Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1921)
- Date
- 1921-02-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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SÜ; 8. Neue JMctze tzrejte. Seit»LA kür kpystkschgs.Ausfahrluitz krlttniiert Düyseläorf 1902 HotfemeHoIerel feinen Anstrich n. Lackierung fahrt preisweit aus. In. Referenzen. —— W . Beobter Hochstrasse 59. Tel.H 8886. Atelier Scb&fergasse 15. da-das, nmerikanische Konsulat die litauischen und weißrussischen Päsje nicht anerkennen will. VreSlan. Im verstossenen Jayre traten hier 40 Pe-r s^n-en ans hem Judentum aus, von denen 1-1 zum Christentum übertraten-, -17 w e i b l i ch e u. m ä » nl vd} c P e-r son e u traten zum Judentum über, — sicherlich-insolge Heirat. - An der Alten Shuagoge wurde Meyer Heß ans S ch l n ch t e r n . als Zweiter Kantor aiigestelit. ürefeld. Frau Abraham Herz, deren Mutter 102 und. deren-Großmutter 106 Jahre alt wurde, beging den 03. .Ke bu rt St a g. Nürnberg. Die hiefige „Ortsgruppe" des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüd. Glauben-; erließ eine Erklärung gegen Professor Bohneberg, der die erlogenen ^.Geheimnisse der Weisen von Zion" seinen Zuhörern als Wahrheit hinMlte. Die Ortsgruppe hat zwei Preise von je 5000 Mk. für den Nachweis ausgesetzt: 1. > der. Wahrheit dpr in obengenannten Pamphlet rarge brachten Beschuldigung der Jude», 2. .-daß „bei dem Münchener Geiselmord irgend eine jüdische Organisation, eine jüdische Stelle oder eine jüdische Persönlichkeit, die als- .-Vertreter der jüdischen Bevölkerung anerkannt wäre, direkt oder indirekt beteiligt war." Korst (Lausitz). In der Synagoge wurde eine @e> denktasel-für die hiesigen gefallenen j üdische n Krie ger eingeweiht. Prediger P u lv ermwnn^-hielt die Rede. -Tie Feier nahm einen sehr stimmungsvollen Verlauf.. -- Luxemburg. Cd. <8 o l f in s o b n au8 Pesach Tikwa (Palästina) hat das - Köichgsberger Oberkantorat abgelehnt, und., demRuf der -hiesigen Gemeinde Folge geleistet. 4$tea-. Im 80. Lebensjahre verschied Regierungsrat Ignatz Wilhekm.'ber sechs Jahrzehnte hindurch die offiziöse ^.Korrespondenz Wilhelm" herausqab. A. II. Thyssen Stets Eingang MT Neuheiten in Tapaten "HDU Teppiche Läufer Verlagen 20 Nene Mainzerstrasse 20 Ecke Weissfrauensfarasse. Telefon: Hansa 1784. Budapest. Nach der sangst angenommenen Volkszählung zählt Budapest unter seinen 925 000 Einwohnern nur noch 23°« Juden, gessen 33 °o. bei der vorigen Zählung, Araukfurter Berichte. Dr. Alfred Apfel im Montefiore-Berein. Endlich war das Sehnen vieler junger Juden FcainfuciS zur Tatsache geworden, — Dr. Als red Slvfel kam und sprach über die Palästinasrage. Silles war da; und obwohl man eigentlich'wenig Reklame gemacht hatte, so waren doch selbst Leute von außerhalb des Frankfurter Weichbildes erschienen, um den ersten Vorsitzende» des Verbandes der neutralen Juaendvereinc zu hören. \ Redner bezeichnet,: Leu 23. Januar 1021 als ein-’» Tag, der von historischem Wert und Interesse für die gesamte deutsche Judenhcit gewesen sei, der alle jüdischen Brüder Liberale, Zionisten und sogar selbst die Treuiiungs- - orthodoxie znsammeiigcsührr habe, und daß eine solche Einigung aller Juden unter Außerachtkassiing aller Porteigegensätze eine Tat war. die ganz und gar im Sinne aller Juden der neutralen Verbände sei. Er warnte drin-- gend davor, Gegensätze, die gar nicht zwischen den einzelnen Richtungen bestehen, zu konstruiere». Was die Palästinasrage betrisst, so sei sie keine Frage einzelner' Parteigruppen Mehr, sondern eine die die gesamte Indenheik heute beschäftige und beschäftigen müsse. Er sprach; von den großen Vorteilen, die die Anhänger deS Zeutralrereines deutscher Staatsbürger jüd. -Glaubens, den er für reformbedürftig hält, von der Verwirklichung der zionistischen Idee, insbesondere durch die damit verbundene Zitrückschraubung des Antisemitismus habe, und daß infolgedessen sich heute die größten Zionistcnsresser damit, beschäftigen. Die Zionisten, die selbst durch die größten Hindernisse, - die man ihnen in de» Weg legte, nicht abgeschreckt wurden, stehen jetzt vor der Erfüllung ihres heißersehnten Wunsches, und es sei die Pflicht aller Juden, sie zu unterstützen, denn die Verhältnisse sind augenblicklich die denkbar schlechtesten, um die Gelder aufzubrtngen, durch welchle in Palästina ein indisches Gemeinwesen erstehen könne. , " Man sollte allerdings unsere Interessen ebenfalls re-- spektteren, meinte Dr. Apfel; wir achten ja auch euere Ziele uttd Bestrebttn.qen, und als opferbereite- Juden wollen wir euch helfen, Palästina aufzubaucu. - Wir alle, wir Jungjüdischen Leute, neutral können wir uns nicht nennen, da der Einzelne auch iticht neutral sein kann, nochdazü, wenn er jmtsg fühlt und denkt. Wir mack>en einen Strich unter alle Kämpfe und Zwistigkeiten, die uns Jahre. lang getrennt haben. Referent erwähnte sodann alle jüdischen Jugendverbände und erläuterte ihre Stellung. Die größte Aus-- gabe, die er den Leitungen der Vereine stellt, ist, die Jugend zu bewußten Juden und stttlichen Menschen zu erziehen., - - : In dem überfüllten Saale herrschte während der Rede feierlichste Stille, und seltsam hohe und hehre Schwingungen schienen sich; vom Redner zu uns zu bc- - wegen, und es trat wirklich ein, wie es' unser Führer wünschte. Nationaljuden und solche andere Parteischattieriingen gaben sich freundschaftlich die Hand und fühlten, bah das gemeinschaftliche Judesein über all der Trennung innerhalb der Judenheit hoch erhaben stehe. Noch viele bekundeten die Stimmung und oen Geist, den Dr. Oiienbaciier Drncklait-Anlage Offesbaoh a. H. Telefon 123. Unübertroffene Tepplehrelpigsng mittelst Druckluft Alfred Apfel in uns zurückgelassen ijatttv am Red-- nerpult. darunter Fritz Schwarzschild und Erich F r o m m, durch die das vielleicht neue Verhältnis in den beiden Verbünden deutlich zu fühlen war. Haut Eppstein, Ludivigshafeu sprach das Schlußwort/. iNden« er .sagte, daß wen» auch die Fahnen eingezogen' werden' sollen, nicht die einen zu den andern' überschwen'keck dürien: fondelu obwohl uns viel Gemeinsames verbindet» bliebe dock, ein jeder auf. seiner Linie. - Siegfried Stern I. I. W. B. Personalien. J>: Frau Justine Rothschild wurde am 20. Februar eine Fra» zur Ruhe bestattet, die, ohne je' in.üic Oeffeyttichteit getreten zu sein, in einem großen Kreise eine fühlbare Lücke hinterläßt als eine der immer selten werdenden jüdischen Frauen, die cs einfach aus ihrer irciblichcii-jüdischeu Eigenart verstanden hat, immer'die. Gebende zu sein. Mit zuverlässiger Treue lebte sie dem' ron ihr übernoinineneir Pflichten und war ben einst Junge» in der Frankfurter Wohlfahrtsarbeit ein erhebendes Beispiel selbstloser Güte und Bescheidenheit. In der Suppe u a ii st ak t half sie seit deren Bestehen, in der Frcküe nvereioi igung der Frankfurtloge war sie ein stets bereites Mitglied des sozialen Komitees, der Haushalt u » g s s ch u l e u. der F l i ck s ch n l e lieh sie ihre gute» praktische» und technischen Kenntnisse, unermüdlich' -nt der Arbeit der Weiblichen Ffttsor.ge, unerreicht und rührend bis in ihr hohes Alter war ihre' Betätigung im Mädcheuklub. Dort war sie jung. mit den/Jungen und überall unermüdlich bis auch für sie die große erlösende Müdigkeit kam- Wer ihr im Leben nahe gekommen war, wird Frau Justine Rothschild ei» ehrendes' --Andenken bewahren. «leine Rottzea. Wie die Agudas Jrsroel Orr ». -I n g eli i» ii p-p e mitteilt, B reu e-r. ralt Wie-der Verein „Tiseres Bachürim".Jwii^^,. teilt, spricht Samstag, den 5. März^ abends im Voltsbildnngsheim, Saal V, Edwin Feist'über „Reise ein drücke in Palästina" und beginnt Sonntag, den '27. Februar, abends Uhr . im Vereins-: lokale Langestraße 33 Rechtsanwalt A.- Horovitz mit Ostend - jftpothehe H. Ploclimann, Verwalter - Hanauerlandstr, 2 Telephon:. EWM Rasieroulver ')e^eE8 bewährt, zahlreiche $n- «rkmnongen, Proben gratis. Jüdisches Künstlertum «nd Gx-reffionismns. Von Alfred Jacob. ,', Die folgenden Ausführungen wollen den , inneren Zusammenhang zwischen modernem jüss dischem Künstlertum und europäischem Expres- . sionismus aufzeigen und eine Analyse des typischen jüdischen Künstlers der Moderne als eines „expressionistischen" Künstlers geben. Obwohl wir eine solche Deutung der moderncu . jüdischen Kunst nicht für durchweg angängig - halten — man denke nur an die' ganze ost- ~ : jüdische Literatur — und auch sonst nicht mit allen Einzelheiten des Auffatzes rinverstande» sind, geben wir ihn denninh; wieder, weil er .; uns als ein interessanter Versuch zur Erkenntnis moderner jüdischer Kunstproblemr erscheint. Solange der religiöse Mensch ''G'ott els ALinhrit dev Welt und seiner eigenen Wesenheit erlebt, wird er aus seiner mysttschen Fülle letzte und tiefste Weisheit zu erkennen-und zu erfüllen vermögen, niemals aber die Welt alS-Aünstlerisches Gebilde gestalten. Demi Kunst entspringt immer aus einer problematischen Einstellung zu den Dingest, aus einem»Gegeneinander-Auswirken der ErkenutniSkräfte, sie ist das krönende Einswerden von Individuum unb-l«rsch«inungswelt. .' Die. Religiosität der, Kunst ist eine Religiosität der Jntesttton, .ein. Gerichtetsein. auf, das Göttliche; die Religiosität der Weishett (der Philosophie) aber das ErsüNtsein vom Göttlichen. . -Darum ist (in den,Extremen/ das religiöse Gefühl die Grustdlage sür die Erkenntnis der Dinge: für die Gestaltung; der Dinge aber ist sie Ziel. Daß die Werke, die aus der intensiven Weite des Gott-Erlebens aufwachsen, nur Zeichen der Weisheit, nicht aber künstlerische Bildungen sind, zeigen die Boltsinärchen aller Völker, zeigt in jüngster Zeit das Werk des Inders Tagore, zeigt unser größtes Denkmal ursprüigp licher, gottvcrbundener 'Einsicht: unsre Bibel;- mir an den Stellen, wo das Ällgebundensein dem individuellen Willen weicht, b'ahnt sich Kunst an: Koheketh und Hiob. Ter Beginn solch neuer wesenhäfter Einstellung bcdeuiet die Grundlage einer eigenen Kunst, einer eigenen Literatur. > Hier spaltet sich die Einheit des Welt-Erlebens: Das Schäsfe» schwingt zwischen den Polen deZ Aesthetischen, Siiinlich-Ersaßten und dem EthoS, dem Willen z.r.-.i 'Absoluten; das erste aus Blut und Temperament emporwachsend, das zweite von uralter ' Seelenkuliur geboren. Reibung beider Extreme prägt das jüdische Künstlertum zu eigener Gestalt, macht seine Schasfenseigenart romantisch;' romantisch, weil sie aus dem Chaos Nahrung empfängt, im Gegensatz zum klassischen Prinzip, das aus der Harmonie heraus gestaltet. Diese ^romantische Wesenheit bringt eine Fülle von Erscheinungen hervor, aber nur eine begrenzte Zahl wirklicher Schöpfungen. Denn sie gestaltet das Erleben und seinen Ausbruch intensiver, vollendet sich aber nur da, wo die feindlichen Elemente über sich hinaus wachsen, sich verschmelzen. Denn auch das roinantische Werk erlangt dann erst Ewigkeitsprägung, wenn es in die Sphäre des Harmonischen ragt. . Solch extrem gerichteter künstlerischer Genius schwingt m Zeiten höchster Spannung am stärksten mit; in'Zeiten ttefsten Drucks gebiert sich das, -Ethos neu; in Zeiten der Befreiung und des Neu-ErwacheuS verklärt sich die sinnliche.Pracht der Welt. Unter diesem Gesichtswinkel haben wir die spanische. Dichterperiode zu bettachten, die. aus dem ästhetischen' Erlebnis der Vollendung zureiste; unter diesem Gesichtswinkel werden wir die junge jüdische Kunst zu 'betrachten haben, die sich in unseren Tagen anbahnte, deren, Träger weit mehr als es das modische Schlagwort Meint, ..Expressionisten" sind. Der Expressionismus ist eine durchaus romantische Bewegung; von der Strömung der eigeiltlichen Romantik unterscheidet er sich bloß durch die Richtung seiner Entladung. Grundlage für beide ist die Konzentration auf die Seele, in der sich der absolut: Sind aller Erscheinungen fängt. Ist diese Einstellung ein Nür- Hipgegeben-Sein, ein tiefes Belauschen innerer Sttmmen, ist sie „passiv", so gewinnt sie Gestalt in der Lyrik 'eines, Heine; ist sie aber „aktiv", ein Aüfbäumeu und Hinnns- . schleudern innersten Me'nschentnms, so ersteht ,'ie tu den Versen Werfels, .. . : SWS Das jüdische Künstlertum mutzte seiner eigenen Wesen---- heit nach den-Weg von der passiven zur aktiven-Romantik, der der Weg deS künstlerischen Europa in den-letztenhundert Jahre» war, am intensivsten beschreiten,-- mußte diese Inhalte am reinsten erleben. Denn der jüdisihe- Künstler begriff sie wie ein erwachender junger Mensch' alS neu und einmalig; für ihn kam noch keine eigene jüd i s ch e Spannung hinzu: erst die der Emünzipatton" mit' ihrem notwendigen Extrem der 'Assimilation, darm-der" Rückschlag, der, mehr als dies, ans dem Schöosrrtnm des' Bluts emporwuchs: der Zionismus. - , - Dies besondere Erfassen der Zeit oewirtt eine eigene Answl'rkulrg des jüd. Künstlers den künstlerischen Zeit-- Problemen gegenüber. ‘ . - - Ten vier Typen voll schöpferischster Eigenart «r derroinanlischen Entwicklung hat ihr Judentum eine b'eson-- dere Prägung verliehen: Dem jüdischen expressionistischen * Dichter, Literaten, Kritiker und Schauspieler. Tie Richtung des Dichters wächst hier durchweg-ausdem Ethischen heraus, aus Extremen, die sich schöpstrisch - verbinben: egozentrischer Selbstproblematik (Kornfeld),- re-" ligiösem Atlhingegebensein (Werfel) inid brünstigem- Gottes-» ringen (Brod). Tie Art, in der diese Dichiter die religiöse- Spannweite der Seele zur Grundlage des Menschheits-- und' Gotreserlebnisfes machen, in der sie die Frage der Zeit' zur Ewigkeitsfrage gestalten und in ihrer Einstelkuntz Europa verneinen, ist durchaus jüdisch; und all diS 'ist erst die wahre Grundlage ihres Schöpfertums.'' Der schöpferische, intuitive Krittler ergänzt dew-Di«h- ' ter; Kritik vermag ebenso eigenschassend, produktiv zusein wie. die eigentliche Kunstschöpfmig. Der Künstler^g--' staltet die Welt zu seinem Werk um, der Krittler - siehtim Werk wieder die Welt, erlebt als» den' rezivrokdn - Schaffensprozeß. Jeder intensive Mensch ist sowohl Künst--- ler als Krittler; es kommt nur darauf an, ob' dir' ästhetifcki-bildnerifche Seite oder die nachgestaltend- - erkennende stärkere Eigenprägung zeigt. ' -'' Dieser Krittkertyp. ist durchweg romantisch; dennins Klassische übersetzt hieße er nicht Produktton, sondern' Kathederwissenschaft, nicht Synthese sondern Analyse, nicht gefühlsmäßiges Denken, sondern'G'ehirnmechanik.-Er würde sich aus das Speziell-Tatsächliche beschränken^ und nieht das Ewig-Menschlische spiegeln.