Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1921)
- Date
- 1921-03-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 9 . Akeue Jüdische Presse. tzette t Seidene Damen- MM Handschuhe ■Jf% schwarz, weise, marine, I 2Perlmutter-DruckknSpfe Jr B Paar MMM Schriftliche Aufträge werden prompt erledigt. Goethestrasse LI Strnmpfhans Metzger Zell 87. dem jüdischen Verlangen »ach Auslieferung Balachowicz' an das jüdische 'Kriegsgericht näherzutreie». Selbst in Polen müßte eigentlich erwartet werden, daß solche Mordtaten, wie sie Balachowicz verübt hat, ihre Sühne finden. Aegypten. Die Zahl der Juden. Laut der letzten! .Volkszählung in Aegypten, gibt es dort aus 12 718255 Einwohner 59 581 also gegen 50/oo Huden, von denen über'29000 in Kairo und gegen 25 000 in Alexandria wohnen. Personrlie» «. kleine Mitteilungen. Berlin. Professor Dr. Albert Einstein, der berühmte Physiker, und Professor Dr. Weitzmann von der Exekutive der Zionistischen Organisation, beabsichtigen, Mitte März gemeinsam nach A m e r i k a zu fahren, um dort für die jüdische Universität in Jerusalem zu propagieren. ' Berlin. Die Zionistische Exekutive in London hat eine Konferenz mit Vertretern der Orthodoxie für Mitte März in London zugestimmt. New Aork. Jaeob Dick und Frau — beide 88 Jahre alt — begingen ihren siebzigsten Hochzeitstag. Ihre sieben Kinder leben noch sämtlich. Der älteste Sohn Abraham ist bereits 66 Jahre alt. Arauksnrter Berichte. Gemeindevertretung der Israelitische« Gemeinde. Die neue Gemeindevertretung ist fleißig. Auch ihre letzte Sitzung dauerte länger als drei Stunden. Der erste Punkt der Tagesordnung betraf eine A n - frage Glauberg betreffs die Vergebung gewerblicher Arbeiten von Seiten der Gemeinde bezw. ihrer Institutionen. Conditorei und Cafd Wilhelm Wendel Alfogasse 6 Telefon Hansa 1288. Frankfurter Brenten n. Betmänncken. Sepphorts und Rom. Ein historischer Roman «US dem vierten Jahrhundert. Von Lndwig Philippsohn. (Fortsetzung.) Dieser erwiderte: „Ich finde den Rat des ehrwürdige» Vaters sehr angemessen, um dem abtrünnigen Cäsar eine Brücke zuni Rückzuge zu schlagen. Aber wehe uns, wenn wir das geringste Vertrauen darauf setzen. Ja, hosfen wir den mindesten Erfolg von dieser Nachsicht, so könnte dies nur der Fall sein, wenn mein kaiserlicher Gebieter zugleich alle seine Macht entfaltete und dadurch den Frevlern Bangigkeit und Furcht einflößte." „Ich stimme Dir völlig bei, Eusebius, "antwortete der Kaiser, „aber was meinst Du, was wir deshalb zu tun hätten?" „Wer den Purpur einmal um seine Glieder geworfen und den Zauber des Diadems auf seiner Stirn empfunden hat, der läßt nicht davon, es sei denn mit dem Tode. Sollte, was ich nicht glaube, Julian jetzt im Gefühle der Schwäche nachgeben; früher oder später würde der Kampf dennoch losbrechen. Deshalb müssen wir uns schon jetzt zu diesen! Kampfe rüsten, als ob wir ihn für die nächsten Tage schon voraussähen. Was wir zu tun haben? Die Lage der Dinge antwortet uns auf die Frage. Julian ist nicht bloß Verräter an seinem Kaiser, sondern auch Abtrünniger von seinem Gotte und dessen heiligen Kirche, er ist ein Apostat, und die Nachwelt wird ihn als solchen brandmarken. Er bekennt sich als einen Jünger der heidnischen Philosophen, er will die götzendienerischen Gebräuche wiederherstellen und das Heidentum wieder auf den Thron der Cäsaren erheben. Wohlan, mein kaiserlicher Herr, laß ihn das Haupt des barbarischen Heidentums spielen. Du aber stelle Dich an die Spitze der Christenheit, rege den Glaubenseifer der Bekenner Christi zum flammenden Fanatismus an, mache den Kampf zwischen Dir und Julian zu einem Kampfe der göttlichen Wahrheit mit der teuflischen Lüge, des Christentums mit dem Heidentume!" Ein Lächeln der Schlauheit lief über das kalte Gesicht des Constantius. Er blickte den Eusebius scharf an, da er aber auch in dessen Augen nichts gewahrte, was etwa einem höheren Feuer, einer tieferen Begeisterung geglichen hätte, und somit wußte, daß. dies, alles nur kühle Berechnung Der Antragsteller führte eine Anzahl Fälle an, in denen nach seiner Auffassung mehr Rücksicht ans die Mitglieder der Gemeinde,. die für 'die Vergebung der Arbeiten in Frage kamen, hätte genommen werden sollen. Syndikus Dr. Meyer gab für die Gemeinde, Justizrat Dr. A u e r - bach für das Philanthropin und Landsberg für das Krankenhaus Aufklärung. G l a u b e r g faßte das Ergebnis der Debatte dahin zusammen, daß den Handwerkern nicht das Wohlwollen allein genüge. Es wurde beschlossen, daß die Genieinde jede zu vergebende Arbeit auch dem Vorstand des Vereins selbständiger isr. Handwerker mitteileu inöge, und bei gleicher Leistungsfähigkeit solle dem jüd. Handwerker die Arbeit übertragen werden. Ferner wurde ein Antrag Stiebet, D r. Hirsch, Rothschild, Felix Meyer angenommen, daß an Mitglieder der Gemeiiidevertretung keine Arbeiten vergeben werden dürfen. Punkt 2: „18gliedrige Kommission für Unterricht und Erziehungswesen" entfesselte gleichfalls eine lebhafte Debatte und wurde schließlich zur Äommissronsbehandlnng überwiesen. Bei dieser Gelegenheit wandte sich Dr. H i r s ch gegen Dr. Auerbach, den Vertreter des Schulrats des Philanthropin, der immer noch nicht einsehen wolle, daß das Philanthropin eine Institution der Gemeinde sei. Sodann lag ein Antrag des Vorstandes vor, die Gemeindevertretung möge sich schlüssig werden, ob sie im Prinzip die Herausgabe eines Gemeindeblattes befiirwortet. Es scheint sich nach Berliner Muster um ein MonatSblatt, das die offiziellen Nachrichten der Gemeindeverwaltung bringt, zu handeln. F r o in m (kons.), Dr. Emmerich (Zionist), Dr. K a tz e n st e i n (kons.), Dr. H i r s ch (lib.) sprächen dagegen. Ein solches Blatt sei in der gegenwärtigen Zeit finanziell ein Luxus, da es innerlich nichts zu sagen habe, könne es auch nicht wirken; wer Interesse habe, lese eine jüdische Zeitung, und die Indifferenten werden auch dieses ihnen kostenlos zugesandte Organ nicht lesen, — das waren die Ansichten, die man von den Gegnern hörte. Hätten die Gegner aber das Berliner Gemeindeblatt gekannt, so hätten sie ihre Gegnerschaft noch schärfer betont, denn dieses Organ — und in Berlin ist es wegen deS riesenhaften Umfanges der Stadt immerhin begründet — hat noch nicht eine Seele von der Mischehe oder von der Taufe abgehalten. Dr. Auerbach (lib.), G o i t e i n, G l a u b e r g (kons.), Dr. Geiger, Landsberg, Frau Gut, Frau Forchheimer (lib.) waren dafür, daß der Vorstand sich mit der Materie beschäftigte, was schließlich auch von der Mehrheit der Versammlung zum Beschluß erhoben wurde. Dem Lyzeum Heine mann wurde für das lausende Quartal ein Zuschuß von 12 000 bewilligt und für die Mazzenbäckerei, die diesmal nur für fünf Tage arbeitet, 2000 M> Die Generalversammlung ves Mekor Lhasim. Die Generalversammlung des Mekor Chajim fand am 20. Februar bei guter Beteiligung statt. Der Rechenschaftsbericht entrollte ein sehr erfreuliches Bild von der Lehrtätigkeit des Vereins im Berichtsjahre. In der Ansspräche wurde allgemein der Wirksamkeit des Vorstandes für Verbreitung von Limmub Thaur» Anerkennung gezollt. Verschiedenfachs gemachte Anregungen werden vom Vorstande in Erwägung gezogen werden. Die Wahlen ergaben die Wiederwahl der Herren Na.than Hamburger, Jos. Sänger und G a b r. Plaut. Als Delegierte wurden wiedergewählt Fritz Stern und Ernst Lehman n. sei, nickte er zustimmend mit dein Kopfe und fügte nur die Worte hinzu: .Weiter, Eusebius, was sollen wir also tun?" Dieser fuhr fort: „Vor allem muß Deine göttliche Person, Augustus, in Sicherheit gebracht werden, und da man aus dieses Italien niemals mit Bestimmtheit rechnen darf, da seine Bewohner nur zu sehr geneigt sind, den Barbaren ihre Tore zu öffnen und sich ihnen zu unterwerfen, so glaube ich, daß Du dieses Rom verlassen und nach Syrmium gehen mögest. Zugleich müssen alle verfügbaren Truppen nach Griechenland gezogen werden, um die möglich größte Heeresmacht zusammenzubringen. Unterdes muß alles daran gesetzt werden, die streitenden Parteien im Christentnme mit einander zu versöhnen und alle seine Söhne zu einem Glaubensheer zu vereinigen. Dein heiliger Wille, Herr, muß sich in den unerbittlichsten Gesetzen gegen die Heiden und ihre Priester aussprechen, der Tod muß verhängt werden über aUe ihre Hierophanten, Auguren, Haruspices als über Zauberer, welche die Künste des Satans treiben, jede götzendienerische Handlung, die sich an das Licht des Tages wagt, muß ebenso'mit dem Tode bestraft, und Belohnungen für die treuen Christen ausgesetzt werden, welche dergleichen Verbrechen zur Kenntnis der Behörden bringen. Während wir so entschieden mit unser» Gegnern brechen und den Eifer der Unsrigen von Neuem anfachen, müssen die arianischen und katholischen Bischöfe zu einer Ausgleichung gebracht werden, und dazu, ehrwürdiger Vater/ müsset Ihr die Hand reichen." Constantius und Eusebius wandten ihr Gesicht dem Bischof Epictet zu und erwarteten dessen Antwort. Nach einigem Stillschweigen sagte er: „Daß ich und meine Brüder, erhabener Beschützer der Kirche, so weitgehen wollen wie es nur irgend möglich, haben wir schon oft genug versichert und es durch die Tat bewiesen. Nur unsre Gegner sind hartnäckig und wollen uns zum nicäischen Symbolum zwingen. Und bas können, wir nicht, ohne uns selbst zu verleugnen, und wenn wir es selbst wollten, würde das Volk nicht darauf eingehen, das hinter uns steht. Wer will dem Geiste Befehle schreiben? Genug, wir sind bereit, eine neue Satzung einzugehen, in welcher wir unsre Lehrmeinung so wenig wie es uns möglich ist. zum Ausdruck bringen." „Da heißt es denn," fiel Eusebius rasch ein, denn er hatte diese Antwort erwartet und wollte dem Pedanten- ■ Mng züvorkommen, „die katholischen Bischöfe auf eine andre Weise zu uns herüberbringen. Wir müssen ihre Nachgiebig- Qäenbacher Dracklnlt-ABlage1 ' Offenbaoh a. ■« Telefon 123. I UnBbertr offene Tepplchrcluigang mittelst Druckluft. I Lstjüöischer Kunftudenv. Der Montefiore - Verein gab am Mittwoch einen „ostjüdischen Kunstabend". Frl. Rosenthal (Bkoline) und Frl. Lilli Bür (Klavier) ersieuten die Hörer, durch einige schöne Jnstrameutalvorträge. Es folgten Rezitationen aus Efros, Bialik und I. L. Perez, dessen.Kabbalisten" der besonderen Erwähnung wert find. Den Höhepunkt des Abends bildete wohl das Auftreten des Tenoristen Herrn M. G e r l i ch mit Herrn Max Neumann am Klavier. Das trefflich geschulte, in der Höhe besonders warm klingende Organ, dazu der innig-beseelte Bortrag des Sängers nahmen bald alle Sinne gefangen. In Herrn Neumann, dem Dirigenten des „Jüdischen Orchestervereins", hatte er einen ausgezeichneten, gestaltungskrästigen Begleiter. Ueberaus reicher Beifall lohnte die beiden Künstler. Die Vereinsleitung mag mit Recht diesen künstlerischen Abend als wohlgelungene Veranstaltung fite sich buchen. L. O. Siebte Notizen. Die Hebräische Sprachschule, Unterlindau 21, nimmt noch Anmeldungen entgegen. Frankfurter Veranstaltungen. Talmud-Thora-Derein. (Hörsaal Gemeindesynagoge Börneplatz.) Samstag, nach Schacharis: Haftoro (Dr. Rabin)H, 11: Schulchan Aruch (Unna)*), 31/*: Raschi (Lipinsch), nach Mincha (Unna). Sonntag, nach Schacharis: Mischna (Groß), N/i: Schulchan Aruch (Lipinsky), 97s: Gemoro (Unna)*), nach Mincha: Newiim (Unna). Montag, nach Schacharis: Mischna (Groß), Fortbildung für junge Leute, 81/4: Gemoro (Unna). Dienstag, nach Schacharis: Schulchan Aruch (Unna), 6V2: ‘ En Jakauw (Unna). Mittwoch, nach Schacharis: Mischna (Groß), 6>/z: Chauwaus halewowauS (Dr. Braun). Donnerstag, nach Schacharis: Schulchan Aruch (Unna), 8: Gemoro (Unna)*). Freitag, nach Schacharis: Mischna (Groß). Fortbildung für Knaben: Samstag, 3: Schulchan Aruch (Abt. I Dr. Unna, Abt. II Groß), 4*/*: Schulchan Aruch (Abt. m Groß), Dienstag, 4: Schulchan Aruch (Abt. III Groß), 51/2: Mischna (Mt. I Unna), Mittwoch, 4: Schulchan Aruch (Abt. II Groß), Donnerstage 51/2: Gemoro (Mt. I Unna). Schiur für Damen: Sonntag, 67-*: Dinim (Unna). Jüdischer Turnverein, I. T. B. Heim und Büro: Unterlindau 21. Turnzeiten: Herrenabt.: Mittwoch *) Religionsschule Hermesweg 27. >) Auch für Damen. S Kaffee Kuhland 2 XatBerstraase 56 Täglich erstklassige Kaiserstrasse 56 Unterhaltungsmusik feit erkaufen, einerseits durch die Furcht vor den heidnischen Greueln des Julian, andererseits durch neue Opfer, die wir ihnen bringen." Constantius schüttelte mit dem Haupte. »Darauf gehe ich ungern ein. Wie? Die katholische Geistlichkeit— hebt bereits ihr Haupt zu hoch empor; erinnert euch welche Forderungen sie sogar an die Kaiserin stellte. Sie wollen' schon ihre Stühle über den kaiserlichen Thron erheben» und es kann bald kommen, daß sie die Majestät des Herrschers als ihnen untertänig betrachtet wissen wollen. Ich bin es meinen Nachfolgern schuldig, ihre priesterliche Herrschgier in Schranken zu halten. Und welche Opfer wären dies, die sie zu befriedigen vermöchten?" „Erlauchter Herr," antwortete Eusebius, „was die Zukunft bringt, müssen wir der Zukunft auszumachen überlassen; unsre Sache ist es, die Schwierigkeiten des Augenblicks glücklich zu überwinden. Unsre Zugeständnisse müssen mehr ein Zuwachs an Hab' und Gut als an Macht und Einfluß sein; die ersteren können leichter als die letzteren zurückgenommen werden. Verleihe ihnen Abgabenfreiheit für alle Priester, ihre Frauen und Kinder, gib ihren Bischöfen und Kirchen neue Einkünfte und Grundstücke; vor allem aber gewähre dem Bischöfe Liberins von Rom die erbetene ' Audienz, um zu hören, was er verlangt." »Dies alles soll geschehen, Eusebius, aber ich sehe noch nicht, woher wir die Mittel nehmen sollen, um ein st» gewaltiges Heer auszurüsten. Du weißt, die Kassen sind leer und die nächsten Einkünfte schon im Voraus verzehrt." Eusebius schwieg eine Weile und verlor sichi^in Nachdenken. Dann sagte er langsam: „Die einzige Zuflucht hierfür bleiben die Juden. Aber sie sind schwierig. Dir Summen, die wir brauchen, sind ihnen zu groß, und sie weigern sich hartnäckig, darauf einzugehen. Ich habe sie gebeten, sie beschworen und ihnen nunmehr die härteste Behandlung angedroht. Aber das Erstere läßt sie kalt und an das Letztere glauben sie noch nicht. Sie sind von Deinen Vorgängern, erhabner Augustus, zu sehr verwöhnt, und selbst Dein großer Vater, hat ihnen die Geißel mehr von ferne gezeigt, als auf den gekrümmten Rücken fallen lassen. Jetzt sind sie bei dem reichen Meschullam versammelt, denn ich habe ihnen die letzte Frist zur Erklärung gewährt." Constantius war von seinem erhöhten Sitze ausgesprungen, und rot vor Zorn im. Gesichte, sprach er zu seinen