden müssen im eigene!, Interesse evtl, durch die Verwaltungsbehörde gezwungen werde»,, ihren Kantoren e.nacmesscne Gehälter zu zahlen. Der Kauloren-Verbaud muß mit der Unterstützung des deutschen Beamtenbundes eine Gesundung der Verhältnisse anstreben.. Kantor F r e u d e n i h a 1 - Luckenwalde stellte fest, daß es de», Kantoren-Verbnnd jahrzehntelang au jeder Vertretung gefehlt hat. Jeder andere Bernfsgenosse hat seine Arbcitsverhültnisse durch Tarif geregelt, doch scheint dieser Brgrifs für die jüdischen Gemeinde» nicht vorhanden zu sein. Der Ka,itore»-Verband »inst, deshalb mit den modernen Wasien »m die Existenz seiner Mitglieder kämpsen. Auch an die neue Gesamtorgaiiisation kann nur mit geringem Vertrauen yernugegangen werde», da sie den Kantoren, bezw Lehrern einen Silz im Großen Rat verweigert hat. Der Vorsitzende, Oberkantor Davidsohn, bedauerte, feststctlen zu müsse,,, daß diese Haltung der Gesamio,aani-satio,i bei den Kultnsbeamten und Lehrern eine tiefe Verstimmung hervorgernsen hat. Zur Aufklärung dieser Maßnahme sei der Verfasser des Statuts der neuen Gesamtvrgcuiisativn, Dr. Freund um seine Teilnahme an der Tagung gebeten worden. . - Dr. Freund erklärte iich bereit, eine Aufilärvog über diesen Beschluß zu geben.- Der Große Rat stelle leine. Berussvertretnng dar, sondern lediglich de» Offenbacher Drucklutt-Anlage Offenbaoh a. M. Telefon 123. Unfibertroffene Teppichreinignng mittelst Dracklnft Oberbau für den Bundestag bildet, der den Gemeinden welche die Mittet aufzubringen haben, eine» genügenden Einfluß in der Exekutive sichern soll, Bon Ausschließung oder Zurücksetzung der Kantoren und Lehrer kann keine Rede sein. Der Große Rat ist leine Berufskammer, sondern eineprinzipielle Bertretung. Die materielle Not der Beamten stand, mit im Vordergründe der Beratungen. Ein Sonder-Ansschuß, der sich mit dieser Frage beschis .ien soll, ist bereits eingesetzt worden. (Schluß, folgt.) Deutsches Reich. Behördlicher Antisemitismus in Bayern. In der Berliner „Freiheit"' lesen wir: Bon der bahrischen „OrdnnnngszeUe" ist man an Jndenhene schon allerband gewöhnt. Daß die llnivcrsitäten Hochburgen des Antisemitismus geworden sind, daß wissenschaftliche Vorträge gestört werben, wenn occ Referent ein Jude ist, daß man mit Gummiknüvpelil und Schlagringen über lie Versammlungsteilnehmer hersällt, das alles ist nichts Neues. Aber dem Antisemitismus seinen Weg auch in den L e h r b ii ch e r n d e r G h m n a s i e n .vcrjchaist zu haben, bleibt eine Soudcrteistnng Res bayrischen Neriralmonarchistische» Kultusministers Dr. M a t t. Das Ministerium des Innern hat in Bayern airgeordnet, daß. gegen die Judciihetze mit aller Schürfe vorgegangen wecoen soll. Und im Erdknndelehrbnch von Gneißbeck-Litlig-Bogel, 9. Teil. Abschnitt Rußland, findet sich folgende antisemitische Hetze: „Die dumpfen Triebe der Arbeiterschaft und der sich» unter sie drängenden Hefe der großen Städte wurden von gewissenlosen Rednern ausgepeitscht, nntcr denen sich zahlreiche Juden befanden. Denn diese hatten mit kühler Berechnung die Gelegenheit erfaßt, des bitter emvruadenen Druckesdurch Staat und 'Gesellschaft sich zu entledigen und wußten jetzt die Führung einer Bewegung an iich zu reißen, die ihnen Macht and Geltung verhieß." Ein Gymnasialprofessor, der seinen Schülern empfahl, diesen Absatz durchzustreichen, weil er nicht der Wahrheit entspreche, hatte diese Aenßerungen und noch einige andere, die ihm als „Politisieren in der Schule" ansgelegt wurden, mit einem D i s z i p l i u a r v e r f a h r e u zu büßen, das zwar noch nicht abgeschlossen ist, aber nach allen bisherigen in Bayern damit enden wird, daß der Lehrer ans dem Schuldienst entlas en werden w.rd. Das ist das übliche Verfahren in Bayern, das immer noch die Stirn hat, sich „Ordnnvgsstaatz" zu, »eniien. Deutsch-Oesterreich. Der Arierparagraph im Lesterreichischen Touristenkluö. I» einer Bekanntmachung der Sektion „Wienerwald" des Oesterrcichischen aonristenklnbs heißt es: „Um mehrfachen Anfragen zu begegnen, die ans dem Kreise unserer „ Mirgliedel' und von seiten der außerhalb der Sektion stehenden Touristen an »ns gerichtet wurden, geben wir bekannt, daß-die am 29. Avril in der außerordentlichen Haupioern Form rroel liier Chan. Aber 'aste davor kur- »grainms so »Ills! i immer eigenen >t häusyl izen doch »er wicige seien wr ihrer ire Ar sio» und kampfesicht notcnd des aus de» Pseudw Agudaa t h a ii zer M>- mß ma» n. Oder :iter der Krt und este Erl Bctlj e" sich :t. führe»- M a n i>. 8 Its». Sepphoris und Rom. Sin hijlorischer Roman <ruS dem vierten Jahrhundert. Bon Ludw.ig Philippsohn. (Fortsetzung.) Da richtete sich Helena noch einmal ans niid begann wieder: „Und doch, mciu - Julia», drückt inich noch eines schwer. "Ich gehe von dieser Erde, und lasse außer Dir nur noch ein Wesen zurück, um dessen Glück ich bange, das meinem Herzen so nahe steht . . . meine Schwester Eusebia. Wenn ich geschieden bi», so ist das legte Band Zerrissen, das Dich an den Kaiser Eoiistantins knüpft: der furchtbare Kampf wird anhebc», und wie dessen Htiisgang sein wird, Dein Sieg ivird der Untergang meiner Schwester fein! . . . Sage mir, Jnlia», was gedenkst Du ZN tun? Sage es mir offen und ganz.'/ Julianus sah seine Gattin mit festem Blicke an und antwortete nach einer Pause: „Du verpflichtest mich, die Äährheit initzuteilen, und dieser Deiner letzten Bitte kann ich nichts versagen. Ja, Helena, der Kampf beginnt, aber er ist unvermeidlich und lange vorbereitet. Gerade darum verschweige ich es Dir nicht, denn Du kennst die Bcrbält- »>ssc zu gut. Aber Du wirst cS mir zugesteheu, dast ich ihn nicht hervorrief, und daß ich ihn nicht vermeiden kann. Ich könnte Dir sagen: siehe die Pflicht legt ihn mir aus; . die Menschheit, die Böller des römischen Reiches rufen mich: | cS ist Zeit, daß das Joch der Tyrannei und llnterdrückiing , wieder etwas gelüftet werde. Ein Hauch der Freiheit, ein; Luftzug der Erhebung will kvieder und muß wieder über; die Rationen fahren, wenn nicht aites ertahmcn, alles zu Sllaventum erschlaffen soll. Die Barbaren stehen an allen > nnscrn Grenzen, sie rütteln an allen unser» Pforten, und wird jener knechtische Geist, jene Entsittlichnng noch länger genährt, welche de» Völkern alles Mark verzehrt und alle Kraftentnervt' haben, so werden die Fluten dce ivilden Horden Diber nns. hercinbrechcn, alles zerstören, alles ver- .. wüsten-chnd eine trostlose Rächt über die Bewohner dieses, } ErdhäUZ breite»! . . . Fürwahr, Helena, das Auge Deines ^.Geistes ist klar und offen genug, um dies zu Vurchschanen »nd mich: für keinen; dnnkeischauciwen Träumer zn yalte»; Dn hast lange genug a» den Grenzen der zivilisierten Welt gelebt,'um nicht meine Bcfnrcht»nss"zn teilen und sie als gerechtfertigt anzusehcn. . - . Ich kenne Deine Uebcrzeugumz und will sie nicht antastcn. Dn sollst nnveeletzt in Deinem Glauben hinüberschlummern, wie Du rein in Deinem Gewissen bist. Aber ich habe mich ans die Höhe gestellt, 'und da sehe ich die Dinge anders an. Ich spreche dem Christentum seine Größe und seine Bedeutung nicht ab. Es ist gekommen, mir dem entarteten Akeiischengeschlecht eine.Wiedergeburt zn bereiten und die entsittlichten Söhne einer großen Vergangenheit mit eiilcnr neuen Leben zu erfülle». Aber es bas nicht gehalten, was es verheiße». Es wollte die Herrschaft der Welt und hat-darum die Herrschaft des Geistes hnitciiaiigcsctzt; und iveil es jene waitie, hat es diesen rnechtcn mnsscn. — Wahrlich, Hewna, ich bin kein Hlnbeter von Steiii und Holz: aber jenes Heideiitnm, wie cs jetzt genannt wird, läßt mir den Geist frei, läßt mich die Gottheit in dem Wesen der Dinge, in den ErschLimiugen des Weltalls, in der Ratur der Geschöpfe erkeiiiicn und anbeteil, und darum ist es meiir Glaube. Und >vas ivltl ich? Das Ebristeiitn»!, ivie es jetzt ist, ivie es von seinen Priestern und .den Rcachthabern gehandhabt wird, trägt Schwert und Braiidsaclel in der Rechten, eherne Ketten in der Linken. Die-s soll es nicht länger, dies loill ich ihm nehmen. Ich iverdc es niemals verfolgen, das schivöre ich Dir in dieser Stunde: es soll frei sein, aber auch frei lassen; ich will de» Anhängern der alten Religionen die Erlaubnis geben, sich'wieder ans dem Staube'zu erheben und ans ihrem Inner» zu schassen, wozu sic noch die Kraft besitzen!" Juliauus hatte diese Worte in griechischer Sprache polt Begeisterung gesprochen und einen tiefen Eindruck ans seine Gattin hervorgebracht. Rach einigem Schweigen «vandte er sich zu ihr: „Helena? Ijaft Du mir Etwas zn erwidern?" „4kciu," sprach sie mit sester Stimme, „ich habe nichts zn erwidern." „Und »nn ei» anderes. Als Eoustnmius mich hierhersaudte, kam ich mir dem festen Vorsatz, ihm »ie Veranlassung zu Verdacht und llnwillcu zu gebe», mich genau nach seinen Instruktionen zu richten. .Ich habe diesen Vorsatz getreulich ausgcsührt. Daß ich alsbald gewahrte, wie die gallischen Völker dir ilmen auserlcgte Steuerlast nicht mehr z» tragen vermochten und sch sie ihnen daher erleichterte,-daß mir daraus die Liebe des Volkes erwifchs, daß' ich in vielen Schlachten die Feinde des Reiches besiegte, dessen Grenzen -befreite und beseslete, — wie konnte ich dies ändern? Flossen nicht dem Kaiser selbst die Bvrieile und der Ruhm davon zu? 'Aber nun erwachte der düstre Geist dieses! Mannes; er beschloß, mich zn verderben. Er befahl mir, meine meisten und besten .Truppen ihm zuzusende», und kümmerte sich wenig darum, daß dadurch Gallien seiner Verteidiger entblößt und den. Einfällen der Barbaren preisgegeben würde, noch weniger, daß diese Truppen durch ihre Kapitulation nicht verpflichtet wäre», außer Landes zu dienen. Aber ich war entschlossen, ihm auch hierin zu gehorche», was auch daraus kommen möge. Doch Du hast es gesehen, die Truppen verweigerten deic Gehorsam und riefen msch wider meinen Willen z»m Angnstus aus. Dies war mein Todesurteil i» den Augen des Constantius, und ich mußte 'daher auf das Verlangen der Soldaten eingehen. Roch jetzt bade ich alles getan, um .Eoiistantins zu beschwichtigen: ich habe ihm als Eäsar geschrieben und meinen Gehorsam zugesichcrt. llnd was tat er? Er zieht seine Heere zusammen, um sich aus mich zu stürzen; er hat Briese an die deutschen Stämnie geschrieben, »in sie nnfzuhetzen, in Gallien' einzusallc» und ihnen große Versprechungen gemacht; er will ihnen Gallien preisgeben, um-mich zu erdrücken, — solche. Briese sind in meine» Händen." Die -kranke seufzte tief ans, Trauer verbreitete sich über ihr Angesicht und. zögernd sprach sie: „O Jnliamis, das wird ein schiverer Kampf werden, und mein Herz zittert für Dich. Und doch, laß mich es sagen, hat nicht Eollstaiitius, von meiner Schwester angetrieben. Dich ans. Deiner Dunkelheit hervorgezogen und Dich zum Cäsar gemacht? Müßte nicht die Dunkelheit ..." „Fahre nicht sort, Helena." unterbrach sie Julia». „Dankbarkeit? . . . O Helena, Du kennst meine Vergangenheit nicht; ich habe sie Dir nie enthüllt, denn ich wollte Drin argloses-, tindliches Gemüt nicht durch den Gifthanchdieser Welt verbittern. Die Blume, die an meinem Herzen blühte, sollte von dein sengenden Strahl dieses vergifteteir Lebens nicht getrosfen werden! . . . Dankbarkeit — ich gegen Eonstantius! . . . Wisse, daßes weniger der Verdacht, den Eonstantius gegen meinen Ehrgeiz und meine Herrschsucht hegte, war und ist, der ihn antrieb, mich zu stürzen, — cs war der Gedanke der Rache, den seine kleinliche Seele in mir lebendig glauben mußte; es waren die Geister meines gcmordeien Vaters, meiner erdolchten Brüder, die nächtlich »m fein Lager schleichen und ihm die Blutflecken zeigen, die an seinen Händen Mben: der? Geist meiner gemordeten Jugend, der ihm stündlich den Weheruj: Rache! in sein Ohr schreien mußte. Rein, Du sollst, teure Helena, nicht von hinnen scheiden, ohne daß