Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1921)
- Date
- 1921-04-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 . , . . .... keue Jüdtptze. Presse. Seite 3 7 H. Plochmann, Verwalter Hanauerlandstr. 2 Telephon: H. 2802 T^bertran Schlüchtern. Hier wurde Lehrer More Schwarz, s ch i l d unter Beteiligung der ganzen Gemeinde, vieler Andersgläubiger und auswärtiger Freunde zu Grübe geiragen. Zahlreiche von Herzen kommerrde Trauerreden legten Zeugnis ab von dem schweren Verlust, den die Ge-, ineinde betroffen. Ter Charakter des Monats Nissan vermochte wohl die äußere^ Form des.Schmerzes zu dämvien, ihn nicht aber in seinem tiefen Kern zu rühren. Ter Verstorbene war über 50 Jahre Lehrer und Kantor der hiesigen Gemeinde. 1850 als Sohn des Rabbiners Moses Schwarzschild in Schlüchtern geboren, setzte er nach vorausgegangenem Studium der Theologie und Orientalin die Tätigkeit seines Vaters nach bessern Tode 1867 fort. Er verheiratete sich 1876 mit Zoo Klein, Tochter b& Grand Rabin Salomon Klein in Colmar, und ging nach derem Tode eine zweite Ehe ein mit Miriam Stern, Tochter des Schuldirektors Ludwig Stern in Würzbnrg. Der Verblichene hat mit seltener Rüstigkeit bis Kriegsende das Toppelamt als Lehrer und Kantor, das letztere sogar' noch bis 1920, arrsgeübt. Er war Mitbegründer und Vorsitzender deS jüdischen Lehrervereins „Jeschurun" und Ausschußmitglied der jüdischen Lehrer-Konferenz von Hessen. Die Gemeinde verliert in Sch. einen vorbildlichen Lehrer und Seelsorger. Tie Quelle seines Wirkens war sein reiches jüdisches Wissen und sein reiches reines Gemüt, die beide ineinander wurzelten und seinen: Wesen jene schlichte Geschllossenheit und Heiterkeit gaben» wie sie nur die Einheit von Wissen und Kindlichkeit schasst, die selbst nur möglich ist auf dem Boden eines reinen Gewissens. — W. — Wie». Der greise Gelehrte Josef Popper- Lynkeus schenkte seine gehr wertvolle Bibliothek — lmisassend Mathematik, Physik, Technik, Naturwissenschaft. Sozialismus und Religionsphilosophie — der I ft d. Nationalbibliothek in Jerusalem. Trieft. Der Gerer Rabbe und Rabbiner Horowicz von der Deutsch-Holländisschen Paläsiinaverwaltung sind von hier nach Palästina abgefahren. Rom. Ernesto Nathan, der frühere Bürgermeister von Rom, ist — 76 Jahre alt- — verschieden. New 0otL Zur kulturellen Stütze des traditionellen Judentums — für Schulen, Jeschiwaus etc. — will das Central Relief Committee u. a. je 8000 Dollar in bas Kownoer und in das Wilnaer Gebiet, 7000 Dollar in die baltischen Provinzen, 1000 Dollar an die Jeschiwa in Tele» und 2800 Pfund nach Palästina senden. Conditorei und Cafä Wilhelm Wendel Araittfnrter Berichte. Israelitische ReligioaSschrUe. Anmeldungen sür die israelitische Relihionssck,ule werben noch am kommenden Mittwoch, 2(4—3(4 Uhr, Herniesweg 25/27 und 4—5 Uhr, Unterlindau 23 entqeaengcnommen. Besonders hingewiesen sei auf die Fortbildungskurse sür Kinder und für Erwachsene, sowie auf den Lehrerin nenkursus. Die weit ausgedehnten, zahlreich besuchten Schiurim in Gemoro, Mischna, Schulchan Aruch, Chumesch we Raschi usw., die täg litft von 2(4—7Vs Uhr gleichzeitig in verschiedenen Klassen abgehalten werden, sind im Begriffe, als eine in 7ich selbständige Unterabteilung von der eigentlichen Religionsschule losgelöst zu werden. Daneben besteht auch in der Religionsschule selbst die Gelegenheit zum Unterricht in den robbinischen Fächern unvermindert fort. Wir hoffen, binnen kurzem Näheres über die für das Thorastudium in unserer Stadt bedeutsame Neuorganisation mitteilen zu können. kleine Notizen. Ter Montes iore-Berein wählte Dr. G nstav Löffler, der eine Wiederwahl als Vorsitzenden ablehnte, zum, Ehrenpräsidenten unb_ Sigm u n d Singer, Mitbegründer des Vereins und feit 25 Jahren Mitglied de» Vorstandes, zum Ehrenmitglied. Die Agudas Jisroel-Jugendgrupve veranstaltet Pessach-Borträge. Am zweiten Tag, 5(-4 Uhr spricht' Redakteur Schachnowitz über „Gedankenwelt des Pessach" und am siebten Tag, 4(4 Uhr, Emil Golds ch m i d t über Nessias Kapajim. Die Misrachi Orts- und Jngendgrupvc veranstaltet' am nächsten Montag, 8 Uhr im Zionistischen Heim, Unterlindau 21, eine Versammlung. Rechtsanw. Wohlfahrt wird über Ziele und Wege des Binjan Haarez und Dr. Michael über das Verhältnis des Misrachi zu dieser neurniFöderatton sprechen. In der vorwöchentlichen Austrittsliste gehörten Bäcker Sa.lonron Weil und Frau in die Liste der aus der Jsr. Gemeinde — und nicht der aus dem Judentum Ausgetretenen. Der Talmud Thora-Verein macht auf sei» erweitertes Programm für das Lommerhalbjahr 1921 aufmerksam. Es sei besonders darauf hingewiesen, daß täglich nach Schluß des Morgengottesdienstes und in der Sejira- Zeit allabendlich' 3,4 Stunden vor Nacht gelernt wird. Auch auf die Fortbildungskurse für Knaben sei aufmerksam gemacht. In der Sef iro-Zeit werden in der'Ag. Jisr. - Jugendgruppe wochentäglich 34 Stunde vor Nacht Vorträge veranstaltet. In der 1. Woche spricht Prof. Dr. S u lz b a ch. Frankfurter «eraustallnugeu. Talmud-Thora-Verein. (Hörsaal Gemeindesynagoge Börneplatz.) Samstag, nach Schacharis: Haftoro (Dr. Rabin)r), 11: «chulchair Llruch (Umta)*), 334: Raschi (Lipinsky). 34 Stunde vor Nacht: Mikro (Unna). Altegesse 6 Telefon Hansa 1288. Frankfurter Brenten n. Betmännchen. *) Religionsschule Hermesweg 27. i) Auch für Damen. Otfenbaclier Druckluft-Anlage Offehbaoh a. ■> Telefon 123. Unübertroffene Teppichreinigung mittelst Druckluft. Sonntag, nach Schacharis: Mischna (Groß), 9*4: Schul« chan Aruch (Lipinsly), 9(4: Gemoro (Unna)*), 3,4 Ltd-, o. Nacht: Menanras üamoaur (Dr. Braun). Montag nach Schacharis: Mischna (Groß), 6>4: En Jakauw (Unna), 8(4: Fortbildung fiir junge Leute, 3u Std. v. Nacht: Menanras Hamoaur (Dr. Braun). Dienstag, nach Schacharis: «schulchan Aruch (Unna), 34 Std. v. Nacht: Newckm «Unna). Mittwoch, nach schacharis: Mischna (Groß), 6(4: Chauwaus halewowaus (Dr. Braun), 3 > Std. v. Nacht: Menauras Hmnoaur (Dr. Braun). Donnerstag, nach Schacharis: Schulchan Aruch (Unna). 8(4: Gemoro (Unna)*). Freitag, nach Schacharis: Mischna (Groß). Fortbildung für Knaben: Samstag, 3(4: Schulchan Aruch (Abt, A. Dr. Unna, Abt. 8. Groß, Abt. C. Dr. Braun). Dienstag, 6: Schulchan Aruch (Abt. C. Dr. Brauche Mischna (Abt. A. Unna). Mittwoch, 6: Schulchan Aruch (Abt. 6. Groß),-Donnerstag, 6: Gemoro (Mt. A. tÄdt. B. Groß). Donnerstag. 6: und Freitag, 5%; Gemoro (Abt. A. Unna. Schiur s Damen: Mittwoch, 6'/«; Dinim (Unna). Mekor Chajim, t. Tag Pessach, 4(4: Hagada (Schachnowitz), 8. Tag Pessach, 4(4: Schic Haschirim (Dr. Ehnnann); jeden Morgen: Mischna. Peffach in Rußland. (Schluß.) Während meine Mutter mit dem Tischdecken und dem Borbereiten der verschiedenen kleinen Symbole für die Abendfeier beschäftigt war, kam der Vater oft und erkundigte sich, ob nichts vergessen worden sei. Zur Krönung des- Werkes ließ die Alutter noch einige Daunenkissen und eine weiße Pikeedecke holen und bereitete sür den Vater zur linken einen Ruhesitz, das Hessebett, ein ähnliches wurde auf zwei Stühlen für die jungen Männer ireben ihre» Sitzplätzen hergerichtet. Jeder Winkel atrnete Sauberkeit und Behaglichkeit, und die festliche Stiminung, die im Hause herrschte, teilte sich jedem mit. Die Abenddämmer stiegen langsam hernieder. Die Teestunde nahte. Wir tranken und schlürften das duftige Getränk mit besonderem Behagen, denn er schmeckte in der trefflichen Umgebung ganz besonders gut. Alles blitzte und funkelte. Selbst ftir das Trinkwasser waren neue.Gefäße in Verwendung. Run ging es an die Toilette! Es dauerte nicht lange, so erschien meine Mutter festlich gekleidet, um die Kerzen Carl Grebenau -ioh. Wohack Nacht. amtl. beeidigter Taxator. Gegr. 1798. Tel. H. 913 n. 6069. .- * 1 * ~ Kaiserstrasse 1. . . Juwelen, Uhren, Gold- und Sllberwaren Israel. Kullnsgegenstände für Synagoge n. Hausgebrauch. WM* Answahlsendnng gerne zn Diensten. -WM Sepphoris und Rom. Ei« historischer Roman aus dem vierten Jahrhundert. Bon LrUttvig Phllippsoh«. (Fortsttzung.) Alle listigen Reden, alle Schmeicheleien und Drohungen Jddo's brachten ihn von diesem Entschlüsse nicht ab; ja, nicht eimnal dazu verstand er sich, wenn ihm ein Schreiben aus einer Stadt Griechenlands von dortigen -Männern über das porgeschützte Ableben Mirjam'» zugesandt würde, es mit den einfachen Worten an Jddo zn schicken, daß er es enrpfangen habe und ihr übersende. Jddo mußte daran denken, sich ein solches Schreiben selbst zu verschaffen und es mit so vieler Glaubwürdigkeit zn versehen, als dies ohne einen Beistand der Freunde Patrikas geschehen könnte. Jede Leidenschaft macht blind, blind nicht bloß für das Unrecht und das Verbrechen, sondern auch für die Mittel, die sie verwendet. Wußte sie gar nichts von Amnon? Hatte sie nicht einmal danach gefragt, unter wessen Schutz Mirjam vom fernen Osten nach Roni gekonrmen? Begnügte . sie sich mit der .Zusicherung des alten Gideon, daß er wenigstens schweigen wolle? Genug, sie glaubte zn triumphieren, und.schritt rasch an die Ausfiihrnng ihres Planes. Freilich mußte auch sie das Versprechen wieder-' holen, Patrika nicht aufzusnchen und an sich zu ziehen. Aber sie tat dies mit dem Vorbehalt und-der heimlichen Hoffnung, daß Patrikaviel zu sehr von Dankbarkeit gegen sie, seine Retterin, glühen würde, um nicht, sobald die Umstände es gestatteten, zu ihr zu kommen. Da damals Gesetz und Sftte die Ehelichung mehrerer Frauen nicht untersagten;' so glaubte sie ohne Gewissensunruhe dereinst die Hand Patrikas annehmen zu können. Jddo entfaltete, um ihre beiden Ziele zu erreichen, alle die List, welche in der Schule der schöne» Römerinnen; erlernt und geübt wurde, wenn sie ihren Leidenschaften sröhnen wollten. Während sie ait dem leichteren Werke arbeitete, von dem feilen. Magistrate irgend einer griechischen Stadt auf dem Wege, den Mirjam zu passieren hatte, sich ein Dokument zu verschaffen, das die Erkrankung und den-Toi» der unglücklichen Pilgerin an dortigem Orte amtlich bekundete, traf-sie die Vorbereitungen, die Flucht Patrikas zu ermöglichen. Es'konnte diese bei der außerordentlichen Bewachung des Gesängnishauses nur durch ein sein gesponnenes; Gewebe von Listen und ein' ganz grobes von Bestechungen bewerkstelligt'werden.. So groß , auch die letzteren wareir, erreichten sie aber doch die Summen nicht, welche Jddo der Gattin des Gefangenen vorgeschützt hatte. Sie ließ - zunächst ihren Schützling F-austus kommen, der wohl wußte, daß seine ganze Zukunft von der schönen Frau abhinge. „Nun," sagte sie itt -leichtem Tone, „Faustus, wie geht es Dir?" „Recht gut, Herrin, weint die Zukunft der Gegenwart entspricht und jene erfüllt, was diese verheißt." „Das ist nicht viel; »»an .muß nach mehr streben, Faustus; sonst ist man dessen nicht einmal wert, was man hat." - „Und was sollte einem so armen Burschen bevorstehen, wie ich bin, der allein von der Gnade meiner Herrin abhängt, und lediglich das ist, wozu Deine Güte' mich macht?" „Nun sprich, Faustus, was sind denn Wohl Deine nächsten Wünsche?" „Doch wohl keine andere, als daß Deine Fürsprache mir meine jetzige Stellung fiir innner sichere." „Ei, Faustus," fuhr Jddo lächelnd fort, „ist denn die Stellung eines Aufsehers über den „linken Flügel Nr. 1" eine so' trefflich dotierte und so schön ausgestattete, daß Dir keine andere behagen. Du Dich in jeder andern: unglücklich fühlen würdest?" Faustus fing an, aufzuhorchen. Er merkte, daß seine gütige Beschützerin eiwps Besonderes im Schilde führe, und da er ein gescheidter Kopf war. begaitn er die ganze -Angelegenheit zu wittern. Aber vorsichtig wie er mar, schwieg er, um von Jddo einen Schritt weiter zu erwarten. Diese fuhr bald-fort: „Bist Du denn Faustus tu das Gefängnislebeu so vernarrt, daß Du eine andere Lebensart gar nicht vertragen könntest? Im Grunde genommen, ist so ein Gefangenanfseher auch nicht viel besser als ein Gefangener, nur mrt dem Unterschiede, daß er' von seinem Zimmer zum - Kerker, und von diesem zu jenem gehen darf, während der Gefangene nur innerhalb seiner Zelle verbleiben muß. Selten genug darf auch jener die schwarzen Mauern verlassen, welche die Aufseher wie die Beaufsichtigten umschließen." „Herrin,", sagte Faustus, als Jddo zu sprechen an-' hielt, „es ist doch ivohl nicht recht, in jemandem den Durst zn wecken, der ihn bis jetzt nicht empfand, und ihm nicht zugleich den Becher zu reichen, mrs welchem er ihn 'zu stillen vermag." - „Gemach, mein Junge," lautete die Antwort, „zuvor muß mau doch erst sehen, ob der Durst in dem Manne überhaupt möglich ist. Doch reden wir offen. Faustus, Dein Schicksal macht Deinem Namen Ehre, wenigstens bietet es Dir die Gelegenheit dar, glücklich (Faustus) zu werden. Du sollst die Freiheit haben. Du sollst Dich begeben können, wohin Du willst, treiben könrren, was Du ivillst, sein können, wer Du willst. Ich will Dir eine Summe geben, groß genug, üin überall davon leben und und den Herrn spielen zu können, wo und wie es Dir gefällt. Es versteht sich, daß Du eine Zeit lang Rom und Deine bisherigen Spießgesellen vermeiden mußt; allein das wird nicht sehr lange dauern. Du weißt, die Dinge gehen hier zn Lande schnell." Faustus stand verblüfft da; ein solches Anerbietei« konnte er nicht vermuten, und doch imponierte ihm die Zuversicht, mit welcher Jddo redete und aus der ihm sofort klar geworden, daß es sich hier durchaus um keinen Scherz handle. Langsam kamen die Worte aus seinem Dfttnde: „Und was habe ich dafür zu tun?" ,Du bist ein kluger Kerl," antwortete Jddo,- „und ein gewissenhafter Mensch zugleich. Du willst nichts geschenkt haben, und weißt, daß eine Liebe die andere wmt ist. So komm her; was ich Dir 'zn sagen, taugt albern für Dein Ohr: Du mußt Patrika zur Flucht verhelfen." Faustus machte jetzt ein weit weniger verlegenes Gesicht als zuvor, denn während Jddo sprach, hattet die Wahrheit schon in ihm gedämmert. Er sann lange nach; aber endlich richtete er sich aus, warf sich in die Positur eines Mannes, der' seiner Sache schon gewiß ist, und. sprach: „Herrin, für Dich ist mir alles möglich. Wer hast Du bedacht, wie viel dieses Wagestück kosten wird?" Sei» lauernder Blick ruhte auf dem entschlossenen Gesichte Udos. „Wohl habe ich dieses bedacht," erwiderte, sie, „aber' sieh Faustus, wenn zu viel gefordert wird, brauche ich es -ja nicht zu tun. Mir wäre die Befremng des Gefangene«? lieb, sehr lieb, aber eine Grenze hat alles. Geh nach. Hanse, Faustus, entwirf einen Plan, berechne alles, und komm dann her und lege es mir vor. Ich habe Dir; gesagt, welche meine Absicht mit Dir ist, was aus Dir werden solle, und ich >veiß, was hierzu wohl nötig wäre. Zwischen diesem und dem Verluste Deiner bLherigen Stehlung würdest Du zu wählen haben. Dies bedenke wohl'/* (Fortsetzung, folgt.) .