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Neue jüdische Presse · 1921-03-18 · Heft 11 (18.3.1921) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 11 (18.3.1921)
Date
1921-03-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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' Ziel beten j iewun< vachen! ei ihm zu den j d tröwaren! den sie Ider Prozentsatz an Schiebern höher wäre als bei den sonisiigcn Bevölkerungsschichten — was, sollte es Tatsache Isein, übrigens menschlich begreiflich wäre —, glauben die I Frankfurter Nachrichten wirklich, die Dinge loären bei Uns in Deutschland ohne die polnischen Juden besser bestellt? Würde dann der Redakteur der Frankfurter Nachrichten für sein» Eier, Butter und Milch weniger zahlen als 1 heute? Eine ernste .Zeitung sollte sich einer solchen Phrastn- > Politik doch nicht schuldig machen und die Situation in unserem armen Deutschland nicht noch mehr verwirren. Wer die Gebrechen unseres Lebens ehrlich heilen will, der darf' keine Demagogie treiben, sondern mutz — niemand zu Lieb und niemand zu Leid — das Nebel als solches auf j gesetzlichem Wege zu bekämpfen suchen. Talmud Thora-Verei». Auf der Generalversammlung "des Talmud Thora-Ve»!ein bezeichnet« der Vorsitzende, Jakob Hamburger, die Entwicklung des Vereins als eine sehr erfreuliche. Die Mitgliederzahl ist ans 442 gestiegen, die Zahl der Zchiurim auf 25 die Woche, und manche derselben werden von 50 Teilnehmern besucht. Diese kurzen Zahlen erweisen, 1 wie sehr die Stärkung der Tradition innerhalb der Israelitischen Gemeinde zugenominen hat. Auch der von dem Kasfenführer, Herbert Heini a n n, gegebene ^Bericht bot ein günstiges Bild. Die Einnahmen und Ausgaben balanzieren mit 18 700 Mk. Die i zum Andenken des unvergeßlichen Hermann Schwab errichtete „Hermann Schlvab Stiftung" hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens bereits eine Höhe von über 22008 Mk. erreicht. Osfencl - jlpotheke am, Verwalter Telephon; H. 2802 H. Plach Hanauerlandstr. 2 EepphoriS und Rom. Li« historischer Roman aus denk vierten Jahrhundert, von Ludwi, Philippsoh». V (Fortsetzung.) Doch wir hören Schritte, und eine kräftige Mannesgestalt schreitet uns nach durch die Flur in den Garten und zur Laube hin. Als «r diese leer sieht, spricht er vor sich hin: „Wo ist sie? — Doch was frage ichi ich sehe ihr Gewand durch das Gebüsch schimmern. Sie kniet wieder au dem Grabe ihres Kindes, wo der Morgen sie findet und der Abend sie verläßt." Mit leisem Schritt wandelt er den schmalen Weg hinunter und bleibt in einer Entfernung vor dem knieenden Weibe stehen, auf dessen gebrochener und doch noch reizender Gestalt sein Auge voll Liebe und Rührung ruhet. Ach, so lange das Herz einer Mutter schlägt, versiegt der Tränenquell nicht in ihrem Auge an der Gruft ihres 'Kindes! Die Frau hält ihre Hände gefaltet über ihre» Knieen, und ihr Blick dringt durch den dichten Rasen der kleine» Gruft, als ob er die zarte Gestalt, die drunten ruhet, schauen und die Mutterliebe in die gebrochenen Augen und das verwesende Herz ergießen könnte. So lag sie lange, und durch ihre Seele mochten die Bilder einer glücklichen Vergangenheit und einer traurigen'Gegenwart in langsamer Reihenfolge gehen, und lange harrte der Mann, die Trauer des Weibes mit tiefem Stillschweigen ehrend. Endlich trat er zu ihr heran, legt» seine Hand leise auf ihre Schulter und sprach mit mildem Tone: „Mirjam, stehe auf, laß cs genug' sein für heute, die Sonne, sendet ihre letzten Strahlen über den Flüh, und dann, weißt Du, steigen die weißen Nebel herauf, die Deiner Gesundheit schaden. Also komm in das Hans." Die Frau, die bei der Berührung zuerst leise zusammengeschauert, wandte dem Sprecher ihr tränenfeuchtes Antlitz zu, , und mit einem milden Lächeln erwiderte sie: „Ich komme, Amnon, ich gehorche Dir, treuer Freund." Sic erhvf sich; er ergriff ihren Arm, damit sie sich, ans ihn. stütze» denn ihr schwankender Schritt zeigte, wie schwach sie noch sei, und er geleitete sie nach der Laube, wo sie ihn bat, sich noch einige Augenblicke niederiassen zu dürfen, „Habe Geduld mit mir," -sprach sie, und der Ausdruck der Bitte verklärte ihr bleicht, edles Llntlitz, das sich au8 dyn Rahmten ihrer schwarzen Locken uni so . Nach »einer kurzen Debatte wurden -in' den .Vorstand Ä Kwähltt.Dt" N^oix M ich a e l iini> ' 3fft aT M eil, rr\i,. «vMzstmstgliedsbeitrag wurde auf 10 Mk-, festgesetzt. Der Eia sMscher «nnftabend. , Die hiesige Ortsgruppe des „Hapoä l h azair" lädt zu einem jüdischen I i t e r a r.» m.u sikal. Abe nd in der Frankfurt - Loge ein für. Sonntag, den 28. März. Das Programm sieht n. a. vor: Rezitationen ans Bialik, Perrz und Reisen sowie musikalische Vorträge aus Werken von Beethoven, Fielt» und Chopin;. aussührende Kräfte die Herren Karmbad, Szpiro und Moschkowitz und für den musikalischen Teil Frl. Simon und chie Herren Gerlich, Lauser und Tauber. Weiter wird auch eine Tombpla und Saal- OLdüdseddr Dracklult-ABläge Qffenbaoh a, Telefon 123. Unübertroffene. Teppicbreinignng mittelst Druckluft. K nebst amerik. Versteigerung im Saale veranstaltet wer» > Der Reinertrag des Abends soll dein ,^ettn alija" zusließen. ES sei auch ans das diesbez. Inserat in dieser Nummer hingewiesen. Donnerstag, nach. Schacharisr Schulchan. Aruch (Unna)»,8; Gemoro (Unna)*). Freitag, nach Schacharis: Mischna (Groß). Fortbildung für Knaben: Samstag. 3: Schulchan Aruch (Abt. I Dr. Unna, Abt. II Groß), 4(4:. Schulchan . Aruch (Abt. HI Groß), Dienstag, 4: Schulchan Aruch (Mt. Hl Groß), 5»/z: Mischna (Abt. l Unna), Mittwoch, 4: Schulchan Aruch (Abt. II Groß), Donnerstag. 51/2: Gemoro (Abt. I Unna). Schiur für Damen: Sonntag, 6(4: Dinim (Unna). Personalien. Im 80.- Lebensjahre verschied Fabrikant Moritz Krämer, 2. Vorsitzender der Rudrrgesellschaft Sachsenhausen und Vorstandsmitglied des Frankfurter Regattavereins» Mitbegründer der Mannheimer Rudergesellschaft und ein geschätztes Mitglied der Demokratischen Partei. Arbeitsausschuß der national-jüd. I»- gendverbämde, Hotel Löwenhvf, Dienstag. 8: Versammlung (siehe Inserat). Jüd. Frauenvereiuigung, Hörsaal, Sonntagz - --- - - - - - -)t Eas» 6: Prophetenwort und Gesetzeslehre (Dr. Breuer), jkursaal, Dienstag, 4lh: ordentl. Hauptversammlung. Frl. Betty Hirsch b erg er feierte am 15. März ihr 25 j ä h r i g e s Jubiläum als Abtcilungsleiterin bei der Firma Gebr. Robinsohn. Es wurden ihr wertvolle Geschenke und Blumen von der Firma und von Kollegen und Kolleginnen überreicht. Me kor Chajim, Sonntag nach Schacharis: Dinim (Rektor Falk), 3-4: Mikro (Heivingsfeld). Sonntag, 8»/-: Targum Scheni (Schachnowrtz), alltäglich, morgens: Mischna, Montag, Mittwoch, 7: Gemoro (Dr. Breuer). Tiferes Bachurim, Langestr. 33, Sonntag, 7(4: Kursus über jüdisches Recht (Rechtsauw. Horovitz). Kleine Notizen. Die I ü d. F r a u e n b e r e i n i g u n g veranstaltet am 6. April zugunsten unterernährter Kinder ein Konzert in der Frankfurt - Loge. Der Jüd, Orchesterverein unter der Leitung seines bewährten Dirigenten Neumann hat seine Mitwirkung zugesagt. Beratungsstelle für das jüd. Kind, Stiftstraße 30. part., Mittwoch 5—6 Uhr. Dr. Chrsauowitz' Bestattung. Sonntag, 3y« Uhr, findet in der Frankfurt-Loge — nicht Unterlindan 21 — ein von der Zionistischen Vereinigung veranstaltetes Purim-Kinderfest statt- Purim wird des Vormittags 10 Uhr in der Synagoge H e r m e s w r g noch einmal die M e g i l l a vorgelesen. Frankfurter Veranstaltung««. Lalmud-Thora-Berein. (Hörsaal Gemeindesynagoge Börneplatz.) Samstag, nach Schacharis: Hastoro (Dr. Rabin)»), 11: Schulchan Aruch (Unna)*), 3(4: Raschi (Lipinsky), nach Mincha, Mikro (Unna). Sonntag, nach Schacharis: Mischna (Groß), 3Vi: Schulchan Aruch (Lipinsky), 8V»: Gemoro (Unna)*), nach Mincha: Newiim (Unna). Montagnach Schacharis: Mischna (Groß). Fortbildung für junge Leute, 8(4: Gemoro (Unna). Dienstag, nach Schacharis: Schulchan Aruch (Unna), 6(2: En Jakauw (Unna). Mittwoch, nach Schacharis: Mischna (Groß), 6((-: Chonwaus halewowaus (Dr. Braun). Im November starb in Jekateriiwslaw der Arzt Dr- Jos. Chasanowitz, der sich an der Stätte seines Wirkens durch seine Selbstaufopferung und Herzensgute ein dauerndes Andenken erwarb, der sich aber auch in die Annalen des jüdischen Volkes einschrieb, indem er jede freie Minute und jeden entbehrlichen Pfennig seines Vermögens dazu benutzte, Bücher für die von ihm gegründete; Jüdische Nationalbibliothek in Jerusalem zu sammeln. Wir lesen jetzt in der Bialystoker Zeitung „Neues Leben" folgendes über seine Bestattung: „Es war!m vorjährigen November, als die Bmiden Machno's Jekaterinoslaw Denikin's Anhängern entrissen. Es donnerten die Geschütze, die Maschinengewehre knatterten. Die Erde zitterte unter den Füßen, die Herzen waren voller Angst und Bange. Plötzlich eilte zu mir mein Nachbar, ein Bekannter aus Bialystok, herein und rief: „Dr. Chasanowitz ist verschieden. Er wird gleich vom Mauschaw Sekeinim (Alter- Asyl) beerdigt werden." *) Religionsschule Hermesweg 27. *) Auch für Damen. _ Bllllga _ Büromöbel H Gelegenheitafeänfa in Flaoh»! Bflro-i Sohrelh» maschlnsntischan, Stühlen, Sesseln, eiserne Kontar>8ohränke. Freya, Büro-Einrichtungen, Theaterpl.14. stärker hervorhob, jede Stunde, die ich von diesem lleinen Grabe entfernt, bin, dünkt mich ein Raub an dem Andenken derer, die ich auf immer verlor — xS ist das sichtbare Band, dcks mich noch mit ihnen verknüpft — —, doch wa!S sprech ich von Geduld bei Dir, der Du unerschöpflich an Güte und Freundschaft. . . ." „Meine Sorge ist imr," erwiderte der Mann, und ein sanftes Lächeln verschönte das Gesicht mit den energischen und doch so gutmütigen Zügen, „daß Dir der Gram und die Tränen die schwer errungene Gesundheit nicht wieder schädigen!" Stumm drückte sie feine Hand. Ja, eS waren Mirjam und Amnon. Viele Dtonde waren verflossen, viele Leiden waren ertragen, viele Beschwerden überstanden. ÄluS den zusaimnenbrechenden Trüainieru von SepphorK waren sie bis zu den Ufern des Euphrat gelangt und hatten eine Ruhestätte, wenn auch nicht für ihren Kummer, in der Vorstadt von K-archemisch gefunden. - Als- Patrika bei dem Klange der römischen Tuben von dem Hose des Castells eilte, war Mirjam ohnmächrig in die Anne Annwn'S gesunken. Die Mauer» krachten und stürzten, die Menschen schrieen und jmnmertrn, die Erde schwantte noch innner, ivenn auch in leiseren Stößen, — aber Amiwn stand fest und hielt das ihnr/aiwertrantv teure Gut seines Freundes an seiner Brust. Aber nicht lange dauerte es, so vernahm man von ferne her das SiegeZgeschrei der in die Stadt eindringeiiden Römer, und als es sich näher heranwälzte, als' es offenbar wurde, bdtz die Stadt ohne Verteidiger sei» als die Flüchtigen aus der Stadt hinanseilten mit dem Rufe: „Patrika ist gefallen, rette sich wer kann, e§ ist alles verloren!" —. da liefen Alle, die iwch auf den Höfen des Castells verweilten, wehklagend nach allen Richtungen auseinander, und Auinon stand allein, die bewußtlose Mirjam im Arme. . . Glücklicher Weise hatte der alte Turm von dem Erdbeben wenig gelitten, cmd feine schweren Quadersteine waren nicht auß der Stelle gewichen. Amnon hob Mirjam mit seinen ülrmen empor, eilte mit ihr in den Turin und stteg in den unterirdischen Gang hinab. Nicht weit, und er fand die Wölbung von den Erdstößen eingesunken, ein unüberwindliches Hindernis. Er trat m eine jener Höhlungen, welche Potrika vorsichtig angelegt und. mit Vorräten versetzen hatte, und. legte Mirjam aus einige Kissen nieder. Er benetzte ihr Antlitz mit .Wasser und rief ihren Namen mit immer steigender Angst. M währte.lange», bevor sie.wieder erwachte und bei dem rötlichen Schein eine Fackel mit stierem Mick umherschaute. „Patrika, Patrika. wo bist Du?" .-. . waren die ersten Laute ihrer zurückkehrenden Seele. „Halte Dich ruhig, Mirjam," beschwichtigte sie Amnon, „Patrika. wird bald konmien, er kennt unsre Zufluchtsstätte, sei gewiß, er kommt bald wieder!" .... Mirjam schwieg; ober sie rang cinausyorlich die Hände und ihre Lippen bebten. Lautlose Stille in der ^unterirdischen Höhle; nur von Zeit zu Zeit drang ein furchtbares Rollen, ein gewaltiger Donner, bald auweiter Ferne, bald m nächster Nähe wie vom s-turze mächtiger Mmcern Und Balken, ein Getöse wie von wildbewegten Aienschenmassen in den Schoß der Erde herab. Mirjam sprang von ihrem Lager mif und ries mit dem Tone der Verzweiflung: „Amnon, laß mich hinauf, laß mich zu Patrika, ich will mit ihm sterben, mit ihm unrergehen .... hörst Du, er ruft mich, ich mutz hin . . . Aber Amnon hielt sie zurück, er schlang seine Zlrnie uni sie und drängte sie ans ihr Lager zurück. „Ich kann, ich oarf nicht, Mirjam: droben wüten die Feinde: Gott ist mit Patrika, er rettet ihn, und wenn er dann kommt und fordert sein Weib von mir, — tcnd Du bist nicht hier, wie könnte ich bestehen vor ihm! Er Hai Dich mir anvcrtrmct, and mit meinem letzten Blutstropfen muß ich dafür einstehen!" ... So dauerte der Kampf lange, lange, bis die Ermattung den Schlaf aus da8 schwache Weib senkte. Die Stunden dehnten sich zu Tagen, — Patrika kam nicht. Riit Mühe beschwichtigte Amnon immer wieder die Trauernde. die allmählig ihres Verlustes gewiß ward. Da kam ein Mittel ihrem Gefährten zur Hülfen Mitten in den wilden Phantasien hatte das unglückliche Weib ihr Geheimnis verraten, und nach langend Zögern benutzte es Amnon, um das Pflichtgefühl der znkünfttgerr Mutter zum Trostmittel für die verwittivete Gattin zw verwenden. Freilich wurde auch ihm hierdurch nur bänger und bänger ums Herz, und die Schwere der Pflichten^ die ans seine Schultern geladen, drückte seine treue Seele tiefer nieder. Um wie viel lieber wäre er in den Kampf geeilt und hätte mit dem Schwerte in der Hotnd de« Heldentod gefunden. Wer er fühlte» d<M göttliche Geschick habe ihn an diesen Platz gestellt und er müsse erfiKenp was ihm oblag. Zu hoffen wagte er nichts mehr, aber es mußte geschehen, was notwendig war. ' Ob Tag oder Nacht auf der Erde stehe, sie wutzten es nicht. Mer droben war es immer stiller geworden; auch nicht daK leifest» Geräusch war vernehMbar. MmPm SS»

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