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Neue jüdische Presse · 1921-04-08 · Heft 14 (8.4.1921) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 14 (8.4.1921)
Date
1921-04-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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es» 2. Eene ZMjHe $teik Nr. 14. KUNSTLERSPIELE 7 Uhr Schäfergasse IS/15. 7 Uhr. Vornehmes Familien-Kabarett. Dort wirb bestimmt, daß nach zweimal 24 Stunden - die Appellation eingereicht werden mutz „und nach deren JBerfliiffung unoültig." Auch über die Kosten wird ausführlich gesprochen. Ferner, daß der appellierende Teil hie ganzen Kosten des Verfahrens vorzustrecken habe; gewinnt er, hat die Gegenpartei alle Unkosten zu decken. S 316 wirb bestimmt: „Deme das Jurament vermag Sentenz deseneret worden, habe nicht das Jus appellaundi zu genügen, wohl aber dessen pars adoersa, und beträfe es ei» schweres oder geringes Jurament." §217 heißt es: »Injurien Sentenzen haben keine Appellation." Wir finden also ein vollständig ausgebautes Appellotionsverfahren, das sicherlich nicht im.Laufe kurzer Zeit entstand- Wir sehen, daß die „Vierländersynode für Molen als Appellationsgericht gedient hat, ebenso wie der Waad Hammedinah in Litauen (vergleiche die Takonoth Waad Hammedinah aus dem Jahre 1ö47s Nach all dem. was wir gesehen haben, glaube ich erwiesen zu haben, baß in früheren Jahrhunderten unsere führenden großen Robbinen sich durchaus nicht scheuten, Berufungen vor Appellationsgerichten siattzugebrn. und offenbar haben sie im Berufungsrecht keine» Verstoß gegen den .Geist unferer Lehre gt' sehen. I , ,: | : j-vj Rationaler Einheitsvlock. Wir bringen im Folgenden das Programm des „Nationalen Einheitsblocks, der als Reaktion auf hie seitens der früheren „Gruppe Weil" erfolgte Gründung der Föderation .Minjan Haarez" entstanden ist. Wie bekannt, verdankt diese im wesentlichen aus Berliner Kreisen hervorgegangene Neugründung, die es in Frankfurt nur zu dem Versuch!der Bildung einer Ortsgruppe gebracht hah ihre Entstehung der Erwartung, daß durch strenge Beschränkung auf das Baseler Programm der .Heimstätte" und durch Ausmerzung des nationalen Elements aus der zionistischen Ideologie und aller seiner Konsequenzen aus der zionistischen Politik einerseits, andererseits durch bedeutsame Betonung der Verbundenheit mit unseren nichtjüdischen Mitbürgern der nach dieser Prozedur verbleibende Zionismus den heutigen Nichtzionisten mundgerechter gemacht werden könnte. Das bei der Werbearbeit für „Binjan Haarez" am meisten benutzte demagogische Schlagwort von Ler .Mißwirtschaft" der heutigen Leitung hat mit der Sache selbst natürlich nicht das Allermindeste zu tun. Die unter dem Nwnen „Nationaler Einheitsblock" zu» fammengefaßte Gegenbewegung bestreitet zunächst die Berechtigung zur Bildung einer Föderation, denneine solche kann nach dem Organisationsstatut nur gegründet werden auf dem Boden einer besonderen -(g. B. orthodoxen oder sozialistischen) Anschauung, nicht lediglich aus der Grundlage einer besonderen Taktik den Nichtzionisten gegenüber, was zur Gründung von -Föderationen in ungemessener Zichl führen könnte. Ferner ist der Zeitpunkt, der einen Zusammenschluß aller Kräfte für die Keren-Hajessodarbeit erfordert, und in dem unsere entschlossene nationale Politik ihre Früchte in nichtzionistische Kreise zu tragen beginnt — Früchte, die nicht in einem gesinnungsmäßigen Anschluß, sondern in paralleler praktischer Arbeit bestehen — denkbar ungeeignet für eine Zersplitterung und Schwächung durch zwei Zentralen mit verschiedener Außenpolitik. Auf die sachlichen Gründe für die Aussichtslosigkeit der Spekulation des Binjan-Haarez soll hier nicht ein- ' gegangen werden, sie erhellen überdies aus dem folgenden Programm des nationalen Einheitsblocks: I. Der Zionismus verlangt Palästina für das jüdische Volk. Der Aufbau des Landes muß daher in Politik, Kultur und Wirtschaft den nationalen Gedanken verwirklichen. Auch die für den Ausbau erforderliche Privatinitiative -muß sich dem nationalen Gemeininteresse unterordnen. II. DaS Bekenntnis zum Baseler Programm ist die elementare Voraussetzung des Anschlusses an die Zionistische Organisation. Die Verwirklichung des Baseler Programms erfordert Menschen, die sich, über ein bloßes Bekenntnis' hinaus, als Glieder der zionistischen Bewegung fühlen und eine persönliche Verpflichtung zur zionistischen Leistung anerkennen. l»! Die zionistische Bewegung hat demgemäß eine nationalerzieherische Ausgabe. Propaganda und Erziehung müssen Für kunstfertige AosfUhning ■' Prämiiert Düsseldorf 1902 HodemeHaierei feinen Anstrich u. Lackierung fahrt preiswert aas. *■ ■' Ia. Beferenzen. W. Beols.er Hochstrasse 59. Tel.H 6866. Atelier Schüfergasse IS. durch die Erkenntnis bestimmt werden, daß die Arbeit in und für Palästina getragen sein muß von Menschen, die von nattonalem Idealismus erfüllt und deshalb zu Opfern jeder Art bereit sind. Die Auffassung, der Zionismus könne jetzt, nachdem er äußere Anerkennung erlangt hat, seine Aufgaben auf mechanisch-technischem Wege lösen, ist abzulehnen. m. Die Entwicklung eines jüdischen Lebens in der Diaspora von möglichst starker Eigenart ist notwendig, sowohl für den Aufbau Palästinas wie für die Erhaltung des Judentums. Diese Notwendigkeit besteht auch in Ländern, in oenen, wie in Deutschland, die Voraussetzungen für nationale Minderheitsrechte fehlen. IV. Die zionistische Bewegung schöpft ihre Kraft daraus, daß ständig wertvolle Telle der jüdischen Jugend in sie hineinwachsen. Die Einordnung der Jugend in die Organisa- , tion muß dadurch gefördert werden, daß die Organisation ein lebendiger Ausdruck der in der Bewegung wirkenden idealen Kräfte ist. Für die Besiedlung Palästinas kommt die in der Gestaltung ihres Lebens noch freie Jugend in besonderem Maße in Betracht. Ihrer beruflichen Vorbereitung und dem Palästtna-Pioniertum muß. die Organisation deshalb ganz besondere Pflege ^gedeihen lassen. V. Die Zionistische Organisation muß in chrer Einheit und damit in ihrer Leistungsfähigkeit erhalten bleiben. Die Selbständigkeit der Landesorganisationen und Föderationen innerhalb der Weltorganisation, der Fraktionen oder Gruppen innerhalb der Landesorganisationen findet ihre Grenze in den verpflichtenden Beschlüssen des Kongresses und der Landestagungen, die eine einheitliche Führung der Palästinaarbeit uitb eine einheitliche Politik gegenüber der nichtzionistischen Oessentlichkeit zum Ziele haben. .VI. Für den Aufbau Palästinas sind die gesamten geistigen und materiellen Kräfte des Judentums nutzbar zu mftchen. Unter Ablehnung aller 'Gesinnungskompromisso ist die Zionistische Organisation bereit und verpflichtet, sich mit allen jüdischen Organisationen und Gruppen zu gemeinsamer Arbeit zu verbinden, die am Aufbau des jüdischen nationalen Heims in Palästina tatkräftig Mitwirken wollen. Erez Israel. Dr. Paul Rathau über die Paläftinafiedlung. In der Zeitschrift des Centralvereins deutscher Stuatsbürger jüdischen Glaubens schreibt Dr. Paul Nathan über die jüdisch-nationale Heimstätte in Palästina. Dr. Nathan hält die Grundlagen für eine gesicherte wirtschaftliche Siedlung und die Möglichkeit der Neubelebung der hebräischen Geisteskultur für gegeben. Bei dieser Sachliche liege keine Veranlassung mehr zu einem Gegensatz zwischen Zionisten und Nichtzionisten vor. Eine Einheitsfront des Judentums in Bezug auf Palästina sei jetzt möglich. Tie bisherigen Auseinandersetzungen müßten vergessen werden. Eine speziell deutsche Kulturarbeit in Palästina sei nach dem Ausgang des Weltkrieges als ein frivoles Experiment zu betrachten. Tie Verknüpfung des> jüdischen Palästina mit der Kultur der Welt könne heute nur durch die Angelsachsen vermfttelt werden. Nach Palästina sollten jene Juden auswandern, welche von der Sehnsucht zur Landwirtschaft und gleichzeitig aus religiösen Empfindungen vder aus der Sehnsucht nach einer Sammlung des Judentums auf historischem Boden getrieben werden. In Palästina seien letzt die realen wirtschaftlichen Voraussetzungen, sowie die Voraussetzungen für eine urwüchsige intellektuelle Neubetäligung gegeben. Rothschlld'scher Mühlenbau. Nach einer Mitteilung des haarez" (Jerusalem) hat die Baron Rvthschild'sche Verwaltung mit dem Bau einer großen Mühle in Haifa begonnen. Ter Bau wird ein Kapital von 100 000 Lstr. erfordern. Die Leistungsfähigkeit der Mühle soll so groß sein, daß sie ganz Palästina! mit Mehl versorgen kann. Epilog zur Rabbinervevsammlung, Im „Hataur" vom 18. März schreibt dessen Leiter Rabbiner Fischmann 'in einer Schlußbetrachtung, daß die vielen DÄatten der Rabbinerversammlung, die. drei Tage hindurch Tag und Nacht währten, außer der sehr zu begrüßenden, äußerst wichttgen Organisierung des Rabbinatswesens deshalb keine weiteren Resultate brachten, well auf der Versammlung auch Laienvertretcr anwesend waren, die —der Tradition des Judentums und dem Rabbinertum kein Verständnis mehr entgegenbringend — durch ihre Gegnerschaft die Zeit mit störenden Debatten ausfüllten und die Rabbiner zwangen, für die Ehre der Thora und ihres Rechtes einen Berteidigungskampf zu führen. Elve bedeutsame Erueuuuug. Tie palästinensische Regierung ernannte Dr. Alexander T-usckkin, den Sekretär des Kulturrats der Zionistischen Kommision, zum Inspektor der jüdischen Schulen. Diese Ernennung bedeutet den Beginn einer Verknüpfung des jüdischen Schulwesens mir dem Staate. Eine solche Verknüpfung unter finanzieller Beteiligung des Staates war von den jüdischen Mbgliedern des palästinensischen Staatsrats gefördert worden.- 600000 Dollars-Spende für Landkänfe. Nach einer Mittellung .Sir Alfred Monds hat Mar y %t\9, hie SSÖtipe und Mitarbeiterin des Vor¬ Wellherfihut sind L. Fassbenders Kaiserstrasse 32. kämpfer» für Bodenreform nach den Grundsätzen Henry > Georges, Jofeph Fels, mitgeteilt, daß sie dem Keren Hajrssod 600000 Doll, für Landkäufe in Palästina zur Verfügung stellen wolle. Es soll eine Form gefunden werden, wonach diese Stiftung innerhalb des Keren Hajessod ausschließlich für den Bodenkanf im Singe der Bodenreform Henry Georges, die auch de» > Prinzipien des Judentums entspricht, verwendet werden soll. Frau Fels, die eine der Vertreterinnen der ameri, konischen Zionistinnen im großen Aktionskomitee ist, begab sich nach Palästina, um mehrere Modalitäten fest, zustellen Ei» Generaldirektor des „Lion CommonweaUh." Die Leitung der amerikanisch-zionistischen Gescllschai! für Bodeillauk in Palästina „Zion Commonwealth" ernannte Em a n uel Mo hl zu ihrem palästinenfischcn Generaldireltor. Mohl, ei» alter Zionist, ist ein amerikanischcr Ingenieur. Er besuchte Palästiua im April 1920 und griff während der Osterunruhen zugunsten von Leben und Eigentum der Juden ein. Mohl läßt sich mit seiner Familie in Palästina nieder. BerschiedeueS. Die Eisenbahnen unseres fleinen Landes habe» jetzt bereits die Länge von 1000 Kilometer erreicht. Es bestehen folgende Linien. Kantara-Haifa, Rafa-Berscheb«, Jafsa-Jerusalem. Haifa-Mka, Haifa-El Hamme, Afuleh- Tulkaram, Medussieh-Nabtus (Sichem). Ter Jerusalemer Bahnhof ist dreimal so groß wie vor dem Kriege: eO wird elektrische Beleuchtung cingeführt. Tie Anglo Palestine Company hat in den wichiigsten europäischen Ländern mit bedeutenderen Banteu Abkommen getroffen, betreffend Honorierung chrer Schecks, sodaß es sich empfiehlt, bei Reisen nach Pa. lästina statt baren Geldes Schecks dieser Banken mitzunehmen. Für Deutschland kommen in Betracht die Bank für Handel und Industrie und die Naationalbank für Deutschland. Israel. Belkind, der Leiter der Farm Kinath Seser, ist in Warschau eingetroffen, um die Nebersiedlung von vorerst 200 jüdischen Pogromwaisen nach Palästina in die Wege zu leiten. Deutsches Reich. Ei» Interview mit Lujo Brentano. Der berühmte Münchener Nationalökonom Prof. Lujo Brentanv äußerte sich einem Vertreter des Jövö gegrn- Mer kehr erregt über den Numerus clausus an den ungarischen Universitäten und sährt dann fort: „Warum tun aber die reichen Juden nichts in dieser.Sache'? Uebrigens hat es ja auch in Rußland solche gegeben. MH habe seinerzeit die Bankiers eindringlich gewarnt, dem russischen Staate keine Anleihen zu bewilligen. Nur einmal keine Anleihe geben und sofort hört der Pogrom auf. Aber die Menschen sind immer bereit, ein gutes Geschäft zu schließen, besonders wenn es mit der Aussicht auf eine fleine Auszeichnung verbünden ist. Mit dem jüdischen Zusammengehörigkeitsgefühl ist es Übrigens nicht weit her. Die reichen Juden halten immer zu den feudalen Herren. Ich bedaure bloß die armen Juden, jene armen jüdischen Jünglinge, tvelche den Krieg in heldenmütiger Weise milgemacht haben und heute von der Universität auSgestvßcn sind. Was beginnen die vielen armen Jungen?" Der HUfSvereia für jüdische Nerveu-Semütskrauke Bad SmS »ud die tfr. Kuranstalten Sah». Es war ein kühner Entschluß, als der .Hilfsverein für jüd. Nerven- und Gemütskranke Bad, Ems" aus Drängen seines Begründers und langjährigen Vorsitzenden« des. Bezirlsrabbinerz Dr. Weingarten, sich durch Ankauf und Beteiligung ein Mitbestimmungsrecht auf dir „Jsr. Kuranstalten Sayn" vor nunmehr einem Iah« erworben hat. Diese Anstalten sind von Isaak Jakoby 1868 gegründet worden und hatten sich unter seinem Sohne Benno zu ihrer jetzigen Größe entwickelt. Schloßarttg in einem großem Park gelegen, erhebt sich in einer Entfernung von ca. 30 Metern von der Straßenfront das weitläufige Hauptgebäude. Dieser imposante Bau, in dem amt eine Synagoge sich befindet, ist Är Nervöse und leichte Gemütskranke bestimmt. Vollständig getrennt hiervon in mehreren Nebengebäuden werden schwere Patienten untergebracht. Dahinter befindet sich ein großer Gemüsegarten, ein großes Treibhaus, ein Lawn Tennis- Spielplatz; an. schönen Tagen kann man sehen, wie Patienten sich hier im Gartenbau beschäftigen, dort sich im Spiele tummeln. Das Grundstück umfaßt zusammen 60 Morgen Garten und Ackerland, Wald und Wiesen. Me Patienten werden den modernen hygienisch-psychiatrischen ir Heu eröffnet! -W» Cafe Schneider, Zeii 46 Konditorei feinster Backwaren. Spezialität: Pral/aös»

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