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Neue jüdische Presse · 1921-03-25 · Heft 12 (25.3.1921) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 12 (25.3.1921)
Date
1921-03-25
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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12. ‘MMsl :! GM wisse»!! >r bafüil iltietcn?! ihn bitl lles fütl ilt, uchl - sollt,I vchtri.'I hr ver-I Nr. 1.2. Schabst a„?"| Soldat 1 e heute I rechte«! behüt t mehr vom! zurücknoch?" n." Stets Eingang fff Neuheiten in Tapeten "WU Teppiche Läufer Vorlagen 20 Nene Malnzerstrasse 20 Ecke Weise franenstr aase. Telefon: Hansa 1784. Sie ezr g-' gegen- Still, Nein, meine :s. und Segen sehen! .Sturz jreude, c? aus- Stadt fragen t Ant- — wo rdigen cuhend iideon, 'ziehe» en gc- ) hier denn i, den je die cb. - lieber» immer n den Dir, »rbena er — Herr hwieg gsame lugen, .'hielt ■ Der Nina, „Wenn es in Samoß ständewar' es was wert ge», wesen, hier ist's nicht «ine» Dreier wert, bloß daß ich eine Wohnung habe." „Für hundert Rubel würdet Jhr's verkaufen?" „Gott behüte! Ich Hab' es doch geerbt! . Für dreilumdert auch nicht, seht Ihr — siinfhundert Rubel! Na!! Lürd' ich mir eine kleine Wohnung mieten, hält' irgendein | Geschäft angefangen ..." „Und waö habt' Ihr jetzt für ein Geschäft?" „Wer hat ein Geschäft?" „Wovon lebt Ihr?" „Ach,, das meint Ihr? — Mau lebt so." „Aber wovon?" „Bon Gottgelobt sei er! Wenn er gibt, so hat man." „Er wirst's doch nicht vom Himmel , herunter!" . „Doch, er wirft wirklich! Weis; ich, wovon ich leb'?! Litte, rechnet aus: Ich brauch ein Vermögen — vier Rubel die. Woche gewiß! Vom 'Haus Hab' ich, außer, meiner Wohnung, an zwölf Rubel Einkünfte: gehen neu» Rubel au Grundzins ab. an. fünf Rubel für Reparaturen, bleibt | — ein Loch in der Tasche für zwei Rubel sicherlich." Er verfällt in einen stolzen Ton: „Geld Hab' ich gottlob nicht! Ich nicht, keiner von all | bcu Juden, die hier stehen, keiner! Außer vielleicht den deutschen aus den großen Städten . . . Wir haben kein iGeld! Ein Handwerk kann ich nicht, mein Großvater hat keine-Stiefel genäht! Trotzdem, ivenn Gott will, leb' ich; Inub leb', schon so an die fünfzig Jahre. Und — muß I man ein Kind verheiraten, so wird es verheiratet und gestanzt wird auch dabei!" »Kürz, was seid Ihr?" „Ein Jude, tvie alle Jude»." „Was tut Ihr den ganzen Tag?" „Ich . lerne, ich daweile,. . . Was tut ein Jude? Wenn sich gefrühstückt Hab', geh ich auf den Markt . . ." „Was tut Ihr auf .dem Markt?" „Was ich tu'? Was sich tun läßt. Also, gestern zum I Beispiel,. Hab' ich, so im Vorbeigehen, gehört, daß Joine iLorik für einen Edelmann drei Böcke kaufen will; früh laut Morgen bin ich schon beim zweiten Edelmann, der Imal gesagt hat, er habe zuviel Böcke. Hab' so mit Joine ILorik das Geschäft .gemeinsam gemacht und wir haben | gottlob jeder anderthalb Rubel verdient." „Ihr seid, also ein. Makler?" „Weiß ich's? Mitunter fällt's mir.ein, dann kauf' sich ein Maß Getreide." „Mitunter?" ' - «Was. mitunter heißt? Wenn ich den Rubel Hab', Klause, ich." „Und wenn nicht?" „Verschaff' ich mir den Rubel!" .'.Aber - wie?" „Was heißt wie?" Und es dauert eine Siunde, bis ich erfahre, daß tcvi Jizchak Bärenpelz mitunter Dajan ist und in IZchiedsgerichten sitzt, zum Teil Makler, hin und wieder Imch Händler ist und so ein ganz klein wenig Heirats» Ivermittler, und manchmal, ivenn es ihm einfällt, besorgt |(- gar Botengänge. Und von all diese» erwähnten und -nicht erwähntem I.,Berufen" verdient er, wenn auch, mit Mühe? und Not, lein Brot für Peib und Kind und sogar für die. verheirateta ITochter, weil ihr Schwiegervater ein armer Schlucker ist! psf eitdjflpoffteke Hl PlochmaH n, Verwalter lanauerlandstr. 2 Telephon; H. 2802 lasinrmilvAr bestens bewährt, zahlreiche An- -— " ^Verteiinongeir, Proben gratis. Neue Jüdische Presse. Literarische Rundschau. «halt« »loch. Bon Dr. SLudor Bär Hs ly.*) Dsinisterialrat a. D. Auf ungarischer Erde, inmitten eines Waldes, in dem ein Jahrhundert früher der berühmte Räuber Rozfa Sandor seine Residenz hatte, sah ich Chaim Bloch zum ersten Male, und ich werde in. meinem ganzen Leben den Tag nicht, vergessen, an welchem ich ihn kennen lernte. Es. war im Mai 1916. Ich hatte das Reservespital Sopron verlassen und wurde wegen meines lahmen Fußes „nur zum Garuisondienst geeignet", in ein Kriegsgefangenenlager im Beszprsmer Komitat kommandiert. Ich kam spät am Abend aus Ghör im Auto an. Einer der Soldaten fiihrte mich zu dem diensthabenden Oberleutnant, bei dem ich mich zu melden hatte, — und ich erkannte in diesem einen lieben Kameraden ans dem Felde. Ta es draußen herrlich war,, so entschloß ich mich-, noch während der Rächt durch das Lggcr eine Runde zu machen und mir das für mich neue Betrieb/ anznfehrn. Der Oberleutnant >oar mein Führer. Bor dem Fenster einer Baracke blieben wir stehen. Wir hörten ein Schluchzen. — Beim Schein einer mattbrennenden Kerze saß ein Mann, tief über ein Buch gebeugt und weinte. Mein Kamerad sagte: „Das ist ein jüdischer Rabbi, der durch die Blödheit unserer Militärbehörden zum Soldateir gemacht worden ist. Er verrichtet um diese Zeit sein Gebet, das geht so Nacht für Nacht." Wir Enten in das Zimmer und ich fragte den erstaunt Aufsehenden, ob eS ihm beim Militär denn so schlecht gehe. Er erwiderte: „Ich darf über ein Los, das der Himmel über mich verhängte, nicht klagen; waS vonrHiimnel kommt ist gut. llebrigens erweisen mir die Herren Offiziere Gefälligkeiten, sie haben mir sogar ein besonderes Zimmer zugewiesen, damit ich in der dienstfreien Zeit ungestört meinen Studien obliegen kann. Mein Weinen hat mit meinem Soldatentum nichts zu tun, sondern eS entspricht meiner Mitternachtstlage um die Zerstörung unseres Tempels." _ Ob dieser Antwort stieg mir Rührung auf, aber ich spielte die Rolle Josephs gegen seine Brüder; ich gab mich ihni nicht zu erkennen. Auf eine meiner weiteren Fragen, ob das jüdische Gesetz so rücksichtslos ist, selbst im Kriege, wenn man keine rituelle Kost bekommt, das Trefaessen zu verbieten, richtete sich der Mann stramm auf und erwiderte: .Disziplin, Herr Oberleutnant, Disziplin!" Aus seinen Augen aber leuchtete ein Feuer. Er erläuterte dann seine Antwort folgendermaßen: „Nach den von unseren Weisen zugrundeaelegten Vorschriften soll man, wenn man sich in einer Zwangslage befindet, auch Trefa essen; aber ich mache hier Schule mit: ich lerne Diszivli» halten, daher will ich -lieber hungern, als Trefa esse», denn ich bin nicht berufen, zu entscheiden, wie groß die- Zwangslage sein müßte, »m vom Verbote des Trefaessens . entbunden zn sein." - Ich gab mich ihm zmn als Jude zu erkennen und wurde seit diesem Tage dieses Mannes — es war Chajim Bloch — Freund und Verehrer. Welcher Achtung 'Bloch auch unter den nichtjüdischen Ofsizieren sich erfreute, belveist am besten die Tatsache, daß der Generalmajor beim Kriegsministerium vorstellig wnrde, ihn zuni Feldrabbiner. zu ernennen. Doch der alte Amtsschimmel vertrug das nicht; Bloch wurde zwar zum Garnisonsrabbiner ernannt, aber ohne Rang und ohne Bezüge. Es ist wohl hier nicht 5er -Platz, feine Wirk- . samkeit als solcher zu schildern, das eine sei' aber gesagt, ' daß er sich für unsere Brüder, aus Rußland — später . kamen noch viele aus Rumänien und. einige aus Italien dazu — einfach aufgeopsert hat. Eines Abends führte mich der Weg an Blochs neuen -Wohnstätte vorbei. Er saß an einem tintenbefleckten Tisch be; seinem Tagebuche. Ich latz darin. TaZ Buch» enthielt ungewöhnlich herrliche Gedanken über Menschheit und Judentum. Seine Worte waren Prophezeiungen — ich sehe sie nun als Wirklichkeiten — und Protestrufe gegen die Gottlosigkeit Europas. Ich befahl ihnr, das' Tagebuch gleich zu vernichten: wenn es einem krnegsbegeistertcn Offizier in die Hand fiele, würde er als Aufwiegler, Verräter und Gott weiß waS noch vor Gericht kommen. Als ich einige Tage später meinen Freund Bloch wieder in seinem Zimmer aufsuchte, fand ich ihn beim Schreiben von Geschichten aus dem Leben der Cbassidim. Schon im stillen Frieden wußte ich, daß im Osten Europas eine große jüdische Gemeinschaft, ein geistiger Kommnnistenbund — -man versuche nur nicht dieses Wort zu mißbrauchen — besteht, und daß diezu dieser Gemeinschaft gehörenden Juden Chassidim, Fromme, genannt werden. Oft und oft haben Schriftsteller die Mühe sich genommen, das eigenartige Geistesleben dieser Menschen darzustellen. Aber ein jeder verfolgte dabei einen besonderen Zweck. Manche entblößten-. die Fehler und' Schwächen der Chassidim» sie, z. B. K- E. FranzoS und Leo Herzberg-Fränkel, wollten dadurch Mitleids manche wiederwie Karl Hans Strobl in seinem Roman „Seide Borawitz". Abscheu erregen. Jene . aber, und zu. diesen zählt in erster Reihe Martin Buber,; die das Innenleben der Chassidim, den Reichtum ihrer Seele, [ die Stärke ihres Gemütes, schilderten, suchten auf dem Bo- ' den der chüssidischen Lehre freigeistige, übermvstische oder gar christliche Gedanken zu finden. Und sie ergingen sich dabei 1 *) .Schreiber dieser Zeilen, war Schüler des Preß-; burger Jeschibah und trat nach' Beendigung seiner jurirstischen Studien in den ungarische» Staatsdienst. Durch -seine Beziehungen zum ungarischen Adel und Klerus ist \ er nach. und nach der jüdischen Religion entfremdet worden. Chaim Bloch bat ihn — warum soll es geleugnet werden — zur -Religion zurückgeführt'und seine - Seele erleuchtet. Er lebt heute. streng nach den Satzungen des Schülchan-Arnch und der Tradition. Seite 5, üffi km Ws ■ Dm h tfaMlHHBdt. Anmeldungen schriftlich: JOd. Turnverein. Untvrllndaü 2t. nicht in reinen Worten, sondern nach der Art der Neuen, der Expressionisten, in einem hochtönenden bis zur Unüerständlichkeit gehenden Redeschwall, voll der Schwulst und Phrasen. Diese Darstellungen hatten zwar ihre reizvolle, berauschende Wirkung, aber ein richtiges Bild vom Leben der Chassidim konnte man aus ihnen nicht gewinnen. Der Krieg hat mir sie die Chassidim nahegefiihrt. In Budapest und Wien, in Polen und in der Ukraine — ich fand sie mich unter den „Wasserpollaken" in den Galizien angrenzenden Komitaten meines zertrümmerten HeimatSlandes — habe ich sie mit meinen Augen gesehen; es war ein längeres Sehen, nicht „von einem Zuge zum anderen", und ich habe sie — verzeihet mein Geständnis — lieb gewonnen, ich empfand Hochachtung vor diesen leidenschaftlich frommen Menschen, bei denen edles Menschentum der Religion, Liebe dem Gesetze gleichkommt. Ich hatte mir oft gewünscht, mich mit der Lehre des Chassidismus..vertraut zu machen und habe immer ge- ' hofft, es werde sich einer aus ihrer Mitte finden, der mir das ermögliche. Denn es ist klar, daß ein SchritzM-S steiler aus dem Westen und selbst ein solcherans dern^ Osten, wenn er „außerhalb des Lagers" lebt, dem deutschen Leser den Chassidismus nicht fo treu darstellen kann als einer, der selbst sein Leben lebt und die religiösen Satzungen streng beachtet, der ein „Noch doresch W'noeh Niekajim" ist. — Man wird daher meine Freude, als ichgerade Bloch beim Schreiben über Chassidismus fand, begreiflich finden. Und nachdem ich in dieses Werk, das damals schon -fast fertig vorlag, Einsicht genommen hatte, tat sich mir die ganze chassidische Welt mit allen ihren Gedanken und Stürmen, Träumen und Wirklich- - keilen aus. Ich sah ein Werk, indem man die tiefste Geheimnisse der Chassidim schauen, mit ihnen den Kamps für Gott und'Menschentum führen kann. — Es war nur fraglich, ob es Bloch, der beim Militär, ein Skelet geworden ist, es erlebe» werde, sein Werk veröffentlichen zu können. Jetzt, in Wien vorübergehend mich aufhallend, wurde ich von der Kunde überrascht, daß nicht nur sein Büch über die Chassidim erschienen ist, sondern, daß auch seine Werke »Der Prager Golem", „Israel der Gotteskämpser", „Ostjüdischer Humor", — „Hersch Ostropole" (B- Harz». Verlag, Berlin) „Aus dem Buche Sohar", — »Kriegstagebuch eines Juden", welches Bloch nach dem Gedächtnisse wieder fertig brachte, und eine deutsche Uebersetzung des „Das Buch der Rechtfertigkeit" in den Buchhandel gelangen werden. Zu diesen seinen Werken .hat Bloche mit Bienenfleiß Materialien Zusammengetragen, für.welche ihm besonders, die Westjuden, denen die Denkweise ihrer Brüder im Osten noch nicht genug bekannt ist. Dank wissen sollen. - Hier will ich-.über zwei Werke Blochs,'die ich wohl schon im Manuskript kannte und nunmehr auch gründlich las, einige Worte mitteilen. .Die Geineinbe ber Chassidim". Bloch, Nachkomme berühmter Zadikim, läßt jede Begebenheit bis zu. ihrem letzten Sinn durchblicken. — Durch seine zarte, süße, volkstüniliche Sprache, erregt er eine Stimmung^ aus der der chassidische Hauptgedanke, die Erlösung der bedrückten Menschheit, der verbannten, menschlichen Jdeale- ' hervorsticht. Es ist mehr ein leise gesprochenes als geschriebenes Buch. Alle berühmten Gestalten der Chassidim der vergangenen und noch gegenwärtigen Zeiten, vom Baalschem bis zum Rabbi von Zydatschow, ziehen vorüber, so daß wir beim Lesen der Geschichten diese Gestalten vor uns zu sehen, ihre Stimmen, göttliche Melodien, zu hören glauben. Jede Erzählung ist eine Blume. — Unw Bloch reicht sie uns so dar, wie ein guter Mensch ein Sträußchen darreicht. — Ec hat diese Blumen nicht selbst . gezüchtetsie entstamnien nicht seiner Phantasie, sondern er hat sie aus einem köstlichen Garten gepflückt, aus der? chassidischen Mythe übernommen. Er hat sie nicht selbst geformt, er ist mir der lleberreicher und will nickst -mehr sein. ‘ »Dstj^disch er Humor". Der Humor ist die Seeke^ eines jeden Volkes. — Der polnische Jude mit seinem komplizierten Seelenleben hat den besten Teil des jüdischen VolkshumorS in Besitz genonnnen. Tie vorliegende Sammlung, dem um die jüdische Volkskunde verdienstvollen Dr. M. Grunwald gewidmet, enthält köstliche L-atire imd viel des rabbinischen Humors. Heiterkeit und Traurigkeit, Sanftmut und Verdruß, Naivität und Groteske wetteifern miteinander, und es berührt amüsant zn sehen, wie der Ostjude, deui sonst der gerade Sinn die Richtung gibt, zuweilen mit etiler satirischen Glosse, mit einem./Witzwort sich aus der. Enge befteit. Mythen, Parabeln, fromme Sentenzen, moralische Nutz anwendungen wechseln mit phantastisch wirkenden bunt hübschen Erzählungen. Alles wird oft auch in die Sphären des Göttlichen getaucht, klar gemacht, um zu erbaue» und anzuregen. Wer indischen Witz — keinen ^Gassenwitz — kennen - lernen will, der lese dieses meisterhaft bearbeitete Buch, durch, das die sonstigen jüdisch humoristischen Bücher un- : serer Zeit in den Schatten gestellt werden. Bezüglich der übrigen Werke Blochs wende ich das alte Wort an: „Chasaka al chabor sch'eno moee mitachat jado dabor scheeno mctokon!" Billige GelegenheitskSafe in Flach-, Büro-, Schreib- .maaohlnentlsehen» Stählen, Sassem». eisern Konrtar-Sohränke; Freya, Bfiro-Ernrichtpng;en>Theaterpl.l4.

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