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Neue jüdische Presse · 1921-04-08 · Heft 14 (8.4.1921) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 14 (8.4.1921)
Date
1921-04-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 14. i&'-r. I’i fc ,.5' A. Dl. Thyssen Stets Eingang -MT Neuheiten in Tapeten "WM Teppiche Läufer Vorlagen 20 Nene Mainzerstrasse 20 Ecke WeiBsfraaenstraBse. Telefon: Hansa 1784. fungieren, juujjte die rituellen Nahrungsmittel von auswärts beziehen usw. Doch all diese Opfer sind noch gering gegenüber denen, die in Orten wie Magdeburg die Kinder verursachen, wenn sie dem Milieu des Elternhauses erhalten werden sollen. Wahrlich, wieviel Heldengröße hat dieses allem Flittertand des Aeußerlichen und der Selbstsucht abholde Leben verdeckt! Mosvach tBaven». Nathan Rothschild ik — 80 Jahre all — verschieden. Bis in sein hohes Alter geffüg und körperlich frisch, hat der Verstorbene regen AnteÜ an allen Angelegenheiten der Gemeinde wie auch der Stadt Mosbach genommen. Er gehörte dem Vorstände vieler Vereine an. Mit warmschlagendem Herz und offener Hand war er ein immerbereiter Helfer bet Bedürftigen. Durch seinen geraden Charakter und leutseliges Wesen war er weit und breit beliebt. Seiner Bahre folgte daher eine ungewöhnlich große Zahl Freunde von Nah und Fern. Am Grabe sprach Rabb. Löwen st ein für die Gemeinde Mosbach sowie der Vorstand des Kriegervereines namens Verschiener Vereine. Gary besonders hat der Verstorbene in Folge seines energischen Auftretens die Einführung eines Reform-Gebetbuches in Baden verhindert. Budapest. Im ersten Halbjahr 1920 wurden im un» besetzten Gebiet Ungarns nach den Veröffentlichungen des Statistischen Landesamtes 526 jüdisch-christliche Ehen geschlossen, eine erschreckend hohe Ziffer. Der Baum des ungarischen Judentums muß sehr viel ' abgefaulte Blätter haben, wenn fäbst das herrschende antisemitische Pogromregime ohne Einwirkung bleibt. — In Szekcsfehervar starb Oberrabbiner Dr. I. Steinherz, Direktionsmitglied des Landes-Rabbinersemiuars. : , i M Carl Grebenau - Job. Wohack Nach! amtl. beeidigter Taxator. Gegr. 1798. Tel. H. 913 n. 6069. —- — -■;■ Xaiserstrasse 1. - ■- Juwelen, Uhren, Gold- und Sllhernraren Jsrael.Kaltnggegenstände für Synagogen.Hausgebrauch Aoswahlsendong gerne an Diensten. SOU m - I':' r> T ..r gegenüber. Prüfende Blicke warfen sie auf einander, und die erfahrene Jddo.erkannte sogleich, trotz des leidenden Aussehens Mirjams, selbst in den eingefallenen Wangen, in den Furchen der Stirn, in den gramerfüllten Augen eine Schönheit, die ihren höchsten Reiz aus der Unschuld des Herzens, aus dem .erhabensten Feuer der Seele, aus einem unverlöschlichen Adel des Geistes zog. Mirjam aber war betroffen von der blendenden Schönheit Kdo's, von dem Glanz ihrer Erscheinung, von der Feinheit ihrer Formen, und ihr demütiger Sinn wand heimlich einen Seufzer aus ihrer Brust, wenn sie diese vollendete Anmut mit dem eigenen Bilde verglich, das chr nur noch eine vom 'Sturme des Lebens geknickte Blume darzubieten schien. Mirjam trat zu Jddo heran, die sich von ihrem Sitze leicht erhoben hatte, streckte die Hände gegen sie aus, und sprach init tief bewegter Stimme: „Hohe Frau, verzeihe, wenn ein unglückliches Weib sich in Deine Nähe drängte. Wer ich muß vor allem den Dank meines Herzens Dir darbringen für die unendliche Großmut, die Du an meinem vom Geschick verfolgten Gatten geübt! Wie' Du so edel und hochherzig in die dunkele» Räume seines unterirdischen Kerkers hinabgestiegen, und das schon erloschene Licht des Twstes Und der Hoffnung dem Verlassenen, Verzweifelnden wieder angezüirdet hast, wie Du fiir seine Erhaltung gesorgt, daß er in dem Elend seines Gefängnisses nicht verschmachtete! Fürwahr, Du bist unser Schutzengel, und hätte' der Herr ein Wunder getan, und einen Rettungsboten aus seinen Höhen gesandt, er hätte nicht mehr für uns tun können, und weniger Verdienst gehabt, denn Du hast die persönlichen Mühen und Gefahren nicht gescheut! . ." Selbst Jddo, deren Geist doch von ganz andern Gedanken beherrscht war, konnte sich einer tiefen Rührung/ nicht entschlagen, als sie diese von einem Strom von Tränen begleiteten Worte vernahm. Und dennoch brachte sie es nicht dahin, Mirjam zu umarmen und zu beruhigen, sondern sie sprach nur die Worte: „Wer, Mirjam, wie kannst Du so viel aus dem Machen, was ich getan, da es doch nur die einfachste Schuldigkeit eines Verwandten für ihren unglücklichen Vetter und Jugendfreund" — und sie betonte dieses Wort sehr stark — .„war, was geschehen." Es waren weniger diese einfachen Worte, als der kalte Ton, mit welchen, sie gesprochen wurden, der auf Mirjam! in eigentümlicher Weise wirkte, und schnell ihre Tränen, trocknete - Sie. .folgte der Einladung Jddo, sich mieder- Neue Jüdische Presse. Kraakfurler Berichte. Beratuugsstekle für jüdische Kinder. Der Ausschuß für die Interessen des jüdischen KindeS, eine. Zweigstelle der Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege, hat in der Stiststraße 30 «ine Beratungsstelle für jüdische Kinder unter fachkundiger Leitung eingerichtet. Es wird daselbst den Eltern unentgeltlich Rat erteilt in allen ihre Kinder betreffenden Fragen, im gesundheitlichen, erzieherischen oder Unterrichtsangelegenheiten, wegen Erholungskuren oder Landaufenthalt, Pslegestellen, materiellen Unterstützungen und Beihilfen. In der Beratungsstelle selbst werden Unterstützungen nicht gewährt. Die Beratungsstunde findet jeden Mittwoch von 5—3 Uhr Stiststraße 30, Erdgeschoß, statt. Puriwfeier des jüdischen Turnvereins. Am 2 April lud der Jüd. Turnverein seine zahlreichen Freunde zu einer Purim-Feier, und wie gewohnt konnten die weiten Räume des Vollsbildungsheimes die große Menge der Erschienenen kaum fassen. Wie alle Fcste. die der I. T.-B. bisher gegeben hat, ist auch dieses wiederuin. glänzend gelungen. Im Vordergrund der Darbietungen stunden unter der bewährten Leitung von Turnlehrer N i e m e y e r turnerische Vorführungen sämtlicher Abteilungen (Herren. Zögling-, Knaben, Damen und Mädckien), die, mustergültig ausgeführt, die größte Betvunderung sämtlicher Gäste hervorriefen. Besonders fielen bierbei die vorzüglichen Leistungen oec Herrenriege am Reck auf. Jndcß. alle Leistungen zeugten von dem ernsten Arbeitswillen des I. T.-B. auf den, Gebiete der Körpererziehung der jüdische» Jugend. Ms zweite itkummer folgten zwei sehr originelle jüdische Puppenspicle, deren in tvitzigen Versen abgefatzter Text von Zahnarzt Dr. Salli Levi stamme, und zu denen Fräulein Else A h r e n d s in künstlerischer Avsfülnuiia die Puppen angesertigt hatte. Ein voller Erfolg waren auch die lebenden Bilder aus der ji'ckäschrn Geschichte, gestellt von Miigliedern des I. T.-B., und von Julius L u b o w s k y mit großer Sorgfalt und viel Geschmack hervorragend inszeniert. Reichen Beifall erntete ferner ex Batst, der, von Frau Dr. Strauß auf dem Flügel begleitet. daS Andante aus dem Menbclssbn-Violinkonzert, sowie ein Meunett von Beethoven mit Virtuosität spielte. Auf die künstlerischen Darbietungen folgte ein Ball. Während der Tanzpause fand noch ein komischer Boxkampf tHerzberg—Jsenberg) statt, sowie ein Solotanz von Fräulein S ch a u in h e r g e r. ~ Mir haben wieder einmal einen harmonischen jüdi'chen Abend erlebt der einem volle Befriedigung gewährte, da er von praktischer, jüdischer Arbeit ein schönes Zeugnis ablegie. Möge er auch allen Nichtmi'glicbern des I. T -V und der gesamten jüdischen JUgend Frankfurts ein Ansporn sein, de» I. T.-V., durch veriönliche Mitarbeit an seinem Bestreben zu förde.». (Bereinsüü.o und Auskünfte: llnterlindau 2l). Eine jüdische Bühne. Seit einiger Zeit spielt in Frankfurt täglich eine jüdische Bühne. „Theater Löwcnhof", Hanauerlandstraßc 38. Das Prograinin bietet vor allein jüdische Bühnenstücke leichterer Art, Operetten, dramatische Spiele und ähnliches mehr. Wir werden noch Gelegenheit haben, in größerem Zusammenhänge Probleme heutiger jüdischer Theater-Kunst zu erörtern und hierbei im besonderen auch zulassen. Dann erhob sie die stellenden Blicke zu Jddo und sprach leise: „Wirst Du. mir sagen, wie Du chn gefunden?" Jddo erwartete diese Frage, und fand sich bereit, sie zu beantworten. -Aber es geschah in keiner schonenden: Weise, sondern wie absichtlich malte sie die unerträgliche Beschaffenheit des unterirdischen Gewölbes, den leidenden Zustand des Gefangenen, die kaum verharschten Narben, den fast gelähmten Arm und die trübe Stimmung, die sich des zur Gefangenschaft Verurteilten bemächtigt haben mußte, ausführlich aus. Während die Erzählerin nur leicht über das hinausging, was sie selbst für ihn getan, betonte sie alle Schrecken, die in dem dunklen, Kerker herrschten. Sie machten eine furchtbare Wirkung auf die Zuhörerin. Ihre Wangen wurden immer bleicher, ihre Augen sanken immer tiefer, ihre Lippen waren krampfhaft geschlossen, sie bebte und kalter Schweiß rann über alle Glieder ihres Körpers. Wer ihre Spannung war so groß, daß sie gierig jedes Wort von den Lippen Jddo's erhaschte. Als diese geendet, brach Mirjam zusammen, und sank in eine tiefe Ohnmacht. Jddo blieb allein mit ihr und suchte durch starke Essenzen ihre Lebensgeister znrückzurufen. Es gelang ihr nach einiger Zeit: aber als Mirjam chr Bewußtsein wieder erlangt, verriet der erste Blick ihrer Augen ihre Gegnerin, daß keine Dankbarkeit mehr in ihrem Gemüte lebe, daß sie die Feindseligkeit Jddo's wohl erkannt habe. Sie lehnte sanft allen ferneren Beistand ab, gewann nach, einer kräftigen Anstrengung eine sichere Haltung wieder, und richtete nur die Frage an Jddo: „Ist keine Hoffnung für die Befreiung Patrika's vorhanden?" Die Römerin hatte ihren Sitz wieder eingenommen, und erwiderte mit Entschiedenheit: „Von oben her keine. Constantius ist kein Mann der Begnadjgmrg, .seinen einmal ausgesprochenen Willen ändert er nie. Und die Verhältnisse sind derart, daß wir nur noch' geduldet werden. Er könnte nur durch die Flucht gerettet werden, ich sage gerettet werden, denn lange Zeit vermag er das Elend der Gefangenschaft nicht mchr zu ertragen." Mirjam fühlte wohl, daß hier iwch ettvas Besonderes verborgen liege, daß ihrer noch etwas Furchtbares warte, nur daß sie noch keine Vorstellung hatte» was. dieses sei, und mit tiefer Niedergeschlagenheit fragte sie weiter: „Und wird diese Flucht zu ermöglichen sein?" f. U. Plochmann, Verwalter Hanauerlandstr. 2 Telephon: H. 2802 das Brate zvu1 FrQbjahrskur. die Aufführungen und die Leistungen derjiddischen Bühne zu besprechen und zu werten. Freunde des jüdischen Theaters und vor allem ostjüdischer Bühnen-Vollskunst seien auf das neue Unternehmen als auf einen in jedem Fall instruktiven und eigenartig-interessanten Versuch hingewiesen. Eemeluvevertretung der Israel. Gemeinde. Da auf dem Friedhof nur noch etwa 400 nichtreservierte Grabfiellen nicht belegt sind, so muß jetzt mit Energie an die Errichtung des neuen Friedhofes herangetreten werden. Die Gemeindevertretung bewilligte daher 50 000 Mark für Vorarbeiten bis zun«. Zusammentritt des Preisgerichts. Die hiesigen Architekten Epstein, Prof. Hülsen, Hiller, Kaufmann, Paravicini, Röckle und Seckbach solle» zum Wettbewerb aufgesordert werden. Aus der Debatte ging hervor, daß die Liberaleil auf den, neuen Friedhof die Errichtung eines Kolumbariums (Halle für die Urnen mit den Aschenrcsten verbrannter Leichen) wünschen. Bei dem nächsten Punkt der Tagesordnung verlas der Vorsitzende ein Schreiben der Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes, in dem dagegen Verwahrung eingelegt wird, daß bei den Wahlen in der Börneplatz-Synagoge die Frauen übergangen worden sind. Frau Adele Meyer erklärte hierzu, sie stehe auf dem Boden der Tradition, doch sehe sie nicht ein, warum in der Frauen-Wteiluilg nicht Frauen die Aufficht führen, also als Synagogenvorsteher fungieren sollen. Kleine Notizen. Sonntag, 10. April, veranstaltet der Tal m u d Thora-Berein nach Mincha im Hörsaal der Gemeindesynagoge Börneplatz einen Vortrag über D i n i in schel Pessach (S. Unna). Teilnahme von Damen erwünscht. Die Israelitische Religio nsschnle »inlmt gegenwärtig A n m e l d u n g cn entgegen. (Näheres siehe heutiges Inserat.) Es sei auch auf den Fortbildungskursus und den Lehrertnnenkursns der Religionsschule hingewiesen. Ter 100. Geburtstag des shnagogalen Komponisten Lewandowsky, des Schwiegervaters des Philosophen Hermann Cohen, gab auch in Frankfurt Veranlassung zu Gedenkfeiern. P _ Biuiao _ MT Büromöbel "V8 Geleg enheitskSufe in Fioohi Bfiro-y Schreib* mesohlnsntlsohen, Stahlen, Sesie’n, eiserne Kontor-Sehranke. Freya, Bfiro-Einrichtnngen.Tiieaferpl.l4- „Sie wird es," erwiderte Jddo, „aber nur durch die allergrößten Opfer. Sie würde eine außerordentliche Summe ’ kosten, denn es müßte eine große Zahl von Menschen bestochen werden, welche alle gierig, einige gar nicht zu befriedigen sind. Und auch da wäre noch die ungewöhnlichste Vorsicht, die feinste List notwendig." „Und was könnte ich hierbei tun?" „Nichts und alles. Zur Ausführung des Planes kannst Du gar nichts beitragen. Die Personen, die dabei beteiligt wären, sind nur mir bekannt, und nur ich weiß sie zu behandeln. Die Geldmittel, die Dir aus den Trümmern eures Besitzes geblieben sein können, würden nur einen sehr geringen Teil dessen ausmachen, was erforderlich ist. Selbst von meinem Vermögen, so beträchtlich es ist, wird nur wenig übrig bleiben, und ans meinen Vater darf ich nicht rechnen. Dennoch soll es geschehen, aber den eigentlichen Preis, Mirjam, hätte kein anderer als Du zu zahlen." Jddo sah bei diesen Worten das unglückliche Weib mit einem durchbohrenden Blicke an, daß es zusammenzuckte, und fast tonlos erwiderte: „Und worin soll dieser Preis bestehen?" Jddo nahm einen wärmeren Ton an, rückte ihren Sessel naher an den Sitz Mirjams, und sprach: „Mirjam, ich will offen mit Dir sprechen. Es muß ttar zwischen uns werden. Hat Dir Patrika von dem Grunde gesprochen, weshalb er damals Rom verlassen hat?" Mirjam schüttelte mit dem Haupte. „Nun gut, nicht an ihm und nicht an mir lag es, es war ein böses Geschick, das zwischen seinem und meinem Vater gespielt. Aber, bevor es Patrika bekannt geworden» gehörten unsre Herzen einander zu, wir liebten uns, wir waren für einander bestimmt . . . Patrika riß sich los, wie gesagt, ohne unsre Verschuldung, ging nach seiner Heimat, sah dort Dich, und Du wurdest sein. Ich aber blieb mit nieinen Gefühlen allein zurück, und sie schlummerten nur unter, der dünnen Decke, welche der Zwang der Verhältnisse darüber gebreitet. Sie sprengten diese, als er gefangen und verwundet nach Rom zurückkam. Für den Unglücklichen erwachten sie wieder, während sie vor seinem Glücke ruhig geblieben. Ich wagte und tat alles, ich sah ihn wieder, und der Anblm des edlen und großen Mannes fachte die Funken zur Flamme an. Darum, Mirjam, urteile über mich, wie Du'willst: Uch'ivill ihn befreien, aber nur — wenn Du ihm entsagst ..." . (Fortsetzung folgt)

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