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Neue jüdische Presse · 1921-03-11 · Heft 10 (11.3.1921) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 10 (11.3.1921)
Date
1921-03-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Nr. 10. Paul Jorich’s Künstlerspiele Schäfergasse 13. 7 Uhr (früher Eldorado) 7 Uhr. Vornehmes Familien - Kabarett. — Kein WefnzWang. — — genehmes mit der Jeschiwah usw. erlebt hat, darf erst recht solche liberale Aufrufe nicht unterstützen; ferner keme Liste, in der eine Frau ausgestellt ist, die in ehrlicher Weise ihren RHitlinienstandpuntt zum Ausdruck gebracht hat.' i (£§ ist dem Redner leider nicht gelungen, all das in ruhiger Weise zum Ausdruck zu bringen; — der Tumult steigerte sich stark, und der Redner wurde stark provoziert! D r. Grünb aum-Nürnberg beruhigte dann die Gemüter wieder. Und wenn sich auch' die Fürther Icheuch aus er und Lion bemühten, die Stellung der Orthobofic zu retten, so ist ihnen das, namentlich durch! die Bemerkungen von Prof. Tachauer, der fick; mindestens sv scharf gegen das Bündnis der Orthodoxie mit den; Liberalen wie mit den Zionisten wendete, durchaus n i ch t gelungen. Daß. Prof. Feilchenfeld für die Inte-' ressen der Jsr. Realschule eintrat,' war sehr berechtigt. , ' In seinem Schlußwort warnte' der Referent, D r. Strauß, die Fürther Wähler, Ruhe und Frieden über alles zu stellen, wenn darüber alles jüdisch; Leben zugrunde gehr. Der Wahlkampf ist nach dem Statut des Verbandes vorgesehen, und er erfrischt und belebt die Gei-. ster und bewahrt vor Versumpfung und Friedhofsruhe. Der Abend kann trotz alledem als du Erfolg der „Vvlkspartei" betrachtet werden. Das Nachdenken ist angeregt und wird Liberalen und Orthodoxen die innere ^Entscheidung zur Reise bringen, baß sie sehen, wo wahrhaft 'jüdische Leben angestrebt wird. R. E. Erez Israel. Das Mandat. * Ter Völkerbunds rat wird das Palästina-Mandat nach der Rückkehr des Kolonialministers Churchill von seiner Reise nach Palästina im April behandeln. Auskünfte. Tie „Gesellschaft zur wirtschaftlichen Erforschung Palästina" hat sich bereit erklärt, wirtschaftliche Auskünfte jeder Art über Palästina zu geben. Tie Adresse der Gesellschaft lautet: Ing. M. Novomejsky, c/o „Siberia" Palöstine Central Bureau vf Information, Jasfa-Tel awiw, „ P. O. B. 13.. (ZK). Deutsches Reich. Provinzialtagung des Jüdischen KrauevbundeS. . Am 22. und 23. Februar 1921 veranstaltete die grankfurter Ortsgruppe eine Provinzialtagung Z Jüdischen Frauenbundes für Hessen-Nassau und die - angrenzenden Landesteile. Sie war von auswärtigen und Frankfurter Delegierten gut besucht und brachte' Referrte über: Zwecke und Ziele des Jüdischen Frauenbundes, Berufsfragen und Arbeitsvermittlung. Ein ausführlicher Bericht folgt in einer der nächsten Nummern. Die Jugendgruppc des Jüd. Frauenbundes und der Mädchenklub Langestraße 30, hatten an den Abenden zu Jugendversammmngen eingeladen. Die Veranstaltungen waren sehr gut besucht und Boten den Teilnehmern^manche Anregung Oberschlesische Abstimmung. Für die jüdischen Abstiimnungsberechtigten ist durch! die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, Abteilung Schlesien" uh Einvernehmen mit der „Zentralstelle für die technische Durchführung der oberschlesischen Abstimmung" und deni „Deutschen Schutz- - Bund" eine Organisation mit dem Sitz in Breslau geschaffen worden. An der Spitze der Organisation steht Bankier Loewh, an den alle Anfragen organisatorischer Art zu richten sind. (Telephon: Ring 7637, 7688 und 7689.) Für alle Verpflegungsangelegenheiten ist Frau Bertha Kober, Königsplatz 3 (Telephon: Ring 3922) zuständig. Die Organisation verfügt über ungefähr 300 HÜfer und Helferinnen, die 'dem Abstimmungsberechtigten in jeder Hinsicht mit Rat und Tat zur Seite stehen und an allen Breslauer Bahnhöfen warme Speisung verabreichen werden. Alle Anfragen über den Helferdienft sind an Fräulein Emmi Guttmann, Viktöriastr. 56 (Telephon: Ring 1440) zu richten. Die rituelle Aussicht hat Rabbiner Dr. Cohn, Gutenbergstr. 43 übernommen. In allen größeren Städten Deutschlands sind Vertrauensmänner bestellt, unter denen, da über die Hälfte der jüdischen Abstimmungsberechtigten aus dem Reiche in Berlin wohnen, die bei weitem größte Tätigkeit Rabbiner Dr. ffluitf, Berlin N., Artilleriestr. 31, zu entfalten hat. In Berlin wird warme Verpflegung Auguststraße 16 (Jüdische Speisehalle) verabreicht. Mich während des Aufenthalts in Oberschlesien ist, im engen Zusammenarbeiten mft dem Denffchen Plebiszitkommissariat, für rituelle Berpftegnng gesorgt. Die Oberleitung hierfür befindet sich in Den Händen von Bruno Alt mann, Kattowitz (Telephon: 24, 25 und 26). Die Not der ostjüdischen Flüchtlinge. Seit einigen Monaten arbeitet der „Hilssans- ' schuß für jüdische Durchwanberer" in Köln mit Aufgebot aller Kräfte daran, beit beladensten und ärmsten seiner Glaubensgenossen, den ostjüdischen Flüchtlingen, zu Helsen. Ununterbrochen treffen, diese schwer- Neue Jüdische P bepackten Auswanderer in größeren utib kleineren Gruppen in dem hier eingerichteten Durchgangslager.in Köln- Deutz ein. Hier werden sie — jdtua 250—300 Menschen täglich — verpflegt bis zu ihrer Weiterreise beherbergt. Groß ist die Arbeit, die geleistet werden muß. Pässe müsse,! visiert, Fahrkarten gekauft und Gepäck weitergeschickt werden. Jeden Tag befinden sich unter ihnen völjig «mittellose Familien, denen der „Hilfsäusschuß für jüdische Durchwanderer" die Mittel zur Weiterfahrt geben muß!. Dazu gehört viel Geld. Wir verweisen auf den Aufruf in der heutigen Nummer, der eindringlichst auf das Elend, das gelindert werden muß hinweist. Jede Gabe in Geld, Lebensmitteln und Kleidungsstücken ist willkommen. Durch jede Gabe kann man zur Milderung der ungeheuren Slot beitragen. Dieser Gedanke allein müßte genügen, jeden Juden zur Mitarbeit zü veranlassen, jeder jüdischen Hausfrau ein' Sporn zu sein, alles überflüssige an Kleidungsstücken etc. zu schicken. Deutsch-Oesterreich Zur Ausweisungsfrage. Auf Beschwerde Polens beim Völkerbundrat ist nach freundschaftlich geführten -Verhandlungen folgendes vereinbart worden: Oesterreich wird zur Zeit sein Ausweisungsrecht gegen Personen nicht, ausüben, deren begründete Option der Negierung zur Prüfung vorliegt oder die bereits um eine Aufethaltsbewilligung dngeschrittcn sind, insolange die kompetenten Behörden über den Einzelfall nicht entschieden haben. Im übrigen werden mit besonderer Sorgf-rlt geprüft werden die Ausweisungen a) von dauernd für gemeinnützige Arbeiten angestellteu Personen, von ^kranken und Greisen, deren Transport laut ärztlichen Zeugnisses Aufentyaltsbcwilligung eingeschritten sind, insolange die kompetenten Behörden über den Einzelfall nicht entschieden gestellt sind; b) - von gewissen Kategorien von Studenten. Diese Zusagen sind an die Bedingung geknüpft, daß andererseits Polen seinen diplomatischen und Konsulnräinker» in Oesterreichdie entgegenkommende Behandlung jener Personenverzeichnisse auftrage, die von den österreichischen Behörden behckss Erleichterung der Heimschaffung nach Polen r orgelegt werden. Neu eröffnet! Cnß Mel Zeil 39 Restauration nach Wiener Art "120 Das Lokal wird vollständig und vornehm renoviert und mit guter Ventilation versehen. Mein Bestreben wird sein, meine verehrten Gäste aufs aufmerksamste and beste mit Ia. Speisen sowie Ia. Gebäck und Ia. Getränken zu bedienen. Tel. H. 9607llOMS ZpikAvI. — Ab 4 Uhr nachmittags Konzert. — . -J Augur». «tu Sittenbild. Der bekannte päpstliche Prälat und Mg. Dr. Gießwein führte in einer seiner Parlamentsreden wörtlich ans: „Die in unserem öffentlichen Leben herrschende Roheit frißt sich in die Seelen ein und vergiftet sogar die Herzen der Kinder. Als Beispiel führe ich die in der vergangenen Wvckie vorgefallene Begebenheit an: Die Eltern gingen aus und ließen ihren dreizehnjährigen Jungen mit einigen seiner Spielkollegen zu Hause. Bei ihrer Rückkehr fanden sie ihren Sohn an der Türklinke aufgeknüpft tot hängen. Die Jungen hatten „Hsjjas" gespielt, wobei dem einen 'die Rolle des Juden zufiet, der gehängt werden mußte. Sie knüpften ihn jedoch - so regelrecht auf, daß au3 dem Scherz Ernst wurde und der Junge, der übrigens ans guter christlicher Familie ist, den für die Juden bestimmten Tod gefunden hat." (I. P. I.) Pole». Wie Polen die Minoritätsrechte achtet. Die Regierung hat die jüdische Volksuniversität verboten, „da die jüdische Sprache eine behördliche Kontrolle verhindert." Kritische Lage der hebräischen Schulen. Infolge des Aufhörens der vom amerikanischen Joint gewährten Subventionen droht zahlreichen hebräischen Schulen der Untergang. Weltberühmt sind L. Fassbenders ELonfltu.r©n» Kaiserstrasse 33. / RumLuie«. Die jüdische Gemeindevertretung'i« Bukarest. Dw Minister Argetoiann und Tranen und Stadtpräsident Georg in nahmen an der feierlichen Eröffnungssitzung der jüdischen Gemeindevertretung teil) Georg in sprach in seiner Rede seine Sympathie für das gerechte Streben des jüdischen Volkes nach einem nationalen Zentrum ans. Kurze politische Rachrichte«. Danzig Bon den 2300 jüdischen Seelen Danzig? besaßen schon in Friedenszeiten' etwa 30 Prozent »ich das deutsche Staatsbürgerrecht; hierdurch! gibt es hier Inden, die 30 und 40 Jahre am Orte ansässig sind und doch nicht naturalisiert sind. In den letzten zwei Jahren sind überdies noch etwa 1000 Juden aus Polen zugeivandert. Hinsichtlich der Aufenthaltserlaubniwerden de» Juden ständig Schwierigkeiten gemacht. Der Volksvertretung liegt jetzt ein Gesetzentwurf betrefft Staatsbürgerschaft vor; er wird den Juden sicherlich nichl günstig sein. Aiouistische Nachrichten. Berlin. Der 17. Delegiertentag der Zion Bereinigung für Deutschland ist auf den 18., 15. und 16. Mar nach Hannover einberufea worden. , o Basel Dr..Nachu,m Goldmann«Heidelberg wird in der zweiten Hälfte des März eine Bortragstournee durch die Schweiz unternehmen. Aus der Misrachi-Beweguug. London. Lazarus Cohen und Leo Bos dom Misrachi-Centralbüro unternehmen eine Propagaadareisc nach Frankreich. PersousNeu«. Ueiue Mitteiluuge». Budapest. In Debreczin wurde der Präsident der Kultusgemeinbe, Dr. Eugen Reis, der auch Mitglied des städtischen Akunzipiums ist, als er den Hanptplatz passierte, von einem jungen Mann überfallen und insultiert. Der Angreifer, Georg Nagy, Praktikant inr Komitatsdienst, gab bei seiner Einvernahme an, sich zu dem Angriff ans politischen Gründen veranlaßt gesehen zu haben. Fraukfurter Berichte. Gemeindevertretung der Jsraelittschen'Gemeinde Auf der letzten Sitzung der Gemeindevertretung gelaugte als erster Punkt der Tagesordnung ein Antrag F r o m m „betreffend Philantropln" zur Debatte. Es handelte sich hierbei um die in letzter Zeit vielfach geforderte und erörterte Revision des Statuts des Philanthropins. Fromin stellte zunächst fest, daß die in dieser Frage zuständigen Stelle, der Schulrat des Philanthropins, dem allgemeinen Verlangen nach Statutenänderung Rechnung zu tragen erllärt habe, daß jedoch in dieser, Frage trotz mehrmaliger Anfragen und Aufforderungen vor allem der Konservationen in der Gemeinde noch sehr wenig getan worden sei. Der Wunsch nach Reform des Philanthropinstatuts sei allgemein und dringlich. Es müsse endlich gefordert werden, daß mit der Neuordnung im Philantropin endlich Ernst gemacht werde. Zu biesein Zwecke schlage er als Sprecher der konservativen Fraktion vor, eine Gemeindelommission zu ernennen, die m dieser Angelegenheit mit dem Schulrat deZ Philanthropins zusammenarbeite. Ter Antrag stieß bei den liberalen Gemeindevertreteru auf Widerspruch. Dr.. Geiger verwarf den Antrag mit der Begründung, daß dessen Annahme auf ein offenes Mißtrauensvotum für den Schulrat hinausliese. I» Wirklichkeit sei die Statutenänderung von dem Schulrat bereits energisch in Angriff genommen; in den nächsten Tagen fände schon eine dieser Frage gewidmete Sitzung des Schulrats statt, und man hoffe, bald zu greifbareren Ergebnissen zu komnien. Rach einer kurzen Debatte erhielt der Antragsteller das Schlußwort. Er betonte, baß es ihin bei seinein Antrag nur darum zu tun gewesen sei, dem Schulrat in der Revisionsarbeit gleichsam zu Hilfe zu kommen, um das Tempo der Beratungen zu beschleunigen. Mit einer gewissen Erregung wandte er sich gegen die Unnachgiebigkeit der Liberalen gegenüber den Forderungen aus eine größere Berücksichtigung der konservativen Interessen in dieser wie in anderen Fragen. Für den Fall „weiteren Obstruktion", von Seiten der Liberalen kündigte er die entschiedene Opposition der konservativen Fraktion an. Bei der hierauf folgenden namentlichen Abstimmung fiel der Antrag Fromm mit einer geringen Stimmen- Mehrheit durch. Im weiteren Verlaus der Sitzung wurde die Frage der Kontrollkommission für den Religionsunterricht berührt und (auf Antrag der Wahlvorfchlagskommission) beschlossen, die Zahl ihrer Mitglieder von t8 ans '23 zu erhöhen.

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