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Neue jüdische Presse · 1921-03-04 · Heft 9 (4.3.1921) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 9 (4.3.1921)
Date
1921-03-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. : Paul Jorich’s Künstlerspiele v. Schäfergasse 13. i Vbx (früher Tälöorado) 7 Uhr. : Vornehmes Familien-Kabarett. Kein Weinzwang. Die Lage int Zionismus. Aevtzernngen Braudets. In einer Unterredung mit dem Vertreter ^der jüdischen Zeitung „Die Zeit" äußerte sich Br and eis u. a. auch über die Meinungsverschiedenheiten zwischen den europäischen und amerikanischen Zionisten hinsichtlich der Arbeitsmethoden beim Aufbau Palästinas. Er sagte hierüber Folgendes: Während E u r o p a. an eine Zentralregicrung gewöhnt ist, tritt man in Amerika sür die Dezentralisation ein, weil diese mehr den Geist der Initiative auf Seit«! der Einzelnen, erfordert. Alles was Palästina betrifft, sollte in Palästina und durch Palästina gemacht werden. Ein kleines Komitee für die internationalen Geschäfte wird in London genügen. Ebenso geht die Meinung über den Keren-Hajessod auseinander. In Europa gedenkt man ihn durch sentimentale Borträge zu stärken. Dafür werden die reichen Juden nicht zu haben sein. In Amerika betrachtet man ihn von der praktischen Verwirklichung aus. Ebenso ist es falsch, daß die Organisation sich in die Angelegenheiten der lokalen Föderationen michen soll. Nicht durch Phantasie und Phrase kann man Palästina Herstellen, sondern indem man.hingeht und dort arbeitet. Amerika will das Aeußerste tun, um das Möglichste in Palästina zu erreichen. Doch auch die andern Länder, in denen es auch sehr viele reiche Juden gibt, solften sich in gleicher Weise darum be- Uns scheint, als ob die Brandeis'sche Gegenüberstelllrng von europäischem Zentralisierungssystem und amerikanischem Dezentralisationsprinzip für den Zionismus heute keine Geltung hat — wenn schon, dann gewiß eher im umgekehrten Sinne. Die ganze Politik der amerikanischen Zionisten seit der Jahreskonferenz in London hat sich als eine entschiedene, von wenig Parteibisziplin zeugende S o n d e r Politik erwiesen. Daß durch diese Politik einer einheillichen Arbeit in Palästina uwht geringe Hemmungen und Schwierigkeiten bereitet werden, ist-offenkundig. Mft ihren Beschlüssen über den ,Keren hajesfod", die die Schaffung von zwei getrennten Fonds, bezwecken, hat sich die letzte „Convention" der amerikanischen -Zionisten mit den Beschlüssen der Gesamtorganisation offen in . Widerspruch gesetzt. Daß damit die Angelegenheit noch nicht endgültig erledigt ist, ergibt sich bei der ganzen Lage der Dinge von selbst. Bor allem anderen muß im Interesse der Einheitlichkeit der zionistische» Politik und der Aufbauarbeit in Palästina gefordert werden, daß die ■ amerikanischen Zionisten auf separatistisch angehauchte Verstrebungen verzichten und sich den Beschlüssen der Mehrheit unterwerfen. Die Snlturfragen Auf. einer in. Jaffa.stattgefundenen Sitzung der Zentrale des Waad hachinuch gab der Vorsitzende Dr. Mossinsohn der allgemeinen Erbitterung der Lehrer Ausdruck über die große Gleichgüüigkeit der zionistischen Kommission (Simon, de LieMe und Szold) gegenüber den kulturellen Fragen im Lande. Dellin führte aus, daß sich die Zionistische Organisation absolut nicht der Erziehungsarbeit in Palästina entziehen könne, habe ja selbst die Regierung die Erziehung in ihr Tätigkeitsgebiet eingezogen. Rabbiner Fishman erklärte, daß, wenn die Erziehungsfragen nicht mehr in das Tätigkeitsgebiet der Zionistischen Organisation fallen werden, werde der Misrächr auf diesem Gebiete zusammen mft der Agudas Jisroel Vorgehen. Weizmann erwiderte: Bor wem wolft Ihr eigentlich Eure Erbitterung Vorbringen und wen beeinflußen? Wißt Ihr nicht, daß ich seit meiner Jugend einen Kampf für die Kulftir führe? Nur dank der Kulturarbeit sind wir zur jetzigen großen politischen Bedeutung gelangt. Es gibt allerdings Leute in unserer Bewegung, die, wie vor ungefähr zehn Jahren, vor einem neuen Uganda Problem, einem geistigen, stehen. Uffischkin erklärte, daß er sich über diese Aufklärung freue, da es im Lande ein Häuflein Leute gäbe, die die Atmosphäre vergiften. Aus Sowjet-Rußland. Das Ende der jüdischen Chedarim. Die Sowjetregierung bekämpft, wie man iverß, alle nationalen jüdischen Organisationen und Institutionen aufs schärfste. Sie hat in den" letzten Jahren die zionistische Bewegung in Rußland mit allen Mitteln zu unterdrücken gesucht, ohne allerdings einen Diabetiker werden wieder beliefert durch Bademanns tfährmitteliabrik Frankfurt a. M.-We8t. Niederlage Goetheatr. 80. Man verlange Preisliste. -= Neue Jüdische Presse. - durchschlagenden Erfolg zu -erzielen. Sie hat, aus dieser Feindschaft gegen, den jüdischen „bourgeoisen" Nationalismus heraus, die jüdische Schule stets mißtrauisch betrachtet und ihre allmähliche Abschaffung durchzusetzen versucht. Mit welchem Ergebnis, läßt sich nach den mangelhaften Berichten aus Sowjet-Rußland über diese Angelegenheft noch nicht klar erkennen und beurteilen. Bon diesem Kamps der Sowjet-Regierung gegen die jüdische Schule wird natürlicherweise auch der jüdische Cheder betroffen. Ueber die Unterdrückungsmaßnahmen der Sowjetregierung gegen den Cheder wird jetzt neuerdings aus Moskau gemeldet, daß nunmehr die endgültige Entscheidung über das Schicksal des jüdischen Cheders in Rußland gefallen ist und zwar im ungünstigen Sinne. In fünftägigen gerichtlichen Verhandlungen in Moskau wurde beschlossen, die Liquidation aller jüdischen Chederim in Rußland endgültig zu bestätigen. Wird nun die brutale Unterdrückung den bolschewistischen Machthabern gelingen? Lrögrmng Sonntag, 6. Mrr, morgens 10 Uhr! CüTC Mel Zeil 39 Restauration nach Wiener Art "120 Das Lokal wird vollständig und vornehm renoviert und mit guter Ventilation versehen. Mein Bestreben wird sein, meine verehrten Gäste aufs aufmerksamste und beste mit Ia. Speisen sowie Ia. Gebäck und Ia. Getränken zu bedienen. Tel. H. 9607- I1OMS Spiegel. — Ab 4 Uhr nachmittags Konzert. — J Grez Israel. * Luzzalti zur Paläftinafrage. Der ehemalige italienische Ministerpräsident Luigi Luzzatti richtete an die jüdischen Arbeiter Palästinas ein Schreiben, in dem es heißt: In Palästina müssen die Jude» die Landwirtschaft allen anderen Berufen vorziehen, um das Land wieder zu dem zu machen, wie es in der Bibel geschildert wird: ein Land, das von Milch und Honig fließt. Die landwirtschaftlichen Arbeiter sollen sich immer mehr und mehr zu genossenschaftlichen Gruppen zusammenschließen, die eine volkstümliche Kreditbasis haben. Nur aus diese Weise kann den auf genossenschaftlicher Grundlage Vereinigten geholfen werden. Nur dann wird es keine Armen geben und die Arbeiter werden die Früchte chrer ehrlichen Arbeit genießen. Schreiber dieser Zeilen, die aus vollem Herzen kommen, ist bereit, obwohl 80 Jahre all, die landwirtschaftlichen Genossenschaften zu unterstützen, wie er seinerzeit in seiner Jugend derartige Gesellschaften in seinem Vaterlande Italien unterstützt hat. Man mutz den Juden Palästinas raten, sich vor der in unserer Rasseneigenschaft steckenden Gefahr in acht zu nehmen: Mutlosigkeit während eines Unglücks und Großsprecherei in Stunden des. Glücks. Keine Unterdrückten und keine Unterdrücker — das muß das politische, ökonomische und moralische Programm der Juden Palästinas sein. Die Augen aller Juden sehen auf Palästina. Die unterdrückten und verfolgten Inden sehen dort das Tor der Erlösung. Die ^glücklicheren, die ihr Vaterland lieben, weil es sie wie eigene Söhne behandelt, auch diese sind um das Schicksal ihrer Glaubensgenossen in Jehuda und Jerusalem besorgt. Wir dürfe» nicht einen Augenblick vergessen, daß wir es waren, die sich, während der ganzen Zeit der Galuth immer sür die Gerechtigkeit aufgeopfert haben. Um erlöst zu werden, müssen wir selbst am Tage der Erlösung gerecht und demütig fein. Möge doch in Palästina die Sonne des Tages aufgehen, an dem Juden, Christen und Mohammedaner, durch gegenseitige Wertschätzung vereinigt, ihrem Gotte dienen, und chr Wunsch sei nur das allgemeine Wohl und das Recht der Entrechteten. Alsdann erst wird die Menschheit den wahren Frieden finden, der nicht durch Krieg, sondern durch Liebe erreicht wird. Deutsches Reich. Zur Mazzosversorgung. Die „Zentrale für Mazzosversorgung, G. m. b. H." in Frankfurt a. M. schreibt uns : „Der Herr Reichsminister für Ernährung und Landwirt-, schaff hat sich infolge der ihm vorgebrachten Klagen der jüdische» Bevölkerung über die Unzulänglichkeit der bisher ffir big Mazzosherstellung zum nächsten Pessachfeste. Nr. 9. Weltberfthmbsind L. Fassbenders Kaiserstrasse 82. von der Reichsgetreidestelle bereitgestellten Mehlmenge ver. anlaßt gesehen, eine weitere Mehlmenge für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Wir sind hierdurch in den Stand gesetzt, die Kopfanteile Höher zu bemessen, als in unseren, Rundschreiben vom November in Aussicht gestellt werden konnte. Unter dem Vorbehalte, daß es ohne Zwischenfall möglich sein wird, die verfügbare Mehlmenge zu verbacken, setzen wir hierdurch im Sinne von Ziffer llll der „Grundsätze für die Herstellung und den Vertrieb von Mazzos (Osterbrot) nach ß L! Abs. I der Reichsgetreideordnung für dir Ernte 1920" den Kopfanteil wie folgt fest: Bestellschein A: lVa f fnnb, Bestellschein B: 2 Pfund. D ie Lieferung von Mazzos an die Berbrauchei wird den Bäckereien vom heutigen Tage an freigegeben Gleichzeitig wird bekanntgegeben, daß die Reichsgetreibcstelle im Interesse der Mazzosverbraucher mit Verfügung vom 16. Februar N ä - N o. B- 100 eine Abänderung der Besttmmungen über den Abzug der Brotmarken vorgenommen hat. Diese Verfügung ändert Abs. lll Zifs. 5 der oben erwähnten „Grundsätze" dahin ab, daß die Brotkarte um diejenige Brot menge (nicht Mehlmenge) gekürzt wird, die der bestellten Mazzosmenge entspricht. Dü Kommunalverbände haben den Verbrauchern die Brotkarten bei der Ausgabe derart zu kürzen, daß für je 100 Gramm Mazzos 100 Gramm Brot (nicht Mehl) in Ansatz zn bringen sind. Etwa sich ergebende Markenbruchteile werden zu Gunsten des Verbrauchers abgerundet. Die Kommunalverbände sind durch die erwähnte Verfügung vom 16. 2. entsprechend benachrichtigt worden. Mit Rücksicht auf den höheren Preis der neu zur Verfügmig gestellten Menge hat sich eine Abänderung de, Höchstpreise notwendig erwiesen. Diese betragen nunmehr: für 1 Pfund Mazzos 5.— J6 für 1 Pfund gemahlene Mazzos ü.20 'M Deutsch-Oesterreich. 8«r AuSweisuugSpraxiS. Die Wiener Morgenztg. schreibt: „Unsere Behörden finden es für gut, von Zeit zu Zeit zu versichern, daß die Ausweisungen de, O st j u d e N aus Wien mit größter Humanität vorgenommen werden, und daß auf produktiv tätige Element! besondere Rücksicht geiwmmen werden soll, hat Bürgermeistei R e u m a n ik wiederholt feierlichst versichert. Es wird u»- durchaus reicht wundern, wenn unsere Delegierten Eichhoff und Tarnoczy dem Völkerbundra t, welche, sich mit der Ostjudenfrage demnächst* zu beschäftigen habewird, dasselbe versichern werden. Wie wenig sich die Selbstherrlichkeit unserer Behörden um irgendwelche Grundsätze kümmert, und wie sehr sü auch in solchen Fällen ihre ganze Brutalität wallen läßt wo von der Berufung auf die Wohnungsnot keine Rede fein kann, beweist ein uns letztens bekanntgewordener Fall. Der Mann, um den es sich handelt, ist ein Schneider, gehört also nicht gerade zu der Klasse der „jüdischer Schieber". In wie hohem Grabe er die Wohnungsno! vergrößert, geht aus dem Umstand hervor, daß er mit seiner Angehörigen sich in den Besitz eines Dachbodenzimmers mit zwei anderen Familien teilt! Trotz allem hat die Behörde diesen jüdischen Kriegs- Millionär wie .einen Landstreicher ausgewiesen uni alle seine Einsprüche sind bisher erfolglos geblieben. Itu die Sache aber besonders interessant zu machen, sei itod mitgeteilt, daß der Mann seit Monaten bei der polnisch« Gesandtschaft zu einem Heimkehrertransport angemeldet st und auf die Möglichkeit der Heimbeförderung wartet, di er aus eigenem die Kosten der Heimreise für sich und du Seinen nicht aufzubringen vermag. Der Mann hat als» neuerdings um Äufenthaltsbewilligung für mindestens drei Monate angesucht, bis zu welcher Zeit er die Heimbeförderung mittels des Sammeltransports erwartet. Daß sei, Gesuch hei der gegenwärtig herrschenden Praxis Aussich auf günstige Erledigung hat, ist wohl kaum anzunehme»' Pole«. Der Fall valachowlez. Wie das Jüd. Korr.-Büro meldet, hat die Jnterpells tion der jüdischeie Sejmabgeordneten wegen Uebergabe de Generals Balachowicz an ein Kriegsgericht auf di polnische Regierung nachhaltigen Eindruck gemacht. Wie uw weiß, hat Balachowicz in den Herbstmonaten des vorige' Jahres fürchterliche Judenschlachtereien in wolhynischr Städten inszeniert. Es sind in letzterer Zeit weitere Einzel hefte» bekannt..geivorden über die entsetzlichen Greuel, di die vertierte Soldateska des Mordgenarals unter seine persönlichen Anleitung an der jüdischen Bevölkerung vci übt hat. Die polnische Regierung soll nun geneigt feit ir STen eröffnet! -m* Cafe Schneider, Zeil 4 Konditorei feinster Backwaren. Spezialität: Pratiaös,

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