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Neue jüdische Presse · 1921-03-25 · Heft 12 (25.3.1921) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 12 (25.3.1921)
Date
1921-03-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seift 4. * Oonditorei und Lais Wilhelm W«ndel JUtogMM 6 Telefon Hansa 1288. Frankfurter Brenten.u. Betmänncheii. wenn ein Engel sprechen würde, würden sie ihm dje Worte im Munde verdrehen. Man muß sich deshalb nach dem Nutzen solcher Versammlungen fragen. Dem jüdischen Publikum, von dem sie zu neun Zehntel besucht sind, kann auch der glänzendste Redner nur Selbstverständlichkeiten sagen, — und der Rest der Zuhörer besteht zumeist aus Antisemiten. Diese Reden haben nur Zweck vor einem Kreis vorurteilsfreier Christen. Purimfeier. Die Purimoeranstaltung des Hapoel Hazair wurde mit einer hebräischen Ansprache von Herrn Wahrmann eingeleitet. Der literarische Teil der Feier lag in den HLicken der Herren Moschkowitz, Szpiro und Kar« nibad. Vor allem wußte der Letztere mit seiner kunstvollen Rezitation zu fesseln. Den musikalischen Teil füllten die Herren Tauber (Klavier), Lauser (Violine), Gerlich und Frl. Simon (Gesang) aus. Alle Dar- ^etun^en fanden bei der großen Zuhörerschaft reichen Israelitische vemeiuvevertretuug. Die Jfr. Gemeindevertretung erledigte in ihrer letzten Sitzung die Geschäftsordnung uick die Synagogegenordnung und' bewilligte 3000 Mark für Mazzos an Bedürftige. Zn Sachen der Besoldungsfrage, in der in der vorigen Sitzung ein Antrag Heß, Rothschild um möglichste Beschleunigung ersucht hatte, wurde beschlossen, einen zwanzigprozentigen Vorschuß zu bewilligen. Personalien. Zum Direktor des Philanthropin wurde ~ Studienrot Dr. ©riefen, in Charlottenburg, gebürtig aus Bayern, gewählt. Frankfurter veranstallunge«. Lalmud-Thora-Berein. (Hörsaal Gemrindesynagoge Börneplatz.) Samstag, nach Schacharis: Haftoro (Dr. Rabin)N, 11: Schulchan Aruch (Unna)*), 3Vk: Nasch: (Lipirisch), nach Mincha, Mikro (Unna). Gonntäg, nach SchachariS: Mifchna (Groß), 9y*: Schul- ' chan Aruch (Lipinsky), 9'/°: Gemoro (Unna)*), nach Mincha: Newiim (Unna). Montag, nach Schächari,S: Mifchna (Groß). Dienstag, nach Schacharis: Schulchan Aruch (Unna), 6Vr: ' En Jakauw (Unna). Mittwoch, nach Schacharis: Mifchna (Groß), 6>/r: Chanwaus halüvowaus (Dr. Braun). Donnerstag, nach Schacharis: Schulchan Aruch (Unna), 8: Gemoro (Unna)*). Freitag, nach Schacharis: Mifchna (Groß). Fortbillmng für Knaben: Samstag, 3: Schulchan Aruch (Abt. I' Dr. Unna, Abt. II Groß), 4»/«: Schulchan Aruch (Abt. lll Groß), Dienstag, 5: Schulchan Aruch (Abt. III Groß), 5y«: Mifchna (Abt. I Unna), Mitt- ' ) Religio usschule Hermesweg 27. i) Auch für Damen. Er hatte dies mit so fester Stimme und unzweifelhafter Ueberzeugung ausgesprochen, daß die Gewißheit der Wahrheit die Seelen seiner Zuhörer überkommen mußte. Micham sank-wie außer sich ans ihre Knie. Voll tiefster Bewegung senkte auch Amnon seine Kniee, ließ sich neben Mirjanr nieder und sandte ein heißes Geber zmn Himmel auf, seine Lippen bewegten sich, aber seine Worte wurden nicht gehört. Endlich ergriff er den Arm Mirjams, hob sie empor und beruhigte ihre Aufwallung durch Glückwunsch und Spgenssprüche. Mirjam fand endlich Worte: „Aninon, wir müssen auf, wir müssen nach Rom, denke Dir, zu Patrika! Er Ie6t, unb ich toeife noch hier? Schnell, Amnon, keinen Aufenthalt länger, nicht wahr. Du begleitest mich. Und wäre ich altein und-breiteten sich noch zehnmal mehr Wüsten und Berge zwischen mir und ihm aus, ich Muß hin! .... Aber," fuhr sie fort, zu dem Fremden gewandt, „ich habe Dir noch nicht einmal Dank gesagt. Dank für die Glücksbotschafr, die Dn dem Weibe Patrika's gebracht — denn sieh, das bin ich ..." Der Fremde antwortete mit vieler Rührung und ans wahrhaftem Gefühle heraus. Aber dennoch wich ein trüber Ernst nicht aus seinen Zügen; denn der Gedanke, was aus Patrika in den Händen seiner erbitterten Feinde geworden, trübte das Freudengefühl, das er bei der frohen Botschaft, die; er-gebracht, empfinden mußte. Dieser Zweifel zuckte wohl'.auch bald in Amnon auf, und ohne ihn auszudrücken, bewogt er Mirjam sich zu beruhigen, sich in ihr Geniach zurückzuziehen und alle weitere Erwägung auf den morgenden Tag zu verschieben. Aber Mirjam folgte seinem Rate-nicht-eher, als bis-sie den Fremden immer und immer wieder über alle Einzelheiten, so kärglich diese ini Ganzen , auch waren, befragt und bestürmt hatte, ihr zu sagen, was er. sich wohl von dem Aufenthalte Patrika's in Rom vorstelle. Der Fremde, schützte bald das hereinbrechende Dunkel der Nacht vor, um Abschiedzu nehmen^ da . er einen Gastfreund in der Stadt besitze, bei dem er notwendig. eintreffen müsse. V Am andern Morgen hatte Amnon kaum das Wohnzimmer betreten, als Mirjam aus dem ihrigen wie zur Reise gekleidet kam und. ihren Entschluß aussprach, ohne Zögern noch heute die Reise anzutreten. Hier aber stieß sreaus einen festen. Widerspruch bei Amnon. Er wolle, und köune.mit ihr nichl noch, einmal die Mühsale und. Gefahren einxr einsamen Reise durch die, Wüste; übernchmen. Jetzt. Neue Jüdische Presse. wo.ch, ö: .Schulchan Aruch (Abt.. II Groß), Donnerstag, . 5ys; Gemoro (Abt. I Unna). Zionistische Bereinigung, Unterlindau 21, Donnerstag,' 8.* 1/*: Generalversammlung. Jüdischer Turnverein, I. T. Heim und Büro: Unterlindan 21. Turnzeiten: Herrenabt.: Mittwoch, 8, Klingeroberrealschule, Mauerweg 1; Zöglingsabt.: Montag, 8, Deutschherrnmittelschule, Deutschherrnkai 17 (Frankensteinerpsatz); Knabenabt.: Montag, 5 Uhr nachmittags, Klingeroberrealschule, Mauerweg 1; Damenabt.: Donnerstag, 8 Uhr abends. Herderschule, Wittelsbacher Allee 10, Mädchenabt.: Donnerstag, 4 Uhr nachm., Herderschule. Wittelsbacher Allee 10. — Jeden Dienstag abend 8Vs, Unterlindau 21: Heimabend. Mekor Chajim, Samstag, nach Schacharis: Dinim (Rektor Falke), 3'/:: Mikro (Dr. Rothschild), Sonntag, 6'/,: Targom Scheni (Schachnowitz), Montag, 7: Gemoro (Dr. Breuer). «rlrbniffe titttä jüdischen StutWUtS t« Pole«. Don I. L. Perez. Die erste Stichprobe. In der Frühe, noch bevor der Schainmes kam, waren schon einige Juden bei mir; sie wollten den „Aufschreiber" sehen. Mein Ruf geht mir voran. Ich. Mache eine Probe und wende mich a» einen. „Guten Morgen, mein Lieber." „Guten Morgen, Scholem alechein." Er reicht mir lässig die Hand. „Wie heißt Ihr, Freund?" „Levi Jizchak." „Und mit dem Familiennamen?" „Wozu müßt Ihr das wissen?" „Jst's denn ein Geheimnis?" „Ein Geheimnis oder nicht, aber Ihr könnt mir doch sagen, wozu Ihr es wissen müßt, — das ist doch gewiß kein Geheimnis?" „Wißt Ihr es denn nicht?" „Nicht so ganz . . ." „Und wie heißt Ihr nun wirklich mit Eurem Familiennamen?" „Bärenpelz," antwortete er etwas verschämt. „Verheiratet?" „Ach!" „Was heißt, ach!?" „Er will sich scheiden lassen," antwortete ei» anderer für ihn. „Wieviel Kinder habt Ihr?" Er muß sich's überlegen und zählt an den Fingern ab: „Von der ersten Frau, meine — eins, zwei, drei, ihre — eins — zwei, — von der zweite» Frau.'. . ." Es wird ihm doch über, zu zählen. „Nun, meinethalben sechs!" erst empfinde er doppelt die Verantwortlichkeit, die er Patrika gegenüber für ihre Erhaltung trage. Glücklicherweise sei die Zeit nahe, luo der große Karawanenzug, der von Jnnerasien nach Tyrus jährlich gehe, Karchemisch erreichen werde. Diesem wollten sie sich anschlietzen, um geschützt vor den Gefahren, mit welche» Elemente und Menschen eine solche Reisebedrohen, und in der Menge leichter unerkannt und besser geborgen an die Küste des mittelländischen Meeres zu gelangen. Gerade auf diese Weise könnten sie noch schneller die Reise zurücklege»: Mirjam mußte ihre Unruhe überwinden. Vierzehn Tage später war die Karawane eingetroffen. Amnon hatte die Frist benutzt, um die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Das Häuschen ging wieder in de» Besitz der alten Frau über, die versprach, das kleine Grab am Ende des Gartens sorgsam zu hüten. 8. In einer Nebenstraße der Via Lata zu Rom, in dem Atrium eines kleinen, ziemlich verfallenen, Hauses saß ein kleiner, lebhafter Greis, dessen Augen, Züge und Haltung die Unruhe der Erwartung ausdrückten. Die Silberlocken, die sein Haupt umgaben, der schneeweiße Bart, der ihm bis auf den Gürtel. herabhing, und die geistatmenden Züge des Gesichtes verliehen ihm trotz seiner, wenig imponierenden Gestalt, ein ehrwürdiges Aussehen, welchem nur die sich immer bewegenden Augen Eintrag taten, denn sie verrieten, daß hier noch eine feurige Seele mit dem Frosthauche des Winters kämpfe. Nicht lange und er verließ seinen Sitz, eilte durch das Gemach und blieb vor einem stillen ältlichen Mädchen stehen, seiner Tochter, die ihm aber wenig, glich. „So ist es, meine Nina," redete er sie an, „je mehr der Mensch die Erwartung über sich Herr werden -läßt, desto mehr beschneidet - sich die Zeit ihre Flügel, während sie mit dem raschesten Fittig davoneilt, wenn man sie gern aufhalten möchte. Es. ist dunkel geworden. Du hast-Licht angezündet, und sie sind noch immer nicht da. Gieb, Acht, cs dauert noch lange, trotzdem wir schon so viele Stunden, ivarten." Das schweigsame Mädchen, nickte nur mit dem Kopfe und antwortete leise: „Sie werden schon kommen, Vater." Dieser schritt hin und her, setzte aber seine Unterhaltung - teils mit. der Tochter teM mit. sich-, selbst; .fort: Nr 12. „Meinethalben, — das. ist nichts, ich mub.es. ganz, geu^ wissen." -• „Seht Ihr, dieses ganz genau» das -gefällt tritt!,G genau! Wozu müßt Ihr es beim ganz genau wisse,)! Wozu denn? Seid Ihr ein Beamter? Bekommt Ihr bajiJ bezahlt? Wird Euch jemand nachfahren und kontrolljere«;^ Ganz genau!" ' „Sag'S, Schafskopf, sag's doch," erntunter» ihn andern. „Hast schon angesangen, — sag' weiter!" Sie wollen nämlich gerne wissen, was es alles füt| Fragest geben, wird. Er hat noch einmal an den Fingern abgezählt, imjl es sind drei mehr geworden. „Neun Kinder, sie sollt,| gesund und stark sein." „Wieviel Söhne und wieviel Töchter?" Er zählt noch einmal: „Bier Söhne und fünf Töchter.» „Wieviel Söhne und wieviel Töchter habt Ihr ver^ heiratet?" „Das müßt Ihr auch, wisse»? Sagt mir bitte doch.! wozu Ihr danach fragt." „Sag's doch schon, sag's!" rufen .die Leute uiigt-| duldiger. „Drei Töchter und zwei Söhne," antwortet jemandI für. den Gefragten. „Wirklich!" sagt der Gefragte, „und -Kolik?" „Der hat doch noch nicht geheiratet?" „Bist ein Esel! Man ruft ihn doch schon diesen Schab-! beS auf. Auf anderthalb Wochen kommt es doch nicht an?"I Ich schreib's auf und frage weiter: „Seid Ihr Soldm | gewesen?" „Für 400 Rubel srcigekomme». Wo nehm' ich sie heute! her?" stöhnt er. „Und die Söhne?" „Der älteste hat eine Geschwulst unter dem rechte«! Auge und hat auch so einen kleinen Bruch — Gott behüt Euch . . . Hat in drei Spitälern gelegen, das hat mehr als eine Hochzeit gekostet, bis man ihn endlich vom Regiment nach Haus geschickt hat. Der zweite ist zurück-I gestellt, der dritte dient •" „Und seine Frau?" „Natürlich ist sie bei mir. Was fragt Ihr noch?" „Sie hätte doch zu ihrem Vater gehen können." „Der hat ja selber nichts." „Habt Ihr ein HauS?" „Natürlich . . „Wieviel ist's wert?" Seäsr's II- Ws DiDOlitt-Iepptt W» | BergerstrasB« 148. H. 4812. ■ottanvernichtuna unter Garan ■ I». „G Iden Jt I Deutsch Geld! I keine- E Iiinb le! man ei!! tanzt ti >ch geri «Ja, kommen müssen sie. Sie können nicht irren. Sie haben von Brundusium nach ihrer Ankunft im Hasep geschrieben, nnd ich habe ihnen meinen Boten eritgegengeschickt, der sie sicher an mein Hans bringt. . . . Still, hörst Du nicht das -Rollen eines Wagens? . . . Nein, es geht in der Ferne vorüber. ... Wie schmerzlich meine Gefühle sind, die Tochter meines verehrten Freundes, und Meisters — das Gedächtnis des Gerechten ist zunr- Segen — in solcher Not und Kümmernis hier, bei mir zu . sehen! Nach so vielen traurigen Schicksalen,: nach so großem .Sturz und Verlust! . . . Und doch schlägt mein Herz vor Freude, die Erinnerung ans besseren Zeiten lebendig wiederauszufrischen, andie Zeit, wo wir in der heiligen. Stadt Tiberias im Sanhedrin zusammen saßen, und. die Fragen von allen vier Ecken der Welt ankamen, und'wir die Antworten .int heißen Kampf 'der Debatten beriete», — wo sind sie hin, diese schönen Tage, und wo die ehrwürdigen Genossen? Zerstreut über die Erde, oder unter ihr ruhend — lind ich, allein von ihnen hier, ich, der Rabbi Gideon, denn Du weißt, daß der Gefährte, der mit mir hierherziehe» wollte, Rabbi Gedaljah, zu Candia in meinen Armen gestorben — Friede über ihn! — Und was habe ich hier zu tun. Ja, sie sind doch glücklicher als ich, denn ihr Fuß hat vor Kurzem noch den Boden betreten, den der meinige nie wieder betreten wird, und -ihr Auge die Stätten gesehen, die mein Auge nie wieder sehen wird.— Und doch, wie freue ich mich, die teure Mirjam wieder» zusehen, die vor meinen Augen ausgewachsen, und die immer so gut und lieb war. Du. weißt es 'ja, Nina, gegen den Letzten wie gegen den Ersten. — Nina, ich sage-Dir, sei nur gut-mit ihr; denke, sie sei Deine verstorbene! Schwester, die Du nach dem Tode Deinkr Mütter — Friede sei über sie! — gepflegt und gehegt, bis der Herr sie zu sich genommen. . ." Den Greis überwältigte die trübe Erinnerung,- er schwieg — was sonst selten geschah —, und seine schweigsame Tochter wischte eine Träne aus ihren träuinerifchen-Augen. Da rollte wirklich ein Wagen vor die Türe-und.-'hielt still, und man klopfte an die Pforte des Hauses.- Der Greis sprang in die Höhe, und rief: „Sie sind da, Nina, komm, komm, Nina '. . ." und; eilte hinaus.; . „W „W! Beispiel portf | 1 am Ml [mal gef ISottf i! gottlob ich ein taufe, i, Uiit iw iLchieds, Iluich Hi Iverinittl I» gar . Und I.Serufei nein Brr ITochter, lamme (Fortsetzunst'folgt.). tasjB

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